Was ist "Erstversorgung" bei Rückenproblemen?

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Rainer
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Was ist "Erstversorgung" bei Rückenproblemen?

Beitrag von Rainer »

Hallo,

ich glaube, dass der Begriff "Erstversorgung" oder "Rundum-Erstversorgung" im Forum meistens falsch gebraucht wird. Meine Suche ergab 35 Hits.

In Wikipedia steht:
[equote]Erstversorgung ist ein Begriff aus der Notfallmedizin und beschreibt alle Maßnahmen, die initial vom Rettungsdienst getroffen werden, um die Beschwerden des Patienten zu lindern oder zu beheben.[/equote]

Im Zusammenhang mit einem Termin beim Orthopäden macht dieser Ausdruck doch keinen Sinn?! Lasst uns mal überlegen was der normale Inhalt einer solchen "Erstversorgung" ist und welchen Ausdruck wir hier statt dessen verwenden könnten.

Gruß Rainer
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Dolphingirl94
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Beitrag von Dolphingirl94 »

Ich denke mit Erstversorgung ist hier zunächst röntgen u. Krankengymnastik gemeint. Ein Korsett hingegen ist für mich schon Langzeitversorgung. Ich denke, selbst wenn du einen anderen Begriff finde würdest, er würde nicht benutzt werden. Das ist genauso wie mit englischen Wörtern. Oder würdest du statt Handy(was ja im gewissen sinne auch falsch ist) Mobil Telefon/mobile phone sagen?
Was die Raupe das Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling. (Laozi)
Aktueller Thread: Kontrolle in Bad Sobernheim
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo Rainer,

Du bist hier im Forum für Skoliose/Kyphose.
Dementsprechend sollte Dein Titel eigentlich "Was ist Erstversorgung bei Skoliose/Kyphose" heissen.
Rückenprobleme von "normalen" Rücken gibt es sehr viele und dazu auch eine ganze Industrie, die diese Probleme beseitigen möchte.

Der Begriff Erstversorgung ist hier im Forum geprägt worden.
Er ist notwendig geworden, weil es kaum wirklich kompetente Orthopäden vor Ort gibt. Dazu muss man sehr oft weit reisen, um dann endlich eine kompetente Diagnose (+ Schroth REHA + evtl. Korsett) zu bekommen, mit der man dann auch in der Region weitermachen kann.
-->Weiterversorgung -->selbständiges Schrothen, Regelmässige Schroth Kontrolle, Röntgen oder 3D Kontrolle, Orthopäden-Betreuung mit Spezialisten Diagnose im Hintergrund.

Die Tatsache, dass es wenige Möglichkeiten einer Röntgen-Ganz-Aufnahme in der Region gibt und die Tatsache, dass es noch viel weniger Orthopäden gibt, die ein Erwachsenen Korsett verordnen, führte dann zum Begriff "Rundum-Erstversorgung".
Dr. Hoffmann kann Ganz-Aufnahmen machen, er stellt eine kompetente Diagnose, er unterstützt erfolgreiche REHA Anträge und er verordnet Erwachsenen Korsette.
Das ist bislang einmalig!

Ansonsten musst Du Dir die erforderlichen Leistungen selbst zusammensuchen. Abgesehen davon, dass Du genau wissen musst, was das ist und Du das auch gegenüber den Leistungserbringern durchsetzen musst, kann das einige Zeit dauern, wenn bestimmte Leistungen in der Region nämlich gar nicht zur Verfügung stehen. Das Erwachsenen Korsett ist ein gutes Beispiel dafür.

Im übrigen gibt es immer wieder die Diskussion, warum wir hier Dr. Hoffmann so empfehlen.
Ich hoffe, Du hast verstanden, warum.

Gruss
Klaus
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Rainer
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Beitrag von Rainer »

Klaus,
danke, macht absolut Sinn, besondern im Hinblick auf Erwachsenen-Korsette.

