Rainer hat geschrieben:Im
Basiswissen dieses Forum steht zur Indikations-Grenze für eine Korsett-Therapie:
Bei optimalem Verlauf, d. h. Versorgung mit hochkorrigierenden Korsetten, Krankengymnastik nach Katharina Schroth, die 4 bis 5x wöchentlich eine halbe Stunde/Tag ausgeführt werden muß, noch bestehendem Restwachstum und guter Flexibilität der Wirbelsäule, können idopathische Skoliosen bis 60° nach COBB konservativ behandelt werden.
Als Quelle wir Dr. Kay Steffan angeführt.
Ist diese Definition von Dr. Steffan exklusiv für das Forum erstellt worden oder in irgendeiner Veröffentlichung zu finden?
Kann man die kürzlich
hier diskutierte Erfolgsgeschichtevon BZebra als „optimaler Verlauf“ im Sinne dieser Definition verstehen?
Der Text wurde von Dr. Steffan für diese Webseite erstellt.
Die genauen Voraussetzungen stehen ja auch dabei:
Hochkorrigierendes Korsett, Krankengymnastik nach Katharina Schroth, Restwachstum und gute Flexibilität
War das bei mir alles vorhanden? - Ja!
- Korrektur im Korsett um 40 Grad
- jedes Jahr 6 Wochen Reha in Sobernheim, zu Hause in den ersten Jahren sogar bis zu einer Stunde Schroth am Tag (Freiwillig! Das war verlängerte korsettfreie Zeit, da sich die Korrektur außerhalb des Korsetts ansonsten ohne Schroth nicht lange halten lies)
- Beginn der Korsetttherapie 1/2 Jahr nach der ersten Regelblutung, Restwachstum geschätzte 8 cm
- Hypermobile WS (evtl. wegen starker Verschlechterung von 30 Grad aus in sehr kurzer Zeit zuvor)
Im Prinzip sind diese Voraussetzungen (bis auf unterscheidliches Restwachstum natürlich) bei allen Patienten gegeben, die bei dieser Ausgangsgradzahl im Korsett auf eine Korrektur um die 40 Grad kommen. So eine hohe Korrektur ist sehr wahrscheinlich ein Indiz für eine gute Flexibilität der Wirbelsäule. Diese Patienten haben in der Regel auch weniger Probleme sich an das Korsett zu gewöhnen.
Wer hingegen schon im ersten Röntgenbild im Korsett (für Rahmounis Verhältnisse) schlechte Werte hatte, der hat meistens auch mehr Probleme sich selbst daran zu gewöhnen, was wahrscheinlich mit der Flexibilität oder der Zugänglichkeit der Krümmung zusammenhängt.
Das erste Röntgenbild im Rahmouni-Korsett nach nur 2 Wochen scheint also ein guter Indikator dafür, ob die Voraussetzungen gegeben sind, oder nicht. Deswegen würde ich, wenn man lieber ein Korsett möchte als eine OP, es einfach ausproberen. Die Primärkorrektur im Rahmouni-Korsett hat man schließlich schneller als einen OP-Termin; man verliert keine Zeit.
Selten, dass diese Voraussetzungen gegeben sind, scheint es jedenfalls auch nicht zu sein, wenn man nach unseren Usern geht:
viewtopic.php?t=957
Es war bei uns bisher ungefähr jede zweite ~ 60-Grad-Krümmung.
Das hängt möglicherweise damit zusammenhängt, dass solche Krümmungen sich meist innerhalb kurzer Zeit vorher während des letzten Hauptwachstumsschubes auf diese Gradzahl verschlechtert haben, also wenig fixiert sind und daher noch sehr flexibel und der Patient dem Zeitpunkt entsprechend noch im Wachstum ist.
Es handelt sich ja um einen Gradzahlbereich, in dem die Verschlechterungsgeschwindigkeit auch exponential nach oben geht.
Es ist also nicht sehr wahrscheinlich, dass jemand eine solche Krümmung un- oder schlecht behandelt über mehrere Jahre hat halten können, wie das ja bei kleineren Krümmungen oft der Fall ist. Solche Krümmungen sind in der Regel also noch "frisch".
Die 60 Grad Skoliosen bei ~ 13-Jährigen, die auftauchen, sind vorher quasi eine Selektion durchlaufen, weshalb die Eignung wohl sehr hoch liegt.
Oder wir könnten auch sagen, dass, gemessen in
fixierten schlecht korrigierbaren Anteilen, bei einem großen Anteil der jugendlichen Skoliosen, die auf dem Röntgenbild um die 60 Grad zeigen, es sich der tatsächlichen Schwere nach, die für die
hochkorrigierende Korsetttherapie nach dem Beispiel von Rahmouni relevant ist, nicht um 60-Grad-Krümmungen handelt.
Unter "hochkorrigierend" sind bei Dr. Steffans Aussage definitiv aber Korrekturen in dem oben genannten Bereich gemeint.
Unklar ist (das wurde von Dr. Weiß schon diskutiert), ob für das Aufhalten einer Progredienz der prozentual korrigierte Anteil (also die Primärkorrektur) eine Rolle spielt oder die absolute Gradzahl im Korsett.
Es kann z.B. sein, dass eine Korrektur unter eine bestimmte Gradzahl notwendig ist, und nicht nur eine Korrektur um 50% ausreicht, z.B. so was wie eine 30-Grad-Grenze zum Aufhalten der Progredienz. Korrigiert man eine 70 Grad Skoliose um 50%, sind es ja immer noch 35 Grad im Korsett, weshalb es möglicherwiese bei stärkeren Krümmungen, mit dem was die besten Korsette heute leisten können, nicht mehr funktioniert.