Hallo zusammen,
Ich habe dieses Forum vor ein paar Tagen entdeckt und habe hier schon viele wertvolle Informationen gefunden. Ganz besonders hilfreich war für mich zum Beispiel die Antwort von Toni vom 24. Mai auf die Frage von Bonni vom 23. Mai (Grad der Skoliose ...). Vielen Dank an Toni für die umfangreiche und übersichtliche Darstellung (und Empfehlung an alle, die diesen Beitrag noch nicht gelesen haben, dies nachzuholen)!
Ich bewundere eure Schreibwut, habe selber grosse Mühe mit der Arbeit am Computer, hasse Surfen, Mails und so, weil ich dabei extreme Schmerzen kriege. Meine Stehhilfe, das Stehpult und den superteuren Bürostuhl habe ich allesamt ins Büro gezügelt, weil ich sie bei der Arbeit noch dringender brauche - wobei auch so meine Sitzfähigkeit stark eingeschränkt bleibt.
Ich bin über 30, habe ursprünglich vor allem eine Spondylolisthesis L5/S1 (inzwischen Grad III-IV nach Meyerding, d.h. um zwei Drittel nach vorne gekippter unterster Lendenwirbel) und eigentlich erst vor kurzem begriffen, dass die zusätzlich bestehende Skoliose (früher wenig ausgeprägt, heute "ausgeprägteste thorakolumbale Skoliose", Grad unbekannt und da keine Röntgenbilder bei mir, auch nicht eruierbar) inzwischen zum grösseren Problem geworden ist.
Neulich hat mich dann die Orthopädin schockiert mit ihrer Empfehlung, mir zu überlegen, ob ich anstelle meines bisherigen Lendenmieders nicht ein handangepasstes Korsett möchte. Inzwischen bin ich dank diesem Forum bereits wieder ein bisschen beruhigt, vor allem weil ich erfahren habe, dass das Korsett gegen Schmerzen hilft - und Letztere sind bei mir zurzeit sehr limitierend.
Was mir dabei Sorgen macht: Führt das Korsett nicht zum Muskelabbau? Ich hatte schon einige mehr oder weniger schlimme Stürze, weil ich aufgrund der Schieflage meiner WS in ungünstigen Situationen Mühe habe, das Gleichgewicht zu behalten, und weil meine tiefliegende Muskulatur offenbar schwach ist. Natürlich mache ich Physiotherapie (Krankengymnastik nennt man das bei euch in Deutschland offenbar), um meine Muskulatur zu trainieren. Ich bin aber nicht sicher, ob das reicht; denn immer (z.B. in der Dusche) werde ich das Korsett sicher nicht tragen, und gerade dann passiert es ja jeweils. Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen? Weiss jemand etwas über den Muskelabbau durch Korsett-Tragen?
Bin gespannt auf eure Antworten und danke euch im Voraus!
Rita1
Korsetttragen als Erwachsene und Muskelabbau
- Toni
- Profi

- Beiträge: 4388
- Registriert: Sa, 20.04.2002 - 19:07
- Geschlecht: männlich
- Diagnose: M. Scheuermann Kyphose (urspr. 68°)
M. Baastrup - Therapie: 1 Boston B.O.B.
1 Milwaukee
2 Rahmouni´s
1 TüKO
Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen! - Wohnort: Allgäu
Hallo Rita 13
Wo kommst Du denn her? Aus Österreich / Schweiz?
Du meinst sicher diesen Beitrag von mir:
http://skoliose.net/forum/viewtopic.php?t=693
Also ich trag seit März mein Korsett, z. T. bis zu 23 h.
18 - 20 h im Durchnitt. Ich habe an mir noch keinen Muskelabbau feststellen können. IM GEGENTEIL!!!!!
1. Ein gutes Korsett regt sogar zur Muskeltätigkeit an. Man stemmt sich z.B. gegen die Abdominalpelotte (Bauchpresse) und versucht durch Baucheinziehen und Entlordoisierung nach hinten auszuweichen, aus dem Hohlkreuz zu gehen. Ich mach das fast andauernd im Korsett. Oben genauso. Ich weiche 1000 mal am Tag dem Pelottendruck der Reklinationspelotten aus eigener Kraft aus. Dabei begradige ich über den Hebelpunkt der oberen Rückenpelotte meine Kyphose aus.
