Skolinale am 12.03.2008 in BERLIN: Korsetttherapie

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J-Maria
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Skolinale am 12.03.2008 in BERLIN: Korsetttherapie

Beitrag von J-Maria »



Skolinale – Skoliose Selbsthilfegruppe Berlin-Brandenburg
lädt herzlich Skoliosebetroffene und Angehörige zum März-Treffen ein.



WANN? & WO?

Mittwoch, 12.03.2007, 17.00 Uhr
D.o.m.i.c.i.l. Hotel ( 7. OG ) Eingang links neben McDonalds
Direkt am U-Bhf. Wilmersdorfer Str. (U7)
Kantstr. 111a, 10627 Berlin Charlottenburg



Im Rahmen des Skolinale März-Treffens referiert ein Korsettbauer. Auch die Ergebnisse der Korsetttherapie mit modifiziertem Chineau-Korsett werden vorgestellt.

Referent: Klaus Nahr
Korsettbauer, Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin


Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung wird aus organisatorischen Gründen gebeten, :)
TEL./SMS: 01577 1759168 oder MAIL: skolinale(ät)web(punkt)de[/color]
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chilli-pepper
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Beitrag von chilli-pepper »

Nochmal Hallo,

bitte noch mal einen Platz freihalten- hier komm ich natürlich auch ;)

LG chilli-pepper
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J-Maria
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Beitrag von J-Maria »

Auch hier werden wir noch ein Bericht reinstellen, ist noch in arbeit ...
Aber vielleicht kann schon mal unsere Chilli-pepper vorab ihre Eindrücke schildern :)
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chilli-pepper
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Beitrag von chilli-pepper »

Ja Hallo- da hat mir aber jemand den Ball zugespielt... :juggle:

Im Moment hab ich zwar auch nicht gerade viel Zeit- aber ich werde gerne meine Eindrücke schildern...

Hmmmm- wo fang ich blos an... :rolleyes:

Klaus Nahr und sein Kollege aus Frankreich haben einen sehr ausführlichen Vortrag gehalten und alles mit PC bildhaft rübergebracht.
Angefangen wurde bei den Wurzeln der Skoliose-Behandlung.
Da ich vor 20 Jahren auch ein Cheneau-Korsett hatte und meine Nichte wahrscheinlich auch bald eins bekommen wird , hat mich sehr interessiert,
ob die "Dinger" sich verändert haben , oder noch genauso aussehen...
Was ich gesehen habe , hat mich sehr überrascht. Viel weniger wuchtig sehen sie jetzt aus.(Jedenfalls die von Klaus Nahr :) )
Im Laufe des wirklich sehr interessanten Abends, gewann man den Eindruck , dass sich da wirklich zwei innovative Kollegen gefunden haben,
die sich so sehr in eine Sache "verbissen" haben, dass sie gemeinsam das Korsett auf ihre Art weiterentwickeln... Sie verfolgen das gleiche Ziel und passen absolut zusammen.
Es ist bewundernswert, dass man sich in eine Sache derartig "verbeißen" kann und es dadurch vorwärts bringt... Einfach Klasse!!!

Sehr gut finde ich die Möglichkeit der Korsettanschulung unter Beobachtung in der Klinik- das war früher bei mir genauso und wäre anders gar nicht denkbar gewesen.
Wir Mädchen haben uns gegenseitig den "Rücken " gestärkt und die Schwestern waren immer für uns da...
Es wurde immer in einer Klinik angeschult, weil es eben eine enorme Belastung für Kinder und Eltern ist. In der Klinik ist man langsam in die Situation "reingewachsen".
Für mich war das damals genauso, wie für die Mädchen heute in der Reha.

Desweiteren finde ich sehr lobenswert, dass es keine "Höllenfahrt" für die Patienten gibt!!!
Ich weiß ja nicht, wie viel ich verraten darf, aber die Korrekturwerte sprechen für sich. Eine ehemalige Patientin , war auch da , die auf "0" korregiert wurde, von fast 40° Ausgangsverkrümmung!
(@J-Maria:Sollte ich das jetzt falsch in Erinnerung haben, bitte ich um Korrektur!)
Weitere Infos meinerseits ergeben sich sicher durch eventuelle Fragen.
Ach ja- noch sehr gut fand ich, dass Dr.Thomas auch dem Vortrag gelauscht hat- sollten vielleicht öfter mal Orthopäden machen, die auch chirurgisch tätig sind ;)
Anschließend konnte man noch viele Fragen stellen, meine vielen Fragen seien mir an dieser Stelle verziehen... :lach:
Es war ein echt gelungener Abend !!! An alle ein dickes DANKESCHÖN!
LG chilli-pepper
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo Chilli-pepper,

vielleicht solltest Du mal kurz schildern, ob es auch um korrigierende Erwachsenen-Korsette ging.

