Deutliche Erfolge durch Botoxtherapie

Infos zu weiteren WS-Deformitäten, die mit Skoliose zusammen oder alleine auftreten
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sanmiguel
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Deutliche Erfolge durch Botoxtherapie

Beitrag von sanmiguel »

Hi! Zuerstmal kurz zu mir: Ich bin 23, Student und leide schon etwa seitdem ich 12 Jahre alt war an einem Rundrücken. Leider wurde das Problem in meiner Jugend durch Orthopäden nie wirklich ernst genommen und die KG die mir damals verschrieben wurde, konnte auch nie wirkliche Erfolge aufweisen. Nach Recherchen bin ich 2006 auf dieses Forum aufmerksam geworden und hatte dann auch im April 2006 einen Termin bei Dr. Hoffmann, der mir folgende Diagnose stellte: Kyphose 63° nach Stagnara, Hyperlordose etwa 45° und auch eine deutliche Lordose der HWS. Scheuermann/Keilwirbel sind nicht vorhanden. Er verschrieb mir Krankengymnastik und ein Korsett. Nach gründlichem überlegen entschied ich mich aber gegen das Korsett, da ich nur leichte Beschwerden hatte und der Verlust an Lebensqualität daher zu groß für mich gewesen wäre.

Nachdem etwas Zeit ins Land zog, entschied ich mich im Herbst 2007 eine Schroth-Reha über meinen Hausarzt einzuleiten. Diese absolvierte ich 4 Wochen lang im Dezember 2007/Januar 2008 in Bad Salzungen. Die Reha hat mir gut gefallen, hatte danach ein besseres Körpergefühl und auch die Schroth-KG fand ich sehr sinnvoll. Da sich allerdings keine Erfolge gezeigt haben, habe ich leider das selbstständige üben ein paar Wochen nach Ende der Kur komplett eingestellt, mich seitdem auch nicht mehr mit der Thematik näher auseinandergesetzt. Lag wohl daran, dass ich mit dem Studium genug ausgelastet war und der Rücken dann eher in den Hintergrund trat, vor allem deshalb, da die Schmerzen trotz der massiven Fehlstellung vergleichsweise gering waren. Optisch empfand ich es aber schon immer als massiv störend.

Nun hatte ich am 20. Januar diesen Jahres einen Termin bei einem MKG-Chirurgen in Bad Homburg, der erstmal nicht in Verbindung mit meinem Rücken stand. Grund für den Besuch war, dass sich mein Masseter-Kaumuskel seit meiner Jugend immer weiter vergrößert hat. Laut dem Chirurg liegt der Grund hierfür in einer Kieferfehlstellung, die den Muskel übermäßig belastet und ihn auch ständig anspannt. Dies führt auch zu deutlichen Verspannungen im Nackenbereich. Um den Muskel zu entspannen und seine Rückbildung zu fördern, wurde er durch Botoxinjektionen direkt in den Muskel "gelähmt". Schon 1-2 Tage nach der Injektion verschwanden die Verspannungen nicht nur im Nackenbereich, sondern im kompletten Körper. Früher hatte ich Muskelpartien oft unbewusst angespannt, dies war nun nicht mehr der Fall.
Doch viel massiver waren die Änderungen meiner Haltung, die sich völlig überraschend im Verlauf der Tage 2-7 nach der Injektion vollzogen haben:

- Verringerung der Lordose im HWS (fiel mir als erstes auf)
- Verringerung der Kyphose
- Verringerung des Hohlkreuzes
- Schultern hängen deutlich weniger als noch wenige Tage zuvor
- Verbesserte Beckenstellung
- Verbesserte Gewichtsverlagerung auf den Füßen

Dies geschah alles wie über Nacht, und komplett ohne KG. Es ist auch optisch eine deutliche Veränderung sichtbar.