Es gibt schon passive Stützkorsetts, die so "bequem" gebaut werden, daß man selbst völlig untätig, den ganzen Tag passiv drinnhängt. Das wäre aber fatal! Dann würde sehr bald ein Abbau der Muskulatur einsetzen.
2. Der Patient muss sich dieser Gefahr auch selbst ständig bewusst sein.
Ich über nun intensiv Schroth- z.T. im Korsett, das meiste ohne. Krafttraining genauso. Schwimmen ohne, (hab leider kein Tübinger)Bauchmuskeltraining ( BRÜGGER) ohne. Ich tu als Adult-Korsett-User mit Sicherheit wesentlich mehr für mein Eigenes Muskelkorsett als die allermeisten Nichtkorsett-Träger.
Als aktiver und bewusster Korsett-Patient sehe ich KEINE Gefahr der Erschlaffung.
Ich sehe die allergrößte Gefahr darin, daß Du nur von den allerwenigsten OT´s ein wirklich gutes Korsett erwarten kannst, das die richtige Balance zwischen dem passiven Halt und dem Reiz zur aktiven Selbstaufrichtung bietet.
Zu welchem OT würde Dich denn Deine Orthopädin schicken wollen?
Z.B. die Bauart wie ein Tübinger könnte auch beim Duschen und Schwimmen getragen werden. Deine Diagnose klingt auch so, als würdest Du nur ein lumbo-sacrales Korsett benötigen, das den Thorax weitgehend frei lässt. Darin wärset Du ohnehin sehr beweglich.
Zum Training und Verbesserung Deines Gleichgewichtssinn und zur Dämpfung der Schrittbelastung auf die WS empfehle ich Dir dringend die Schuhe und Kurs von MBT.
Gruß Toni
Wo kommst Du denn her? Aus Österreich / Schweiz?
Du meinst sicher diesen Beitrag von mir:
http://skoliose.net/forum/viewtopic.php?t=693
Also ich trag seit März mein Korsett, z. T. bis zu 23 h.
18 - 20 h im Durchnitt. Ich habe an mir noch keinen Muskelabbau feststellen können. IM GEGENTEIL!!!!!
1. Ein gutes Korsett regt sogar zur Muskeltätigkeit an. Man stemmt sich z.B. gegen die Abdominalpelotte (Bauchpresse) und versucht durch Baucheinziehen und Entlordoisierung nach hinten auszuweichen, aus dem Hohlkreuz zu gehen. Ich mach das fast andauernd im Korsett. Oben genauso. Ich weiche 1000 mal am Tag dem Pelottendruck der Reklinationspelotten aus eigener Kraft aus. Dabei begradige ich über den Hebelpunkt der oberen Rückenpelotte meine Kyphose aus.
Es gibt schon passive Stützkorsetts, die so "bequem" gebaut werden, daß man selbst völlig untätig, den ganzen Tag passiv drinnhängt. Das wäre aber fatal! Dann würde sehr bald ein Abbau der Muskulatur einsetzen.
2. Der Patient muss sich dieser Gefahr auch selbst ständig bewusst sein.
Ich über nun intensiv Schroth- z.T. im Korsett, das meiste ohne. Krafttraining genauso. Schwimmen ohne, (hab leider kein Tübinger)Bauchmuskeltraining ( BRÜGGER) ohne. Ich tu als Adult-Korsett-User mit Sicherheit wesentlich mehr für mein Eigenes Muskelkorsett als die allermeisten Nichtkorsett-Träger.
Als aktiver und bewusster Korsett-Patient sehe ich KEINE Gefahr der Erschlaffung.
Ich sehe die allergrößte Gefahr darin, daß Du nur von den allerwenigsten OT´s ein wirklich gutes Korsett erwarten kannst, das die richtige Balance zwischen dem passiven Halt und dem Reiz zur aktiven Selbstaufrichtung bietet.
Zu welchem OT würde Dich denn Deine Orthopädin schicken wollen?
