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Operation in Norwegen

Verfasst: Fr, 18.06.2004 - 22:30
von Janine
Hei.

Ich lebe in Norwegen und habe heute einen Brief bekommen, dass man bereits am 09. Juli (in knapp drei Wochen!!!) im Rikshospital in Oslo meine idiopathische Skoliose (63 Grad) operieren will. Meine Krümmung ist scheinbar sehr operationsfreundlich, man könne vermutlich 30 Grad korrigieren. Die Ärzte stellen die Operation als einen Klacks dar, nach kaum einer Woche wäre ich wieder zu Hause, nach 4-6 Wochen voll arbeitsfähig. Nun sitze ich hier mit der Entscheidung – Kann das denn so easy sein? OP-Termin aus Zweifel absagen – oder sofort Hurra schreien?

Ich habe mit mehreren Ärzten und Physioterapeuten in Norwegen und Deutschland gesprochen, alle sind entweder 100% für oder 100% gegen eine Operation in meinem Fall. Schwierig, da auf seine innere Stimme zu hören! Die deutsche Seite meint, wenn operieren – dann in keinem Fall in Norwegen, wo es „doch so wenig Menschen und daher wenig Erfahrung mit Skoliose-Operationen gebe…“ Die Norweger hingegen sind absolut positiv eingestellt und sagen, diese Operation sei eine reine Routinesache, sie würden sich ohne zu zögern operieren lassen.

Ich bin 30 Jahre alt, toppfit und absolut beschwerdefrei. Psychisch „leiden“ tue ich schon, denn so ein krummer Rücken ist rein optisch gesehen natürlich nicht der Hit. Aber so ein Eingriff - obwohl man keine Schmerzen hat? Die norwegischen Ärzte sagen, es sei gut jetzt zu operieren, wo ich so fit und munter bin, denn das wäre die beste Voraussetzung für eine Operation und die Krümmung würde weiter fortschreiten. Ein deutscher Arzt meinte, das wäre wohl wahr, aber die Chance, dass ich jemals Rückenschmerzen bekomme, sei mit oder ohne OP gleich gross/gering.
Scheinbar können mir nur „Betroffene“ bei meiner Entscheidung helfen. Grundsätzlich: JA – ich bin eine OP betreffend positiv gestimmt - ich gebe zu - schon allein der Schönheit wegen, den immer Rücken kaschieren ist auch ein blödes Spiel. Aber jetzt so auf die Schnelle in Norwegen? Das hört sich so unwirklich problemfrei an. Oder doch lieber Termin absagen und Kliniken in Deutschland abklappern. Wo sich wieder die Frage der Finanzierung stellt - jetzt, wo ich in Norwegen krankenversichert bin. Fragen über Fragen. Ich hoffe, es ist eine Antwort für mich dabei... :juggle:

Verfasst: Fr, 18.06.2004 - 22:53
von Toni
Hallo Janine
Wieviele Eigenblutspenden hast Du denn schon gemacht?
Welches Implantat und welche OP-Methode soll denn verwendet werden?
Hast den Chirurgen gefragt wieviele Skoliose-OP´s er schon gemacht hat?
Gibt es in Norvegen eine Skoliose-Selbsthilfe-Gruppe wo Du Erfahrungen abfragen könntest?
Erst wenn Du das in Erfahrung gebracht hast und dann eine 2. Meinung (z.B. bei Prof. Halm in Neustadt/holst.) geholt hast, würde ich mich "endgültig" entscheiden!
Das mit den Schmerzen stimmt leider! Ich kenne genügend operierte Schmerzpatienten die es bereuen und Solche die es jederzeit wieder machen lassen würden. Das ist leider keine Entscheidungshilfe.
Was hast Du denn schon konservativ versucht?
Habe kürzlich bei Rahmouni eine ca. 35 jährige Norwegerin getroffen, die sich dort ein Korsett machen lies!
Kannst Du Schroth?
Gruß Toni

