Gerichtssachverständiger

Fragen und Antworten rund um das Thema Skoliose
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Sven71
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Gerichtssachverständiger

Beitrag von Sven71 »

Medizinischer Gutachter mit Schwerpunkt chronische Schmerzen, der vor Sozialgericht auch allgemeine Fragestellungen rund um Behinderungsgrad, Frühberentung, etc. bearbeitet:

gut8er.org

Sitzt in Nordbaden.
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo sven,

die Empfehlung, die Du Dir hier selber gibst, ist schon ein bischen erklärungsbedürftig.

Normalerweise lassen wir das nur für aktive Mitglieder zu, die dann auch hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten für Informationen und Diskussionen zur Verfügung stehen.
Hast Du auch mit Skoliose/Kyphose Patienten zu tun?

Gruss
Klaus
Sven71
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Richtigstellung

Beitrag von Sven71 »

Eine wertende Aussage habe ich nicht getroffen, damit ist es weder eine "Empfehlung", noch eine "Warnung", o.ä.. Es ist ein rein sachlicher Hinweis auf die Existenz des Internetauftritts, der noch im Wachsen begriffen ist. Ich denke, daß v. a. manche der Gerichtsurteile, die publiziert werden, von Interesse sein dürften. Weniger die gutachtliche Aktivität per se.

Wenn dieses Forum nun nicht der Information dient oder nur aktive Mitglieder informieren dürfen, dann bin ich vermutlich einem Irrtum erlegen. Informationen über die aktive Mitgliedschaft nehme ich gerne entgegen.

Sofern Skoliosepatienten unter chronischen Schmerzen leiden, treffen sie meinen gutachtlichen Tätigkeitsschwerpunkt. Ansonsten ist festzustellen, daß es bei der Erstellung des Leistungsbildes für Frühberentungsfragen nicht auf Diagnosen, sondern Funktionseinbußen ankommt. Im Behindertenrecht sind die "Anhaltspunkte" maßgeblich. Soweit relevante Einschränkungen in Alltag und Beruf erhärtet werden können, wird das bei den Begutachtungen sicher berücksichtigt werden. Es gibt keine Spezialgutachter nur für Skoliosen, nur für Bandscheibenvorfälle oder nur für Herzschwäche, soweit es um sozialmedizinische Fragestellungen geht.

Häufige Fälle: Wirbelsäulensyndrome meist nach Bandscheibenoperationen, Wirbelkanalstenosen mit neurologischer Symptomatik, psychosomatische Störungen, CRPS v. a. Typ I, Gelenkschmerzen aller Art (entzündlich, nicht-entzündlich)
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Toni
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Beitrag von Toni »

Hallo Sven 71
herzlich willkommen!
ich selbst bin auch Gutachter und ö.b.Sachverständiger in einem ganz anderen Bereich.
Kannst Du auch z. B. die Qualität und Wirksamkeit von Skoliose- und Kyphose- Orthesen beurteilen und z. B. zahlungsunwilligen Krankenkassen gegenüber fachlich beurteilen?

Wir haben immer wieder und wieder das Dilemma, daß Kinder und Jugendliche mit der Diagnose Skoliose- und Kyphose ein Korsett verordnet bekommen und irgend ein Orthopädietechniker irgend eines Sanitätshauses fertigt das Ding an und bekommt 2.500 € dafür von der zuständigen KK.

Irgendwann (leider oft wenn es zu spät ist!) stellt man dann enttäuscht fest, daß dieses Korsett totaler Plastikmüll war und ist und nicht mal die Progredienz der Skoliose stoppen konnte, geschweige denn auch nur eine geringe Verbesserung erreichen kann.

Wenn man dann zu einem erfahrenen und besseren OT und Korsettmacher wechselt, dann verweigert die KK mit Hinweis auf die Nachbesserungspflicht des 1. "unfähigen" OT die Bezahlung des 2. besseren Korsettes, auch wenn dessen wesentlich höhere Primärkorrektur nachgewiesen ist.
Lieber lässt eine KK und deren med. Dienst (bsonders Obergscheide!) ein Kind oder Jugendlichen voll in Plastikmüll in die OP-Indikation hineinkrümmen, als ein besseres und qualitätsgesichertes Korsett zu bezahlen.

