Implantatentfernung nach Skoliose-OP
Verfasst: So, 26.01.2003 - 06:08
Hallo!
Ich möchte hier die Möglichkeit nutzen, kurz zusammengefasst, meinen Krankheits-, bzw. Behandlungsverlauf zu erzählen. Vielleicht gibt es jemanden unter Euch, dem es ähnlich ergangen ist wie mir?
Mit ca. 10 Jahren wurde bei mir im Rahmen einer Untersuchung beim Kinderarzt eine Fehlhaltung festgestellt - ich wurde zum Orthopäden überwiesen, bzw. an die Universitätklinik für Orthopädie in Innsbruck. Dort wurde ein Röntgenbild gemacht (20°) und der Arzt riet mir zum Tragen eines Korsettes für zumindest 16 Stunden täglich plus Gymnastik. Dies tat ich dann auch und zwar wirklich brav. Ich hielt mich genau an die Tragezeit, manchmal hatte ich dieses fürchterliche Ding sogar den ganzen Tag an. Nur eines muss ich im nachhinen zugeben: Das Turnen habe ich nie so ganz ernst genommen.
Jedes Jahr im Frühjahr wurde ein neues Röntgenbild gemacht. Nachdem ich das Koresett wirklich immer brav getragen hatte, verschlechterte sich die Skoliose nicht, sondern nahm sogar im Laufe von 2 Jahren um ca. 10° ab. Bis zu meinem 14. Lebensjahr ging es dann immer wieder auf und ab. Die Ärzte meinten, wenn ich meine Periode bekommen würde, könnte man beginnen, das Korsett abzubauen, weil ich dann ja nicht mehr viel wachsen würde. - Mit 13 Jahren bekam ich meine Periode und mit fast 15 Jahren beschloss ich, das Korsett nicht mehr zu tragen.
Weiterhin ging ich jedes Jahr zum Röntgen in die Klinik. Nachdem ich das Korsett nicht mehr trug, verschlechterte sich die Skoliose mit jedem Jahr. Nur, muss ich sagen, hatte ich keine Beschwerden und es sah auch gar nicht (für meine Begriffe) so auffällig aus.
Doch als ich 18 Jahre alt war hatte ich ca. 56°. Man riet mir zu einer Operation. Und obwohl wie gesagt ich KEINE Beschwerden hatte und es mich auch optisch nicht sonderlich störte, ließ ich mich zu einer OP überreden. Der Eingriff wurde für die Sommerferien geplant, da ich genug Zeit für die Erholung brauchte. Ich hatte wirklich wahnsinnige Angst, ich wollte es ja gar nicht, denn ich fühlte mich eigentlich gut. Die Ärzte hatten mir aber eine derart schlechte Zukunftsprognose gestellt, dass ich mir keinen anderen Rat mehr wusste, als mich operieren zu lassen.
Nach ca. 4-5 Tagen liegen durfte ich bereits sitzen und dann langsam aufstehen. Ich erholte mich überhaupt ziemlich schnell von diesem großen Eingriff. Nach ca. 12 Tagen durfte ich nachause. Viel liegen, Schmerzen, das kennt Ihr ja!!
Im Herbst begann das neue Schuljahr und ich hatte mich soweit erholt um wieder "ganz normal" weiterzuleben. Nur eine Sache war wirklich seltsam: Eine kleine Stelle meiner langen Operationsnarbe verheilte nicht. Ca. 2cm in der Mitte der Narbe waren sozusagen immer wieder "offen". Ständig musste ich in die Klinik um Verbände zu machen, etc. Schließlich musste diese kleine Stelle nochmals in Narkose aufgeschnitten und vernäht werden. Wieder ein Krankenhausaufenthalt und eine Narkose mehr.
Aber auch nachher war diese Stelle so ungefähr alle 2 Monate einmal aufgeschürft. Ein Jahr ging das so, ich hatte furchtbare Schmerzen mit diesem Implantat! Ständig ging ich in die KLinik und fragte um Rat, den mir keiner der Ärzte geben konnte. Ich fühlte mich schrecklich: 18 Jahre alt, voller Lebenslust, aber ständig mit Schmerzen und keinem der einem helfen kann! Im Herbst 1999 maturierte ich. Anschließend begann ich als Sekretärin zu arbeiten. Nach 3 Monaten bei meiner neuen Stelle bemerkte ich plötzlich eine Erhebung auf der Narbe. Es fühlte sich weich an und ich dachte es sei vielleicht eine Muskelverspannung. Ich ging zum Arzt. - Es stellte sich heraus, dass Eiter in meinem Rücken war und ich musste erneut operiert werden. Die Narbe wurde wieder geöffnet, das Eiter entfernt und wieder zugenäht. Nach ca. 10 Tagen unter antibiotischer Abschirmung durfte ich nach Hause.