Verfasst: Fr, 18.06.2004 - 23:48
von Janine -
Eigenblutspende? Art von Implantat? Na siehst Du, ich bin total uninformiert. Im Brief steht übersetzt „Nähere Informationen zur Behandlung gibt es am Tag der Einlieferung“. Ja, ich werde wohl die nächsten zwei Wochen alles über eventuelle Selbsthilfegruppen in Norwegen ausfindig machen, aber viel Zeit bleibt mir nicht. Ich habe schon mit 6 Monaten Wartezeit gerechnet ;-) Ich war bei der ersten Untersuchung in der norwegischen Klinik sehr verblüfft, weil alle so operationsfreudig wirkten und alles wie gesagt so leicht und unbeschwert klang – scheinbar sind auch keine Reha-Massnahmen nach der OP notwendig.

Zu meiner Behandlungs-Geschichte kann ich nur sagen, dass ich den Erzählungen nach in Tränen ausgebrochen bin, als man mir mit ca. 10 Jahren ein Korsett verpassen wollte. (Der Arzt meinte, der psychische Schaden durch die „Freiheitsberaubung“ wäre grösser als der Nutzen). Ausserdem habe ich schon vor 10 Jahren eine OP in Deutschland abgelehnt, weil man mir damals 1 Jahr im Krankenhaus vorausgesagt hatte. (Komisch, dass eine OP heute innerhalb von 4-6 Wochen überstanden sein soll- da bin ich sehr froh, dass ich mich damals nicht habe operieren lassen.) Ich bin also weitgehend unbehandelt – bis auf Krankengymnastik, habe aber seit Kleinkindalter Ballett gemacht, immer auf meine Haltung aufgepasst und bin wie gesagt bis zum heutigen Tag schmerzfrei. Schroth kenne ich nur aus einem Buch. Habe auch vor kurzem mit einem Arzt der Schroth-Klinik gesprochen, der sich im Grunde gegen eine OP ausgesprochen hat, da ich schmerzfrei bin – und das durchaus den Rest meines Lebens so bleiben kann. (Ansonsten wird man ja gerne darauf vorbereitet, im Alter mit dem Schlimmsten rechnen zu müssen…). Was die kosmetische Seite betrifft, so solle ich doch einfach versuchen, mich mit dem Buckel/krummen Rücken zu akzeptieren… aber das ist vielleicht leicht gesagt!

Verfasst: Sa, 19.06.2004 - 00:20
von Damien
Das sieht irgendwie schwer nach abzocke aus (ja, ich weis, ich riech das an jeder Ecke mittlerweile :ja: ), irgendwie klingt das für mich so. Wenn du keine Schmerzen hast oder keine sonstigen Probleme mit deinem Rücken, bzw. dich die kosmetische Seite nicht stört, dann sag die OP erstmal ab, bzw. schiebe sie nach hinten (das muss die Klinik akzeptieren), die bekommen dein Bett schon voll, auch ohne dich, da kannste dir ruhig sicher sein! Wie gesagt, sag denen du bist noch nicht schlüssig oder möchtest erst noch eine weitere Meinung haben oder sag zu dem besagten Termin ist es nicht möglich du möchtest einen einige Monate später...
Die Zeit kannst du dann effektiv nutzen um dich mit anderen Methoden der Skoliosebehandlung vertraut zu machen. Wenn ich ehrlich sein soll finde ich eine Verbesserung von 60 auf 30° auch nicht wirklich ein gutes Ergebniss, in der Praxis wird es in der Regel wohl eher schlechter als überraschend besser. Selbst wenn du durch Korsett und KG etc. die OP später nicht verhindern können solltest (was nicht zwingend der Fall sein muss), selbst wenn du nur eine Verbesserung auf 50-40° erreichst, wird das OP Ergebniss danach noch besser oder die OP ist dann garnichtmehr nötig!! Sich voreilig operieren zu lassen, noch dazu von so ein paar offensichtlich geldgeilen Ärzten ist ein Fehler, den du später vielleicht bitter bereuen wirst, vor allem dann, wenn man echt NULL Ahnung von der Materie hat wie du. Ich spreche aus eigener Erfahrung!

