Um mal auf ein paar Fragen von Uschi zurückzukommen:
uschl hat geschrieben:Gerade bei Skoliose ist es schwierig, die Therapie zu finden die auch hilft. Ich finde es - sorry - befremdlich das diese Schroth Therapie hier derart hochgelobt wird und anderes überhaupt nicht erwähnt wird. Was ist z. B. mit Feldenkrais?
Gegenfrage: Was soll denn mit Feldenkrais sein?

Das ist überhaupt keine Therapie gegen Skoliose! Bei Skoliose handelt es sich nicht um eine Haltungsschwäche oder Bewegungsstörung! Siehe
Was ist Skoliose? - Definition. Skoliose ist eine teilfixierte Wirbelsäulenverkrümung, da liegen Veränderung im Bau, in den Strukturen vor. Feldenkrais ist viel zu uneffektiv dafür. Wenn das jemand als Therapie gegen Skoliose empfohlen hat, dann lag er damit ziemlich daneben!
Wie dem auch sei, ich habe gerade ein hochinteressantes und ausgiebiges Informationsgespräch im FPZ-Zentrum gehabt. Der Therapeut zeigte sich sehr offen und sachlich. Er riet mir, nach den jetzt noch anfallenden Arztbesuch, mal eine Analyse zu machen, um zu sehen wie es mit meiner Muskulatur aussieht. Er sagte auch direkt, dass er als FPZ-Therapeut Skoliose nicht heilen kann, sondern durch das gezielte Training Dysbalancen ausgleichen und so Schmerzen bekämpfen und max. den Krankheitsverlauf zum stoppen bringen kann.
Ich hatte auch solch ein Informationsgespräch, an dessen Ende mir der Therapeut dann aber gesagt hat, dass er natürlich angehalten sei Werbung zu machen und sich nicht negativ äußern darf; nicht sagen darf, dass die Methode ungeeignet wäre... er hat mir als Skoliotiker mit Schrothkenntnissen dann aber davon abgeraten, aufgrund seiner Erfahrung mit anderen Patienten, die schon eine Schroth Reha gemacht haben.
Die Methode enthält viele Elemente, insbesondere viel Seitneigung und Torsion, die kein Schroth Patient freiwillig machen würde. Sowas kann man nur komplett nichts ahnenden Skoliose-Patienten andrehen.
Die Methode basiert auf den ermittelten Werten von über 1.000 rückengesunden Menschen. Diese ermittelten Normwerte werden als Standard herangezogen. Die eigenen Werte werden mit diesem Standard verglichen und die Software spuckt ein Trainingsprogramm aus, was zum Angleich dieser Werte führen soll, vor allem Erhöhung der Mobilität. Der Erfolg der Behandlung wird dann mit einer weiteren Messung überprüft, und diese Werte wollen die Krankenkassen sehen, dafür dass sie bezahlen.
Ungünstig natürlich, wenn die Schroth-Patienten dann mal eben die Hälfte der Übungen raustreichen, weil sie nicht die Absicht haben ihre Wirbelsäule in alle möglichen Richtungen unter Verschlechterung der Krümmung zu mobilisieren, der Trainingserfolg am Ende dann aber in Mobilität gemessen werden soll, und die Schroth-Behandlung auf der das dann basiert ja ebenso von der Krankenkasse finanziert und unterstützt wurde.
Ungünstig insbesondere auch für die FPZ Studios, die Skoliosen natürlich weiter behandeln möchten und nicht in Erklärungsnöte geraten wollen, für die nicht nachweißbaren Erfolge ihrer Schroth-Patienten.
Ich habe mir angeschaut, was es da (in dem Center in dem ich war) an Geräten gibt. Es bleibt nicht mehr wirklich viel übrig, was man als Skoliotiker mit gutem Gewissen machen kann; sogar noch weitaus weniger, als in gut ausgestatteten normalen Fitnesstudios. Schön natürlich die Betreuung und die Finanzierung durch die Krankenkasse, aber der Ärger mit dem noch zu ändernden Trainingsplan ist ja quasi vorprogrammiert.
Ich meine, es kann doch nicht nur Schroth dass alleinige Allheilmittel sein...oder?