Z.B. die Bauart wie ein Tübinger könnte auch beim Duschen und Schwimmen getragen werden. Deine Diagnose klingt auch so, als würdest Du nur ein lumbo-sacrales Korsett benötigen, das den Thorax weitgehend frei lässt. Darin wärset Du ohnehin sehr beweglich.
Zum Training und Verbesserung Deines Gleichgewichtssinn und zur Dämpfung der Schrittbelastung auf die WS empfehle ich Dir dringend die Schuhe und Kurs von MBT.
Gruß Toni
Hallo Toni,
Vielen Dank für deine Empfehlungen. Ich werde mir das alles einmal in Ruhe überlegen.
Ich wollte dir keinesfalls "unterschieben", dass du unter Muskelabbau leidest! Aber ich habe den Eindruck, dass du enorm diszipliniert bist, ein ziemlicher Kämpfertyp. Liege ich da richtig?
Einen weiteren Eindruck werde ich beim besten Willen nicht los: Mir scheint, dass ihr in Deutschland schon ein ziemlich "üppiges" Rehabilitationssystem habt. Bei uns (in der Schweiz) würde es glaub ich keiner Krankenkasse in den Sinn kommen, einem Rückenpatienten eine stationäre Kur zu bezahlen! Sogar nach Herzinfarkt wird man hierzulande wenn immer möglich ambulant rehabilitiert ...
Versteh mich richtig: Ich möchte keinesfalls in Frage stellen, dass die verschiedenen Methoden, die da angeboten werden, etwas nützen. Ich frage mich einfach, ob da nicht auch das Leiden von Menschen - durchaus in guter Absicht - ein bisschen ausgenützt oder zumindest vermarktet wird.
Ich habe irgendwie immer noch die - vielleicht illusorische - Vorstellung, dass vor allem ICH ein Körperbewusstsein entwickeln, gewisse Muskeln trainieren, meine Lebensweise ans Problem anpassen muss (inkl. Hinterfragen meines Leistungsdenkens, evtl. Arbeitsreduktion usw.) - und ich weiss nicht, ob es dazu einen derart umfassenden Rehabilitationsapparat braucht.
Ich hoffe, du nimmst mir diese Worte nicht Übel.
Liebe Grüsse
Rita
Vielen Dank für deine Empfehlungen. Ich werde mir das alles einmal in Ruhe überlegen.
Ich wollte dir keinesfalls "unterschieben", dass du unter Muskelabbau leidest! Aber ich habe den Eindruck, dass du enorm diszipliniert bist, ein ziemlicher Kämpfertyp. Liege ich da richtig?
Einen weiteren Eindruck werde ich beim besten Willen nicht los: Mir scheint, dass ihr in Deutschland schon ein ziemlich "üppiges" Rehabilitationssystem habt. Bei uns (in der Schweiz) würde es glaub ich keiner Krankenkasse in den Sinn kommen, einem Rückenpatienten eine stationäre Kur zu bezahlen! Sogar nach Herzinfarkt wird man hierzulande wenn immer möglich ambulant rehabilitiert ...
Versteh mich richtig: Ich möchte keinesfalls in Frage stellen, dass die verschiedenen Methoden, die da angeboten werden, etwas nützen. Ich frage mich einfach, ob da nicht auch das Leiden von Menschen - durchaus in guter Absicht - ein bisschen ausgenützt oder zumindest vermarktet wird.
Ich habe irgendwie immer noch die - vielleicht illusorische - Vorstellung, dass vor allem ICH ein Körperbewusstsein entwickeln, gewisse Muskeln trainieren, meine Lebensweise ans Problem anpassen muss (inkl. Hinterfragen meines Leistungsdenkens, evtl. Arbeitsreduktion usw.) - und ich weiss nicht, ob es dazu einen derart umfassenden Rehabilitationsapparat braucht.
Ich hoffe, du nimmst mir diese Worte nicht Übel.
