OP nicht immer nur letzte Wahl
Verfasst: So, 24.02.2019 - 08:11
Liebe Leser,
gerne möchte ich mich wieder zum Thema Operation äußern, da ich in letzter Zeit häufig teilweise verwirrende und manchmal fast falsche Einschätzungen zu einer möglichen Operation gelesen habe.
Grundsätzlich herrscht schon seit vielen Jahrzehnten die Einstellung, dass die OP die Methode der letzten Wahl sein sollte, da sie nicht rückgängig zu machen ist. Das ist in der heutigen Zeit nur noch teilweise wahr.
Ich erlebe häufig in meiner Sprechstunde Patienten, die durch ein zu langes Zögern auch Nachteile entwickelt haben. Ich möchte kurz ein paar Gründe anführen.
1) In einigen Fällen würde man bei einer frühzeitigen Operation mit einer reinen Versteifung der thorakalen Skoliose auskommen, so lange die lumbale Krümmung nur kompensatorisch ist. Wartet man zu lange, kann diese strukturell werden und man müsste sie ebenso versteifen. Eine reine thorakale Versteifung wirkt sich so gut wie nicht auf die Beweglichkeit aus, eine lumbale schon mehr.
2) Auch bei größer werdenden lumbalen Krümmungen ist das Ziel der OP eine möglichst kurze Versteifung. Es kann schon einen Unterschied machen, ob die Versteifung nur bis zum zweiten, zum dritten oder sogar zum vierten Lendenwirbel geht. Je größer die Krümmung, desto tiefer muss man versteifen
3) Es gibt heutzutage auch nicht versteifende Operationen, wie die dynamische Skoliosekorrektur. Zwar muss diese Methode noch genauer untersucht werden, aber grundsätzlich gilt hier: Je früher, desto besser. Am besten vor Abschluss des Wachstums (idealerweise mit ca. 12 oder 13 Jahren)
4) Krümmungswinkel bei degenerativen Skoliosen haben viel weniger Aussagekraft als bei idiopathischen Skoliosen. Eine degenerative Skoliose mit 30° kann durchaus schon eine Seitverschiebung zweier Wirbel haben, die dann zu einer vollständigen Verengung des Spinalkanals führt und manchmal auch schon neurologische Ausfälle mit sich zieht. Hier sollte man nicht lange abwarten sondern zügig handeln
Weiterhin sollen ja in diesem Forum gute und schlechte Erfahrungen geteilt werden, aber ich vernehme zunehmend, dass ohne genaues Wissen von Details sofort Schroth, Spiraldynamik und Korsett empfohlen werden. Gerade bei größeren Krümmungswinkeln oder Skoliosen nicht-idiopathischer Ursache, schadet es nicht, frühzeitig eine erfahrene Klinik nach einer Meinung zu fragen. Seriöse Kliniker werden nicht sofort die OP empfehlen, nur weil sie gerne operieren. Sie werden über die Vor- und Nachteile der OP und den möglicherweise günstigsten Zeitpunkt reden.
Viele Grüße,
gerne möchte ich mich wieder zum Thema Operation äußern, da ich in letzter Zeit häufig teilweise verwirrende und manchmal fast falsche Einschätzungen zu einer möglichen Operation gelesen habe.
Grundsätzlich herrscht schon seit vielen Jahrzehnten die Einstellung, dass die OP die Methode der letzten Wahl sein sollte, da sie nicht rückgängig zu machen ist. Das ist in der heutigen Zeit nur noch teilweise wahr.
Ich erlebe häufig in meiner Sprechstunde Patienten, die durch ein zu langes Zögern auch Nachteile entwickelt haben. Ich möchte kurz ein paar Gründe anführen.
1) In einigen Fällen würde man bei einer frühzeitigen Operation mit einer reinen Versteifung der thorakalen Skoliose auskommen, so lange die lumbale Krümmung nur kompensatorisch ist. Wartet man zu lange, kann diese strukturell werden und man müsste sie ebenso versteifen. Eine reine thorakale Versteifung wirkt sich so gut wie nicht auf die Beweglichkeit aus, eine lumbale schon mehr.
2) Auch bei größer werdenden lumbalen Krümmungen ist das Ziel der OP eine möglichst kurze Versteifung. Es kann schon einen Unterschied machen, ob die Versteifung nur bis zum zweiten, zum dritten oder sogar zum vierten Lendenwirbel geht. Je größer die Krümmung, desto tiefer muss man versteifen
3) Es gibt heutzutage auch nicht versteifende Operationen, wie die dynamische Skoliosekorrektur. Zwar muss diese Methode noch genauer untersucht werden, aber grundsätzlich gilt hier: Je früher, desto besser. Am besten vor Abschluss des Wachstums (idealerweise mit ca. 12 oder 13 Jahren)
4) Krümmungswinkel bei degenerativen Skoliosen haben viel weniger Aussagekraft als bei idiopathischen Skoliosen. Eine degenerative Skoliose mit 30° kann durchaus schon eine Seitverschiebung zweier Wirbel haben, die dann zu einer vollständigen Verengung des Spinalkanals führt und manchmal auch schon neurologische Ausfälle mit sich zieht. Hier sollte man nicht lange abwarten sondern zügig handeln
Weiterhin sollen ja in diesem Forum gute und schlechte Erfahrungen geteilt werden, aber ich vernehme zunehmend, dass ohne genaues Wissen von Details sofort Schroth, Spiraldynamik und Korsett empfohlen werden. Gerade bei größeren Krümmungswinkeln oder Skoliosen nicht-idiopathischer Ursache, schadet es nicht, frühzeitig eine erfahrene Klinik nach einer Meinung zu fragen. Seriöse Kliniker werden nicht sofort die OP empfehlen, nur weil sie gerne operieren. Sie werden über die Vor- und Nachteile der OP und den möglicherweise günstigsten Zeitpunkt reden.
Viele Grüße,