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| Fragen und Antworten zu Skoliose, Morbus Scheuermann, Hyperkyphose und anderen Wirbelsäulendeformitäten |
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Indikation zur Skoliose-Operation |
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Indikation zur Skoliose-Operation - Übersicht
Auf Grund unwissentlicher oder absichtlicher Falschinformation durch Orthopäden und Skoliose operierende Chirurgen über die Operationsindikation bei Skoliose, möchten wir mit dieser Informationsseite vor überstürztem Handeln warnen und daran erinnern, sich vor einer Operation eigenständig und vor allem UNABHÄNGIG in alle Richtungen zu informieren.
Eine Skoliose-Operation ist bis heute ein schwerer und irreversibler Eingriff, der mit einer Wirbelsäulenversteifung verbunden ist, die den Weg zu anderen operativen und nicht-operativen Behandlungsmethoden für immer versperrt, und daher stets als der letztmögliche Schritt angesehen werden sollte, wenn alle nicht-operativen Methoden versagt haben und/oder auf konservativem Wege keine Aussicht auf Erfolg besteht.
Allgemeine Information
Auszüge aus der Literatur
Informationsbeschaffung
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Leitlinien und Qualitätsstandards
Die "Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie" gibt in ihren Leitlinien zur Therapie der idiopathischen Skoliose im Wachstumsalter eine Operationsindikation von thorakal über 40 und lumbal über 50 Grad nach COBB an.
Diese Richtlinien spiegeln jedoch lediglich die überwiegend schlechte Qualität der konservativen (nicht-operativen) Alternativbehandlungen wieder, deren Wirksamkeit oft mit einer gar nicht stattgefundenen Therapie gleichgesetzt werden kann.
Dieser Zustand entsteht aus einer fehlenden Qualitätssicherung und fehlender fachspezifischer Ausbildung der Orthopäden, Physiotherapeuten und Orthopädietechniker. Die Ausbildung dieser Berufsgruppen berechtigt zwar zur Behandlung von Skoliosen, BEFÄHIGT sie aber in keinster Weise dazu.
Eine effektive konservative Skoliose-Therapie ist derart komplex, dass hierfür langjährige praktische Erfahrungen mit einer großen Patientenzahl erforderlich sind. Diese Erfahrungswerte sind in Deutschland ausschließlich in einigen wenigen auf konservative Skoliosebehandlung spezialisierten Kliniken und Behandlungsteams vorhanden. Eine Einrichtung, die sowohl Skoliosen operiert als auch gleichzeitig über das notwendige Know-how für eine effektive nicht-operative Behandlung verfügt, ist bis heute nicht bekannt.
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Indikations-Grenzen
Dr. Kay Steffan
Die Entscheidung zu einer Skolioseoperation muß absolut individuell gestellt werden. Mit berücksichtigt werden sollte das Alter des Patienten, die Verschlechterung der Skoliose innerhalb eines Jahres, möglicherweise zugrunde liegende Erkrankungen, bestehende Einschränkungen der Herz-Lungenfunktion und Schmerzen sowie die Bereitschaft und Fähigkeit des Patienten, intensive Therapiemaßnahmen mitzumachen. Somit ist die Entscheidung, ob operiert werden soll oder nicht, individuell zu sehen und kann nicht an einem Skoliosewinkel festgelegt werden. Bei optimalem Verlauf, d. h. Versorgung mit hochkorrigierenden Korsetten, Krankengymnastik nach Katharina Schroth, die 4 bis 5x wöchentlich eine halbe Stunde/Tag ausgeführt werden muß, noch bestehendem Restwachstum und guter Flexibilität der Wirbelsäule, können idopathische Skoliosen bis 60° nach COBB konservativ behandelt werden. Eine wichtige Voraussetzung bei diesen Patienten ist eine engmaschige Kontrolle, um etwaige Verschlechterungen der Skoliose sofort zu erkennen.
Bei erwachsenen Skoliosepatienten besteht oft keine dringende Op-Indikation, da sich die Skoliosen hier oftmals nur sehr langsam verschlechtern. Es kann somit bei Krümmungswinkeln unter 70° zunächst konservativ therapiert werden. Nur bei Einschränkungen der Herz-Lungenfunktion, Schmerzen oder einer deutlichen Verschlechterung der Skoliose sollte eine OP erfolgen. Entscheidend ist aber hier auch die Lage der Hauptkrümmung. Bei vor allem thorakal angesiedelten Skoliosen wird es eher zu einer Einschränkung der Herz-Lungenfunktion kommen, als bei lumbalen Skoliosen - also muß man auch hier von einer Einzelfallentscheidung ausgehen.