Liebe Grüsse
Rita
- Toni
- Profi

- Beiträge: 4388
- Registriert: Sa, 20.04.2002 - 19:07
- Geschlecht: männlich
- Diagnose: M. Scheuermann Kyphose (urspr. 68°)
M. Baastrup - Therapie: 1 Boston B.O.B.
1 Milwaukee
2 Rahmouni´s
1 TüKO
Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen! - Wohnort: Allgäu
Hallo Rita 1
Rita hat geschrieben:
Ich muss mal ein bischen ausholen! Ihr Schweizer habt im weltweiten Vergleich sicher eines der besten Gesundheits-Systeme der Welt. Trotzdem habt ihr ein großeses Defizit- genau im Bereich der Rehabilitation chronisch Kranker!
Kürzlich war ich am Lac Leman ("Genfer-See") zu einer Weinprobe in Eppes. Die Inhaberin eines Gran Cru-Weingutes, eine sehr lebenslustige ca. 60-jährige Dame benötigte ca. 30 Minuten, um 10 Treppenstufen in ihren eigenen Weinkeller zu kommen. Die hatte Elephantiasis (schwerstes, sekundäres Lymph-Ödem, ca. 6-8 Liter Wasser pro Bein) und quälte sich extrem ab. Ihre Weine waren absolut excellent!!!
Ich bin nicht der "tumpe Tor" Parsival der dem König Amfortas die erlösende Frage verweigert. Daher fragte ich Madame nach Ihrem Leiden.
Sie sagte mir, daß sie von den Schweizer Ärzten völlig aufgegeben wurde und ihr keiner mehr helfen könne. Sie wisse nicht, wie lange sie noch ihren eigenen Weinkeller aufsuchen könne, obwohl sie ihren Beruf als Winzerin sehr liebt.
Sie kann sich mit diesen Beinen kaum noch bewegen, keine Schuhe mehr anziehen. Sie hat keine Kraft mehr, weil sie sich kaum noch bewegt. Ihre lebensqualität ist minus null. Kompressionsstrümpfe helfen nicht mehr, ihr würde auch die Kraft fehlen, so starke anzuziehen, die sie benötigen würde. Sie hat sich nun auch selbst aufgegeben und heulte "Rotz und Wasser". Die fröhliche Weinprobe war dahin!
Ich fragte sie, warum sie keine Reha macht in einer Lymphologischen Fachklinik? Sie hatte keine Ahnung, daß es sowas überhaupt gibt!
Ich erzählte ihr, daß noch viel schwerere Lymphödeme als ihres, bei einer Komplexen-Entstauungs-Therapie wieder leichte, schlanke Beine bekommen hätten und versuchte sie zu animieren, zur FÖLDI-Klinik
http://www.lymphologie.de/
oder zu Lympho-Opt
http://www.lympho-opt.de/
zu fahren und dort eine mehrwöchige Reha zu machen. Der Erfolg wäre ihr garantiert!
Sie konnte gar nicht fassen, daß es tatsächlich Kliniken gibt, die sich ausschlieslich mit dem Problem der extremen Wassereinlagerung befassen.
Ihre schweizer Ärzte sagten ihr ins Gesicht, daß sie nichts mehr tun können, haben sie aufgegeben und alleingelassen!
Ein Komplexe Entstauungstherapie kann man nicht ambulant und zu Hause machen! Die Patienten bekommen mehrmals täglich Lymphdrainagen, werden danach jedesmal wieder neu gewickelt, machen spezielle Entstauungsgymnastik, die Hautpflege spielt eine sehr große Rolle, usw...
Wie soll das jemand selbst leisten, der gar nicht mehr bis zum Knie herunterkommt???
Geld wäre für Madam kein Problem gewesen.
Das Problem ist euer Schweizer Gesundheitswesen! Das Problem ist eure "calvinistisch geprägte Grund-Einstellung", (daß nur jeder an sich zuerst denken muss, dann ist allen geholfen) und der "Kantönli-Geischd".
In keinem einzigen Kanton gibt es genügend Lymph-Patienten, um so eine Klinik zu unterhalten. Und der BUND in Bern fühlt sich nur für euer überzüchtetes Militär und die neutrale Außenpolitik zuständig. Also lasst Ihr lieber einen Lymph-Ödem-Patienten "elendiglich verrecken" als ihm zu helfen!