Wegen diesen unerwarteten Erfolgen hatte ich für den 4. Februar einen Termin bei Dr. Hoffmann vereinbart. Ich wollte anhand einer neuen Röntgenaufnahme überprüfen, ob die Erfolge wirklich existieren und ich mir nicht nur alles einbilde. Und tatsächlich: Dr. Hoffmann stellte einen verbeserten Kyphosewinkel von 63° auf 46° nach Stagnara fest.
Ich führe diese Erfolge ausschließlich auf die Injektionen zurück, da ich seit knapp einen Jahr weder Schroth noch normale KG betrieben habe.
Laut Auskunft von Dr. Hoffmann wurde meine HWS durch den Masseter-Muskel in die Lordose gezogen, da dieser durch das Botox nun nicht mehr aktiv ist, konnte sich die HWS aufrichten.

Ich weiß nicht, inwiefern meine Erfolge auf andere übertragbar sind. Dr. Hoffmann zeigte sich sehr interessiert an der Botoxtherapie und will sich nun näher damit beschäftigen und Erkundigungen einziehen.

Allerdings ergeben sich auch Nachteile: Anscheinend ist mein Muskelkorsett zu schwach, um meine Wirbelsäule in der verbesserten Position über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Ich bekomme schon nach kurzem Stehen schmerzen. Zwar nicht massiv, aber auffällig.

Da das Botox nur eine begrenzte Wirkungsdauer von etwa 3-4 Monaten (laut Dr. Hoffmann evtl. auch kürzer) hat und eine Injektion rund 550 Euro kostet und auch nicht von der Kasse bezahlt wird, hat eine Stärkung des Muskelkorsetts nun äußerste Priorität bei mir, um ein Zurückfallen in die alte Haltung nach Ende der Wirkdauer des Botox zu vermeiden/abzuschwächen.

Leider musste ich nachdem mir Dr. Hoffmann auch ein Rezept über KG ausgestellt hat bereits feststellen, dass es hier vor Ort zwar Schroth-Therapeuten gibt, ich deren Kenntnisse über Kyphose aber als gering einschätze. Dazu kommt dann auch leider noch, dass ich durch die lange Schroth-Pause die Übungen sowie die Atmung auch selbst nicht mehr beherrsche.

Einen Antrag für eine Reha in Bad Salzungen hat Dr. Hoffmann auch gestellt. Ich würde eine baldige Intensiv-Reha in meiner Situation für sehr sinnvoll halten, um das Zeitfenster der Botox-Wirkdauer ausnutzen zu können. Früher hat sich der Masseter wohl immer negativ auf die Trainingserfolge ausgewirkt, das wäre im Moment nicht mehr der Fall. Leider ist meine letzte Kur erst knapp 13 Monate her, was mich nicht gerade positiv auf eine Genehmigung durch die Barmer stimmt.
Da meine finanziellen Mittel als Student stark begrenzt sind, existiert auch leider nicht die Möglichkeit einer privat finanzierten Kur und weiterer Botox-Injektionen. Ich finde das sehr schade, da diese Investition in meine Gesundheit in der jetzigen Situation einen sehr hohen Nutzen haben könnte.

Bin nun schon kräftigt dabei, meine Muskel zu dehnen und zumindestens zu versuchen, die einfacheren Schroth-Übungen in Zusammenarbeit mit meinem Therapeuten und meinem Gedächtnis/den Unterlagen aus Bad Salzungen zu "rekonstruieren".

Für Tipps betreffend meiner Lage wäre ich natürlich dankbar. Eine eigenständige Dehnung/Stärkung der autochtonen Rückenmuskulatur scheint im Moment wohl die einzige Lösung zu sein. Wobei ich natürlich auch schon auf ein Gefecht mit dem Sachbearbeiter der Barmer bezüglich der Kur eingestellt bin ;-)

Für Fragen zu der ganzen Botox Sache stehe ich natürlich im Rahmen meiner Möglichkeiten zur Verfügung, komplett verstanden habe ich die genauen Zusammenhänge auch nocht nicht.
cduerr01
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Beitrag von cduerr01 »

hallo sanmiguel

mit grossem interesse hab ich deinen beitrag gelesen. ich habe auch eine kieferfehlstellung rechts, der kaumuskel ermüdet relativ schnell, ich habe das gefühl dass er immer unter spannung steht. meine nackenmuskulatur rechts ist immer sehr verspannt (hartspan) und ich hab auch das gefühl meine gesichtsmuskulatur ist in mitleidenschaft gezogen.