Dolphingirl94,
naja - "May I have your handy please?" ist falsch, während "Kann Ihr bitte Ihr Handy haben?" richtig ist. ;)

Gruß Rainer
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Rainer
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Röntgen beim Radiologen jetzt als machbar akzeptiert!!!!

Beitrag von Rainer »

Hallo Klaus,

ich bin froh, dass mein Einsatz für dieses Forum jetzt sogar bei Dir offensichtlich erste Wirkungen gezeigt hat:

viewtopic.php?p=79462#79462
Dort hat Klaus hat geschrieben:Röntgen-Ganz-Aufnahmen wäre ein Thema mit dem ich mich in Hannover wahrscheinlich bald beschäftigen werde.
Bedeutet das, wir akzeptieren jetzt auch Orthopäden als kompetente Erstversorger, die Ihre Patienten für Wirbelsäulenganzaufnahmen zum Radiologen schicken?

Das würde ja unsere Suche nach geeigneten Zweitversorgern geradezu revolutionieren!

Liebe Grüße
Rainer
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo Rainer,

das bedeutet konkret nur, dass ich bezüglich Verlaufskontrolle eine Möglichkeit der Ganz-Aufnahme in Hannover suchen werde und zwar hoffentlich besser, als in dem "renommierten" orthopädischen Krankenhaus Annastift, an dem auch die Medizinische Hochschule Hannover beteiligt ist. :(

Wenn man diese Aufnahme hat, wüsste ich nicht, welcher Orthopäde in Hannover die richtig ausmessen und vor allen Dingen den richtigen Behandlungsweg vorschlagen kann!
Ich empfinde es nicht als revolutionär, diese Aufnahme einfach nur zu besitzen. :)

Konkret könnte ich für Hannover nur folgendes zusätzlich empfehlen:
Bei einem Besuch bei Dr. Steffan (was ohnehin terminlich sehr schwer ist) hätte ich die geforderte gute Grundlage für eine Beurteilung, ohne dass ich ausser den üblichen 50 € noch privat für diese Aufnahme zahlen müsste.

Wohlgemerkt, das gilt alles nur für Newbies!!

Wer sich mit allen Detaills schon auskennt, kann anfangen, die Aufnahmen selbst zu interpretieren und muss dann "nur" noch einen Arzt finden, der eine Schroth REHA verordnet (das kann man nicht selber :) ).

Aber ich kann mir nicht so richtig vorstellen, dass man generell nur mit dem Wissen aus diesem Forum so etwas voll durchziehen kann.
Die Kritiken bezüglich "Ihr nennt immer nur Dr. Hoffmann" kommen in erster Linie von Leuten, die ihren Behandlungsweg schon längst gefunden haben.
Die Lage der Leute, die bislang verzweifelt erfolglos gesucht haben, ist eine ganz andere !!

Gruss
Klaus
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Rainer
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Beitrag von Rainer »

Hallo Klaus,

deine Argumente kann ich nachvollziehen. Mir gefällt allerdings nicht, dass du nach dem "digatalen Röntgen" sofort ein gedrucktes Bild mitnimmst, mit dem du dann wieder 500 Kilometer zum Ausmessen fahren willst:
Klaus hat geschrieben:Wenn man diese Aufnahme hat, wüsste ich nicht, welcher Orthopäde in Hannover die richtig ausmessen und vor allen Dingen den richtigen Behandlungsweg vorschlagen kann!
Ich empfinde es nicht als revolutionär, diese Aufnahme einfach nur zu besitzen.
Mit diesem Vorgehen hast du den Nachteil, dass die digitale Kette sofort abbricht. D.h. du hast nur den Vorteil der viel niedrigeren Röntgenstrahlung. Aber die hohe Auflösung geht verloren und eine Zoom-Funktion auf die Bandscheiben im kritischen Bereich wird nicht möglich.

