FPZ???

Fragen und Antworten rund um das Thema Skoliose
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

uschl hat geschrieben:Ich möchte hier mal anmerken, das ich dieses Forum sehr hilfreich finde und ihr seit auch etwas kritischen Stimmen gegenüber sehr freundlich und überzeugend.
Na klar, es ist ja unsere eigene (gewesene) Situation, die wir da kommentieren.
Ansonsten danke für das Kompliment. ;D

Gruss
Klaus
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Lynn
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Beitrag von Lynn »

Hallo Uschl,
es gibt bezüglich Schroth ettliche (!!!) Untersuchungen und Langzeitergebnisse. Wie konkret hättest du es gern? Du must wissen, dass es natürlich ein Weilchen dauert um repräsentative Aussagen herauszusuchen. Vielleicht hast du ansonsten ja auch Glück und kannst in einer Buchhandlung mal nach dem oben empfohlene "gelbe Buch" :) über Schroth schauen und mal etwas drin blättern. Da wimmelt es nur so von Langzeiterkenntnissen.

@Klaus:
[equote]Trotzdem mal die Frage, ob Du mit obiger Aussage meinst, dass z.Bsp. beim Rückentrainer (Lower Back o.ä.) der gesamte Rücken nach vorn eingerollt wird, auch wenn man das bei Kyphose nicht machen sollte. [/equote]

Ganz genau sowas mein ich. Und auch die Geräte bei denen man z.B. eine Rotation oder Seitneigung des Rumpfes machen muss um entsprechende Muskulatur bei Skoliose zu erreichen. Nach dem Prinzip Schroth sind ja derlei Bewegungen in die Krümmungen hinein streng verboten.

[equote]Ansonsten sind die FPZ Geräte im Prinzip auch nur Muskeltrainingsgeräte, die nach meiner Meinung zu Unrecht so dargestellt werden, als wäre das ein völlig anderes Prinzip. Oder?? [/equote]

Ja, hast völlig Recht Klaus, seh ich genauso. Das Prinzip ist sicherlich das Gleiche wie bei anderen Trainingsgeräten. Es ist nur so, dass diese eben auf dem neuesten technischen Stand sind. Natürlich macht sie das besser! Die Geräte sind tatsächlich die Marke "Mercedes unter den Fitness-Geräten". Die große Frage ist aber doch, ob das auch für uns Wirbelsäulendeformierten das Richtige ist.

Ach übrigens: die Geräte zur Seitneigung und Rotation der WS werden von vielen Fitness-Studios gar nicht mehr bestellt bzw. aus dem Programm genommen, weil intern das Gerücht umgeht, dass es zu Schädigung bei einigen Trainierenden durch diese Geräte kam. Fand ich ganz informativ.

Grüße, Ula
~ ehemals Ulaschatz ~
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Lynn
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Beitrag von Lynn »

nochmal an Klaus:
Falls du dich erinnerst hab ich ja mal eine E-Mail an Sobi bezüglich dem Sequenzquenztraining geschickt. Leider war die Antwort nicht informativ genug, so dass sie zu unserer Diskussion nichts beiträgt. Ich fürchte, so lange wir keinen heißen Draht in diese Richtung haben können wir im Moment nur noch Feststellungen bezüglich der Probleme treffen. Weiter können wir ja fast nicht kommen.
Ich finde auch, dass die Fragebögen von H.Beermann und deren Auswertung nicht wirklich signifikant sind. Wir stehen also im Moment irgendwie still mit ganz vielen Fragen :nein: Aber so ist das mit der Wissenschaft. Irgendjemand muss sich eben noch darum kümmern und wie ja auch Dr. Stephan schon bezüglich Erwachsenenkorsett und Kyphose gesagt hat gibt es noch sehr viele offene Fragen. Das Sequenztraining gibt es ja auch noch nicht so lange, oder?
Grüße, Ula
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo ula,
ula hat geschrieben:Von meinem Trainer wurde mir eiskalt prophezeit, dass ich in der Anfangsphase des Trainings wahrscheinlich sogar noch stärkere Schmerzen haben werde.
Soll das heissen, dass man nach Ansicht des Trainers dieses Training in der Situation Skoliose/Kyphose auch trotz der Schmerzen machen sollte, weil dann danach alles besser wird?
Sozusagen analog zum Korsett, der Eingewöhnungsschmerz?
ula hat geschrieben:Ach übrigens: die Geräte zur Seitneigung und Rotation der WS werden von vielen Fitness-Studios gar nicht mehr bestellt bzw. aus dem Programm genommen, weil intern das Gerücht umgeht, dass es zu Schädigung bei einigen Trainierenden durch diese Geräte kam
Ist damit auch die seitliche Drehung (in gerader Sitzposition, Rumpf bleibt mit fixierten Beinen vorn) gemeint, die man zur Stärkung der seitlichen Bauchmuskulatur macht?
ula hat geschrieben:Das Sequenztraining gibt es ja auch noch nicht so lange, oder?
Glaube ich auch, zumal Bad Salzungen ja erst ein paar Jahre besteht.
Aber dieses Training habe ich neben dem angepasten Training für den Rücken(incl. aller beteiligten Muskelgruppen) auch als allgemeines Fitnesstraining angesehen, was ja scheinbar von einigen im Gegensatz zu "Original Schroth" gesehen wird.