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Alternativen zur Operation
Als alternative Behandlungsmethoden zur Operation sind in erster Linie Korsettversorgungen in Verbindung mit Physiotherapie nach Schroth zu nennen.
Korsetttherapie ist - mit unterschiedlicher Zielsetzung und unterschiedlicher täglicher Tragedauer - sowohl im Jugendlichen als auch im Erwachsenenalter zur Operationsvermeidung einsetzbar.
Im Jugendlichenalter kann hierdurch eine Progredienz (Fortschreiten) verhindert werden und bei ausreichendem Wachstum und Korrigierbarkeit der Wirbelsäule auch eine dauerhafte Verringerung der Krümmung bis hin zur vollständigen Beseitigung der Skoliose erreicht werden.
Im Erwachsenenalter ist das Primärziel einer Korsett-Therapie Schmerzreduktion und Stoppen einer Progredienz unter einer meist verringerten täglichen Tragezeit.
Trotz allem muss man sich jedoch immer vor Augen halten, dass unter einer konservativen Skoliosebehandlung als reelle, effektive und lohnenswerte Alternative zur Operation NICHT die standardmäßig in Deutschland angebotene Therapie als solche zu verstehen ist (siehe auch Absatz Leitlinien und Qualitätsstandards).
Eine effektive konservative Skoliosebehandlung erfordert die aktive Mitarbeit des Patienten. Angesichts der fehlenden Qualitätssicherung in Deutschland erstreckt sich diese weit über das Maß des blinden Befolgens von Anweisungen eines x-beliebigen Arztes hinaus.
Zu einer effektiven Behandlung gehört nicht nur, dass das Korsett getragen bzw. die physiotherapeutischen Übungen durchgeführt werden. In gleichem Maße liegt auch die Qualitätssicherung der eigenen Therapie vollkommen in der Verantwortung des Patienten; d.h. die Wahl des Arztes, die Wahl der Behandlungsmethode und Behandlungseinrichtung, die Überprüfung der Qualität sowie das Einholen von Informationen, um hierüber überhaupt selbst entscheiden und bewerten zu können.
Leider schließt eine sinnvolle Korsetttherapie mangels adäquater Versorgungsmöglichkeiten vor Ort in vielen Fällen regelmäßige Fahrten durch halb Deutschland mit ein, deren Kosten von den Krankenkassen nicht übernommen werden.
Der Erfolg einer konservativen Skoliosebehandlung basiert in ganz entscheidendem Maße auf der Informiertheit und Selbständigkeit des Patienten.
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Wirbelsäulendeformitäten Konservatives Management
Hans Rudolf Weiß (Hg.)
Geleitwort
Dr. med. Peter Edelmann
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Man muss den Herausgeber des Buches beglückwünschen zu dem klaren Blick, mit dem er erkannt hat, dass der Operation bei den jugendlichen Wirbelsäulenerkrankungen irrtümlicherweise viel zu viel Bedeutung geschenkt wird. Seit dem die wissenschaftlich begründete Literatur überwiegend aus den Reihen der operativ tätigen Wirbelsäulenchirurgen kommt, hat die Skolioseoperation unangemessen an Bedeutung gewonnen. Andererseits muss die Forderung nach einer sehr gewissenhaften Betreuung der konservativen Behandlung durch den Orthopäden und den Orthopädiemechaniker immer wieder betont werden. […]
Mit einer qualifizierten konservativen Behandlung werden den Kindern die unvermeidlichen Risiken einer Operation erspart. Wer nicht konservativ behandelt, um später bei Fortschreiten der Skoliosekrümmung eine leichte Skoliose operieren zu können, bringt die Kinder unnötig in Gefahr. Dagegen ist die psychische Belastung einer gut geleiteten Korsetttragezeit unerheblich.
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Einleitung
Hans-Rudolf Weiß
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Im Gegensatz zu dem noch immer recht häufig beschrittenen "American way of scoliosis treatment", welcher wohl am treffendsten mit dem Satz beschrieben werden kann: "Warten bis die Skoliose operationsreif ist", hat sich im kontinentaleuropäischen Bereich aufgrund der vorliegenden Ergebnisse ein differenziertes konservatives Behandlungskonzept mit ambulanter Physiotherapie und Korsettversorgung durchgesetzt.
