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Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Fr, 02.12.2011 - 11:59
von Romeo
Liebe Forumsmitglieder,
ich finde dieses Forum als Informationsaustausch wirklich super. Jetzt lese ich alles Mögliche über Behandlungsmöglichkeiten bei Erwachsenen.
Mit meinen 45 Jahren, 187 cm, 89 kg, männlich, habe ich immer wieder stechende Schmerzen im Schulter und Halsbereich. Wenn ich regelmäßig Sport treibe, ist es viel besser. Wenn nicht, plagen mich immer wieder Rückenschmerzen. Mit zunehmendem Alter habe ich tendenziell immer weniger Zeit für Sport. Ich habe nach langem Zögern zur Abklärung meiner Kyphose bei Dr. Hoffmann für Januar 2012 einen Termin vereinbart.
Ich arbeite im Vertrieb, sitze viel am Schreibtisch (Homeoffice) und fahre viel Auto. Meine Frage geht an Erwachsene Korsett-Träger (Kyphose) und deren Erfahrungen bei mehrstündigen Autofahrten (Fahrer): "Sind die Korsetts auch bei längeren Autofahrten tragetauglich oder werden sie im Alltag eher nur Nachts oder zu Hause von Erwachsenen getragen?"
Ich weiß, ich sollte erst einmal meine genaue Diagnose und deren Behandlungsvorschläge abwarten, aber auf der anderen Seite wäre es gut zu wissen, welche Erfahrungen es darüber schon gibt.
Vielen Dank für Eure Antworten
Romeo
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Fr, 02.12.2011 - 15:14
von sloopy
Hallo Romeo,
ich bin erwachsene Korsett-Trägerin, hab zwar ein Skoliose- und kein Kyphosekorsett, aber das sollte in Bezug auf Autofahren keinen Unterschied machen. Ich fahre gut und gerne mit Korsett Auto, auch mehrstündige Fahrten sind im Korsett kein Problem. Ohne Korsett bekomm ich nach spätestens zwei Stunden Rückenschmerzen, mit Korsett fahre ich auch fünf Stunden ohne Pause durch.
Unser Forumsmitglied Toni ist Vielfahrer, er ist berufsbedingt ständig im Auto unterwegs, fährt vom Allgäu bis Flensburg über Cottbus nach Augsburg und trägt dabei fast immer sein (Kyphose)korsett. Wann man als Erwachsener sein Korsett trägt, ist einem selber überlassen. Das muss jeder für sich herausfinden, machbar ist aber prinzipiell alles, wenn man sich erstmal an das Teil gewöhnt hat.
Viele Grüße,
sloopy
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Fr, 02.12.2011 - 15:21
von Toni
Also mir wurde erst durch die Korsett-Therapie das längere Autofahren überhaupt möglich.
Korsett-Auto- und Mensch müssen allerdings zueinander passen!
In meinem 1. Rahmouni-Korsett konnte ich in meinem Land-Rover-Defender die Handbremse nicht erreichen.
In dem Mitsubishi-Space-star meiner Frau konnte ich im Korsett gut fahren. In niederen, flachen PKW´s ( BMW 1er und 3er, sowie Audi A4) ist es Sch****** ein und auszusteigen und zu sitzen . In Autos wie VW-Caddy, FIAT-Doblo, RENAULT Kangoo, Citroen Berlingo, usw.... ist die Sitzposition mit Korsett hervorragend. Selbst in einem SMART kann man in einem Korsett gut sitzen.
Es kommt nicht auf die Größe des Autos an, sondern auf die Flachheit und Sitzposition.
In meinem Rahmouni 2 und CCTEC (ohne Reklinationshörnchen) gibt es gar keine Probleme.
Im Tübinger nur bei keinem Lenkrad.