Gruss
Klaus
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Lynn
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Beitrag von Lynn »

Soll das heissen, dass man nach Ansicht des Trainers dieses Training in der Situation Skoliose/Kyphose auch trotz der Schmerzen machen sollte, weil dann danach alles besser wird?
Genau, das ist eine Theorie. Mir ist aber auch aufgefallen, dass derlei Aussagen hauptsächlich von denen getroffen wird, die wenig bis gar nichts über Schroth wissen. Dazu gehören leider auch einige Orthopäden. Ganz verwerfen möchte ich die Theorie aber nicht. Sie geht wohl davon aus, das die Rückenmuskulatur irgendwann in die Lage versetzt wird auch für Skoliose/Kyphose schädigende Übungen und Alltagsbewegungen auszugleichen. Dann hört der Schmerz auf. Aber das was ich über Schroth weiß lässt mich eben bis jetzt vor derlei Training zurückschrecken.
Ist damit auch die seitliche Drehung (in gerader Sitzposition, Rumpf bleibt mit fixierten Beinen vorn) gemeint, die man zur Stärkung der seitlichen Bauchmuskulatur macht?
Gerade diese Übung war gemeint. Ich hatte nämlich in meinem Fitness-Studio genau nach diesem Gerät gefragt, weil ich es zunächst unbedingt wollte. Aber wie gesagt, dass machen einige Fitness-Studios jetzt so untereinander aus und im Grund weiß ich nicht, was wirklich dahinter steckt. Aber ich habe seitdem die Augen auch in anderen Studios offengehalten und tatsächlich werden diese Geräte immer weniger.

Grüße, Ula
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo ula,

danke für die INFO's.
Ich werde mal vorsichtshalber die Rotationsübung mit weniger Gewicht und dafür langsamer machen.

Anbei doch mal ein Bild vom "Lower Back Gerät", mit dem ich trainiere.
Vielleicht fällt dem einen oder anderen noch etwas zum absoluten Einrollen bei Kyphose ein, dass beim FPZ Konzept und auch bei Novotergum empfohlen wird.

Anhand von Kyphose lässt sich das sicherlich einfacher verdeutlichen.

Gruss
Klaus

Ich mache bei dieser Übung übrigens zusätzlich einen Schulterzug nach Schroth, (Arme in der abgebildeten Position und Schulter nach aussen drücken), sodass beim Aufrichten Bauchmuskeln angespannt werden und die BWS/LWS nach innen gedrückt wird.
Sicherlich muss man den Kopf bei Flachrücken mehr nach vorn richten oder?
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Nautilus Rückentrainer, auch unter F3 bekannt. Steht bei Kieser und anderen Studios.
<br />Die vordere Position ist nach meiner Meinung bereits für meine tiefe Kyphose schon zu weit.
<br />Bei FPZ rollt man offensichtlich noch weiter ein!!
Nautilus Rückentrainer, auch unter F3 bekannt. Steht bei Kieser und anderen Studios.
Die vordere Position ist nach meiner Meinung bereits für meine tiefe Kyphose schon zu weit.
Bei FPZ rollt man offensichtlich noch weiter ein!!
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Trallala
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Beitrag von Trallala »

uschl hat geschrieben:Ich meine, es kann doch nicht nur Schroth dass alleinige Allheilmittel sein...oder?
Vielleicht nicht das alleinige Heilmittel aber das einzige krankengymnastische Konzept, das speziell für Skoliosen entwickelt wurde. Schroth arbeitet als einzige Methode asymmetrisch UND genau auf die jeweilige Skoliose abgestimmt.
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo Trallala,