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Auch heutzutage birgt die wirbelsäulenaufrichtende Operation mitunter noch dramatische Risiken und ersetzt eine Abnormalität (eine verbogene, aber bewegliche Wirbelsäule) durch eine andere (eine gerade aber steife Wirbelsäule).
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Operationsinzidenz bei konservativ behandelten Patienten mit Skoliose
H.-R. Weiß, G. M. Weiß, H. J. Schaar
Auszüge aus einer rückblickenden Studie zur Analyse der Operationsquote zwischen 1993 und 1996 in der Katharina-Schroth-Klinik konservativ behandelter Patientinnen mit Skoliose jeglicher Ursache.
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Bei der Adoleszentenskoliose besteht in der Regel eine kosmetische Operationsindikation, weshalb die betroffenen Patienten selbst über ihren Behandlungsweg entscheiden sollten.
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Interessanterweise waren die [operierten] Patienten aus unserem Kollektiv hauptsächlich durch die behandelnden Ärzte zur Operation gedrängt worden. Zumindest war die Operation bei 30 von 36 operierten Patientinnen auf ärztlichen Rat erfolgt und nicht aus eigenem Antrieb. Es zeigt sich also, dass die Operationsentscheidung auch durch die Operateure selbst beeinflusst wird.
Nach unseren Erfahrungen wird nicht nur deutschen Patienten mit idiopathischer Adoleszentenskoliose auch heutzutage noch erzählt, dass sie ohne Operation in Zukunft Schmerzen haben werden und, dass sie von einer zusammenfallenden Wirbelsäule bedroht sind, welche die Anschaffung eines Rollstuhles notwendig macht. Auch wird bei dieser Patientengruppe regelmäßig die Bedrohung durch das Cor pulmonale angeführt.
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Interessant war zudem, dass die Mehrzahl der operierten Patientinnen sich wegen einer Krümmungsverschlechterung (unter dem Rat der Wirbelsäulenchirurgen) operieren ließen, aber nur 2 gaben neben dem Rat des behandelnden Wirbelsäulenchirurgen kosmetische Gründe an. […] Dass die Kosmetik bei einer Operationsberatung allerdings nur einen so geringen Raum einnimmt, obwohl sie eigentlich das Hauptproblem der progredienten idiopathischen Adoleszentenskoliose darstellt, gibt zu der Vermutung Anlass, dass bei weniger aggressiver "Aufklärung" die Operationsquote noch geringer ausgefallen wäre.
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Leitlinien der Orthopädischen Rehabilitation bei Skoliose und anderen Wirbelsäulendeformitäten
Autoren: Dr. med. Hans Rudolf Weiß, Priv. Doz. Dr. med. H.F.Halm, Dr. med. Herbert Gluch
Anhang: Zur wissenschaftlichen Bewertung der Therapiemodule bei Skoliose
10.1. Die Skolioseoperation in der wissenschaftlichen Diskussion
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Nach Goldberg und Mitarbeiter ist ein Cobb-Winkel von 40° und mehr nicht an sich als Indikation für eine Operation zu betrachten, sondern nur dann, wenn die kosmetischen Veränderungen als belastend erlebt werden.
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[Bettany und Mitarbeiter (1995) betrachten in ihrer Arbeit] das Selbstbewusstsein und andere Psychologische Faktoren vor und nach der Wirbelsäulenoperation. Sie schlussfolgerten, dass 6 Monate nach der Skoliose-Operation die meisten Operationsmethoden keinen Einfluss auf bestehende Schmerzbeschwerden hatten und auch nicht auf die mit der Skoliose zusammenhängenden emotionalen Probleme wirkten. Des weiteren sind oftmals die kosmetischen Verbesserungen nach Skolioseoperation nicht stabil. Es gibt häufig gute kosmetische Primäreffekte, aber bereits ein Jahr nach Skolioseoperation kann der Rippenbuckel wieder stärker in Erscheinung treten
(Bettany et al. 1994). Dementsprechend ist es möglich, dass das durch die Operation erzielte erfolgreiche radiologische Resultat vom Patienten später nicht als erfolgreich betrachtet wird.
Hauptsächlich bei langstreckigen Spondylodesen sind neben der Frühkomplikation auch Spätkomplikationen, wie das Auftreten operationsbedingter Schmerzbeschwerden zu erwarten
(Cochran et al. 1983, Connolly et al. 1995, Nachemson 1979).
