Isolde hat geschrieben:Mein Orthopäde nennt das "rebellische Skoliose" - kommt bei 1-2 seiner ca. 80 Skoliose-Patienten im Jahr so pregredient vor.
Ja, die gibt es, welcher Arzt sieht sich aber in der Lage die zu diagnostizieren? Dafür muss man nämlich wissen welche Skoliosen die leistungsfähigsten Orthopädietechniker korrigieren können und welche nicht. Man muss schon ziemlich eng mit einem entsprechenden OT zusammenarbeiten.
Wie heißt denn der Orthopäde?
Es gibt ein verschiedenster Literatur (z.B Dr. Weiss, "Mein Kind hat Skoliose" und Dr. Harms "Korsetttherapie) welche eine nachgewiesene starke Progredienz (Verschlechterungstendenz im Jugendalter) als unbedingte OP-Indikation bewerten.
Bei Dr.Weiß garantiert nicht! Der empfielt, wenn die Krümmung mit Korsett zugänglich ist, auch (oder gerade) bei progredienten Skoliosen diesen geringen Ausmaßes Korsett-Therpie, und zwar bis zu 60 Grad.
Dr.Weiß hat ja immerhin einige Erfahrung mit Korsetten, Prof. Harms hat meines Wissens nach aber keinerlei positive Referenzen für Korsett-Therapie.
Allgemein kann es dagegen als bewiesen angesehen werden, dass eine stark progrediente (zunehmende) Skoliose durch eine Korsettversorgung letztendlich nicht zu beeinflussen ist!" (siehe Datei-Anlage).
Nimmst du mich als Beispiel, und schon ist der "allgemiene Beweis" im Eimer.
Ich hatte eine Verschlechterung von 26 Grad innerhalb eines 3/4 Jahres auf 58 Grad. Mit 13 Jahren dann Korsett-Versorgt und 2 Jahre nach kompletter Korsettabschulung ca. 40 Grad Restkrümmung.
So, jetzt mussen wir es nur noch wieder zurück auf die 60 Grad schaffen und noch mehr als das, weil die 60 Grad von damals fand ich schon nicht überzeugend genug, mich dafür einer Operation zu unterziehen.
Im Endeffekt lässt man sich in der Regel auch nicht wegen der Krümmung operieren, sondern wegen Schmerzen, und die treten unabhängig von der Krümmungsstärke auf. Eine 80 Grad Skoliose kann vollkommen schmerzfrei und uneingeschränkt sein, während es eine 20 Grad Skoliose nicht ist. Schmerzen ist der Hauptoperationsgrund, die keiner voraussagen kann, nicht die Krümmung, weil die ansich nichts macht.
Wichtig ist hier das Wort "letztendlich", d.h. dass selbst bei super Korrektur über Jahre nach der Abschulung eine Verschlechterung eintritt, die dann im Erwachsenalter oft zur OP führt.
Auch ein Dr. Harms würde im Übrigen seine Aussage relativieren, wenn eine 40 grad Skoliose um 20 Grad nach Korsett-Abschulung korrigiert wird.
Das müsste dann nämlich eine ziemlich große Verschlechterung sein. Dafür müsste sich zunächst mal die Korsett-Korrektur komplett zurückbilden, das dauert Jahrzehnte wenn überhaupt, plus noch eine Verschlechterung über den Ausgangswinkel vor Korsett-Therpaie hinaus stattfinden, weil 40 Grad ja noch lange keine OP-Indikatin sind. Wegen so einer geringen Krümmung legt sich ja keiner freiwillig unters Messer.
Also, hier so eine Vorhersage über 30, 40, 50 Jahre zu machen, dass es dazu sicher kommen wird, ist etwas gewagt wenn es sich um hochkorrigierende Korsette handelt.
Papier ist halt geduldig und außer mehr Geld in der Kasse macht es ja nichts, wenn man mal was falsches publiziert.
In jedem Falle bringt es aber eines, nähmlich Zeitgewinn. Die Methoden verbessern sich mit den Jahren und man gewinnt Jahrzehnte, in denen man seinen natürlichen Verschleiß auf alle Wirbel verteilen kann, anstelle auf nach der Operation besonders stark die angrenzenden.
Wir brauchen nur 15 Jahre zurückdenken. Da war es noch die Harrington-Methode mit 3-monatigem Klinikaufenthalt und 1-jährigem Gips. Heute geht das alles viel schneller.
Isolde hat geschrieben:Die rechtzeitige OP zieht diese Versteifung einfach vor und kann letztlich mehr Restbeweglichkeit erhalten, da jetzt nur ca. 5 Wirbel betroffen sind.
Hier im Forum gibt es verschiedene Beiträge die dies mit persönlichen Berichten bestätigen und wir haben auch einige Stellen gefunden in denen beschrieben wird, dass selbst Herr Rahmouni diese Einschätzung teilt.
100%ig nicht, wenn die OP dann nie stattfindet!
Thomas hat geschrieben:Ich würde auf jeden Fall eine Korsett-Therapie versuchen. Bei einer solchen Therapie ist eine engmaschige Erfolgskontrolle wichtig. Wenn Ihr seht, dass sich Deine Wirbelsäule tatsächlich durch ein gutes Korsett nicht begradigen lässt könnt Ihr Euch immer noch für eine OP entscheiden! Bei einer Progredienz von 1° pro Monat hättet ihr hierfür auf jeden Fall noch Zeit!
Ich würde es dann schon von Dr. Hoffmann in Stuttgart überprüfen lassen, denn der ist ein OP-Freund! Wenn es sich tatsächlich um eine mit Korsett nicht zugängliche Skoliose handelt (zum Beispiel unter dem Schulterblatt), wird er das sagen.