Naja, es gibt noch Vojta, vorwiegend für Kinder, oder Scharrl, wohl ähnlich wie Schroth, aber auch nur im Angebot für Kinder... aber dass Schroth so ziemlich alleine da steht, das liegt an der Art der Zusammensetzung des Programms, an der Art, wie es entwickelt wurde.
Für Schroth wurden aus allen möglichen Methoden immer nur die Übungen rausgesucht, die korrigierend auf die Wirbelsäule wirken, aber nicht gleichzeitig auf Kosten anderer Wirbelsäulenabschnitte gehen plus neue dazu entwickelt und inetgriert. Schroth ist speziell für Skoliosen und andere Wirbelsäulendeformitäten entwickelt worden, die ganzen anderen Methoden wie FPZ, Kieser, Pilates und was Du sonst noch so alles in Erwägung gezogen hast sind es nicht. Das sind alles nur mehr oder weniger hilfreiche oder für die Skoliose sogar schädliche Notbehelfe.
Schroth wurde im Übrigen nicht in erster Linie zur Schmerzbekämpfung entwickelt sondern zur Korrektur der Skoliose. Hierzu gibt es sehr viele wissenschaftliche Studien, am günstigsten fängt man da mit den Büchern an, die hier empfolen wurden. Schmerzlinderung oder -befreiung ist nur ein Nebeneffekt der eintreten kann. Skoliose ist auch nicht zwangsläufig mit Schmerzen verbunden und Rückenschmerzen bei gleichzeitiger Skoliose können ihren Grund auch an ganz anderer Stelle haben, und könnten genauso bestehen, wenn keine Skoliose da wäre. Umgekehrt ist aber auch schon berichtet worden, dass Schorth bei Nicht-Skoliotikern auch gegen die Rückenschmerzen geholfen hat.
Was Schroth macht, ist das trainieren der tiefen wirbelsäuelenstabilisierenden Muskulatur; und zwar gezielt der Muskeln, die durch die skoliotische Haltung schwächer ausgebildet sind, was zur teilweisen Aufrichtung der Skoliose führt. Diese aufrichtenden Effekte sind wissenschaftlich dokumentiert. Es gibt auch Studien zur Reduktion von Schmerzen (wir füllen da immer einen Schmerzfragebogen bei Antritt und Ende der Reha aus), hat mich aber bisher noch nicht besonders interessiert, so dass ich Dir deren Inhalt nicht wiedergeben kann. Im Prinzip läuft es darauf hinaus, dass da steht die "Schmerzhäufigkeit und -intensität konnte von X nach Y reduziert werden" und man hat keine Ahnung, was jetzt diese Werte genau aussagen; kein Bezug zu Alltagsdingen oder irgendetwas was einem auch etwas sagt. Aber auf jeden Fall wird die Schmerzhäufigkeit und -intensität während einer Reha im Schnitt aller Patienten schon mal reduziert.
Schroth kann man beschreiben als eine sehr intensives Haltungsschulung speziell für Skoliotiker und deren individuelles Skoliosemuster (ist ja bei jedem Patienten unterschiedlich) verknüpft mit einem isometrischen Krafttraining der schwächeren Muskulatur, mit dem Ziel von Korrektur und vor allem Stabilisierung selbiger.
Du wolltest außerdem wissen, woher unser Wissen stammt.
Das sind zum Teil Kenntnisse, die man während einer Schroth-Reha vermittelt bekommt. Allgemeine Aufklärung zur Skoliose und deren Physiologie sind dort ein großer Bestandteil. Zum anderen aus Fachliteratur die es zum Thema gibt.
FPZ ist ungeeignet da es mobilisiert. Mobilisierung ist "Gift" für Skoliosen weil es zur Progredienz führt. Aus diesem Grund stehen Skoliosen bei FPZ auch auf der Kontraindikationsliste, und zwar ab 30 Grad nach Cobb, weil Skoliosen dieses Ausmaßes progredient sind bzw. dazu neigen. Das gilt für Jugendliche
UND Erwachsene
Leitfaden_fuer_Mediziner_zum_FPZ_Konzept.pdf. Erwachsene Skoliosen über 30 Grad zählen also mindestens noch in die relative Kontraindikation.
Gruß,
BZebra