Gruss
Klaus
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chilli-pepper
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Beitrag von chilli-pepper »

Hallo Klaus,

nein, es ging nicht um korrigierende Erwachsenen-Korsette - weil auch keiner da war, den das interessierte!
Nach meinem Empfinden hat Klaus Nahr ( zum Glück) zu korrigierenden Erwachsenen-Korsetten eine ähnliche kritische Meinung wie Dr.Steffan.
(Hallo Herr Nahr- verbessern Sie mich , wenn ich was falsches schreibe!)

Das Thema habe ich nur kurz angeschnitten, weil ich , bevor ich hier im Forum Mitglied wurde, nie etwas von Erwachsenen-Korsetten hörte und
ich halte es auch nicht für richtig immer sofort eines zu empfehlen.
Neue User bekommen sonst eventuell den Eindruck, dass das die einzigste richtige Lösung ist.

Ehe hier Missverständnisse entstehen-ich rede hier nur von korriegierenden Skoliose-Korsetten für Erwachsene!
Mit dem Thema Kyphose kenne ich mich nicht aus und kann deshalb auch nicht gezielte Fragen stellen, da ich nicht weiß, auf was es ankommt!
Generell halte ich es für ungeheuerlich einem erwachsenen Patienten ein korrigierendes Korsett aufzudrücken, ohne vorher(bzw.zeitgleich) eine Reha gemacht zu haben.
Meine Erinnerungen sind jedenfalls immernoch frisch, was die Schmerzen im Korsett betrifft, obwohl es 20 Jahre her ist.
Meine Schmerzen vor 6 Jahren waren auch furchtbar, aber nach inzwischen zwei Rehas in BaSa gehts mir gut, wie nie zuvor!

Lg chilli-pepper
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J-Maria
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Beitrag von J-Maria »

Hier kommt der Bericht von Simone:

Vortag von Herrn Klaus Nahr (Leiter der orthopädischen Werkstätten im Emil-von-Behring-Krankenhaus in Berlin) und seinem Kollegen Freddy Hoeltzel am 12.03.2008 beim monatlichen Treffen der SKOLINALE.

Am 12.03.2008 hielten Klaus Nahr und sein Kollege Freddy Hoeltzel anlässlich des monatlichen Treffens der Skoliose SHG in Berlin einen Vortrag zum Thema Korsettversorgung bei Kindern und Jugendlichen. Herr Nahr ist Leiter der orthopädischen Werkstätten im Emil-von-Behring-Krankenhaus in Berlin und verfügt über jahrelange Erfahrung bei der Herstellung von Anfertigung von Skoliosekorsetts nach Chêneau. Herr Hoeltzel Geschäftsführer der Firma Regnier Orthopaedie GmbH in Offenburg, und Herr Dr. Thomas, der eine orthopädische Praxis in Wandlitz betreibt und regelmäßig im Emil-von-Behring-Krankenhaus Operationen von Skoliosen durchführt, war ebenfalls anwesend.

Der Titel des Vortrags von Herrn Nahr lautete „Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Skoliosekorsetttherapie“. Zunächst zeigte Herr Nahr historische Bilder, wie die Skoliose in der Vergangenheit mit Korsetten behandelt wurde. Die Behandlung der Skoliose mit einem Korsett ist eine der ältesten bekannten konservativen Therapieformen in der Orthopädie. Trotz dieser langen Tradition gibt es keine einheitlichen, allgemein anerkannten Richtlinien für das therapeutische Vorgehen bei der idiopathischen Skoliose. Die Korsettbehandlung ist die einzige nichtoperative Skoliosetherapie, für die ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis vorliegt. Herr Nahr zeigte Korsette mit verschieden Bauweisen, die jeweils auf unterschiedliche Weise auf die Verkrümmung der Wirbelsäule Einfluss nehmen.

Ziele der Korsetttherapie sind:

· Stopp der Progredienz der Deformität während des Wachstums
· Kosmetisch ausgeglichener Verlauf
· Vermeidung einer Operation
· Mind. 30% Primärkorrektur zwischen 1. und 2. Röntgenaufnahme

Problematisch ist, nach Aussage von Herrn Nahr, dass es lediglich Anleitungen gibt, wie ein Korsett zu bauen ist, aber keinen Plan, wie die oben genannten Ziele erreicht werden können.

Genaue Kenntnis der Indikation und Diagnose sind sehr wichtig für die Wirksamkeit von Korsetten. Die Wirksamkeit von Korsetten kann nur durch einen Vorher-Nachher-Vergleich mittels Fotos überprüft werden.

Selbst in der heutigen Zeit werden noch immer viele schlechte Korsetts gebaut, die keinerlei Auswirkung auf die Skoliose haben.

