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Bezahlung einer Kur durch die Krankenkasse?

Verfasst: Mo, 26.05.2003 - 16:28
von thunerfee
Hallo Leute,

meine Schwester ist 23 Jahre und hat eine Skoliose von 44%. Der Facharzt rät ihr, eine Reha zu beantragen oder, falls sich die Skoliose verschlimmert, eine OP durchzuführen. Bisher hatte sie nur wenig fachmännische Krankengymnastik und auch sonst keine kronkreten Anleitungen, was sie tun kann. Sie leidet insbesondere unter Atemnot, Magenbeschwerden und Rückenschmerzen, was besonders abends in zunehmenden Maße auftritt. Das Ganze hat dazu geführt, dass sie ca. 12 kg im letzten Jahr abgenommen hat, weil sie beim Essen zeitweise das Gefühl hat, keine Luft zu bekommen. Die Skoliose wurde erst vor kurzem bei ihr diagnostiziert.
Ich hätte an die Forumsnmitglieder folgende Fragen:
Da sie Studentin ist kann sie von der BfA oder LVA keine Kur genehmigt bekommen - übernimmt die Kosten für eine Kur - beispielsweise in Bad Sobernheim - auch die Krankenkasse?
Beziehungsweise: wie kann man argumentierren, wenn eine solche Kur abgelehnt wird?
Hat es generell einen Sinn, in diesem Alter Skoliose noch mit einem Korsett zu behandeln? Keiner der Ärzte hat bisher meine Schwester auf diese Möglichkeit hingewiesen.

Mir wäre sehr daran gelegen, dass man bei ihr eine Operation vermeiden könnte.

Kann mir jemand dazu Tipps geben?

Gruss
Gast

Re: Bezahlung einer Kur durch die Krankenkasse?

Verfasst: Mo, 26.05.2003 - 20:36
von BZebra
gast hat geschrieben:Da sie Studentin ist kann sie von der BfA oder LVA keine Kur genehmigt bekommen - übernimmt die Kosten für eine Kur - beispielsweise in Bad Sobernheim - auch die Krankenkasse?
Ja, die Kosetn werden (müssen) dann von der Krankenkasse übernommen werden.
gast hat geschrieben:wie kann man argumentierren, wenn eine solche Kur abgelehnt wird?
Zunächst mal auf direktem Wege in einem persönlichen Gespräch mit dem Sachbearbeiter, dem die gesundheitliche Situation erklärt wird und auch, daß nur eine Kur nach der Methode Schroth in Frage kommt, weil diese die einzige ist, die überhaupt Erfloge nachzuweisen hat und wo eine wirklich intensive und auch erfolgsversprechende Therapie angeboten wird, bei der das Geld gut investiert ist..
Bei Genehmigung einer Kur in einer anderen Klinik am besten in Sobernheim das Infoblatt hierzu anfordern und unbedingt Widerspruch einlegen. Wenn alles nichts hilft: Drohen mit einer Klage vor dem Sozialgericht.
gast hat geschrieben:Hat es generell einen Sinn, in diesem Alter Skoliose noch mit einem Korsett zu behandeln?
Ja, lies hierzu mal unter Korsett-Therapie, dort findest Du mehrere Themen zum Korsett im Erwachsenenalter.
Ein Besuch bei Dr.Hoffmann in Leonberg bei Stuttgart wäre mit Sicherheit lohnenswert, nicht nur wegen der Möglichkeit einer Korsett-Therapie sondern auch wegen des Kurantrages.
gast hat geschrieben: Mir wäre sehr daran gelegen, dass man bei ihr eine Operation vermeiden könnte.


Bei nur 44° wird keine OP notwendig sein, das ist für eine Erwachsene nicht viel Verkrümmung. Allerdings glaube ich nicht, daß schwere Atemprobleme und Probleme mit dem Essen schon bei einer solch geringen Skoliose auftreten, habe ich zumindest noch nie gehört. Hat sie noch andere Sachen außer Skoliose (z.B. starken Flachrücken oder Kyphose) bzw. bist Du Dir sicher, daß es nur 44° sind?

LG,
BZebra

Re: Bezahlung einer Kur durch die Krankenkasse?