Wie siehst Du die Situation vom gutachterlichen Standpunkt aus?
Deine pers. Meinung zur Qualität der Skoliose-Therapie in Deutschland würde uns schon sehr interessieren!
Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
Sven71
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Orthesen

Beitrag von Sven71 »

Hallo Toni,

die sture Übernahme des Werksvertragsrechts in den medizinischen Bereich hinein ist natürlich ein Unding. Auf dem Bau darf der Auftragnehmer einmal nachbessern und wenn es dann wieder zu einem mangelhaften Ergebnis kommt, wird der Vertrag gekündigt und ein anderer Handwerker gesucht.

Leider müßte hier als Kostenträger die KK kündigen und deren Bürohengste empfinden keine Emphatie mit dem betroffenen Kind, sondern sehen nur Zahlen. Im Prinzip müßte man zur rechtzeitigen Mangelerkennung und ggf. Nachbesserung das Korsett sofort sachverständig bewerten lassen. Da stellt sich m. E. sogar die Frage, inwiefern die KK als Kostenträger ggf. auch für die Kosten eines solchen Gutachtens aufkommen müßte, bzw. der Auftragnehmer bei Mängeln von der KK für die Kosten eines Gutachtens in Regreß genommen werden kann. Aber das ist eine juristische Fragestellung, keine medizinische.

Ich selbst bin Arzt und kann Orthesen in technischer Hinsicht nur eingeschränkt bewerten, z. B. im Hinblick auf Druckstellen. Die Werkstoffqualität (Biegebelastbarkeit, Bruchfestigkeit, etc.) erfordert einschlägige Kenntnisse in Werkstoffkunde, die in der Medizin nicht gelehrt wird. Das könnte letztlich auch nur ein gutachtlich tätiger Orthopädiemechaniker leisten. Oder einer der wenigen Ärzte, die vorher ein Ingenieursstudium oder einen technischen Beruf erlernt haben (unter den Arbeitsmedizinern gibt es ein paar, aber die haben mit Orthesen in der medizinischen Praxis wiederum wenig zu tun ... weil's halt Arbeitsmedizin ist).

Den MDK muß man hier schon fast in Schutz nehmen, weil die dort eingesetzten Kollegen ja inzwischen eierlegende Wollmilchsäue sein sollen: DRG-Abrechnungen der Krankenhäuser beurteilen, Pflegegutachten im Außendienst, Fehlzeitenbeurteilung auf Plausibilität, etc., etc. .... und das in Minimalbesetzung. Der MDK leidet weniger an den einzelnen Ärzten als an einem völlig fehlenden Konzept im Hinblick auf die Kompetenzen und einen angemessenen Personalschlüssel.
Derzeit muß man examinierter Krankenpfleger, Facharzt für Pädiatrie, Arbeitsmedizin, Sozial- und Rehamedizin und Innere sein und dann noch einen MBA machen und sich in DRG-Codierung fortbilden, um die nötigen Kompetenzen mitzubringen, die der MDK erwartet. Man stiege dann so mit 52 ohne umfassend Praxiserfahrung in den Beruf ein und hörte mit 65 wieder auf. Lächerlich.