war letztes jahr bei dr. hofmann. dort wurde eine kyphose mit 54°COB festgestellt. ich habe ein korsett und kg verschrieben bekommen.
das korsett trage ich seit einem halben jahr.

ich würde das gerne ausprobieren mit der botoxspritze ob das auch bei mir eine so grosse verbesserung bringt, jedenfalls wäre ich schon froh die verspannungen im nacken und kieferbereich los zu werden.
eine schroth-reha möchte ich unbedingt noch in diesem jahr machen.

an wen kann ich mich wegen der botoxinjektion in den messetermuskel wenden, komme aus dem raum ulm/münchen?

danke und beste grüsse
christian
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Björn
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Beitrag von Björn »

Hallo,
toll geschriebener Beitrag. Für mich sehr gut verständlich.

Als ich die Überschrift gelesen habe dachte ich: "Botoxtherapie? Das ist doch ein starkes Gift, was für einem Scharlatan ist denn da jemand auf den Leim gegangen?"

Als du dann geschrieben hast, das ein Muskel ausgeschaltet wird, fand ich es gar nicht mehr so abwegig.
Ebenfalls kann ich den Erfolg dieser Therapie recht gut nachvollziehen.
Handelt es sich nur um einen Muskel oder um beide? Ich denke, dass dein Muskel durch dieses Nervengift nicht ausgeschaltet sondern nur geschwächt wird. Oder werden nur bestimmte Bereiche ausgeschaltet?
Botox ist glaube ich das stärkste bekannte Gift und ist schon bei einer winzigen Dosis von 30 pg/kg tödlich wenn es in die Blutbahn gelangt! Das wären bei einme Menschen der 50 kg wiegt gerade einmal 1,5ng. Das sind 1,5 Milliardstel Gramm. Ich schätze mal deshalb ist diese Therapie auch so teuer. Weil das Medikament in der Herstellung sehr genau dosiert werden muss und wohl auch (zum Glück!) nicht so einfach herzustellen ist.

Bei mir ist der Auslöser nicht der Kiefer sondern ist es genau andersrum. Bei mir ist der Auslöser die LWS und es wirkt bis hoch zum Kiefer. Ich habe im Gegensatz zu dir überhaupt keine HWS-Lordose, außerdem nur eine BWS-Kyphose von 19° und das bei einer LWS-Lordose von 78°. Dies führt unter anderem auch dazu, dass die Kiefergelenke und auch die Kiefermuskulatur Probleme machen. Wieso soll es also auch nicht andersrum sein, dass der verkrampfte Kiefer den Unterkiefer und damit auch den Kopf nach vorne zieht. Das führt auf der einen Seite zur stärkeren HWS-Lordose und dann noch durch diese nach vorne ziehen auch zur Kyphose die wiederum durch die LWS-Hyperlordose teilweise kompensiert wird.

Du schreibst auch noch was von einer anderen Belastung der Füße. ist der Schwerpunkt nach Hinten gewandert? Also belastest du die Hacken jetzt stärker?

Warum hat der Arzt diese Therapie begonnen, wenn sie nicht weitergeführt werden kann? Gibt es keine andere Möglichkeit diesen Muskel "auszuschalten"?

Du hast Probleme deine neue Haltung vernünftig zu halten. Vielleicht bist du auch überkorigiert. Da könnte dir vielleicht ein guter Physiotherapeuth oder wie du schon geschrieben hast eine erneute Schrothreha helfen. Ich habe seit kurzem ein Korsett. Vorher war ich bei einer sehr guten Physiotherapeutin die meine Haltung korrigiert hat. Jedoch habe ich dabei scheinbar auch überkorrigiert was dazu führte, dass ich meinen Kopf nicht mehr für längere Zeit halten konnte. ich mußte ihn immer irgendwo anlehnen oder mich hinlegen. Die Nackenverspannungen waren jedoch deutlich geringer als vorher. Seit ich das Korsett habe, besteht dieses Problem nicht mehr. Was dafür spricht, dass es wohl tatsächlich eine Überkorrektur war.

