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Was denkt ihr zu meiner Kyphose?

Verfasst: Mo, 01.06.2009 - 23:03
von b.w.r.
Hallo!

Bin neu hier angemeldet und hoffe, dass dies hier ein paar Leute lesen, die mir weiterhelfen können.

Meine Leidensgeschichte geht schon über ca. 15 Jahre, ständiges Vorhandensein von Benommenheit und leichtem Schwankschwindel, Gangunsicherheit, Schmerzen in der HWS und BWS, Augenflimmern, geschwollener Hals/Rachen, Spannungskopfschmerzen,...

Im April war ich bei einem neuen Orthopäden in der Stadt und habe mir nochmal die HWS röntgen lassen, diesmal in Funktion mit Vor- und Rückbeugen. Der Arzt bemerkte wie die anderen Orthopäden früher auch die deutliche Kyphose C5-C7. Er verschrieb mir daher ein MRT. Ich hatte mich in Symptome.ch-Forum schon belesen, dass man möglichst ein MRT im Stehen oder Sitzen machen sollte (Upright), da man erst da die Wirbelsäule unter normaler Belastung begutachten kann. Außerdem wurden bei meinem MRT in Hannover Funktionsuntersuchungen gemacht mit links/rechts geneigtem und gedrehtem Kopf.

Der MRT-Radiologe befand:
- deutliche Streckfehlhaltung HWS mit angedeuteter Kyphosierung C5-C7
- geringf. Spondylolisthesis C5 auf C6 Grad 1 Meyerding mit Ventralversatz um knapp 2mm
- mäßiger Verlust des Wassersignals der Bandscheiben in Segmenten C5-C7 bei Osteochondrose. Mäßige Facettendegeneration rechts im Segment C3/C4
- keine Zeichen einer cervikalen Myelopathie
- Segment C6/C7 paramedian linksbetonte flache Prostrusion der Bandscheibe ohne Nachweis einer Nervenwurzelkompression oder Thekalsackpelotierung
- kein Nachweis einer knöchern oder anderweitig bedingten zentralen oder peripheren Spinalkanalstenose
- in coronarer, axialer Schnittrichtung Darstellung eines mittelständigen Dens. Regelrechter Abstand zwischen Densspitze und dem vorderen Atlasbogen. Normale Distanz zwischen Dens und hinterem Atlasbogen. Unauffälliges Myelon.
- leichter Dorsalversatz der rechtsseitigen Massa lateralis im Bezug auf die Gelenkfläche C2
- in der Fettsuppression ergibt sich kein Hinweis auf das Vorliegen einer Flüssigkeitsanreicherung im Bereich der Densspitze
- unauffälliges Ligamentum transversum. Der subarachnoidale Puffer zwischen dem Ligamentum transversum und dem Myelon ist regelrecht.
- Verdacht auf Rotationssubluxation des Atlas

Als ich dann wieder bei dem Orthopäden war, schien dieser den Befund des MRTs gar nicht zu beachten und sah sich die Bilder selbst an. Ich habe im folgenden Bild die 2 Stellen markiert, wo laut ihm das Problem liegt.

Man sieht schön den Verlauf des Rückenmarks im Wirbelkanal. Das weiße ist Liquor, der dunkle Strang das RM. Die beiden Pfeile zeigen auf die Stellen, wo das RM Kontakt mit den Wirbelkörpern hat. Normalerweise ist es umgeben von Liquor:
http://www.abload.de/image.php?img=mrthws1pyot.jpg

Dasselbe Bild, direkt vom Filmbild:
http://www.abload.de/image.php?img=mrth ... lm24c5.jpg

Die Vermutung vom MRT-Arzt - Rotationssubluxation des Atlas - ignorierte der Orthopäde komplett.

Ich habe an der Stelle des unteren Pfeiles ein unangenehmes Gefühl. Ich spüre hinten am Hals die herausstehenden Wirbelkörper. Wenn ich dort etwas mit den Fingern reindrücke, wird mir sofort schummriger.