Nach ca. 3 Tagen bemerkte meine Mutter nach dem Verbandswechsel, dass wieder eine Schwellung zu bemerken war - wieder Klinik - nun Indikation zur Entfernung des Implantates wegen "Unverträglichkeit".
Das war der schlimmste Tag meines Lebens. Seit über 10 Jahren hatte ich mit dieser Sache zu kämpfen, ließ mich sogar operieren und dann ging sogar das noch schief.
Also entfernte man das Implantat, wieder Narkose, Spitalsaufenthalt, unendlich viele Tränen ....
Was natürlich klar ist: Wenn das Implantat entfernt wird, nimmt die Skoliose wieder zu, gleich wie vor dem Eingriff.
Nach einer langen Erholungsphase spürte ich plötzlich, dass ohne dieses Implantat alle Schmerzen wie weggeblasen waren. Ich konnte wieder alles machen. Nur eines beherzigte ich seitdem wirklich: Ich machte jeden Tag Physiotherapie. Zu meinem Glück fand ich einen wirklich hervorragenden Physiotherapeuten.
Seit der Entfernung meines Implantates hat meine Skoliose bestimmt um ca. 15 ° zugenommen. Aber ich kann nicht mehr in die Klinik gehen. Das schaffe ich einfach nicht mehr. Denn als ich das letzte Mal, vor ca. 2 Jahren dort war, meinte der Arzt, dass man ja nochmal "von vorne" operieren könnte. Somit war für mich die Sache erledigt.
Seitdem mache ich wie gesagt, jeden Tag Physiotherapie. Ich weiß, dass man eigentlich nichts mehr machen kann. Schmerzen habe ich keine, Gott sei Dank! Und ich versuche einfach so zu tun als wäre nichts. Nur wie man sieht gelingt es mir nicht so ganz, sonst wäre ich ja nie auf diese Seite im Internet gekommen.
Also, ich hoffe ich habe alles halbwegs verständlich geschrieben und freue mich über jede Antwort.
Grüße, Alexandra
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Ich möchte hier die Möglichkeit nutzen, kurz zusammengefasst, meinen Krankheits-, bzw. Behandlungsverlauf zu erzählen. Vielleicht gibt es jemanden unter Euch, dem es ähnlich ergangen ist wie mir?
Mit ca. 10 Jahren wurde bei mir im Rahmen einer Untersuchung beim Kinderarzt eine Fehlhaltung festgestellt - ich wurde zum Orthopäden überwiesen, bzw. an die Universitätklinik für Orthopädie in Innsbruck. Dort wurde ein Röntgenbild gemacht (20°) und der Arzt riet mir zum Tragen eines Korsettes für zumindest 16 Stunden täglich plus Gymnastik. Dies tat ich dann auch und zwar wirklich brav. Ich hielt mich genau an die Tragezeit, manchmal hatte ich dieses fürchterliche Ding sogar den ganzen Tag an. Nur eines muss ich im nachhinen zugeben: Das Turnen habe ich nie so ganz ernst genommen.
Jedes Jahr im Frühjahr wurde ein neues Röntgenbild gemacht. Nachdem ich das Koresett wirklich immer brav getragen hatte, verschlechterte sich die Skoliose nicht, sondern nahm sogar im Laufe von 2 Jahren um ca. 10° ab. Bis zu meinem 14. Lebensjahr ging es dann immer wieder auf und ab. Die Ärzte meinten, wenn ich meine Periode bekommen würde, könnte man beginnen, das Korsett abzubauen, weil ich dann ja nicht mehr viel wachsen würde. - Mit 13 Jahren bekam ich meine Periode und mit fast 15 Jahren beschloss ich, das Korsett nicht mehr zu tragen.
Weiterhin ging ich jedes Jahr zum Röntgen in die Klinik. Nachdem ich das Korsett nicht mehr trug, verschlechterte sich die Skoliose mit jedem Jahr. Nur, muss ich sagen, hatte ich keine Beschwerden und es sah auch gar nicht (für meine Begriffe) so auffällig aus.