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Die Patientenzufriedenheit nach Skolioseoperationen wird im allgemeinen recht positiv beschrieben
(Gaubert et al 1989, Humke et al. 1995, Kitahara et al. 1989, Kohler et al 1990, McCance et al. 1998, Mielke et al. 1989, Opitz und Zielke 1990). Allerdings handelt es sich bei den zitierten Patientenbefragungen nicht um Langzeituntersuchungen.
Schon 1973 hat Paul Harrington angeregt eine internationale Datenbank zu erstellen, welche die Langzeitergebnisse der Skolioseoperation überprüfbar machen sollte
(Moen und Nachemson 1999). Leider ist eine solche Datenbank bisher nicht verfügbar.
Unglücklicherweise werden neue Operationsmethoden heutzutage schon vermarktet, bevor ausreichende Daten über Effizienz, Risiken und Nebenwirkungen vorliegen. Moen und Nachemson
(1999) beklagen daher das Fehlen kontrollierter klinischer Untersuchungen bezüglich der Langzeitauswirkungen von Skolioseoperationen (Haltbarkeit, Verhalten bei Osteoporose, Anzahl der erforderlichen Reoperationen).
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10.3. Die Entscheidung für und wieder die Operation
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Neben dem Nachteil, dass die konservative Skoliosebehandlung recht aufwendig sein kann, hat sie doch eine Reihe funktioneller
(Weiß 1991, Weiß 1993, Weiß 1995, Weiß 1995, Weiß et al. 1997) und psychologischer Vorteile
(Freidel 1999, Freidel et al 1999, Weiß 2000). Zusätzlich kann die Progredienz durch Physiotherapie
(Pauschert u. Niethard 1994, Rigo et al. 1991, Weiß 1995, Weiß et al. 1997) und auch durch Korsettversorgung
(Emans et al. 1986, Landauer 1999, Nachemson u. Peterson 1995, Weiß 1995) abgemildert oder gestoppt werden.
Aus diesem Grunde sollte auch in der Skoliosebehandlung und besonders bei Patienten mit idiopathischer Skoliose das Primat der "informierten Entscheidung" (informed decision making)
(Berger u. Mühlhauser 2001) beachtet werden. Die Behandlungsmöglichkeiten - konservative wie operative - müssen den betroffenen Patienten mit allen Vor- und Nachteilen dargelegt werden. Auf dieser Grundlage können dann Betroffene mit kosmetischer Operationsindikation frei entscheiden, ob sie den Eingriff in Kauf nehmen wollen oder ob sie keinerlei therapeutische Maßnahmen beanspruchen.
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In einer alters- und diagnosegematchten kontrollierten Untersuchung konnte belegt werden, dass die konservativen Behandlungsmaßnahmen unter Einschluss der stationäre Intensivrehabilitation und auch der Korsettversorgung die Operationsquote bei Patienten mit Idiopathischer Adoleszentenskoliose hochsignifikant verringern konnten. Während bei der unbehandelten Kontrollgruppe eine Operationsquote von mehr als 28% zu verzeichnen war, ergab sich in dem Patientengut [der Asklepios Katharina-Schorth-Klinik] eine Operationsquote von nur knapp über 7%
(Weiß et al. 2002). Diese Ergebnisse decken sich auch mit einer bislang noch unveröffentlichten Untersuchung aus Spanien […]. Da in den USA die Physiotherapie und Rehabilitation in der Skoliosebehandlung keine Rolle spielt
(Hawes 2002), sind die genannten Therapiemaßnahmen in der englischsprachigen Literatur nicht zu finden. Eine Beurteilung dieser Maßnahmen durch englischsprachige Autoren ist somit nicht möglich.
Man sollte daher nach den neusten Erkenntnissen sowohl bei der Betrachtung von Spätfolgen der Skoliose und auch bei der Bewertung von Behandlungsmöglichkeiten die konservativen Therapieoptionen nicht unterschätzen, vor allem vor dem Hintergrund, dass bei mehr als 25% der operierten Skoliosepatienten mit einer Reoperation zu rechnen ist
(Asher 2002), dass aussagefähige Langzeituntersuchungen über die Folgen heutzutage angewendeten Operationsverfahren nicht vorliegen und dass sich die Möglichkeiten zur Kompensation von Skoliosefolgen durch die Intensivrehabilitation immer klarer abzeichnen.