Daß unser REHA System zu üppig ist, das glaube ich nicht! Die Wartezeiten auf einen Reha-Platz sind oft lang. Die Kostenträger extrem knauserig!
Das war nur ein Extrem-Beispiel. Auch wir haben in Deutschland, die Tendenz zur ambulanten Reha nach Herzinfarkt. Wie sinnvoll es ist, einen Patienten möglichst schnell wieder genau in das Lebensumfeld/Ernährungsweise, usw... hineinzuhetzen, in dem er sich den Infarkt geholt hat, bleibt dahingestellt.
Vieleicht ist Dir Pfarrer Sebastian Kneipp ein Begriff? Sein Pfarrhaus in Wörishofen (Heute BAD Wörishofen), in dem er Hilfesuchenden, die zu ihm gereist waren, seine Wasserkuren und Kaltwasseranwendungen verabreicht hat, ist der Archetypus einer Reha-Klinik.
Wenn Du Skoliose hast- und sonstige WS-Probleme- dann schaffst Du es alleine auf gar keinen Fall, herauszufinden, welche Position Du einnehmen musst, welche Muskeln du anspannen und welche lockerlassen musst, wie Du atmen sollst, wie Du Dich selbst korrigieren kannst, usw.... OHNE EINE REHA nach SCHROTH! Und Schroth allein ohne die vielen anderen ergänzenden Anwendungen, wie wir sie in Bad Salzungen hatten ist auch nur eine halbe Sache.
Du kannst es ja gerne versuchen, die Liste der Scheizerischen Schroth-Therapeuten findest Du in unseren Links. Aber bei Schroth solltest Du versuchen schnell einen hohen Muskel-korsett-Tonus aufzubauen und den dann ambulant und zu Hause zu halten. Ambulant Schroth zu lernen wird immer drittklassig bleiben! LEIDER!
Ich hoffe auch, daß Du ein wirklich gutes Korsett bekommst. Die geistige Einstellung, um ohne Muskelschaden die Vorteile eines Korsetts "geniesen " zu können, hast Du zumindest!
Auch Du bist ein Kämpfertyp. Du musst nur den "Terminator" in Dir aktivieren!
Liebe Grüße ins Land der Kantone
Toni
Rita hat geschrieben:
Fast richtig! Ich war ein chronischer Schmerzpatient, verfettet und verkommen, der seinen bescheuerten Rücken permanent argumentativ gegen sich selbst und andere vorgeschoben hat, um nichts für sich selber tun zu müssen. Ich hab jahrelang nicht gekämpft, war passiv und hab gelitten und gejammert.Ich wollte dir keinesfalls "unterschieben", dass du unter Muskelabbau leidest! Aber ich habe den Eindruck, dass du enorm diszipliniert bist, ein ziemlicher Kämpfertyp. Liege ich da richtig?
Dieser Satz einer Schweizer-Schmerzpatientin reizt mich zur Weißglut und Schreibwut!Einen weiteren Eindruck werde ich beim besten Willen nicht los: Mir scheint, dass ihr in Deutschland schon ein ziemlich "üppiges" Rehabilitationssystem habt. Bei uns (in der Schweiz) würde es glaub ich keiner Krankenkasse in den Sinn kommen, einem Rückenpatienten eine stationäre Kur zu bezahlen! Sogar nach Herzinfarkt wird man hierzulande wenn immer möglich ambulant rehabilitiert ...
Ich muss mal ein bischen ausholen! Ihr Schweizer habt im weltweiten Vergleich sicher eines der besten Gesundheits-Systeme der Welt. Trotzdem habt ihr ein großeses Defizit- genau im Bereich der Rehabilitation chronisch Kranker!
Kürzlich war ich am Lac Leman ("Genfer-See") zu einer Weinprobe in Eppes. Die Inhaberin eines Gran Cru-Weingutes, eine sehr lebenslustige ca. 60-jährige Dame benötigte ca. 30 Minuten, um 10 Treppenstufen in ihren eigenen Weinkeller zu kommen. Die hatte Elephantiasis (schwerstes, sekundäres Lymph-Ödem, ca. 6-8 Liter Wasser pro Bein) und quälte sich extrem ab. Ihre Weine waren absolut excellent!!!