Verfasst: Di, 27.05.2003 - 08:02
von Dr. Steffan
gast hat geschrieben:Ich hätte an die Forumsnmitglieder folgende Fragen:
Da sie Studentin ist kann sie von der BfA oder LVA keine Kur genehmigt bekommen - übernimmt die Kosten für eine Kur - beispielsweise in Bad Sobernheim - auch die Krankenkasse?
Die Kosten werden von beiden übernommen. Wenn Deine Schwester bisher noch nicht gearbeitet hat ist sie bei Deinen Eltern mit versichert. Die BfA ist damit für die Reha zuständig. Aber auch die Kasse muß, wenn man den Antrag bei ihr stellt zahlen. Bei allen übrigen Antworten kann ich mich BZebra anschließen.
Dr. Steffan

Bezahlung der Krankenkasse in Österreich?

Verfasst: Di, 27.05.2003 - 08:30
von Missma
Find ich gut, dass ihr gerade das Thema mit der Krankenkasse ansprecht. Ich bin auch 23 Jahre und war schon dreimal auf Kur. Nach dem letzen Kuraufenthalt hat mir die Krankenkasse gesagt, dass sie die Kosten für eine weitere Kur nicht übernehmen werden, da ich ja jetzt ausgewachsen sei und sie keinen Sinn mehr in so einer Behandlung sehen.
Kennt sich vielleicht jemand aus wie das so in Österreich abläuft??
Da ich in meiner Umgebung keinen Physiotherapeuten finden konnte der sich mit der Schroth Therapie auskennt (ausser einer Dame, die aber leider in Karenz ist), sollte ich dringend wieder einmal intensiv etwas für meinen Rücken machen.
LG martina :rolleyes:

Verfasst: Di, 27.05.2003 - 09:24
von Toni
Hallo Martina
Da sind wir ja fast Nachbarn! Ich komme jede Woche mehrmals durch Dornbirn und Lustenau.
Vieleicht kannst Du eine/einen Schroth-TherapeutInn in Lindau/Bodensee finden? Mit dem Zug von Dornbirn aus nicht so wild.

In Österreich werden von der KG leider nur 50% von der KK übernommen- in Deutschland 80%.
Wenn Du begründest, daß in Vorarlberg keine anerkannte Schroth-Therapeutin arbeitet und die nächstgelegene in Lindau oder Wangen ( mehere!) sind, und Du auf diese spezielle KG angewiesen bist, findest Du sicher einen Kompromiß mit der KK.

In Österreich ist die Pensionskasse des österreichischen Sozialversicherungsverbandes Landesstelle Vorarlberg für die REHA zuständig, sobald Du mal gearbeitet hast und eine Sozialversicherungsnummer hast. Wenn nicht, dann die Krankenkasse.
genehigungen für Kuren im Ausland in Reha-Kliniken, die keine Vertragskliniken sind, erfolgen nur über die Hauptstelle in Wien (Chefärztlichen Dienst) und brauchen eine besondere Begründung und den Nachweis, daß diese Therapie von keiner österr. Einrichtung geleistet werden kann. Die Bearbeitung von REHA-Anträgen in Österreich kann Monate dauern!!!

Denen würde ich schön sachlich/fachlich in einem netten Brief mitteilen, daß die Pflege einer skoliotischen/kyphotischen WS eine lebenslange, verantwortungsvolle Aufgabe bleiben wird, die nicht endet, nur weil man ausgewachsen ist. ( das gilt für Operierte und Nichtoperierte gleichermaßen)

Das Ziel bei Erwachsenen ist die Vorbeugung und Beseitigung von Schmerzen, eine Verschlechterung zu vermeiden und die körperliche Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit zu verbessern. Das muss denen offensichtlich immer wieder neu klargemacht werden! ( nicht nur in Österreich)
Liebe Grüße nach Dornbirn- ich seh den Karren und das Bödele von meinem Fenster aus.
Toni

Re: Bezahlung einer Kur durch die Krankenkasse?