Schroth arbeitet aber auch symmetrisch und wird deshalb auch bei Kyphosen eingesetzt.
Hier ist eine Kombination mit anderen Therapien, wie dem abgebildeten Rückentraining, natürlich besonders naheliegend.

Hallo ula,

das diskutierte vollständige Einrollen ist übrigens an der Maschine konstruktionsbedingt gar nicht möglich.
Und zur Torsion meinte meine Therapeutin, dass man das nur bei Bandscheibenvorfall nicht machen sollte.

Gruss
Klaus
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Lynn
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Beitrag von Lynn »

das diskutierte vollständige Einrollen ist übrigens an der Maschine konstruktionsbedingt gar nicht möglich.
Auch sehr interessant! Wenn ich dich richtig verstanden habe sind die Geräte an denen du trainierst physiothrapeutisch orientiert. Die Hersteller haben sich hier natürlich auch was gedacht (irgendwie das Gleiche wie ich mir denke wenn es ums Einrollen geht ;) ).
Und zur Torsion meinte meine Therapeutin, dass man das nur bei Bandscheibenvorfall nicht machen sollte.
Ich stelle mir eigentlich vor, dass man mit diesem Gerät bei richtigem Umgang nicht so viel falsch machen kann. Wahrscheinlich waren erwähnte Trainierende einfach nur zu motiviert, was die Gewichte angingen. Dann muss man natürlich noch sehr auf eine aufrechte Haltung und genügend Körperspannung im Gerät achten. Dann kann eigentlich nichts passieren - bei "Normalos"! Was bei Skoliosen passiert - das ist dann wieder der Streitfall! Wichtig fand ich nur, dass auch gerade dieses Gerät mit der nötigen Sensibilität benutzt wird.

Grüße, Ula
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Beitrag von Klaus »

ula hat geschrieben:Was bei Skoliosen passiert - das ist dann wieder der Streitfall!
Skoliosen können das nach Meinung meiner Therapeutin auch machen.
Allerdings ist sie keine Schroth-Therapeutin, sie macht zur Zeit so was wie Osteopraktik gegen meine Myogelosen.
Ich bemerke bei dieser Übung übrigens sehr schön mein Muskel-Ungleichgewicht (sekundäre Skoliose 15 Grad). Auf einer Seite kann ich 1-2 Drehung mehr machen.

Gruss
Klaus
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Wissenschaftliche Therapiebegleitung bei Novotergum

Beitrag von W.Beermann »

Hallo Ulaschatz! (Beitrag weiter oben)
Nur so viel zur Therapieevualation bei Novotergum:
Prof. Freiwald von der Universität Wuppertal begleitet wissenschaftlich unsere Therapie im Rahmen des IV-Vertrags mit der DAK. Derzeit nehmen über 200 chronische Rückenschmerzpatienten an diesem Projekt teil, darunten 10 Patienten mit einer Skoliose.
Unsere Datenbank wird ständig extern ausgewertet von einem Hochschuldozenten der Uni Bonn, Dr. Spalka, auf Plausibilität und Echtheit unserer Daten.
HG, W.B.
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Lynn
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Beitrag von Lynn »

Lieber Herr Beermann,
falls sie mich falsch verstanden haben: ich habe ihnen nicht ein einziges Mal Manipulation der Studienergebnisse o.ä. unterstellt!
Um eindeutige Aussagen treffen zu können finde ich allerdings, dass da sozusagen noch etwas fehlt - Langzeitergebnisse z.B., Aussagen der jeweils behandelnden Ärzte über Röntgen-/MRT-Aufnahmen (zumindest Stichproben) vielleicht.
Nicht falsch verstehen: ich finde es wunderbar, dass jemand sozusagen in diese Richtung der Rehabilitation "ermittelt" und einen Anfang macht. Es wird aber wohl noch ein paar Jährchen dauern bis man wirklich Tendenzen bezüglich eventuellen Weichteilschädigungen und späterer vermehrter Progredienz bestimmen kann.
Und eine ganz wichtige Frage: wie geht es den Patienten ein Jahr nachdem sie das Training bei ihnen abgeschlossen haben?? Leider kann man die Übungen an den Geräten schlecht zu Hause weiter führen.