Ich bin nicht der "tumpe Tor" Parsival der dem König Amfortas die erlösende Frage verweigert. Daher fragte ich Madame nach Ihrem Leiden.
Sie sagte mir, daß sie von den Schweizer Ärzten völlig aufgegeben wurde und ihr keiner mehr helfen könne. Sie wisse nicht, wie lange sie noch ihren eigenen Weinkeller aufsuchen könne, obwohl sie ihren Beruf als Winzerin sehr liebt.
Sie kann sich mit diesen Beinen kaum noch bewegen, keine Schuhe mehr anziehen. Sie hat keine Kraft mehr, weil sie sich kaum noch bewegt. Ihre lebensqualität ist minus null. Kompressionsstrümpfe helfen nicht mehr, ihr würde auch die Kraft fehlen, so starke anzuziehen, die sie benötigen würde. Sie hat sich nun auch selbst aufgegeben und heulte "Rotz und Wasser". Die fröhliche Weinprobe war dahin!
Ich fragte sie, warum sie keine Reha macht in einer Lymphologischen Fachklinik? Sie hatte keine Ahnung, daß es sowas überhaupt gibt!
Ich erzählte ihr, daß noch viel schwerere Lymphödeme als ihres, bei einer Komplexen-Entstauungs-Therapie wieder leichte, schlanke Beine bekommen hätten und versuchte sie zu animieren, zur FÖLDI-Klinik
http://www.lymphologie.de/
oder zu Lympho-Opt
http://www.lympho-opt.de/
zu fahren und dort eine mehrwöchige Reha zu machen. Der Erfolg wäre ihr garantiert!
Sie konnte gar nicht fassen, daß es tatsächlich Kliniken gibt, die sich ausschlieslich mit dem Problem der extremen Wassereinlagerung befassen.
Ihre schweizer Ärzte sagten ihr ins Gesicht, daß sie nichts mehr tun können, haben sie aufgegeben und alleingelassen!
Ein Komplexe Entstauungstherapie kann man nicht ambulant und zu Hause machen! Die Patienten bekommen mehrmals täglich Lymphdrainagen, werden danach jedesmal wieder neu gewickelt, machen spezielle Entstauungsgymnastik, die Hautpflege spielt eine sehr große Rolle, usw...
Wie soll das jemand selbst leisten, der gar nicht mehr bis zum Knie herunterkommt???
Geld wäre für Madam kein Problem gewesen.
Das Problem ist euer Schweizer Gesundheitswesen! Das Problem ist eure "calvinistisch geprägte Grund-Einstellung", (daß nur jeder an sich zuerst denken muss, dann ist allen geholfen) und der "Kantönli-Geischd".
In keinem einzigen Kanton gibt es genügend Lymph-Patienten, um so eine Klinik zu unterhalten. Und der BUND in Bern fühlt sich nur für euer überzüchtetes Militär und die neutrale Außenpolitik zuständig. Also lasst Ihr lieber einen Lymph-Ödem-Patienten "elendiglich verrecken" als ihm zu helfen!
Daß unser REHA System zu üppig ist, das glaube ich nicht! Die Wartezeiten auf einen Reha-Platz sind oft lang. Die Kostenträger extrem knauserig!
Das war nur ein Extrem-Beispiel. Auch wir haben in Deutschland, die Tendenz zur ambulanten Reha nach Herzinfarkt. Wie sinnvoll es ist, einen Patienten möglichst schnell wieder genau in das Lebensumfeld/Ernährungsweise, usw... hineinzuhetzen, in dem er sich den Infarkt geholt hat, bleibt dahingestellt.
Wir haben im Bezug auf REHA und Kuren eine ganz andere Tradition. Der Begriff " Volksgesundheit" ist ebenso typisch DEUTSCH wie "Volkswagen"Versteh mich richtig: Ich möchte keinesfalls in Frage stellen, dass die verschiedenen Methoden, die da angeboten werden, etwas nützen. Ich frage mich einfach, ob da nicht auch das Leiden von Menschen - durchaus in guter Absicht - ein bisschen ausgenützt oder zumindest vermarktet wird.