@cduerr01
ich denke das ist hier ein ganz spezieller Fall. Hast du es schonmal mit einer Aufbissschiene versucht?
Hier wurde das Thema HWS-Kyphose und Aufbisschiene behandelt. Ich kann eine Aufbissschiene nur empfehlen. Dadurch wird der Muskel auch entspannt, weil nicht mehr Zahn auf Zahn beißt, sondern Zahn auf deutlich weicheres Plastik.
viewtopic.php?t=12223

Gruß
Björn
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo sanmiguel.

ein hoch interessanter Bericht, der eindrucksvoll schildert, wie konkret Du Dich mit Deiner Situation auseinandersetzt.
...und auch eine deutliche Lordose der HWS.
Die normale Lordose der HWS ist tatsächlich noch grösser? Oder meinst Du eine HWS Kyphose, die sich auch als Steilstellung bemerkbar macht.
Grund für den Besuch war, dass sich mein Masseter-Kaumuskel seit meiner Jugend immer weiter vergrößert hat. Laut dem Chirurg liegt der Grund hierfür in einer Kieferfehlstellung, die den Muskel übermäßig belastet und ihn auch ständig anspannt. Dies führt auch zu deutlichen Verspannungen im Nackenbereich. Um den Muskel zu entspannen und seine Rückbildung zu fördern, wurde er durch Botoxinjektionen direkt in den Muskel "gelähmt".
Eigentlich müsste man doch diese Kieferfehlstellung mit einer speziellen Schiene und entsprechender Therapie am Muskel wie Drucktechnik bzw.Triggerpunktherapie
viewtopic.php?t=7005
zum Entspannen in den Griiff bekommen.
Im Halsbereich kommt man selbst ganz gut an die entsprechenden Stellen. Gibt es da besonders empfindliche Stellen?

Im übrigen hast Du völlig recht, dass unter den jetzt veränderten Bedingungen eine Schroth REHA viel effektiver sein kann, es ist wie ein Korsett, was ja oft auch als Hilfsmittel bei einer REHA benutzt wird.
Bin nun schon kräftigt dabei, meine Muskel zu dehnen und zumindestens zu versuchen, die einfacheren Schroth-Übungen in Zusammenarbeit mit meinem Therapeuten und meinem Gedächtnis/den Unterlagen aus Bad Salzungen zu "rekonstruieren".
Hast Du schon mal an ein Fitnesstraining in einem preiswerten Studio gedacht, die augenblicklich richtige Körperhaltung sollte Dich eigentlich in die Lage versetzen, bei relativ geringen Gewichten auch die richtige Bewegungsausführung durchzuführen.

Gruss
Klaus
sanmiguel
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Beitrag von sanmiguel »

@ cduerr01

die symptone die du beschreibst, sind mit meinen absolut identisch. nur das sie bei mir eben beidseitig auftraten. bei mir wurde deshalb auch beidseitig gespritzt, bei dir würde sich dann wohl eine injektion ausschließlich in den rechten masseter anbieten. bei meinem damaligen recherchen bin ich auf einen neurologen in münchen aufmerksam geworden, der sich mit der botoxtherapie in vielen bereichen beschäftigt:

http://www.baur-institut.de/mitarbeiter/peter_reilich/

Er hat laut meinen Recherchen auch schon mal einen Vortrag über die Botoxinjektion in den Masseter gehalten. Dieses Verfahren wird normalerweise genutzt, um Zähneknirschen zu unterbinden. Dadurch das der Muskel durch das Botox deutlich abgeschwächt wird, unterlässt man das Zähneknirschen automatisch und schädigt somit nicht mehr die Zähne.
Leider war er zur damaligen Zeit im Urlaub und ich konnte ihn nicht in seiner Praxis erreichen. Weiß also nicht, wieviel Erfahrung er mit dem Thema hat.