Grüße Ula
~ ehemals Ulaschatz ~
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Lynn
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Beitrag von Lynn »

Ach und nochmal @ Herr Beermann:

[equote]Derzeit nehmen über 200 chronische Rückenschmerzpatienten an diesem Projekt teil, darunten 10 Patienten mit einer Skoliose. [/equote]

Wieviele dieser Patienten haben eine Hyperkyphose/ -lordose?
Ich war einmal der Meinung, dass es mehr als 10 Skoliosepatienten seien, aber da hab ich wohl was verwechselt. Schade, denn 10 Patienten finde ich für unsere Bedürfnisse (einem Skoliose-Info-Forum!) leider nicht ausreichend. Manche Wissenschaftler halten ja schon Studien mit einigen hundert Probanden für nicht representativ. Wie sollen wir hier eine Trainingsart weiterempfehlen, die nicht nur auf eine Befragung von 10 Skoliosepatienten basiert sondern auch noch den mehrfach bewährten Schrothkenntnissen schlicht widerspricht? Vielleicht können sie ja nachvollziehen, dass zumindest ich das noch nicht guten Gewissens tun möchte. Prinzipiell bin ich natürlich überaus interessiert an ihrer Methode und den Ergebnissen, aber Wirbelsäulendeformitäten und "einfache" Haltungsschwächen müssen einfach strikt unterschieden werden, finden sie nicht?
~ ehemals Ulaschatz ~
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Beitrag von W.Beermann »

Hallo Ulaschatz!
Bei uns haben bereits 125 Skoliosepatient/Innenen das Aufbauprogramm mit einer Kontrollanalysen mit sämtlichen Befragungen zum Schmerz, Alltag, Wohlbefinden und sämtlichen Messungen auf Beweglichkeit, Max.Kraft unf Ausdauerleistungsfähigkeit beendet.
Diese Daten werden vom Dr. Spalka, Informatikdozent an der Uni Bonn, auf Plausibilität etc. überprüft. Dies betrifft alle ca. 10.000 Rückenschmerzpatienten bei Novotergum.
Im Rahmen des DAK IV- Vertrages (Start 01.05.2006) werden bis jetzt 10 Skoliosepatient/Innen, die auch DAK versichert sein müssen, zusätzlich durch Prof. Freiwald wissenschaftlich begleitet.
HG, W.B.
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Beitrag von W.Beermann »

Hallo Ulaschatz!
Leider kann man den Erfolg der Therapie bei chronischen Rückenschmerzpatienten nicht im Röntgen-Bild oder im Kernspin nachweisen.
Daher verwenden wir wissenschaftlich validierte Fragebögen wie den 'Oswestry low back pain', den 'neck pain disability index' oder den 'Heidelburger Kurzfragebogen'.
Auch nicht mit uns zusammenarbeitende Wissenschaftler sind mit unseren Prüfverfahren hoch zufrieden. Unsere Patienten sind es auch.
HG, W.B.
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BZebra
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Beitrag von BZebra »

