Vorstellungsgespräch und chronische Schmerzen

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goldfisch
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Vorstellungsgespräch und chronische Schmerzen

Beitrag von goldfisch »

Hallo,

eine kurze Frage. Muss man im Vorstellungsgespräch angeben, wenn man chronische Schmerzen hat? Bzw. Rückenprobleme andeuten?

Dass man die Skoliose nicht erwähnen muss, ist Tatsache, oder?

Was mache ich, wenn mich der AG auf eine längere Pause im Lebenslauf (aufgrund der Erkrankung, Reha etc) anspricht?

Ich will irgendwie nicht lügen. Hab schon daran gedacht, eine Verletzung anzugeben, die über einen längeren Zeitraum kuriert werden musste. Oder einfach nur "Aufgrund einer längeren Erkrankung" zu anzugeben. Aber dass der AG dann nachhaken wird, ist sehr wahrscheinlich, denke ich.

Und wenn sich das "Chronische" irgendwann bemerkbar macht und man diesbezüglich gelogen hat, steht man auch ziemlich blöd da.

Was meint ihr?

Viele Grüße
Lady S
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Beitrag von Lady S »

Hallo,
selber ansprechen musst Du das überhaupt nicht.

Soviel ich weiss, darfst Du rechtswidrige Fragen des Arbeitgebers ggf. bewusst falsch beantworten, ohne Dein späteres Arbeitsverhältnis zu riskieren. Das ist aber ziemlich dünnes Eis - weisst Du genau, welche Fragen rechtswidrig sind?

Unabhängig davon musst Du mit Deinen chronischen Schmerzen auch aufpassen, dass Du nicht für Arbeiten oder an Arbeitsplätzen eingesetzt wirst, die Dir nicht gut tun.

Grüsse, Lady S
minimine
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Beitrag von minimine »

Hallo goldfisch,
das kommt darauf an.
Fragen zum Gesundheitszustand sind grundsätzlich schon erlaubt. Wenn du nun eine Erkrankung hast, die die Leistungsfähigkeit in Bezug auf die Tätigkeit auf Dauer od. in wiederkehrenden Abständen einschränkt, eine Arbeitsunfähigkeit absehbar ist oder die Erkrankung ansteckend ist (trifft hier ja nicht zu), dann musst du wahrheitsgemäß antworten, wenn dies nicht der Fall ist, darfst du lügen. Kommt also immer auch auf die Relevanz für die jeweilige Tätigkeit darauf an.
Evtl. musst du auch zum Betriebsarzt. Dieser darf dann aber nur dem Arbeitgeber mitteilen, ob du geeignet, bedingt geeignet oder gar nicht geeignet bist, die Krankheit an sich nicht.
Nach einem Schwerbehindertenausweis darf anscheinend nicht mehr gefragt werden. Von sich aus, musst du nur eine Krankheit nennen, die dich von vornheirein an der Ausübung hindern würde oder die ansteckend ist.
Was mache ich, wenn mich der AG auf eine längere Pause im Lebenslauf (aufgrund der Erkrankung, Reha etc) anspricht?
Wieso hast du wegen der Skoliose eine längere Pause im Lebenslauf, versteh ich jetzt nicht? Längere Lücken sollten im Lebenslauf nie vorkommen, selbst wenn du auf eine Reha warst (die dauert doch aber auch nicht allzu lange), dann warst du ja nebenbei trotzdem noch entweder beschäftigt, in der Ausbildung oder Arbeitssuchend etc.
Und wenn sich das "Chronische" irgendwann bemerkbar macht und man diesbezüglich gelogen hat, steht man auch ziemlich blöd da.
Wie bereits gesagt wurde. Man sollte sich, soweit dies möglich ist, eine Arbeit suchen, die man auch mit Skoliose gut bewältigen kann. Es gibt aber auch sowas wie eine "Frist" die besagt, wenn du z.B. 10 Jahre lang keine Probleme aufgrund deiner Krankheit an deinem Arbeitsplatz hattest, dann verliert der eigentliche Grund an Bedeutung, wäre also kein Grund mehr für eine fristlose Kündigung, wenn du z.B. bei der Einstellung gelogen hast.

Generell ist man bei Krankheiten eh nicht geschützt. Wenn durch zu häufige Arbeitsunfähigkeiten der Betriebsablauf zu stark gestört wird, dann ist das sowieso ein Kündigungsgrund, egal ob du das vorher gesagt hast oder nicht.

LG
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goldfisch
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Beitrag von goldfisch »

danke für die Antworten!


@Minimi:

"Wieso hast du wegen der Skoliose eine längere Pause im Lebenslauf, versteh ich jetzt nicht? Längere Lücken sollten im Lebenslauf nie vorkommen, selbst wenn du auf eine Reha warst (die dauert doch aber auch nicht allzu lange), dann warst du ja nebenbei trotzdem noch entweder beschäftigt, in der Ausbildung oder Arbeitssuchend etc."