Ein Problem ist die untere Sitzkante, der Ausschnitt über den Oberschenkeln. Da darf das Korsett auch bei längerem Sitzen nicht unangenehm und durchblutungsbehindernd einschneiden. Das kann man sich aber selbst hervorragend abpolstern, wenn man sich vom Baumarkt 1 m Isolierungsschaumstoff für 1/2"-Rohre besorgt und mit doppelseitigem Montageklebeband einklebt. Dann ist der Bereich Oberschenkelkante/leiste fett abgepolstert.
Ich habe insgesamt ca. 450.000 km in 9 Jahren beruflich im Korsett zurückgelegt und nur positive Erfahrungen gemacht. Als europaweit tätiger Außendienstler könnte ich meinen Beruf gar nicht ausüben, wenn mir nicht das Korsett den Rücken schont und Schmerzen bei stundenlagen Fahrten total verhindern würde.
Aber ganz zu Anfang rate ich schon mal auf einen leeren Firmenparkplatz oder einen ADAC-Übungsplatz zu begeben und mit Korsett zu üben, bevor Du im Korsett in den Verkehr gehst.
Gruß Toni
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Fr, 02.12.2011 - 18:08
von Mäni
Hallo Romeo
Bei mir ist Autofahren grundsätzlich möglich, obwohl es unter der linken Achsel massiv drückt weil es da sehr hoch geschnitten ist. Daher fahre ich längere Strecken ohne Korsett dafür mit Schmerzen. Diese sind nachher mit dem Korsett aber schnell wieder weg.
Für dich persönlich musst du das dann selber herausfinden denke ich.
Liebe Grüsse
Mäni
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Fr, 02.12.2011 - 21:58
von Schokononne
Hallo,
also ich habe ein Anti-Kyphosekorsett und Autofahren ist damit überhaupt kein Problem.
Vorher - ohne Korsett - habe ich nicht mal eine halbe Stunde hinter dem Steuer sitzen können und mit Korsett fahre ich meine rund 1000km monatlich ohne Probleme. Mit Korsett geht das überhaupt erst wieder.
Was das mit dem Auto angeht, da muss ich Toni zustimmen. Es macht einen großen Unterschied, was für ein Modell man fährt.
In den Kia Rio meiner Mutter komme ich kaum rein, noch raus, auch wenn er ansich bequem ist. Der Wagen ist nämlich vom Werk aus ein Stück tiefergelegt.
Ich selber fahre einen Peugeot 207. Meine Sitzeinstellung ist etwas dichter am Lenkrad als zuvor und meine Lehne sehr gerade, da ich nur so wirklich gut an die Schaltung komme. Aber das Fahren ist sehr komfortabel.
Einzig das Einsteigen ist etwas hakelig. Ich habe einen Zweitürer und muss die Tür wirklich richtig weit aufmachen können, um mein linkes Bein reinzukriegen. Enge Parkplätze sind seit dem Korsett passé.
Aber Fahren geht wirklich gut

.
Unpraktisch ist, dass ich meinen Sitz - wenn ich denn erstmal im Auto sitze - nicht mehr vor oder zurückstellen kann, da ich nicht mehr an den Hebel unter dem Sitz komme. Der Sitz muss bei mir also voreingestellt sein. Würde ich ihn zurückstellen, einsteigen und dann wieder vorziehen, käme ich sicher besser zurecht. Aber man gewöhnt sich dran

.
Liebe Grüße
Schoko
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: So, 04.12.2011 - 12:40
von Romeo
Vielen Dank für Eure schnellen Antworten. Ehrlich gesagt, hätte ich nicht gedacht, dass längere Autofahrten generell möglich sind. Wahrscheinlich hängt es auch davon ab, welchen Korsett Typ man hat und wie es geschnitten ist. Meine Fahrleistung ist übrigens 60.000 km je Jahr.
Auf der anderen Seite spielen anscheinend das Auto und Sitzposition eine große Rolle. Also, ich habe einen neuen A4 Avant. Und der steht schon mal bei Toni auf der roten Liste. Ferner habe ich einen gut verstellbaren Sportsitz mit Lordosenstütze. Den kann ich sehr flexibel einstellen.