Um mal auf ein paar Fragen von Uschi zurückzukommen:
uschl hat geschrieben:Gerade bei Skoliose ist es schwierig, die Therapie zu finden die auch hilft. Ich finde es - sorry - befremdlich das diese Schroth Therapie hier derart hochgelobt wird und anderes überhaupt nicht erwähnt wird. Was ist z. B. mit Feldenkrais?
Gegenfrage: Was soll denn mit Feldenkrais sein? :confused: Das ist überhaupt keine Therapie gegen Skoliose! Bei Skoliose handelt es sich nicht um eine Haltungsschwäche oder Bewegungsstörung! Siehe Was ist Skoliose? - Definition. Skoliose ist eine teilfixierte Wirbelsäulenverkrümung, da liegen Veränderung im Bau, in den Strukturen vor. Feldenkrais ist viel zu uneffektiv dafür. Wenn das jemand als Therapie gegen Skoliose empfohlen hat, dann lag er damit ziemlich daneben!
Wie dem auch sei, ich habe gerade ein hochinteressantes und ausgiebiges Informationsgespräch im FPZ-Zentrum gehabt. Der Therapeut zeigte sich sehr offen und sachlich. Er riet mir, nach den jetzt noch anfallenden Arztbesuch, mal eine Analyse zu machen, um zu sehen wie es mit meiner Muskulatur aussieht. Er sagte auch direkt, dass er als FPZ-Therapeut Skoliose nicht heilen kann, sondern durch das gezielte Training Dysbalancen ausgleichen und so Schmerzen bekämpfen und max. den Krankheitsverlauf zum stoppen bringen kann.
Ich hatte auch solch ein Informationsgespräch, an dessen Ende mir der Therapeut dann aber gesagt hat, dass er natürlich angehalten sei Werbung zu machen und sich nicht negativ äußern darf; nicht sagen darf, dass die Methode ungeeignet wäre... er hat mir als Skoliotiker mit Schrothkenntnissen dann aber davon abgeraten, aufgrund seiner Erfahrung mit anderen Patienten, die schon eine Schroth Reha gemacht haben.

Die Methode enthält viele Elemente, insbesondere viel Seitneigung und Torsion, die kein Schroth Patient freiwillig machen würde. Sowas kann man nur komplett nichts ahnenden Skoliose-Patienten andrehen.

Die Methode basiert auf den ermittelten Werten von über 1.000 rückengesunden Menschen. Diese ermittelten Normwerte werden als Standard herangezogen. Die eigenen Werte werden mit diesem Standard verglichen und die Software spuckt ein Trainingsprogramm aus, was zum Angleich dieser Werte führen soll, vor allem Erhöhung der Mobilität. Der Erfolg der Behandlung wird dann mit einer weiteren Messung überprüft, und diese Werte wollen die Krankenkassen sehen, dafür dass sie bezahlen.

Ungünstig natürlich, wenn die Schroth-Patienten dann mal eben die Hälfte der Übungen raustreichen, weil sie nicht die Absicht haben ihre Wirbelsäule in alle möglichen Richtungen unter Verschlechterung der Krümmung zu mobilisieren, der Trainingserfolg am Ende dann aber in Mobilität gemessen werden soll, und die Schroth-Behandlung auf der das dann basiert ja ebenso von der Krankenkasse finanziert und unterstützt wurde.
Ungünstig insbesondere auch für die FPZ Studios, die Skoliosen natürlich weiter behandeln möchten und nicht in Erklärungsnöte geraten wollen, für die nicht nachweißbaren Erfolge ihrer Schroth-Patienten. ;)

Ich habe mir angeschaut, was es da (in dem Center in dem ich war) an Geräten gibt. Es bleibt nicht mehr wirklich viel übrig, was man als Skoliotiker mit gutem Gewissen machen kann; sogar noch weitaus weniger, als in gut ausgestatteten normalen Fitnesstudios. Schön natürlich die Betreuung und die Finanzierung durch die Krankenkasse, aber der Ärger mit dem noch zu ändernden Trainingsplan ist ja quasi vorprogrammiert. :rolleyes:
Ich meine, es kann doch nicht nur Schroth dass alleinige Allheilmittel sein...oder?
Naja, es gibt noch Vojta, vorwiegend für Kinder, oder Scharrl, wohl ähnlich wie Schroth, aber auch nur im Angebot für Kinder... aber dass Schroth so ziemlich alleine da steht, das liegt an der Art der Zusammensetzung des Programms, an der Art, wie es entwickelt wurde.