Hier ist die Botoxtherapie des Masseters gut beschrieben:

http://content.oemus.com/backstage/oemu ... elmann.pdf

@ Björn

Ich habe eine Spritze in beide Muskeln bekommen, also jeweils rechts und links 3 Injektionen. Mir wurden je 50 Einheiten Botox pro Seite gespritzt, das entspricht einem Fläschchen Botox, dass in der Apotheke etwa 350 Euro kostet. Die Dosis ist zwar höher als bei der Faltenanwendung, jedoch müssten für eine tödliche Überdosierung wohl mindestens 100 komplette Botox Fläschchen gespritzt werden. Die Substanz ist eben enorm verdünnt. Wenn man sich das Botox Fläschchen ankuckt, befindet sich daran nur eine ganz geringe Menge weißer Staub, der dann in Wasser gelöst wird.

Stimmt, komplett ausgeschaltet ist der Muskel nicht. Aber er ist stark geschwächt. Wenn ich die Zähne zusammenbeiße oder mich auf den Muskel konzentriere, spannt er noch in geringem Maße an.
Der Grund für die Injektion war damals eigentlich vordergründig, den Muskel für 3-4 Monate durch Botox zu schwächen, damit er sich auf eine normale Größe zurückentwickelt. Durch die ständige Belastung wurde er im Laufe der Jahre nämlich immer größer, was zu einer enorm deutlich ausgeprägten unteren Kieferhälfte führt, man sieht also immer aus, also hätte man die Weisheitzähne frisch rausbekommen und nun riesige Hamsterbacken. Der Muskel hat sich in den 2 1/2 Wochen seit der Injektion nun schon auch sichtbar verkleinert.

Ja, der Schwerpunkt sitzt nun deutlich weiter hinten. Vorher war meine Gewichtsverlagerung zum Großteil auf den Zehen. Das wurde in Bad Salzungen auch von einer Therapeutin kritisiert. Jetzt finde ich die Gewichtsverteilung ausgeglichener und damit auch "normaler".

Ich kenne bis jetzt noch keine Alternative zum Botox. Bis auf den Preis und die zeitlich begrenzte Wirkung ist es für mich auch eine ideale Lösung. Nebenwirkungen traten nicht auf und die Injektionen sind nicht schmerzhafter als ein Mückenstich.
sanmiguel
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Beitrag von sanmiguel »

Die normale Lordose der HWS ist tatsächlich noch grösser? Oder meinst Du eine HWS Kyphose, die sich auch als Steilstellung bemerkbar macht.
Das kann ich dir leider auch nicht genau sagen. Es war eben immer so, dass ich eine Art Schildkrötenkopf hatte. Also der Kopf sch nach vorne streckt. Das hat sich nun deutlich gebessert.

Ich werde mir den Thread mit Schiene/Triggerpunktherapie zu Gemüte führen. Habe damit bisher noch keine Erfahrung.

Die Möglichkeit des Besuchs eines Fitnessstudios besteht. Habe in gewisser Weise auch Spaß mit dem Training an Geräten. Aber würde damit dann auch die autochtone Muskulatur gestärkt werden oder nur die darüberliegende Bewegungsmuskulatur? Habe hier im Forum schon öfters gelesen, dass es durch Krafttraining zu einer starken Dysbalanz zwischen Bewegungsmuskulatur und autochtoner Muskulatur kommen kann.
Björn
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Beitrag von Björn »

Klaus hat geschrieben:
...und auch eine deutliche Lordose der HWS.
Die normale Lordose der HWS ist tatsächlich noch grösser? Oder meinst Du eine HWS Kyphose, die sich auch als Steilstellung bemerkbar macht.
Hallo Klaus,
für mich klingt die Verstärkung der HWS-Lordose schon logisch. Bei ihm kommt ja alles von oben. Durch den vorgeschobenen Kiefer wird auch der ganze Kopf nach vorne gezogen, wodurch sich die vorhandene Lordose verstärkt.

Im Gegensatz dazu verhält sich die HWS bei einer Wirkung von unten wie sie bei den meisten hier im Forum auftritt.