Nur bin ich recht groß, so dass ich meinen Autositz in der Höhe immer ganz nach unten stellen muss. Hierdurch habe ich die Beine fast im rechten Winkel (oder noch geringer) zum Oberkörper. Da könnte natürlich sehr viel drücken. Deswegen danke für den Tipp mit der Abpolsterung über den Oberschenkeln.
Mal schauen, was bei meinem Termin im Januar bei Dr. Hoffmann rauskommt.
Viele Grüße
Romeo
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: So, 04.12.2011 - 13:02
von Raven
Hallo Romeo,
dass es sehr vom Sitz abhängt, habe ich auch festgestellt - allerdings war ich mit Korsett stets nur Beifahrer (altersbedingt), kenne die Auswirkungen verschiedener Sitze als Fahrer aber auch aufgrund der Versteifung (eher geringere Auswirkung als beim Korsett, aber dennoch).
Romeo hat geschrieben:Ferner habe ich einen gut verstellbaren Sportsitz mit Lordosenstütze. Den kann ich sehr flexibel einstellen.
Mit Sportsitzen habe ich eher schlechte Erfahrungen; hängt natürlich aber auch davon ab, inwieweit die (in eine weniger "sportliche" Position) verstellbar sind.
Lordosestützen drücken meist, bzw. man spürt durch das Korsett zwar deren Druck nicht, verhindern aber oft ein vernünftiges Anlehnen. Irgendwie ein Gefühl, als klemme ein Ball zwischen Korsett und Sitz

Klar, die Lordosestütze soll die Wirbelsäule etwas in gewünschter Form halten, aber wenn sich der Körper da nicht anpassen kann...
(Mit Korsett, aber auch mit operativer Versteifung, vermeide ich somit jegliche Sitzmöbel mit Lordosestütze.) Möglicherweise lässt sich dies aber durch die Verstellmöglichkeit, oder Sitz- bzw. Rückenlehnenauflagen abmildern.
Nur bin ich recht groß, so dass ich meinen Autositz in der Höhe immer ganz nach unten stellen muss. Hierdurch habe ich die Beine fast im rechten Winkel (oder noch geringer) zum Oberkörper. Da könnte natürlich sehr viel drücken. Deswegen danke für den Tipp mit der Abpolsterung über den Oberschenkeln.
Da ist die Abpolsterung auf jeden Fall sehr wichtig. Je nach Korsettbauform kann ein rechter Winkel hier deutlich zum Einschneiden führen.
Möglicherweise kann dir auch ein für die Benutzung im Auto zugelassenes Kissen (normale Keilkissen sind dies offenbar nicht) hilfreich sein.
Etwas problematisch kann, je nach Art des Fahrzeugs, auch die Form bzw. Position der Kopfstütze sein. Mit Korsett oder auch operativer Versteifung passt man in solch vorgegebene Körperhaltungen häufig nicht mehr gut hinein. Bei mir zwangen viele standardmäßige Kopfstützen den Kopf regelrecht hinunter, weil sich die Stütze genau an der Position meines Kopfes (anstatt dahinter) befand

Kopfstützen sollen und dürfen, aus verständlichen Gründen, nicht entfernt werden, können allerdings in der Autowerkstatt ein Stück weit nach hinten gebogen werden. Dies beseitigte für mich das Problem.
Viele Grüße,
Raven
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@Schokononne
Einzig das Einsteigen ist etwas hakelig. Ich habe einen Zweitürer und muss die Tür wirklich richtig weit aufmachen können, um mein linkes Bein reinzukriegen. Enge Parkplätze sind seit dem Korsett passé.
Je nachdem, wie sich das Problem genau gestaltet, kann dir evl. ein Drehkissen helfen.
Derartiges gibt es im Orthopädiefachgeschäft, online zu bestellen, oder zu einem relativ günstigen Preis ab Montag, 12.12., bei Norma:
http://norma-online.de/_d_/_angebote_/_ ... 1212-40229_
Viele Grüße,
Raven
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 11:10
von Romeo
Als ich letzte Woche das Rezept für mein erstes Korsett bei Rhamouni abgegeben hatte, hat mich eine Mitarbeiterin auf eventuelle Versicherungstechnische Probleme beim Autofahren angesprochen. Ich sollte das unbedingt mit meiner Versicherung zuerst abklären.