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Natürlicher Verlauf und Langzeitauswirkungen der idiopathischen Adoleszentenskoliose
Aus: Wirbelsöäulendeformitäten Konservatives Magagement
Marc. A. Asher, Douglas C. Burton
Behandlungseffekte
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Je weiter die Fusionsstrecke nach Kaudal reicht, desto größer sind die Probleme
beim Heben, Laufen, Stehen und beim Tragen und Bewegen von schweren
Gegenständen. Bei einer fünf bis 21jährigen Beobachtungszeit (je nach Studie)
lag die Reoperationsquote nach Operation im Jugendalter zwischen 5,7 und 26%.
Für die erwachsene Patientengruppe, die über allerdings nur relativ kurze
Beobachtungszeiträume nachverfolgt wurde, ergab sich eine Reoperationsrate von
14-15%.
Die häufigsten Gründe für eine Operation im Erwachsenenalter sind
Schmerzzustände, kosmetische Gründe und Lungenfunktionseinschränkungen bis hin
zur Atemnot. Allerdings sind die genannten Symptome selten derart schwerwiegend,
dass sie eine Operation aus medizinischen Gründen rechtfertigen würden.
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Nur ein geringer Prozentsatz der Patienten mit idiopathischer
Adoleszentenskoliose leidet unter Schmerzen, die im alltäglichen Leben eine
tatsächliche Behinderung darstellen. Die idiopathische Adoleszenten Skoliose
kann als lebenslanger, wahrscheinlich Systembedingter Entwicklungsprozess
unbekannter Ursache angesehen werden, welcher nicht zu einem vorzeitigem Tode
führt. Die meisten Funktionen der betroffenen Patienten sind von der Leistung
her betrachtet denen der nichtskoliotischen Kontrollgruppe gleichwertig oder
nahezu gleichwertig.
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Ich habe Skoliose - Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Therapeuten
Hans-Rudolf Weiß 4. Auflage
Operation und Operationsverfahren
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Wenn trotz aller Bemühungen die Krümmung weiter zunimmt und das Krümmungsausmaß 50 Grad nach Cobb übersteigt, wird im Allgemeinen die Operation empfohlen (Arbeitskreis Skoliose der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie). Zunächst soll zu der Frage Stellung genommen werden: "Warum muss überhaupt operiert werden?"
Bei der spät aufgetretenen, so genannten Adoleszentenskoliose ist eine Operation aus medizinischer Sicht nicht unbedingt erforderlich. Es ist nachgewiesen, dass solche Verbiegungen in der Regel nicht so groß werden, dass Einschränkungen des Herz-Kreislauf-Systems zu befürchten sind. Auch besteht zwischen Wirbelsäulenverkrümmung* und Schmerz kein Zusammenhang. Es muss also für diese PatientInnen einen anderen Grund geben, warum sie sich ab einem Krümmungswinkel von 50° operieren lassen.
Wenn ich als Betroffener die Skoliose nicht als meine Wirbelsäulenverkrümmung begreifen kann und durch den täglichen Anblick meiner "Deformierung" psychisches Leid erfahre, deprimiert, unausgeglichen und in meiner Lebensqualität außerordentlich beeinträchtigt werde, kann ich etwas dagegen tun. Nicht die rein medizinischen Gesichtspunkte sondern die psychologischen Gesichtspunkte bestimmen das Bild. Wenn zusätzlich nicht die Motivation zur Krankengymnastik und Korsettversorgung gegeben ist, bleibt außer der Operation kein Therapieverfahren übrig, mit welchem die Deformität behandelt werden kann.
Außerdem sind die kosmetischen Verbesserungen durch Krankengymnastik und Korsettversorgung bei vielen PatientInnen eher gering. Eine wirkliche Aufrichtung einer Verbiegung und eine deutliche Verringerung des Rippenbuckels ist nur durch eine Operation zu erzielen. Dies ist bei der Mehrzahl der PatientInnen mit Skoliosen das Hauptmotiv für die Entscheidung zur Operation.
Bei früh aufgetretenen Verbiegungen und bei manchen angeborenen Wirbelsäulenverbiegungen, welche schon im frühen Kindesalter große Ausmaße annehmen können, ist die Operation auch aus medizinischen Gründen schon recht früh gerechtfertigt. Dies gilt auch für Kinder mit Nerven- und Muskelerkrankungen und die aus diesen Grunderkrankungen resultieren, oft beträchtlichen Wirbelsäulenverbiegungen.
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Informationsbeschaffung
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Diese Seite wurde zuletzt am 03.03.2010 geändert.
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