Die BWS-Kyphose ist meiner Meinung nach auch rein muskulär und wird ebenfalls durch den Kaumuskel ausgelöst. Kurz gesagt: der Kaumuskel zieht den Kopf nach vorne und die BWS-Kyphose geht mit. Ich erkläre mir das so, weil das vielleicht eine natürlich Bewegung ist wenn man de Unterkiefer nach vorne bewegt...
Die Hyperlordose in der LWS dient dann wiederum als Ausgleich um den Schwerpunkte wieder nach hinten zu schieben, reicht aber offensichtlich nicht aus.
Jetzt wo dieser Auslöser für die Fehlhaltung weg ist hat sanmiguel aber das Problem, dass er sowohl bewußt als auch unterbewußt nicht die richtige Haltung findet. Ich bin nach meinen Erfahrungen auch der Meinung, dass er das ohne Hilfe auch nicht schafft. Da kann nur Korsett oder Schrothreha helfen. Oder einer andere seeeehr intensive KG.
Ansonsten kommst er wahrscheinlich genau wie ich sehr schnell in eine Überkorrektur in der er sich im Moment wahrscheinlich auch befindest.
sanmiguel hat geschrieben:Ich habe eine Spritze in beide Muskeln bekommen, also jeweils rechts und links 3 Injektionen. Mir wurden je 50 Einheiten Botox pro Seite gespritzt, das entspricht einem Fläschchen Botox, dass in der Apotheke etwa 350 Euro kostet. Die Dosis ist zwar höher als bei der Faltenanwendung, jedoch müssten für eine tödliche Überdosierung wohl mindestens 100 komplette Botox Fläschchen gespritzt werden. Die Substanz ist eben enorm verdünnt. Wenn man sich das Botox Fläschchen ankuckt, befindet sich daran nur eine ganz geringe Menge weißer Staub, der dann in Wasser gelöst wird.
Die Ärzte wissen ja auch wie sie damit umgehen. Ich denke nur, dass diese Dosis wenn man sie direkt ins Blut spritzen würde tödlich sein kann.

wikipedia: Das Botulinumtoxin stellt eines der stärksten bekannten Gifte dar. Die LD50-Werte reichen von 30 pg/kg (Maus, intravenös) bis 4 ng/kg (Maus, subkutan).

Übersetzt: es wird ungefähr die 100-fache Menge benötigt, wenn man Botox nicht direkt ins Blut spritzt, damit es tödlich wirken kann. Das würde bei deiner Menge bedeuten, dass sie direkt in den Blutkreislauf gespritzt tödlich sein kann. Mein Vertrauen in Ärzte ist nicht besonders ausgeprägt und deshalb kann ich allen nur empfehlen, dass wenn sich jemand entschließt so etwas zu machen zu einem Profi zu gehen, der sowas täglich macht! Ich war mal bei einem Kieferchirurgen der mir eine Zyste aus der Zunge rausoperiert hat. Praxis in einer Kleinstadt. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie der gepfuscht hat :-( Wurde total nervös hat mich angemeckert, ich würde die Zunge nicht weitgenug herausstecken. Am Ende mußte er die Blutung mit einem Elektroschockgerät(?) stoppen. Ich konnte eine Woche lang nichts essen und mußte Suppen durch den Strohhalm trinken. In der zweiten Nacht bin ich mit einem Kopfkissen voller Blut aufgewacht und ins Krankenhaus. Naja, die Zyste kam wieder und ich bin in die Uniklinik Kiel gefahren. Dort ist 2 Ärzten sofort aufgefallen, dass ich ein zu kurzes Zungenbändchen habe und deshalb die Zunge nicht soweit rausstrecken kann. Das wurde dann gleich mitoperiert. Die Zyste wurde auch entfernt und ich hatte danach keine Schmerzen und konnte am nächsten Tag wieder normal Essen. Meine Zunge ist vom Dorfkieferchirurgen immer noch ramponiert...
Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass der mir Botox spritzen würde, wird mir ganz schummrig.
sanmiguel hat geschrieben: Stimmt, komplett ausgeschaltet ist der Muskel nicht. Aber er ist stark geschwächt. Wenn ich die Zähne zusammenbeiße oder mich auf den Muskel konzentriere, spannt er noch in geringem Maße an.
Der Grund für die Injektion war damals eigentlich vordergründig, den Muskel für 3-4 Monate durch Botox zu schwächen, damit er sich auf eine normale Größe zurückentwickelt. Durch die ständige Belastung wurde er im Laufe der Jahre nämlich immer größer, was zu einer enorm deutlich ausgeprägten unteren Kieferhälfte führt, man sieht also immer aus, also hätte man die Weisheitzähne frisch rausbekommen und nun riesige Hamsterbacken. Der Muskel hat sich in den 2 1/2 Wochen seit der Injektion nun schon auch sichtbar verkleinert.