Da ich ein Firmenfahrzeug (Vielfahrer im Vertrieb) fahre und auch die Versicherung auf die Firma geht, möchte ich natürlich nichts Verbotenes machen.
Soweit ich mich vorab informieren konnte, steht einer Autofahrt mit Korsett (Gips, Schiene, Halskrause…) nichts im Wege, solange man die allgemeine Verkehrstüchtigkeit aufrecht erhalten kann. Man sollte sich z. B. beim Einparken umschauen können, der Blick in alle Spiegel muss möglich sein und natürlich muss man an alle Knöpfe am Fahrzeug bedienen können. Funktioniert das noch mit Korsett?
Welche Aussage ist jetzt richtig, bzw. wie habt Ihr Euch mit dem Thema auseinander gesetzt. Vielen Dank für eine baldige Antwort.
Viele Grüße
Romeo
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 14:15
von Schokononne
Hallo Romeo,
auf die Sache mit der Versicherung wies man mich bei Rahmouni auch hin.
Habe bei meiner Versicherung angerufen und wie erwartet grünes Licht bekommen.
Ich musste denen nur erstmal erklären, worum es sich bei meinem Korsett genau handelt, was es macht und dass es mich nicht in den grundlegenden Bewegungen einschränkt.
Da in meinem Versicherungsbüro der Fall "Korsettträgerin im Auto" neu war, hat man sich bei der Hauptzentrale erkundigt.
Mir wurde gesagt, dass ich in jedem Falle mit dem Korsett fahren kann und dass ich mich auch nicht gesondert versichern müsse. Ein extra Vermerk wurde in meinen Versicherungsunterlagen nicht gemacht.
Das einzige, wo man mich drauf hinwies, ist die Schuldfrage im Falle eines Unfalles. Sollte ich einen Unfall bauen und ein Gutachter befindet, dass dieser ohne Korsett nicht passiert wäre, dann müsste meine Versicherung aufkommen, insofern man meine Unfallschuld feststellt.
Aber gut, das hat man bei einem Unfall mit unklarer Schuldfrage ja auch.
Es ist bei mir jedenfalls so, dass mich mein Korsett nicht behindert (außer beim Ein- und Aussteigen

). Ich kann mich nach wie umschauen, komme an den Schaltknüppel und meine Beine sind ebenso reaktionsfähig wie vor dem Korsett.
Versicherungstechnisch dürfte es jedenfalls keine Probleme geben, da deine Arme, Beine und der Kopf ja frei beweglich sind.
Personen mit versteifter WS dürfen ja auch weiterhin Auto fahren.

Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 15:32
von Romeo
Schokononne hat geschrieben:Das einzige, wo man mich drauf hinwies, ist die Schuldfrage im Falle eines Unfalles. Sollte ich einen Unfall bauen und ein Gutachter befindet, dass dieser ohne Korsett nicht passiert wäre, dann müsste meine Versicherung aufkommen, insofern man meine Unfallschuld feststellt. Aber gut, das hat man bei einem Unfall mit unklarer Schuldfrage ja auch.

Hallo Schokononne,
eigentlich sind wir der gleichen Meinung. Der springende Punkt ist jedoch die Aussage mit dem Gutachter. Das wäre dann im Streitfall so, als wenn man im Winter mit Sommerreifen fährt und automatisch eine Mitschuld bei einem Unfall bekommt. Und das darf uns beim Autofahren mit Korsett nicht auch passieren.
Viele Grüße
Romeo
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 15:41
von second
Hallo,
wie wäre es mit einem Anruf bei einem Automobilclub, z.B. ADAC? Die haben dort erfahrerene Rechtsexperten.