Wirbelkörperfehlbildungen (z.B. zusammengewachsene Kochen, Verklebungen an den Weichteilen) können nicht durch Korsetts behoben werden. Schwierig ist dabei, dass diese nicht auf dem Röntgenbild erkennbar sind.

Es wird zwischen vier Hauptkrümmungen unterschieden

Brustkorbkrümmungen (Thorakalskoliosen) -> King 3
Lendenkrümmungen (Lumbalskoliosen) -> King 1
Brustkorb-Lendenkrümmungen (Thorakolumbalskoliosen) -> King 4
Doppel-S-Krümmungen (engl. Double Major) -> King 2
Oder Doppel Hochthorakale (King5)

Durch die Korsettversorgung sollen eine Derotation und eine Aufrichtung erreicht werden.

Herr Nahr bemängelte, dass Skoliosen bei Kindern in Deutschland zu wenig Beachtung geschenkt wird. z.B. werden Skoliosen in Frankreich in der Regel bei Schuluntersuchungen erstmalig erkannt. Bereits zu diesem Zeitpunkt wird den Kindern ein Nachtkorsett verordnet, so dass in Frankreich kaum Skoliosen über 30° bei Kindern auftreten.

Im Anschluss an den Vortag von Herrn Nahr berichtete Herr Hoeltzel über den heutigen Stand der Technik bei der Herstellung von Korsetts und stellte die Funktionen des CAD/CAM Programms vor.

Ein Korsett soll gezielt Druck auf die zu behandelnden Körperstellen auswirken. Dabei ist wichtig, dass sich der Druck nicht gegenseitig aufhebt. Durch den Einsatz eines CAD Systems wird dem Korsettbauer genau anzeigt, an welchen Stellen der laterale Druck im Korsett ansetzten muss, um ein bestmögliche Korrektur zu erreichen.

Hierzu werden zunächst ein Oberkörperfoto und das Röntgenbild des Patienten überlagert. Diese werden in eine grafische Darstellung umgewandelt. Danach werden die Druckpunkte des herzustellenden Korsetts eingezeichnet und es wird simuliert, wie die Verkrümmung der Wirbelsäule am effizientesten korrigiert werden kann. Durch diese Computersimulation ist es dem Korsettbauer möglich, das ideale Korsett herzustellen.

Leider verfügen Orthopädietechniker nicht immer über ausreichende Routine bei der Herstellung von Korsetts. Deshalb führt Herr Hoeltzel Schulungen bei Korsettbauern durch, damit künftig nur noch wirksame Korsetts zur Behandlung von Skoliosen eingesetzt werden.

Generell bemängelten Herr Nahr und Herr Hoeltzel, dass sie nur das Rezept als Korsettbeauftragung zur Verfügung gestellt wird. Bei dieser individuellen Arbeit wäre allerdings auch die Anamnese hilfreich.

Neben der eigentlichen Aufgabe, der Herstellung von individuellen Korsetts, nehmen die Orthopädietechniker weitere wichtige Aufgaben wahr. U.a. ist wichtig, eine Vertrauen zum Patienten und den Angehörigen aufzubauen und die Tragefreudigkeit des Korsetts zu erhöhen.

Im Anschluss an die beiden Vorträge standen die Herren Nahr und Hoeltzel noch für alle Fragen der Teilnehmer zur Verfügung und es fand eine interessante Diskussion und sowie ein Informationsaustausch statt.

Simone S.
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Skoliose SHG Berlin-Brandenburg
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Diagnose: 107° und 98° (im Jahr 2003 zu Beginn der Korsetttherapie: 98° und 93°), sehr starre Skoliose, kaum Beschwerden
Therapie: 1983-1994 Korsetts verschiedener OTs, zuletzt bei Rahmouni, dann Korsettabschulung im Jahr 1994, seit 05/2005 bis etwa 2018 Nachtkorsett von Rahmouni, Therapieziel: Halten der Skoliose, seit 2018 keine Therapie mehr
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Beitrag von Dalia »

Herzlichen Dank an chilli-pepper und an Simone S. für diesen sehr interessanten Bericht sowie an J-Maria fürs Reinstellen. Hoffentlich waren bei diesem Vortrag auch noch andere Orthopädietechniker anwesend.
Ich kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben. (Bertolt Brecht)
meine Geschichte: Dalia wird Königin (Korsett für eine Oldie-Power-Skoliose)
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Beitrag von J-Maria »

Wir haben keine OT eingeladen. Später mal werden wir evtl. entsprechende Verteiler für ermitteln und in die Einladungsliste aufnehmen.
Schroththerapeutinnen waren da.

Ich ergänze das hier um ein Photo, ich hoffe das gelingt mir ...
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