Doch als ich 18 Jahre alt war hatte ich ca. 56°. Man riet mir zu einer Operation. Und obwohl wie gesagt ich KEINE Beschwerden hatte und es mich auch optisch nicht sonderlich störte, ließ ich mich zu einer OP überreden. Der Eingriff wurde für die Sommerferien geplant, da ich genug Zeit für die Erholung brauchte. Ich hatte wirklich wahnsinnige Angst, ich wollte es ja gar nicht, denn ich fühlte mich eigentlich gut. Die Ärzte hatten mir aber eine derart schlechte Zukunftsprognose gestellt, dass ich mir keinen anderen Rat mehr wusste, als mich operieren zu lassen.
Nach ca. 4-5 Tagen liegen durfte ich bereits sitzen und dann langsam aufstehen. Ich erholte mich überhaupt ziemlich schnell von diesem großen Eingriff. Nach ca. 12 Tagen durfte ich nachause. Viel liegen, Schmerzen, das kennt Ihr ja!!
Im Herbst begann das neue Schuljahr und ich hatte mich soweit erholt um wieder "ganz normal" weiterzuleben. Nur eine Sache war wirklich seltsam: Eine kleine Stelle meiner langen Operationsnarbe verheilte nicht. Ca. 2cm in der Mitte der Narbe waren sozusagen immer wieder "offen". Ständig musste ich in die Klinik um Verbände zu machen, etc. Schließlich musste diese kleine Stelle nochmals in Narkose aufgeschnitten und vernäht werden. Wieder ein Krankenhausaufenthalt und eine Narkose mehr.
Aber auch nachher war diese Stelle so ungefähr alle 2 Monate einmal aufgeschürft. Ein Jahr ging das so, ich hatte furchtbare Schmerzen mit diesem Implantat! Ständig ging ich in die KLinik und fragte um Rat, den mir keiner der Ärzte geben konnte. Ich fühlte mich schrecklich: 18 Jahre alt, voller Lebenslust, aber ständig mit Schmerzen und keinem der einem helfen kann! Im Herbst 1999 maturierte ich. Anschließend begann ich als Sekretärin zu arbeiten. Nach 3 Monaten bei meiner neuen Stelle bemerkte ich plötzlich eine Erhebung auf der Narbe. Es fühlte sich weich an und ich dachte es sei vielleicht eine Muskelverspannung. Ich ging zum Arzt. - Es stellte sich heraus, dass Eiter in meinem Rücken war und ich musste erneut operiert werden. Die Narbe wurde wieder geöffnet, das Eiter entfernt und wieder zugenäht. Nach ca. 10 Tagen unter antibiotischer Abschirmung durfte ich nach Hause.
Nach ca. 3 Tagen bemerkte meine Mutter nach dem Verbandswechsel, dass wieder eine Schwellung zu bemerken war - wieder Klinik - nun Indikation zur Entfernung des Implantates wegen "Unverträglichkeit".
Das war der schlimmste Tag meines Lebens. Seit über 10 Jahren hatte ich mit dieser Sache zu kämpfen, ließ mich sogar operieren und dann ging sogar das noch schief.
Also entfernte man das Implantat, wieder Narkose, Spitalsaufenthalt, unendlich viele Tränen ....
Was natürlich klar ist: Wenn das Implantat entfernt wird, nimmt die Skoliose wieder zu, gleich wie vor dem Eingriff.
Nach einer langen Erholungsphase spürte ich plötzlich, dass ohne dieses Implantat alle Schmerzen wie weggeblasen waren. Ich konnte wieder alles machen. Nur eines beherzigte ich seitdem wirklich: Ich machte jeden Tag Physiotherapie. Zu meinem Glück fand ich einen wirklich hervorragenden Physiotherapeuten.
Seit der Entfernung meines Implantates hat meine Skoliose bestimmt um ca. 15 ° zugenommen. Aber ich kann nicht mehr in die Klinik gehen. Das schaffe ich einfach nicht mehr. Denn als ich das letzte Mal, vor ca. 2 Jahren dort war, meinte der Arzt, dass man ja nochmal "von vorne" operieren könnte. Somit war für mich die Sache erledigt.
Seitdem mache ich wie gesagt, jeden Tag Physiotherapie. Ich weiß, dass man eigentlich nichts mehr machen kann. Schmerzen habe ich keine, Gott sei Dank! Und ich versuche einfach so zu tun als wäre nichts. Nur wie man sieht gelingt es mir nicht so ganz, sonst wäre ich ja nie auf diese Seite im Internet gekommen.
Also, ich hoffe ich habe alles halbwegs verständlich geschrieben und freue mich über jede Antwort.
Grüße, Alexandra
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