Ich habe nach meinem Studium ein Praktikum gemacht, nach Ende des Praktikums bin ich "krank" geworden, ich hatte eine ziemlich heftige Zeit mit Schwindel, dann fingen die Schmerzsymptome an. Das hat sich ziemlich lange hingezogen, u.a. war eine Reha mit dabei. Leider haben sich
die Beschwerden dann immer weiter verschlechtert. Um nicht "nichts" zu tun und mir eine "Besserungsfrist" für den Rücken einzuräumen, bevor mich die Arbeitsrealität einholt, habe ich ein Aufbaustudium begonnen, das jetzt endet.

Zwischen den beiden Studiumsabschnitten und Praktikum haben ich mich ein Jahr quasi nur mit Krankheitsbewältigung rumgeschlagen.

Seit erneutem Studienbeginn arbeite ich auch nebenher, aber bis heute hat sich meine "Schmerz-Situation" einfach immer stärker verschlechtert (Tägliche Schmerzen, teilweise den ganzen Tag durchgehend, nehme natürlich Tabletten).

Du hast geschrieben:

"Fragen zum Gesundheitszustand sind grundsätzlich schon erlaubt. Wenn du nun eine Erkrankung hast, die die Leistungsfähigkeit in Bezug auf die Tätigkeit auf Dauer od. in wiederkehrenden Abständen einschränkt, eine Arbeitsunfähigkeit absehbar ist oder die Erkrankung ansteckend ist (trifft hier ja nicht zu), dann musst du wahrheitsgemäß antworten, wenn dies nicht der Fall ist, darfst du lügen. Kommt also immer auch auf die Relevanz für die jeweilige Tätigkeit darauf an."

Wenn ich das lese, dann muss ich sagen, dass mich die Erkrankung (Dauerschmerzen) natürlich schon stark und mich auch dauerhaft und wiederkehrend einschränkt. Ich komme so schon nicht ohne Probleme durch den normalen Alltag. Dann müsste ich eigentlich sagen, entschuldigung, ich hätte gerne den Job, aber es wird Probleme geben. D.h., ich dürfte mich gar nicht bewerben.

Also da bin ich leider etwas ratlos. Danke trotzdem für deine Hilfe!
minimine
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Beitrag von minimine »

Hallo goldfisch,
also wenn die Schmerzen so schlimm sind, dass du tatsächlich in deiner Arbeitsleistung beeinträchtigt wärst, dann weiß ich auch nicht, eigentlich müsstest du es dann schon sagen, aber ob das eben so ratsam ist?!

Mal was anderes: Was tust du denn gegen die Schmerzen? Kommen sie von der Skoliose? Machst du Schroth-KG, trägst du Korsett?

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goldfisch
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Beitrag von goldfisch »

mh, ja, das ist ein echtes dilemma.

Wegen der Schmerzen, lange Geschichte... Habe natürlich alles schon mitgemacht, Korsett, Schroth, Skoli-rehas etc

Stabilisierende KG, alle möglichen Schmerztherpien (auch Spritzen, medikamentös, im Krankenhaus mit Schmerzkatheter) , Osteopahie, Trigger, Akkupunkter, manuell etc... könnte noch Einiges aufzählen..

Ich schätze, es ist ein schmaler Grat, der Schmerzen zur Chronifizierung verhilft. So war es jedenfalls bei mir. Bis vor 2 einhalb Jahren hatte ich nichts. Also, nur das übliche, Verspannung, Schmerzen bei einseitiger Belastung. Mir ging es super.

Seit den letzten 2 Jahren vor allem bin ich ein anderer Mensch, das kann man echt sagen.

Ich hab leider verschiedene Probleme, so genau möchte ich jetzt nicht darauf eingehen. Eine zusätzliche Gelenksbilkdung in der LWS (Ne-Arthrose), was die Funktionalität der WS einschränkt. So nach und nach hat sich das nach oben verlagert und der ausgeprägte Flachrücken macht mir v.a. in der HWS ziemliche Probleme. Ach, wo soll ich anfangen und aufhören.

Es ist wohl typisch bei "chronischen" Schmerzen, dass diese sich im ganzen Körper ausbreiten, weil Nerven wachsen, weil veränderte Muskelspannungen auf andere Gelenke übergreifen etc...