Ich - mehrfach wirbelsäulenversteift und mit Paraplegie - habe extra noch mal 4 Fahrstunden genommen und eine erneute Fahrprüfung gemacht - allerdings um zu zeigen, dass das "HANDGAS" kein Problem ist für mich. Mit so einer Absicherung kann einem im Zweifel nicht so viel passieren - bei Unfällen, wo die Schuldfrage nicht ganz klar zu kären ist.
In meiner Zeit als Korsett-Trägerin noch vor Eintritt der Querschnittslähmung weiß ich gar nicht mehr so genau, ob ich da Auto gefahren bin. Ich glaube schon und wenn ja auf alle Fälle ohne Gutachten. Und es ist gut gegangen.
Aber wie gesagt: wenn mal ein Unfall passiert stürzen sich die Rechtsanwälte des Unfallgegners im Zweifel auf jedes in Frage kommende INDIZ.
Gruß
second
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 15:52
von socke
Hallo,
Autofahren ist für mich schon nach relativ kurzer Zeit möglich gewesen (Opel Astra GTC, also ein eher sportliches Auto).
Bei mir war der "Trick", dass ich mit dem Sitz deutlich näher an das Lenkrad/Schaltknüppel gerutscht bin. Dadurch konnte ich trotz der Reklihörnchen alles erreichen. Ich muss beim Lenken öfter umgreifen (vor allem beim Rangieren), das ist aber wirklich nichts Störendes. Bei 60.000 km/Jahr gehe ich mal davon aus, dass du hauptsächlich Autobahn fährst. Da behindert das Korsett wirklich nicht.
Zum bequemen Sitzen: Ich habe meine Lehne so eingestellt, dass sie im 90° Winkel steht. So Sitze ich am besten und vor allem verrutscht das Korsett dann nicht und der Nacken steht in einer vernünftigen Position (lehnst du dich zurück, streckst du automatisch den Nacken).
Da gilt natürlich: Rumprobieren.
Romeo hat geschrieben:Das wäre dann im Streitfall so, als wenn man im Winter mit Sommerreifen fährt und automatisch eine Mitschuld bei einem Unfall bekommt. Und das darf uns beim Autofahren mit Korsett nicht auch passieren.
second hat geschrieben:wenn mal ein Unfall passiert stürzen sich die Rechtsanwälte des Unfallgegners im Zweifel auf jedes in Frage kommende INDIZ.
Ich habe noch nie gehört, dass nach einem Unfall eine Leibesvisitation durchgeführt wird
LG
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 16:03
von Romeo
Hallo socke und second,
ihr habt ja beide recht. Die Wahrscheinlichkeit dass es zu einem Streitfall kommt, wo die Unfallursache durch einen Gutachter geklärt wird oder es zu einer Leibesvisitation kommt, ist schon sehr gering.
Aber bekanntlicherweise steckt der Teufel im Detail und das sollte man zuvor mal kritisch hinterfragen. Besonders wenn man mit einem fremden Auto und fremder Versicherung fährt. Schokononne hat ja bei Ihrer Versicherung nachgefragt und so eine wischi waschi Aussage bekommen.
Viele Grüße
Romeo
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 16:08
von socke
Romeo hat geschrieben:
Aber bekanntlicherweise steckt der Teufel im Detail und das sollte man zuvor mal kritisch hinterfragen. Besonders wenn man mit einem fremden Auto und fremder Versicherung fährt. Schokononne hat ja bei Ihrer Versicherung nachgefragt und so eine wischi waschi Aussage bekommen.
Gerade im Zivilrecht ist sowas
immer eine Einzelfallentscheidung. Jeder Fahrer, jedes Korsett, jedes Auto, jeder Unfall ist anders. Von daher wird man auch nie etwas anderes bekommen als eine dementsprechende Aussage. Und zum Thema Korsett und Unfall gibt es garantiert nicht viele Urteile... (wenn überhaupt). Wenn man mit dem Ding wirklich sicher fahren kann, kriegt man auch im Streitfall recht. Von daher "Et kütt wie et kütt un is noch immer jut jejonge".
