Schnecke007 hat geschrieben:wenn als Lehrerin ich an der Schule einen Schüler sehe, der offensichtlich unter Skoliose oder Hyperkyphose/-lordose leidet, soll ich ihn darauf ansprechen?
Absolut, stell dir mal vor, der Schüler weiß nichts davon. Was meinst du, wie viele erst mit 60 Grad das erste mal diagnostiziert werden. Dann ist ja schon fast alles zu spät.
Ich würde ihr/ihm auf alle Fälle sagen, du hättest gesehen, dass er/sie eine Skoliose/Kyphose hat, und du wolltest mal fragen, in wie weit er/sie dafür denn in Behandlung ist, weil du hättest Fälle erlebt, bei denen sich das während des Wachstums ganz schnell rapide verschlechtert hätte, obwohl die Skoliose schon seit Kindheit bestanden hatte und sich ganz gut gehalten hätte, und das halt, weil diejenigen entweder garnicht in Behandlung waren oder in schlechter Behandlung, es wäre gar nicht so bekannt, dass die meisten Behandlungen, die gegen Skoliose durchgeführt würden, in wirklichkeit für die Katz wären. Deswegen wolltest du mal nachfragen.
Sei halt einfach ganz offen und sag deine Beweggründe dazu. Das ist ja eigentlich die Message, die du rüber bringen willst, dass das behandelt werden muss und dass es nicht von irgend jemandem behandelt werden kann. Du willst demjenigen ja nicht lediglich mitteilen, dass du es gesehen hast.
Dazu möchte jemand, der schon weiß, was er hat, wahrscheinlich nicht ständig darauf angesprochen werden.
Da müsste der oder diejenige aber schon eine deutlich sichtbare WS-Deformität mit Rippenbuckel haben.
Damit wird dem Jugendlichen ja signalisiert, dass sein Rücken auffällt, was bestimmt das Letzte ist, was man sich wünscht.
Auch da kannst du dazu sagen, dass du dafür ein Auge hättest weil du selbst betroffen bist und es nur deshalb gesehen hättest.
oder auch deren Eltern?
Ja, das finde ich zusätzlich sogar noch besser, weil wenn du da ankommst mit Korsett, dann erzählt der Schüler zu Hause aus lauter Angst, so was dann zu bekommen (man meint ja das braucht man nicht, geht ja bis jetzt auch ohne), gleich gar nichts.
Wenn ja, wie und in welcher Form wäre Euch persönlich das am angenehmsten?
Ganz offen, dass du das gesehen hättest, ob der Schüler davon weiß. Dass du das selbst hättest und daher irgendwie mehr sensibel als andere wärest und dir solche Sachen deshalb auffallen. Und dann halt losfragen, wie wir das hier auch machen, ob er/sie die Gradzahl wüsste, ob er/sie in Behandlung ist usw. Und wenn du meinst, erkennen zu können, dass die Behandlung nicht ausreicht, dann erzähl einfach, was du von anderen weißt, was denen passiert ist, und dass sie sich wirklich um bessere Behandlung kümmern müssen, weil das ganz schlimm ins Auge gehen könnte. Und sag ihnen direkt auch wie. Kannst ja einen anderen Tag was ausgedrucktes mitbringen.
Es ist dabei auch immer gut, wenn du die aktuelle mangelhafte Behandlungssituation als einen bekannten Fakt hinstellst, und damit gleich die Meinung irgend eines niedergelassenen Orthopäden oder auch von Orthopäden in Universitätskliniken (sind meistens nicht viel besser sind) weitgehend entwertest und dich selbst drüber stellst, und den Schüler und die Eltern zur Selbstinformation anleitest.
Du bist als Lehrerin eigentlich in einer richtig schönen Position, weil du ein medizinischer Laie bist, und du deine Meinung zu den Dingen ganz offen äußern kannst, während zum Beispiel Physiotherapeuten oft viel mehr Probleme haben, den Eltern klar zu machen, dass das Korsett nichts ist, wenn es da einen Arzt gibt, in dessen Kompetenzbereich sie nicht hineinfunken dürfen. Du bist da wunderbar außenvor und hast genau die selben Möglichkeiten, Informationen zu geben, wie wir hier im Forum auch, ohne uns um die Empfehlungen der Ärzte kümmern zu müssen.