Für Schroth wurden aus allen möglichen Methoden immer nur die Übungen rausgesucht, die korrigierend auf die Wirbelsäule wirken, aber nicht gleichzeitig auf Kosten anderer Wirbelsäulenabschnitte gehen plus neue dazu entwickelt und inetgriert. Schroth ist speziell für Skoliosen und andere Wirbelsäulendeformitäten entwickelt worden, die ganzen anderen Methoden wie FPZ, Kieser, Pilates und was Du sonst noch so alles in Erwägung gezogen hast sind es nicht. Das sind alles nur mehr oder weniger hilfreiche oder für die Skoliose sogar schädliche Notbehelfe.

Schroth wurde im Übrigen nicht in erster Linie zur Schmerzbekämpfung entwickelt sondern zur Korrektur der Skoliose. Hierzu gibt es sehr viele wissenschaftliche Studien, am günstigsten fängt man da mit den Büchern an, die hier empfolen wurden. Schmerzlinderung oder -befreiung ist nur ein Nebeneffekt der eintreten kann. Skoliose ist auch nicht zwangsläufig mit Schmerzen verbunden und Rückenschmerzen bei gleichzeitiger Skoliose können ihren Grund auch an ganz anderer Stelle haben, und könnten genauso bestehen, wenn keine Skoliose da wäre. Umgekehrt ist aber auch schon berichtet worden, dass Schorth bei Nicht-Skoliotikern auch gegen die Rückenschmerzen geholfen hat.

Was Schroth macht, ist das trainieren der tiefen wirbelsäuelenstabilisierenden Muskulatur; und zwar gezielt der Muskeln, die durch die skoliotische Haltung schwächer ausgebildet sind, was zur teilweisen Aufrichtung der Skoliose führt. Diese aufrichtenden Effekte sind wissenschaftlich dokumentiert. Es gibt auch Studien zur Reduktion von Schmerzen (wir füllen da immer einen Schmerzfragebogen bei Antritt und Ende der Reha aus), hat mich aber bisher noch nicht besonders interessiert, so dass ich Dir deren Inhalt nicht wiedergeben kann. Im Prinzip läuft es darauf hinaus, dass da steht die "Schmerzhäufigkeit und -intensität konnte von X nach Y reduziert werden" und man hat keine Ahnung, was jetzt diese Werte genau aussagen; kein Bezug zu Alltagsdingen oder irgendetwas was einem auch etwas sagt. Aber auf jeden Fall wird die Schmerzhäufigkeit und -intensität während einer Reha im Schnitt aller Patienten schon mal reduziert.

Schroth kann man beschreiben als eine sehr intensives Haltungsschulung speziell für Skoliotiker und deren individuelles Skoliosemuster (ist ja bei jedem Patienten unterschiedlich) verknüpft mit einem isometrischen Krafttraining der schwächeren Muskulatur, mit dem Ziel von Korrektur und vor allem Stabilisierung selbiger.

Du wolltest außerdem wissen, woher unser Wissen stammt.
Das sind zum Teil Kenntnisse, die man während einer Schroth-Reha vermittelt bekommt. Allgemeine Aufklärung zur Skoliose und deren Physiologie sind dort ein großer Bestandteil. Zum anderen aus Fachliteratur die es zum Thema gibt.

FPZ ist ungeeignet da es mobilisiert. Mobilisierung ist "Gift" für Skoliosen weil es zur Progredienz führt. Aus diesem Grund stehen Skoliosen bei FPZ auch auf der Kontraindikationsliste, und zwar ab 30 Grad nach Cobb, weil Skoliosen dieses Ausmaßes progredient sind bzw. dazu neigen. Das gilt für Jugendliche UND Erwachsene Leitfaden_fuer_Mediziner_zum_FPZ_Konzept.pdf. Erwachsene Skoliosen über 30 Grad zählen also mindestens noch in die relative Kontraindikation.