Ja, der Schwerpunkt sitzt nun deutlich weiter hinten. Vorher war meine Gewichtsverlagerung zum Großteil auf den Zehen. Das wurde in Bad Salzungen auch von einer Therapeutin kritisiert. Jetzt finde ich die Gewichtsverteilung ausgeglichener und damit auch "normaler".

Ich kenne bis jetzt noch keine Alternative zum Botox. Bis auf den Preis und die zeitlich begrenzte Wirkung ist es für mich auch eine ideale Lösung. Nebenwirkungen traten nicht auf und die Injektionen sind nicht schmerzhafter als ein Mückenstich.
Ist die "Wirkung" denn wirklich zeitlich begrenzt? Wenn der Muskel sich jetzt schon verkleinert hat, kann man das dann nicht durch andere Maßnahmen beibehalten? Das die Ärzte die diese Therapie durchführen daran nicht interessiert sind dürfte dir ja klar sein...
Hattest du denn schonmal eine Aufbissschiene? Ich meine eine vernünftige Aufbissschiene.
Liegt eine bestimmte Krankheit vor oder ist der Kaumuskel nur durch diesen Teufelskreis immer größer geworden?

Gruß
Björn
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Beitrag von cduerr01 »

sanmiguel danke für den interessanten tipp. ich bin mir ziemlich sicher dass ich das ausprobieren werde, vieleicht kann ich damit auch eine entspannung im nacken-kiefer-gesichtbereich erreichen. bei einer röntgenkontrolle des kiefers hat mein zahnarzt schon vor jahren festgestellt dass der rechte kiefer bei mir deutlicher ausgeprägt ist als links. unternommen hat er nichts, nur gesagt ich solle darauf achten mehr auf der linken seite zu kauen. eine aufbisschiene hat mir nicht weitergeholfen.

gruss
christian
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Beitrag von Klaus »

sanmiguel hat geschrieben:Also der Kopf sch nach vorne streckt
Also tatsächlich eine Hyperlordose der HWS.
Ich werde mir den Thread mit Schiene/Triggerpunktherapie zu Gemüte führen. Habe damit bisher noch keine Erfahrung.
Also vor 2 Jahren hat eine Zahnärztin auf dem Skoliose-Symposium in Bad Salzungen von den Erfolgen einer speziellen Schiene im Rahmen der CMD Therapie berichtet.
CMD= Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion
Björn hat geschrieben:Jetzt wo dieser Auslöser für die Fehlhaltung weg ist hat sanmiguel aber das Problem, dass er sowohl bewußt als auch unterbewußt nicht die richtige Haltung findet. Ich bin nach meinen Erfahrungen auch der Meinung, dass er das ohne Hilfe auch nicht schafft. Da kann nur Korsett oder Schrothreha helfen. Oder einer andere seeeehr intensive KG
Ganz klar, die gesamten Strukturen (Muskeln, Bänder und Sehnen) müssen sich der veränderten Situation ganz allmählich anpassen.

Vielleicht kann dann der Einsatz von Botox durch andere physikalische Maßnahmen ersetzt werden.

Gruss
Klaus
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Beitrag von mama41 »

Hallo sanmiguel,

Botox sollte auch nur im Abstand von mindestens 12 Wochen gespritzt werden, da sich sonst Antikörper bilden können.
Daher empfinde ich es als äußerst wichtig, deine Kieferfehlstellung korrigieren zu lassen, damit sich der Masseter nach der Wirkung von Botox nicht mehr vergrößert.