Verfasst: Sa, 19.06.2004 - 00:20
von Toni
Informiere Dich bitte mal bei Stonewoman über Ihre OP und Ihr OP Tagebuch.
http://www.skoliose-op.info/
Sie hat es in der modernsten OP-Klinik hinter sich gebracht, die derzeit in Insiderkreisen als die Beste mit der schonendsten OP-methode gilt!
Ohne vorherige Eigenblutspende würde ich die OP VORERST total ablehnen, das Risiko wäre mir trotz-OP-Blut-Recycling viel zu hoch!
Implantate gibt es verschiedene, aus Titan und aus Edelstahl. Haben beide Vor- und Nachteile- bis hin zu Langzeit-Allergiereaktionen (hat Fa. AESCULAP ( ein bekannter Implantathersteller sogar zugegeben!)
oder von der Bauart: z.B. Zielke-Halm Instrumentarium oder Cotrel-Doubusset-Hopf-Instrumentarium und noch sehr viele weitere Typen, alle mit spezifischen Vor- und Nachteilen.
Wäre schon interessant was die "Wikinger" einbauen, dann könnte man sich gezielter darüber informieren. Aber die Hospitalzeit erscheint mir extrem kurz und OHNE Reha????
Du wirst auch als Operierte langfristig Schroth machen müssen!
Wurdest Du auch darüber aufgeklärt, daß nach der OP die Bandscheiben des nichtversteiften WS-Bereiches wesentlich schneller verschleißen und es daher zu sehr schmerzhaften Früharthrosen kommen kann?
Daß Du durch das bei der OP nötige Röntgenmonitoring bis zum 100-fachen an Röntgenstrahlung abbekommen kannst, wie ein Röntgenbild?

Sagt Dir das Flatback-Syndrome etwas?

Ich würde (an Deiner Stelle) doch zuerst mal einen konservativen Versuch machen oder mal gar nichts tun und mich noch besser informieren.
Du bist konservativ nie wirklich wirksam behandelt worden!
Und solange Du KEINE schmerzen hast, wäre es fast sowas wie eine "Schönheits-OP" Die Norweger WS Chirurgen müssen entweder ganz hervorragend gut oder "verwegene Wikinger" sein, wenn sie Dir eine WS-Versteifung als easy going-OP verkaufen! Haben sie Dir gesagt, ob sie Dir Rippen entnehmen, in Scheibchen schneiden und sie als Bandscheiben Ersatz verwenden?
Möglicherweise wollen die Norweger gar nicht daß die Patienten zuviel drüber wissen, weil sonst eher die Angst überwiegt.
Aber gute Aufklärung auch über die Risiken und Spätfolgen gehört zur freien informierten Entscheidung dazu.
Gruß Toni

Verfasst: Sa, 19.06.2004 - 09:17
von stonewoman
Hi Janine,

ich hatte 64° und bin vor 9 MOnaten operiert worden. Ich bin zwar heute schmerzfrei und mehr als zufrieden, aber eine Routine-OP war das sicher nicht.

Ich hatte 2 OPs und war genau einen Monat im Krankenhaus, danach hab ich gut 6 Monate gebraucht um wieder einigermaßen fit zu sein. Das ist aber sicher bei jedem anders, aber ich denke 6 Monate ist realistischer als 4 - 6 Wochen.

30° wäre mir zu wenig gewesen, dafür hätte ich das Risiko nicht auf mich genommen. Ich habe jetzt noch 18° und der Lendenwulst ist weg. Das ist OK.

Aber das Wichtigste: Meine Schmerzen und Lähmungserscheinungen sind komplett verschwunden. Hätte ich die Schmerzen nicht gehabt (so wie du) hätte ich die OP wahrscheinlich nicht gemacht.