Heute ist es Standard, dass du die Bilder in digitaler Form bekommst und von einem erfahrenen Orthopäden z.B. auch automatisch analysieren lässt. Solche Bilder werden im DICOM Format (Digital Imaging and Communications in Medicine) abgespeichert. Der Orthopäde kann mit dir dann z.B. eine hochgradig dekompensierte Bandscheibe im Detail besprechen, weil er deren Zustand nur im Zoom-Mode genau erkennen kann. Mehr findest du wenn du nach "DICOM RÖNTGEN" googelst.

Du müßtest jetzt einfach herausbekommen, wie du die in Hannover zu einem Röntgenbild im DICOM-Format kommst und welcher nächste Orthopäde das computerunterstützt auswerten kann. Dort wärst du dann sicherlich in kompetenten Händen für eine denkbar gute Diagnose.

Wir wollen doch die Arbeit der "Erstvorsorger" einschränken und mehr Anteile auf "Weiterversorger" (Dein Ausdruck) verschieben!!! Nach Stuttgart muesstest du dann nur noch fahren, wenn es um Neuerungen/Änderungen Deines Erwachsenen-Korsetts geht. Da wirst du in Hannover vergeblich suchen. In diesem Punkt sind wir einig.

Eigentlich ist es ein bischen Schade, dass wir das hier fast alleine diskutieren. Hätte mir z.B. Schildkröterichs Meinung zu dem Thema auch mal gerne durchgelesen. Es nützt ja noch nicht viel, wenn nur wir beide uns in dem Thema der Abgrenzung von "Erstversorgung" und "Weiterversorgung" einig werden.

Herzliche Grüße
Rainer
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo Rainer,

ich denke, wir müssen mal die Dinge ganz klar trennen!

Ganz am Anfang dieses Posts habe ich Dir geantwortet mit:
Klaus hat geschrieben:Du bist hier im Forum für Skoliose/Kyphose.
Dementsprechend sollte Dein Titel eigentlich "Was ist Erstversorgung bei Skoliose/Kyphose" heissen.
Es ist in den Regionen sicherlich kein Problem, genau abzuklären, ob es irgendwo Nervenreizungen z. Bsp. durch Bandscheibenvorfall oder eingeengten Spinalkanal gibt.
Und die Erfahrungen sind ja nun gerade die, dass dann meistens nichts gefunden wird und der Patient mit seiner Skoliose/Kyphose "eben irgendwie zurecht kommen muss".

Der Ansatz hier im Forum ist dann sozusagen die "reine "orthopädische Diagnose, die anhand einer Ganz-Aufnahme die Situation mit Winkeln genau einordnen kann.
Rainer hat geschrieben:Du müßtest jetzt einfach herausbekommen, wie du die in Hannover zu einem Röntgenbild im DICOM-Format kommst und welcher "nächste" Orthopäde das computerunterstützt auswerten kann. Dort wärst du dann sicherlich in kompetenten Händen für eine denkbar gute Diagnose
Ich brauche nicht unbedingt ein digitales Bild, das ist hier nur eine Nebendiskussion, weil damit Ganzaufnahmen weniger belastend sind und die Möglichkeit einer Ganzaufnahme näher rückt.
Und was soll der nächste Orthopäde auswerten? Er stellt fest, dass es evtl. eine Skoliose gibt oder eine Kyphose und evtl. Fixierungen, wenn die seitliche Aufnahme nicht, wie so oft, vergessen wird.
Und dann?

Wenn der nicht weiß, was Schroth ist und nur das zu über 90% verbreitete Orthopäden-Denken hat, "da kann man nichts mehr machen"?

Selbstverständlich kann da ein Patient in Eigenkomptenz im Baukastenprinzip eingreifen und solange suchen, bis er einen Orthopäden gefunden hat, der aufgrund der Aufnahmen einen REHA Antrag unterstützt.
Und wenn man ihm dann noch die selbstgemessenen Winkel sagt :) , um den REHA Antrag noch kompetenter und erfolgreicher zu machen, dann hat man sehr gute Chancen auch bei der REHA mit so einer Aufnahme sofort bei der Eingangsuntersuchung richtig eingeordnet zu werden.
Und die eigentliche wichtige Therapie ist dann ja in der Klinik.