Wenn es mein Kind wäre, würde ich bei den ersten Anzeichen von schlechtem Sitz, Druckstellen oder - spätestens - Skoliosefortschritt wieder bei dem Ortho-Mech auffahren und Nachbesserung verlangen. Bei Weigerung / erneutem Mangel dann direkt Kontaktaufnahme mit der KK und sachverständiges Gutachten anfordern. Bei Verweis auf den MDK unbedingt die Fach- und Sachkunde des Gutachters hinterfragen. Wenn ein Internist eine Orthese bewerten soll .... laut lachen und Anwalt nehmen. Das geht einfach nicht.
Es hilft immer das SGB V:
"Den besonderen Belangen behinderter und chronisch kranker Menschen ist Rechnung zu tragen." Dazu gehört auch die Prävention etwaiger Folgeschäden aus mangelhafter Prothetik, sobald ein begründeter Verdacht auf einen Mangel vorliegt. Dies ist ggf. sachverständig zu bewerten.
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo sven,
Wenn dieses Forum nun nicht der Information dient oder nur aktive Mitglieder informieren dürfen, dann bin ich vermutlich einem Irrtum erlegen. Informationen über die aktive Mitgliedschaft nehme ich gerne entgegen.
Es ging mir darum, dass es nicht nur bei dem Nennen Deiner Homepage bleiben sollte. Und mit "aktive Mitglieder" ist lediglich die Einbringung in die Diskussion gemeint.
Wenn Du so willst, fehlte die Vorstellung, aber jetzt bist Du ja mitten drin und ich freue mich, dass wir auch mal von dieser fachlichen Seite profitieren können.

Willkommen im Forum.

Gruss
Klaus
Sven71
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Vorstellung

Beitrag von Sven71 »

Klaus hat geschrieben:Hallo sven,
Wenn dieses Forum nun nicht der Information dient oder nur aktive Mitglieder informieren dürfen, dann bin ich vermutlich einem Irrtum erlegen. Informationen über die aktive Mitgliedschaft nehme ich gerne entgegen.
Es ging mir darum, dass es nicht nur bei dem Nennen Deiner Homepage bleiben sollte. Und mit "aktive Mitglieder" ist lediglich die Einbringung in die Diskussion gemeint.
Wenn Du so willst, fehlte die Vorstellung, aber jetzt bist Du ja mitten drin und ich freue mich, dass wir auch mal von dieser fachlichen Seite profitieren können.

Willkommen im Forum.

Gruss
Klaus

Ah so, daran soll es ja nicht scheitern: Ich bin Facharzt für Arbeitsmedizin, Ernährungsmedizin und im Sommer schließe ich die Zusatzbezeichnung Medizininformatik ab.
Seit 2003 erstatte ich Gerichtsgutachten im sozialrechtlichen, gelegentlich auch zivilrechtlichen Bereich. Aufträge für öffentlich-rechtliche oder gewerbliche Kostenträger / Versicherungen nehme ich nicht an und bin von solchen finanziell auch nicht abhängig. Insofern darf ich mich als unabhängig betrachten.

Privat bin ich verheiratet, habe 2 Söhne und kämpfe gerade mit unserem Generalunternehmer die üblichen Rechtsstreitigkeiten nach einem Hausbau aus, denn vieles lief abweichend von den Vereinbarungen.
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chilli-pepper
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Beitrag von chilli-pepper »

Hallo Sven,
von mir auch ein Willkommen hier im Forum!
...und kämpfe gerade mit unserem Generalunternehmer die üblichen Rechtsstreitigkeiten nach einem Hausbau aus, denn vieles lief abweichend von den Vereinbarungen.
Und wie man sieht , berufliche Kämpfer bleiben auch privat nicht verschont...

Da wünsch ich dir auch viel Glück, ich bereite gerade eine Klage gegen das Versorgungsamt vor ;)
LG chilli-pepper
Sven71
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Beitrag von Sven71 »

chilli-pepper hat geschrieben:Hallo Sven,
von mir auch ein Willkommen hier im Forum!
...und kämpfe gerade mit unserem Generalunternehmer die üblichen Rechtsstreitigkeiten nach einem Hausbau aus, denn vieles lief abweichend von den Vereinbarungen.
Und wie man sieht , berufliche Kämpfer bleiben auch privat nicht verschont...

Da wünsch ich dir auch viel Glück, ich bereite gerade eine Klage gegen das Versorgungsamt vor ;)
LG chilli-pepper
Dabei natürlich viel Erfolg, einen guten Anwalt und ggf. den § 109 SGG nutzen.
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