Ich habe insgesamt 3 mal Eigenblut gespendet (1,5 Liter) und habe auch alles zurückbekommen, trotz schonender OP-Technik. Fremdblut wäre natürlich auch gegangen, aber das Eigene ist schon verträglicher.

Ich kann dir auch nur raten: Fahre nach Neustadt und lass dich dort untersuchen. Dort wird man dir genau sagen, was Sache ist... aber wenn du keine Schmerzen hast, überleg es dir gut. Die OP ist wirklich kein Zuckerschlecken....

Wie Toni schon schon schrieb (Danke Toni ;)) kannst du Alles etwas genauer auf meiner HP nachlesen.

Liebe Grüße, Stoni.

Verfasst: Di, 29.06.2004 - 10:43
von Gast
Hallo Toni und Stoni
Vielen Dank für Eure Unterstützung! Ich habe die OP eben abgesagt - und die Reaktion der Patientenkoordinatorin hat mich wirklich darin bestätigt, dass es auch erst einmal besser so war. Auf meine Bedenken, dass ich ja überhaupt nicht wüsste, was schon nächste Woche mit mir passieren soll, wieviele Wochen (Monate???) das dauern wird etc., sagte sie nur: „Aber Sie sind doch am Anfang untersucht worden?
Das wurde ich lediglich geröntgt und mir wurde eine OP mit fünf kurzen Sätzen vorgeschlagen. Anstelle meine OP ein paar Monate aufzuschieben, wurde ich jetzt leider völlig von der Warteliste gestrichen und soll mit der Untersuchung/Überweisung von vorne anfangen. Das nervt, aber es gibt mir auch genug Zeit, mich über die OP zu informieren. Machen möchte ich sie schon. Nur nicht überstürzt und ohne jegliche Information/Eigenblutspende etc. Danke nochmal für die Infos!
Gruss aus einem ansonsten sehr tollen Land!
Janine

Verfasst: Di, 29.06.2004 - 16:11
von Sandman77
Eine Deutscherin in Norwegen? Komisch, hier ist eine Norweger in Deutschland. :)

Kann nur zagen gute entscheidung! Das kack Krankenhaus da in Oslo hat mir meinem ganzem leben versaut. Bin mit Skoliose geboren in Norwegen und die artzen haben NIX unternommen, wollte in 86 (damals war ich 9) endlich was tun! Hatten schon 86 kurve! Eltern hatten aber damals schon entschieden das in Holland zu machen. Das habe ich ende 86 getan und die artzen haten gesagt es war viel, viel zu spät... Hatten zwei ops mit eine HALO dazwischen. War 9 Wochen in Krankenhaus in Nijmegen beim gewisse Dr. Kruls. Habe immer noch meine Harington Rod fusionert und immer noch eine stabile 60-65 kurve. Nur ich habe hüftschmerzen und atemnot manchmal. Wenig ryggen schmerzen und bin froh da über.

Ich war letze mal in ende 2000 in Oslo beim Sörensen, der sau hat mich 30 min vor meinem Termin sitzen lassen! Er sah mich warten die schwestern haben ihn daüber angesprochen er ist neben mir gelaufen und abgehauen nach Ireland! Ich kam damals von Deutschland nach Norwegen dahin um zu erst meine Rente antrag zu klären und zur zweit zu hören was die jetzt "können". Seine assistent hat mich entfangen eine gewisse Dr. Riise und er wollte mich nach 5 min nach hause schicken!!!
Der hat zu letzt meine antrag bestätigt ohne wiederspruchen da die Artzen da nix besseres anbieten könnten als mich lahm zu machen WENN ich eine NEU revision OP machen würden. (zum verbesserung meine atem und herz funktionen) Er wollte für nix garantieren...

Und die Zwei sind angebelich die besten in Norwegen und ensige richtige Skoliose experten!!! Kenne aber eine mädchen die eine OP von Riise gekriegt hat, ihr geht es gut und er macht neue ausbildung in USA...

Muss aber zagen Norwegen ist ein schei** land, aber gut ich lebe da nicht mehr. :) :) :)