Verfasst: Mi, 28.05.2003 - 00:56
von BZebra
DrSteffan hat geschrieben:Wenn Deine Schwester bisher noch nicht gearbeitet hat ist sie bei Deinen Eltern mit versichert. Die BfA ist damit für die Reha zuständig. Aber auch die Kasse muß, wenn man den Antrag bei ihr stellt zahlen.
Folgende Bestimmungen bzw. Ausnahmen gibt es dafür:
www.bfa.de - Kinderrehabilitation

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen

Es genügt, wenn ein Elternteil

- die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt oder
- sechs Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen für eine versicherte
- Beschäftigung oder Tätigkeit in den letzten zwei Jahren vor Antragstellung hat oder
- bereits eine Rente von der BfA bezieht oder
- wenn das Kind selbst eine Waisenrente bezieht.

Leistungsausschluss

Leistungen zur Rehabilitation kommen nicht in Betracht, wenn der Versicherte oder Rentenbezieher

- eine Beschäftigung ausübt, aus der dem Versicherten nach beamtenrechtlichen oder entsprechenden Vorschriften Anwartschaft auf Versorgung gewährleistet wird oder
- eine Versorgung wegen Erreichens einer Altersgrenze bezieht und deswegen versicherungsfrei ist.
Mitversichert ist man auch nur bis maxinal 25.

Gruß,
BZebra

Re: Bezahlung einer Kur durch die Krankenkasse?

Verfasst: Mi, 28.05.2003 - 08:38
von Gast
Hallo BZebra,

erstmal danke für die vielen, informativen Antworten. Zur Präzision des Befundes bezüglich der Atemnot und den Essproblemen meiner Schwester folgendes:

BZebra hat geschrieben:
Bei nur 44° wird keine OP notwendig sein, das ist für eine Erwachsene nicht viel Verkrümmung. Allerdings glaube ich nicht, daß schwere Atemprobleme und Probleme mit dem Essen schon bei einer solch geringen Skoliose auftreten, habe ich zumindest noch nie gehört. Hat sie noch andere Sachen außer Skoliose (z.B. starken Flachrücken oder Kyphose) bzw. bist Du Dir sicher, daß es nur 44° sind?

LG,
BZebra
Sie hat an der LWS eine Krümmung von 44 Grad, an der Brustwirbelsäule eine Krümmung von 46 Grad. Die Statik weicht nur um 2 cm ab ( weiß ich nicht, was das bedeuten soll). Bezüglich der Atemnot hat sie einen Lungenfacharzt konsultiert, der außer ein eingeschränktes Lungenvolumen nichts festgestellt hat. Außerdem ist ihre Rückenmuskulatur nur sehr gering ausgebildet und sie hat ein Hohlkreuz.
Insbesondere klagt sie über starke Schmerzen und Druck im Brustwirbelbereich und Beklommenheitsgefühl.
Kann man möglicherweise durch intensives Training der Rückenmuskulatur bereits diese Symptome verbessern? Oder sollte man bei Skoliose nur unter fachlicher Anleitung trainieren?

Vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir weiterhelfen.

Schönen Gruß
gast

Re: Bezahlung einer Kur durch die Krankenkasse?

Verfasst: Mi, 28.05.2003 - 15:38
von BZebra
Anonymous hat geschrieben:Kann man möglicherweise durch intensives Training der Rückenmuskulatur bereits diese Symptome verbessern? Oder sollte man bei Skoliose nur unter fachlicher Anleitung trainieren?
Besser erst die Kur machen und KG nach Schroth ordentlich lernen und wenn man das kann, dann kann man sich zusätzlich noch an Krafttraining heranwagen. In umgekehrter Reiehnfolge kann man sonst viel falsch machen, weil einfach das Körpergefühl für das was gerade ist fehlt, und man so leicht in die Verkrümmung hineintrainiert.

LG,
BZebra

Verfasst: Fr, 30.05.2003 - 11:00
von sloopy
Hallo Gast,

deine Schwester sollte sich bei Dr. Hoffmann, Leonberg oder Dr. Steffan, Bad Salzugnen vorstellen und sich gründlich untersuchen lassen. Der Arzt wird dann das weitere Vorgehen mit ihr besprechen, eine schnellstmögliche Reha nach Schroth in Salzungen oder Sobernheim wird der erste Schritt sein. Was die OP betrifft, kann ich den anderen auch nur zustimmen, bei den Gradzahlen braucht sie keine Operation.

Gruß, sloopy