Aber wir reden hier von Erstversorgung und das ist eine Situation, in der die Leute nur frustriert von der bisherigen Behandlung sind und deshalb nicht noch länger nach dem Baukastenprinzip suchen wollen. Ganz abgesehen von der noch fehlenden Eigenkompetenz, dabei auch richtig vorzugehen!
Und in Stuttgart sind alle Möglichkeiten vorhanden, da muss ich nun wirklich nicht mit einer schwer erkämpften Ganzaufnahme hinfahren. :)
Eigentlich ist es ein bischen Schade, dass wir das hier fast alleine diskutieren.
Weil den meisten Leuten schon klar ist, was Erstversorgung ist.
Und Weiterversorgung bzw. Baukastenprinzip ist eine andere Diskussion in dem Spezial-Thread in der Rubrik Gesucht/Gefunden.

Gruss
Klaus
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Rainer
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OK

Beitrag von Rainer »

Klaus,

danke für die ausführliche Antwort. Ich habe keine weiteren Fragen.

Gruß Rainer
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Thomas
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Diagnose: Kyphose anfangs 59 Grad, inzwischen nur noch 49 Grad, Neuroforamen-Stenose (Einengung der Nervenwurzeln) in der HWS.
Therapie: Rahmouni-Korsett seit Februar 2006, zeitweise mit Halsteil, Schroth-Reha Juni / Juli 2010
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Beitrag von Thomas »

Hallo Rainer,
Eigentlich ist es ein bischen Schade, dass wir das hier fast alleine diskutieren. Hätte mir z.B. Schildkröterichs Meinung zu dem Thema auch mal gerne durchgelesen.
Wenn Du mich so konkret ansprichst will ich gerne natürlich auch mal meine Meinung zu dem Thema sagen:

Ich persönlich bin ja in der glücklichen Lage, die von Klaus angesprochene 'Erstversorgung' direkt vor der Türe zu haben, weshalb ich diese 'Erstversorgung' natürlich auch zur 'Dauerversorgung' nutze.

Was hätte ich getan, wenn die 'erstversorgung' nicht bei mir um die Ecke liegen würde?

Mit dem heutigen Wissen würde ich wahrscheinlich zur 'Erstversorgung' auch zu Dr. Hoffmann fahren, auch wenn ich hierbei eine lange Anfahrt in Kauf nehmen müsste.

Das Problem ist doch, selbst wenn Du es schaffst, irgendwo ne Ganz-Aufnahme Deines Rückens herzubekommen, brauchst Du immer noch jemanden, der dieses Bild auch fachmännisch bewerten kann und mir sagt, welche Therapiemaßnahme letztendlich Erfolg haben kann.

Gerade bei Schmerzpatienten gibt es sehr viele Möglichkeiten, was mit dem Rücken nicht im Lot sein kann, und die Schmerzen können sehr viele Ursachen haben. Und selbst in einem sogenannten 'Skoliose-Zentrum' kannst Du nicht sicher sein, dass alle Ursachen ausgelotet werden (siehe den Fall lindaglinda, die in Neustadt trotz anderer Ankündigung nacher nicht einmal geröngt worden ist).

Aus diesen Gründen muss ich mich (leider) den Aussagen von Klaus anschließen, der zur 'Erstversorgung' meist an Dr. Hoffmann verweist, einfach deswegen, weil uns sonst keine Orthopäden bekannt sind, die eine Rundum-Versorgung ermöglichen. Allerdings habe ich schon noch Hoffnung, dass Chilli-Pepper vielleicht mit ihrer Aktion doch auch noch andere Wirbelsäulen-kompetente Ärzte in Deutschland ausmacht.

Viele Grüße

Thomas
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