Zumindest von anderen Muskeln weiss ich, dass die Wirkung von Botox nicht immer gleich ist und auch die Wirkungsdauer stark variieren kann.

LG
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Beitrag von Thomas »

Klaus hat geschrieben:
sanmiguel hat geschrieben:Also der Kopf sch nach vorne streckt
Also tatsächlich eine Hyperlordose der HWS.
Also irgendwie steh ich auf dem Schlauch.

Wenn der Kopf nach vorne gestreckt ist handelt es sich doch eher um eine Steilstellung der HWS. Bei einer verstärkten Lordose wäre der Kopf doch eher nach hinten geneigt. Oder hab ich jetzt etwas total falsch verstanden?

Gruß Thomas
Björn
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Beitrag von Björn »

Hallo Thomas,
es kommt doch drauf an wie man den Kopf nach vorne streckt. Also ich habe das einfach mal selber gemacht, dass ich den Unterkiefer nach vorne geschoben habe und dabei meinen Kopf bewußt mit nach vorne bewegt. Dabei kam es mir recht logisch vor, dass, wenn man eine HWS-Lordose hat, diese dadurch verstärkt wird.

Gruß
Björn
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Beitrag von Klaus »

Thomas hat geschrieben:Bei einer verstärkten Lordose wäre der Kopf doch eher nach hinten geneigt.
Oh ha, das ist jetzt eine Frage, die man am Modell nachspielen müsste.
Der Kopf neigt sich dabei gegenüber der HWS tatsächlich nach hinten, aber was passiert gegenüber der BWS?
Ich habe da leider im Augenblick nicht so ein gutes Vorstellungsvermögen. :)

Gruss
Klaus
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Beitrag von Thomas »

Ich glaub, ich hab's verstanden. Wenn ich den Kopf nach vorne nehme, dann aber trotzdem nicht nach unten schaue, sondern gerade aus, dann muss ich den Lordosewinkel der HWS erhöhen. Und das ist das, was sanmiguel gemeint hat.

Bei mir dauert's eben manchmal etwas länger ;D

Gruß Thomas
Stoppel
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Beitrag von Stoppel »

Hallo,

ich verstehe auch nicht, warum hier nicht mit einer Schiene gearbeitet wird. Warum lähmt man diesen Muskel, wenn man durch eine Kieferkorrektur eine gleichmässige Muskelbelastung erreichen kann? Liegt das daran, das unsere Ärzte lieber an Symptomen rumdoktern und Spritzen setzen, statt die Ursache auszuschalten?

Ansonsten kann ich die Erfahrung mit dem schiefen Kiefer und der Auswirkung auf den ganzen Körper nur bestätigen (s. mein Frage unter "Skoliose allgemein / Kieferschiefstand und Skoliose?). Und da auf meine Frage dort kaum jemand eingeht, frage ich mich mittlerweile, ob der Kiefer in der Skoliosebehandlung gar keine Rolle spielt? Das mit dem Schildkrötenhals und den runden Schultern kann ich bei mir ebenfalls bestätigen. Nach jahrelanger KG und Gymnastik um meine schlechte Körperhaltung und schiefe Hüfte in den Griff zu bekommen, bin ich jetzt von meiner Schiene total begeistert. Meine Schultern sind total locker geworden. Dadurch kann ich sie jetzt leichter in ihre natürliche Haltung bringen und dadurch den Kopf in die richtige Position bringen. Nix mehr runder Rücken Die ganze Gymnastik vorher konnte nichts bringen, solange die Ursache hierfür nicht ausgeschaltet ist. Genauso mit meiner schiefen Hüfte. Das schlimme ist, das verschiedene Zahnärzte den schiefen Kiefer nicht festgestellt haben. Einer hat mir unterschiedliche Muskelausprägungen links und rechts bestätigt, nachdem mein Osteopath mich auf meinen schiefen Kiefer und die Auswirkung auf den ganzen Körper hingewiesen hat. Von dem Zahnarzt bekam ich eine Knirscherschiene für Nachts, was natürlich für die Katz war, weil keinerlei Ausgleich für die Schiefe.

LG
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