Vieleicht ist Dir Pfarrer Sebastian Kneipp ein Begriff? Sein Pfarrhaus in Wörishofen (Heute BAD Wörishofen), in dem er Hilfesuchenden, die zu ihm gereist waren, seine Wasserkuren und Kaltwasseranwendungen verabreicht hat, ist der Archetypus einer Reha-Klinik.
Diese Einstellung ehrt Dich! Aber das schaffst DU nicht ohne professionelle Hilfe!Ich habe irgendwie immer noch die - vielleicht illusorische - Vorstellung, dass vor allem ICH ein Körperbewusstsein entwickeln, gewisse Muskeln trainieren, meine Lebensweise ans Problem anpassen muss (inkl. Hinterfragen meines Leistungsdenkens, evtl. Arbeitsreduktion usw.) - und ich weiss nicht, ob es dazu einen derart umfassenden Rehabilitationsapparat braucht.
Wenn Du Skoliose hast- und sonstige WS-Probleme- dann schaffst Du es alleine auf gar keinen Fall, herauszufinden, welche Position Du einnehmen musst, welche Muskeln du anspannen und welche lockerlassen musst, wie Du atmen sollst, wie Du Dich selbst korrigieren kannst, usw.... OHNE EINE REHA nach SCHROTH! Und Schroth allein ohne die vielen anderen ergänzenden Anwendungen, wie wir sie in Bad Salzungen hatten ist auch nur eine halbe Sache.
Du kannst es ja gerne versuchen, die Liste der Scheizerischen Schroth-Therapeuten findest Du in unseren Links. Aber bei Schroth solltest Du versuchen schnell einen hohen Muskel-korsett-Tonus aufzubauen und den dann ambulant und zu Hause zu halten. Ambulant Schroth zu lernen wird immer drittklassig bleiben! LEIDER!
Liebe Rita-Ich hoffe, daß Du auch meine Worte nicht übel nimmst.Ich hoffe, du nimmst mir diese Worte nicht Übel.
Ich hoffe auch, daß Du ein wirklich gutes Korsett bekommst. Die geistige Einstellung, um ohne Muskelschaden die Vorteile eines Korsetts "geniesen " zu können, hast Du zumindest!
Auch Du bist ein Kämpfertyp. Du musst nur den "Terminator" in Dir aktivieren!
Liebe Grüße ins Land der Kantone
Toni
Hallo Toni,
sehr interessanter Beitrag, der nachdenklich stimmt!
Ich habe nämlich gerade neulich im Fernsehen in irgendeiner Reportage ein Loblied auf das Schweizer Gesundheitssystem gesehen - im Zusammenhang mit der gerade in Deutschland stattfindenden Diskussion über eine "Reform" des deutschen Gesundheitswesens.
Ich hoffe nur, wir werden uns die Qualität unseres Systems auch in Zukunft leisten können
.
Wobei einige Experten (z.B. der Gesundheitsökonom mit der Fliege, habe den Namen vergessen) ja der Meinung sind, die Qualität unseres Systems wird durch Ineffizienzen in vielen Bereichen unterhöhlt. Ich gebe zu: Ich habe zu wenig Ahnung, daher danke für solche Berichte!
Lieben Gruß!
sehr interessanter Beitrag, der nachdenklich stimmt!
Ich habe nämlich gerade neulich im Fernsehen in irgendeiner Reportage ein Loblied auf das Schweizer Gesundheitssystem gesehen - im Zusammenhang mit der gerade in Deutschland stattfindenden Diskussion über eine "Reform" des deutschen Gesundheitswesens.
Ich hoffe nur, wir werden uns die Qualität unseres Systems auch in Zukunft leisten können
Wobei einige Experten (z.B. der Gesundheitsökonom mit der Fliege, habe den Namen vergessen) ja der Meinung sind, die Qualität unseres Systems wird durch Ineffizienzen in vielen Bereichen unterhöhlt. Ich gebe zu: Ich habe zu wenig Ahnung, daher danke für solche Berichte!
Lieben Gruß!