LG
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 16:15
von Raven
Hallo socke,
socke hat geschrieben:Ich habe noch nie gehört, dass nach einem Unfall eine Leibesvisitation durchgeführt wird

das nicht; je nach Art des Unfalls und den Situationen unmittelbar danach kann ein Korsett aber sehr auffallen, z.B. beim Aussteigen, beim Aufheben eines Gegenstandes...
Falls eine medizinische Versorgung am Unfallort und/oder Abtransport in ein Krankenhaus erfolgt, dürfte ein Korsett nicht mehr zu verbergen sein.
Viele Grüße,
Raven
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 16:16
von Schokononne
second hat geschrieben:wenn mal ein Unfall passiert stürzen sich die Rechtsanwälte des Unfallgegners im Zweifel auf jedes in Frage kommende INDIZ.
socke hat geschrieben:Ich habe noch nie gehört, dass nach einem Unfall eine Leibesvisitation durchgeführt wird
Natürlich werden die dich nicht abtasten, aber: Angenommen du hast einen Unfall, Schwere dessen sei mal dahingestellt und die Polizei rückt an. Dann braucht nur ein Reklihörnchen aus dem Oberteil gucken oder denen fällt die Steife auf oder du kannst ohne Hilfe nicht mehr aus dem Auto aussteigen... was weiss ich... es gibt tausend Möglichkeiten, bei denen es auffallen könnte, dass du eins trägst. Einfachste Möglichkeit: Du baust im Sommer einen Unfall und trägst über dem Korsett kein Oberteil aufgrund der Temperaturen. Die Polizei ist vor Ort und schon ist das Korsett im Fokus.
Das ist natürlich alles nur reine Beispielsucherei.
Oder... um auf die Schwere des Unfalls zurückzukommen: Man ist als Unfallbeteiligter verletzt und im Unfallprotokoll taucht aufgrund des Einsatzes von einem Rettungsteam die Aussage auf, dass der Unfallbeteiligte beispielsweise aufgrund einer Rumpforthese keine sichtbaren Gurtverletzungen im Bereich des Thorax hat.
.... Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen.
Ich denke, wir Korsettträger müssen mit dem Risko leben, dass wir im Falle eines Unfalls erstmal im Fokus stehen und uns damit auseinandersetzen müssen, dass man der Orthese eine Mitschuld gibt. Und dass die Versicherung sich im Schadensfalle versuchen könnte, sich vor dem Zahlen zu drücken, ist ebenfalls ein realistisches Risiko.
Ich wurde auf der Autobahn mal kilometerweit von einer Streife verfolgt, die die ganze Zeit neben mir fuhr und mich taxierte, da ich mein Korsett offen trug. Am liebsten wärs mir gewesen, die hätten mich rausgezogen und sich aufklären lassen, statt ne halbe Ewigkeit glotzend neben mir herzufahren.
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 17:28
von Romeo
Liebe Erwachsene Autofahrer,
ich stelle fest, dass sich zwar jeder Fahrer der Gefahr bewusst ist, aber bisher noch niemand die Rechtslage so richtig abgeklärt hat. Wahrscheinlich werde ich mich nach einer gewissen Eingewöhnungszeit auch ans Steuer setzten und hoffen, dass ich in keinen Unfall verwickelt werde.
Viele Grüße
Romeo
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 17:40
von sloopy
Romeo hat geschrieben:Der springende Punkt ist jedoch die Aussage mit dem Gutachter. Das wäre dann im Streitfall so, als wenn man im Winter mit Sommerreifen fährt und automatisch eine Mitschuld bei einem Unfall bekommt.
Das sehe ich anders. Wenn du im Winter mit Sommerreifen fährst, setzt du dich bewußt einer Gefahr aus. Wenn du durch's Korsett beim Autofahren nicht behindert wirst, ist das nicht gegeben.