Ist alles ein ziemlicher Mist, aber irgendwie muss ich da wohl durch!
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Re: Vorstellungsgespräch und chronische Schmerzen

Beitrag von BZebra »

goldfisch hat geschrieben:Ich will irgendwie nicht lügen. Hab schon daran gedacht, eine Verletzung anzugeben, die über einen längeren Zeitraum kuriert werden musste.
Genau so würde ich es machen, eine Sportverletzung, Knie z.B. oder so. Und informiere dich im Internet und in Foren wie das dann wirklich ist.
Oder einfach nur "Aufgrund einer längeren Erkrankung" zu anzugeben.
Auf gar keinen Fall, dann würde ich als Arbeitgeber denken, der/die hat vielleicht Krebs.
Aber dass der AG dann nachhaken wird, ist sehr wahrscheinlich, denke ich.
Darf er ncht, der wird sich das Schlimmste einfach selbst ausmalen und gar nicht weiter fragen.
Und wenn sich das "Chronische" irgendwann bemerkbar macht und man diesbezüglich gelogen hat, steht man auch ziemlich blöd da.
Nein, du darfst bezüglich Krankheiten im Vorstellungsgespräch lügen, wenn man dich darauf anspricht, weil man dich dazu nicht befragen darf. Nur dann später bei der ärztlichen Untersuchung nicht mehr, aber die gibt nur ein O.K. oder Nicht-O.K. an den Arbeitgeber und hat keinen Einfluss mehr darüber, ob du eingestellt wirst. Da geht es nur noch um Überprüfung derzeitiger körperliche Eignung für die anstehende Arbeit.

In den Lebenslauf würde ich vielleicht an diese Stelle etwas schreiben wie "Orthopädische Rehabilitation" oder "Unterbrechung der Berufstätigkeit wegen orthopädischer Rehabilitation." Bei Reha denken die meisten an einen Unfall und an eine stationäre Reha. Was die denken kann dir aber egal sein, der Begriff Rehabilitation hat ja mehrere Bedeutungen, auch ambulant, und dem war ja auch so, wirst ja in Behandlung gewesen sein.
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Beitrag von BZebra »

goldfisch hat geschrieben:Zwischen den beiden Studiumsabschnitten und Praktikum haben ich mich ein Jahr quasi nur mit Krankheitsbewältigung rumgeschlagen.
Och, wenn's nur ein Jahr ist zwischen zwei Studiengängen, dann verlänger doch die Zeit des Zweitstudiums ein bisschen nach vorne. Man muss nicht eingeschrieben sein um zu studieren, daran hindert einen ja niemand. Du könntest genauso auch vorher schon damit begonnen haben ohne eingeschrieben gewesen zu sein, nur eben noch keine Prüfungen abgelegt haben.

Vielleicht hast du auch erst noch ein bisschen Geld gebraucht, was rangeschafft werden musste, und weshalb du nebenbei noch zeitintensiv gejobbt hast und dich nicht in dem Umfang deinem Zweitstudium widmen konntest, weshalb du dich erst ab dann und dann endgültig eingeschrieben hast.

Zu solchen Detailfragen wird es aber in der Regel schon gar ncht mehr kommen; nichtsdestotrotz ist es aber natürlich gut darauf vorbereitet zu sein. Und schließlich gibst du doch auch nirgendswo im Lebenslauf an, von wann bis wann du eingeschrieben warst, sondern "Studium der XXX von YYY bis ZZZ".
Zuletzt geändert von BZebra am Fr, 20.03.2009 - 22:40, insgesamt 1-mal geändert.
goldfisch
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Beitrag von goldfisch »

Hey, vielen Dank für die Tipps.

Das ist eine gute Idee!
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Beitrag von off78 »

Hallo Goldfisch,

ich verstehe gut, dass Du nicht lügen willst. Auf der anderen Seite dürften viele Arbeitgeber "kalte Füße" bekommen, wenn Sie die Wahrheit erfahren, die sie ohnehin nicht verstehen.

Bei einem Jahr Pause zwischen zwei Ausbildungsabschnitten - was bei den meisten Menschen der Fall ist - könntest du auch etwas erzählen wie Umorientierungsphase, Bewerbungsfristen versäumt usw. Im Lebenslauf kannst Du dann wie bereits geraten die Lücken verkleinern durch Verschieben der End- und Anfangsdaten der einzelnen Abschnitte.

Wenn Du lügst oder etwas nicht sagst, was Du sagen müsstest, dann hat der Arbeitgeber ein Recht zur Anfechtung des Arbeitsvertrages aufgrund arglistiger Täuschung. Dann bist Du Deinen Job zwar los, aber das wäre weniger schlimm, als ihn erst gar nicht anzutreten.

Auf der anderen Seite: Wenn Du den Job durchhältst, dann wird es keiner herausbekommen. Und wenn Du es nicht durchhältst, dann kann der Arbeitgeber Dich bei negativer Gesundheitsprognose auch ohne vorheriges Lügen kündigen.

Zusammengefasst: Eigentlich hast Du nicht viel zu verlieren, und Du kannst zumindest Berufserfahrung sammeln.

Priorität sollte jedoch die Verbesserung des Gesundheitszustandes und das Ausbrechen aus dieser Spirale sein. In welcher Region wohnst Du denn?
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