Gruß,
BZebra
Zuletzt geändert von BZebra am Mi, 05.07.2006 - 01:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von BZebra »

Ulaschatz hat geschrieben:Falls du dich erinnerst hab ich ja mal eine E-Mail an Sobi bezüglich dem Sequenzquenztraining geschickt. Leider war die Antwort nicht informativ genug, so dass sie zu unserer Diskussion nichts beiträgt.
Was wolltest Du denn wissen in Bezug auf Sequenztraining und Sobernheim? Also ich will das da nicht haben! Da wäre ich ziemlich angepisst, wenn damit noch mehr Schroth-Übungszeit ersetzt würde. Soll bitteschön in Bad Salzungen bleiben, da ist es gut aufgehoben. ;)
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo BZebra,

jetzt fangen wieder die "Glaubenskämpfe" an. :)

Ich bin jedenfalls heilfroh, dass es in Bad Salzungen das Sequenztraining gibt und man das auf das allgemeine Fitness-Training übertragen kann.
Es ist unbestritten, dass ständiges Muskeltraining des gesamten Körpers sehr positiv zu bewerten ist. Und wenn das in Kombination mit den Schroth Kenntnissen(- Elementen) geschieht, so finde ich das optimal.

Wenn Du die sehr ausführlichen Diskussionen zum Thema Novotergum verfolgt hast, dann waren auch die erwähnten 30 Grad ein Thema. Über 30 Grad erst Schroth-REHA!
Zusätzlich hat H. Beermann im Laufe der Diskussion gesagt, dass auch unter 30 Grad eine Empfehlung zur Schroth REHA gegeben wird, bevor dort therapiert wird.
BZebra hat geschrieben:Schmerzlinderung oder -befreiung ist nur ein Nebeneffekt der eintreten kann.......Aber auf jeden Fall wird die Schmerzhäufigkeit und -intensität während einer Reha im Schnitt aller Patienten schon mal reduziert.
Deshalb kann man bei einer Schroth-REHA nicht einen "Wohlbefinden-Fragebogen" als Beleg für einen Teilerfolg nehmen, diesen aber bei Novotergum oder FPZ nicht anerkennen.

Ich denke, dass eine Kombination aus Fragebogen und 3D Aufnahme ein gutes Mittel der Kontrolle wäre. Das ist natürlich ein Kostenfaktor, der bei FPZ oder Novotergum oder ähnlichen Einrichtungen nicht so ohne weiteres umzusetzen ist bzw. vom Patienten akzeptiert wird.

10 Skoliose Patienten (die Frage nach Kyphose ist noch unbeantwortet) in wissenschaftlicher Begleitung, wie immer das auch aussieht, sind tatsächlich viel zu wenig.

Bei allen neuen Therapieansätzen sollte man aber auch bedenken, dass Frau Schroth es auch nicht leicht hatte, ihre Ideen erfolgreich umzusetzen.

Gruss
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Beitrag von Lynn »

Leider kann man den Erfolg der Therapie bei chronischen Rückenschmerzpatienten nicht im Röntgen-Bild oder im Kernspin nachweisen.
Ist mir schon klar. Ich habe ja auch eher Misserfolge wie Bandscheibenprotusion oder Spondylarthrose gemeint.

Grüße, Ula
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uschl
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Beitrag von uschl »

Hallo ihr Lieben!
*booaah, is mir warm!!!!*
Na, das geht aber hoch her :rolleyes:! Ich habe die letzten Tage zwar mitgelesen, aber mich nach dem Motto "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse(tschuldigung) halten" aus der Diskussion herausgehalten... Sehr interessant.
Ich war zwar nun zur Knochendichtemessung, habe aber erst nächste Woche einen Termin beim Doc *hmpf* Urlaubszeit :/ :| :rolleyes:
Ich hab mir die .pdf Datei von Salzungen ausgedruckt und werde diese mal meinem Doc zeigen. Ich werde eine REHA definitiv ins Auge fassen.

Um nochmal auf FPZ zurückzukommen...
Ich habe diesen Leitfaden auch hier herumfliegen und zur Kontraindikation
"...Skoliose im Wachstum von mehr als 30° nach Cobb"
da lese ich draus, dass hier Kinder bzw. Jugendliche angesprochen sind. Nun bin ich aber schon seit längerem :cool: ausgewachsen. Besteht da auch eine Kontraindikation?
Ich trage mich nämlich mit dem Gedanken nach einer erfolgten REHA und KG nach Schroth, mir das FPZ-Training mal anzusehen, sofern die KK das überhaupt mitmacht...

huschhusch, die Edit kommt gelaufen:
hab ich schon erwähnt, dass bei mir 30° festgestellt wurden, allerdings auf zwei RB´s basierend, Brust und Lende im Stehen...
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