Ich habe MRT-Bilder der HWS von anderen Patienten gesehen; bei denen sieht man richtig eine Quetschung des Rückenmarks; bei mir ist es doch blos eine Berührung. Können daraus wirklich solche Symptome entstehen?

Heiserkeit und ständiges Räuspern habe ich übrigens auch...

Mich wundert blos, warum der MRT-Arzt geschrieben hat, es gäbe keinen Nachweis einer Rückenmarksquetschung (Kompression), der Orthopäde sieht da jedoch das Problem.

Der Vollständigkeit halber kommen hier noch die Röntgenbilder. Auf dem ersten sieht man außerdem, wie krumm und schief meine HWS von vorne betrachtet aussieht.

Normal von vorn:
http://www.abload.de/image.php?img=hwsr ... 0412u6.jpg

Normal seitlich:
http://www.abload.de/image.php?img=hwsr ... 04w3lz.jpg

Seitlich, nach vorn gebeugt:
http://www.abload.de/image.php?img=hwsr ... 04y1y8.jpg

Seitlich, nach hinten gebeugt:
http://www.abload.de/image.php?img=hwsr ... 0406mz.jpg


So, vielen Dank fürs Lesen bisher! Mich würde interessieren, ob ihr dazu etwas sagen könnt, d.h. ob die Kyphose wirklich solche Beschwerden auslösen kann. Außerdem würden mich die Erfahrungswerte interessieren, ob man diese Fehlstellung durch intensives Training + evtl. Korsett beheben kann.

Liebe Grüße,
Christian.

Verfasst: Di, 02.06.2009 - 10:13
von Klaus
Hallo Christian,
Außerdem wurden bei meinem MRT in Hannover Funktionsuntersuchungen gemacht mit links/rechts geneigtem und gedrehtem Kopf.
kommst Du aus Hannover oder Umgebung?

Die HWS-Kyphose (normalerweise ist dort eine Lordose vorhanden) ist deutlich zu sehen und kann natürlich diverse Beschwerden auslösen.
Wie bei allen Wirbelsäulen-Fehlformen kann man konservativ versuchen mit der speziellen KG nach Katharina Schroth dagegen anzugehen.
So ist in dem Buch von Christa Lehnert Schroth (6. Auflage S. 236-238) beschrieben, welche Übungen geeignet sind.
Allerdings ist die Wirbelsäule immer als ganzes zu sehen, d.h. es sollte unbedingt anhand von Röntgen-Ganz-Aufnahmen von vorn und von der Seite abgeklärt werden, welche Veränderungen in der BWS und LWS noch vorhanden sind! Veränderungen in einem Teil der WS werden im allgemeinen immer durch Veränderungen in anderen Teilen ausgelöst.

Dann sollte in der Regel eine stationäre REHA folgen, in der man die Übungen erlernt. Das ist nämlich nicht so einfach und auch die genannten Anleitungen in dem Buch sind immer nur mit dem individuell richtigen Körpergefühl umzusetzen!! Das Buch ist erst nach einer solchen REHA wirklich brauchbar.

Für Hannover gibt es in der Rubrik Gesucht/Gefunden eine Sammlung, die aber im Fazit darauf hinaus läuft, dass man eigentlich doch den Weg nach Stuttgart überlegen sollte.
Das Mindeste ist die Wirbelsäulensprechstunde im Annastift, bei der man mittlerweile auch Röntgen-Ganz-Aufnahmen in Digitaltechnik bekommt. Die Qualität kenne ich nicht, in 2005 war jedenfalls die Qualität der konventionellen Aufnahmen nicht besonders gut.
Selbst wenn die jungen Assistenzärzte diagnostisch richtig liegen sollten, ist der Weg zu einer REHA noch weit, denn bestenfalls können die das nur als Empfehlung in den Bericht schreiben, wenn sie diese Therapie überhaupt kennen(!), aber selbst nicht beantragen !!

Ausserdem braucht man für das Annastift eine Überweisung durch einen Orthopäden, der damit auch zugibt, dass er nicht alles wissen kann. Solche Orthopäden sind relativ selten. Und noch seltener sind Orthopäden, die sich wirklich bei Kyphose/Skoliose auskennen!

Gruss
Klaus