Ich war übrigens letzten Sommer in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt und es ist niemandem aufgefallen, dass ich ein Korsett trage- weder der Polizei, noch dem Sanitäter im Rettungswagen noch dem Arzt im Krankenhaus, wobei letzterer mich auch ziemlich schludrig untersucht hat. Wenn man natürlich schwer verletzt ist und womöglich nicht mehr alleine aus dem Auto steigen kann, wird es eher entdeckt. Hoffen wir alle, dass wir einen solchen Unfall nie haben werden!
Gruß,
sloopy
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 18:34
von mick
Die Frage, ob von der Versicherung auch Fahren mit Korsett gedeckt ist, ist aber doch von der Ursache eines Unfalls unabhängig. Wenn ich aus irgendeinem anderen Grund (unabhängig vom Korsett) einen Unfall (mit)verursache und die Versicherung deckt Fahren mit Korsett allgemein nicht, dann wird sie doch auch diesen Fall nicht übernehmen.
@Romeo: An deiner Stelle würde ich das auf jeden Fall mit der Versicherung klären und mir das Ok schriftlich geben lassen. Bei Verkehrsunfällen ist der Beweis oft schwierig zu führen (wenn jetzt kein absolut grober Regelverstoß vorliegt) und in der Regel besteht eine Teilschuld, über deren genauen Höhe gestritten wird. Aber auch eine Teilschuld kann ziemlich teuer werden. Und wenn bei Rahmouni auf mögliche versicherungstechnische Probleme hingewiesen wird, dann hat das sicherlich Gründe. Ich würde das immer ernst nehmen - gerade an deiner Stelle als beruflicher Vielfacher. Zwar denke ich, dass ich im Korsett problemlos Auto fahren könnte (hab es noch nie versucht), aber das Risiko, dass die Versicherung sich bei einem Unfall dann möglicherweise querstellt, würde ich nicht eingehen wollen. Kann natürlich gutgehen und das Korsett fällt nicht auf, aber das Risiko besteht.
Re: Korsett und längere Autofahrten
Verfasst: Di, 31.01.2012 - 19:00
von Schokononne
mick hat geschrieben: Und wenn bei Rahmouni auf mögliche versicherungstechnische Probleme hingewiesen wird, dann hat das sicherlich Gründe.
Mich hat man ja auch darauf aufmerksam gemacht und auf Nachfrage erklärte man mir, dass es auch KFZ-Versicherungen gibt, bei denen man das Fahren im Korsett evtl. mitversichern oder zumindest eintragen lassen muss, damit man auf der sicheren Seite ist. Und dass es außerdem Versicherungen gibt, die ggf das Fahren mit Orthese versicherungstechnisch nicht gestatten.
Habe mich bei Rahmouni ja auch bezüglich Fahren im Korsett erkundigt und von deren Seite aus gab es da keine Einwände. Fahren im Korsett ist ohne Sicherheitsrisiken für einen selbst möglich.
Sie legen einem aber auch nahe, erst mit dem Korsett zu fahren, wenn man sich im Alltag damit schon gut arrangieren kann. Denn wenn man im Alltag gut zurecht kommt, dann kommt man (meiner Erfahrung nach) auch gut am Steuer zurecht.
Achja, vielleicht auch noch einen Tip von mir, was Mitfahrer angeht: Wenn ich jemanden mitnehme, dann weise ich darauf hin, dass ich auch beim Fahren das Korsett trage und frage nach, ob es unter den Umständen für denjenigen okay ist, mit mir mitzufahren.
Habe nämlich schon einmal die Erfahrung gemacht, dass einem Beifahrer unwohl war, mit jemandem mitzufahren, der wie eine Kröte im eigenen Panzer steckt.
Damit sichere ich mich auch ab. Nicht dass vielleicht mal was passiert - was alle höheren Mächte verhüten mögen - und dann heisst es: "Du bist ja im Korsett gefahren und ich wusste das nicht...., hätte ich das gewusst, dann....."
Bis auf dieses eine Mal sind bislang alle ganz entspannt mit mir mitgefahren und stören sich auch nicht am Eimerle.