Korrektur im Korsett u. Frage zu Progredienz?

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Gast

Korrektur im Korsett u. Frage zu Progredienz?

Beitrag von Gast »

Hallo zusammen,

ich trage seit 3 Wochen ein Korsett (Alter 28, Ausgangswert BWS 53° und LWS 47°); letzte Woche war ich beim Röntgen im Korsett: BWS 42° und LWS 24°.
Rhamouni meinte, im oberen Bereich sei die WS fixiert, vielleicht gebe die Fixierung aber mit der Zeit im Korsett etwas nach.

Meine Frage bezieht sich auf einen früheren Thread, den ich noch im Kopf habe: ist es nun eher ungünstig, diese "Fixierung" aufzubrechen (wegen Progredienz-Risiko)?
Und ist eine Fixierung bereits eine Verknöcherung oder nur das erste Anzeichen hierfür? Ist eine Verknöcherung gut oder schlecht?

Im BWS-Bereich habe ich nach wie vor starke Schmerzen im Korsett (Rippen). Aber wenn die WS dem Druck nicht nachgeben kann, ist das ja auch kein Wunder! Wie ist das einzuschätzen?

Nun eine allgemeine Frage zur Progredienz: Vor ca. 8 Jahren betrug der Wert bei mir laut RöBi BWS 48° und LWS 49° (heute 53° und 47°). Ab wann gilt eine WS als progredient? Laut Literatur ist ab 50° mit einer Verschlechterungswahrscheinlichkeit von 1° / Jahr zu rechnen. Würdet ihr meine WS demnach als progredient einstufen?

Danke und liebe Grüße, goldfisch
2007-03-19

Beitrag von 2007-03-19 »

betrug der Wert bei mir laut RöBi BWS 48° und LWS 49° (heute 53° und 47°)
wenn mann ne messungenauigkeit von ca. +- 5 grad rechnet, muss sich in letzter zeit gar nichts verändert haben - wäre schon prophetisch, hier von progredienz zu sprechen

-----

warum trägst du ein korsett ?
hast du ohne korsett auch schmerzen ?
Wenn ja, treten die schmerzen mit korsett an anderer stelle auf als ohne korsett ?
bei den meisten adulten wurden die ursprünglichen schmerzen durch ein korsett stark verbessert. häufig traten aber an andere stelle korsettbedingte schmerzen auf, die sich meist nach der eingewöhnung legten.

wenn ich mit korsett nach einiger zeit aber immer noch die selben schmerzen hätte wie ohne, würd ich schleunigst rücksprache mit dem arzt oder ot halte.

mfg + gute besserung
goldfisch
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Beitrag von goldfisch »

hallo,

danke für die Antwort. Ja, nach Abzug von Messfehlern etc. muss sich auch gar nichts geändert haben... Ich dachte, wegen der Überschreitung von 50° gäbe es eine wahrscheinliche Tendenz zur Verschlechterung....

Ich trage mein Korsett aufgrund von Schmerzen im BWS-Bereich (die vor ca. 10 Monaten- als ich ein Praktrikum anfing, bei dem ich nur vorm PC und in fürchterlicher Haltung saß- auftraten und nun nicht mehr weggehen). Diese Schmerzen sind während der Tragezeit im Korsett nicht zu spüren (im Moment spüre ich "nur" die Korsettschmerzen). Nach kurzer Zeit des Abgelegens kommen die Schmerzen in der BWS jedoch zurück.

Ich frage mich, ob diese bereits Abnutzungsschmerzen sein können oder auf die verhärtete Muskulatur zurückzuführen sind. Bei Abnutzung ist wohl zumindest ein Gedanke an ein Op nicht mehr so abwegig....????
Ich bin ziemlich gegen Ops, aber habe momentan etwas Angst, dass sich die Situation insgesamt verschlechtert...
Außerdem habe ich auch die Befürchtung, dass sich meine WS, nach "Mobilmachung" durchs Korsett und dann nach Abschulung, wieder eher verschlechtern könnte. (Eine Diskussion mit Dr. Steffan zu diesem Thema hat mich ziemlich verunsichert)

danke u lg, goldfisch
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Goldfisch hat geschrieben:Außerdem habe ich auch die Befürchtung, dass sich meine WS, nach "Mobilmachung" durchs Korsett und dann nach Abschulung, wieder eher verschlechtern könnte. (Eine Diskussion mit Dr. Steffan zu diesem Thema hat mich ziemlich verunsichert)
Das kann ich gut verstehen, weil die jüngste Diskussion zum Thema Abschulung zunächst mal nur das Fazit hat, dass Erwachsene praktisch lebenslang das Korsett tragen müssen, wenn sie Beschwerdefreiheit und Aufhalten der Progredienz erreichen wollen.

Aber es ist offensichtlich auch so, dass die notwendige intensive "Muskelpflege" nicht so betrieben wird, wie das eigentlich notwendig wäre, um ohne Korsett langfristig klar zu kommen.
Genau da liegt auch ein kritischer Punkt; was ist, wenn man aus welchem Grund auch immer die Muskeln nicht so intensiv "pflegen" kann, was im Alter durchaus schnell mal passieren kann. Und Dr. Steffan geht noch einen Schritt zurück (vor die Abschulung)und fragt sich zurecht, was ist, wenn das Korsett mal nicht getragen werden kann?

Ich denke, hier muss jeder selbst abwägen, wenn Schmerzen dominieren, hat die Beseitigung oder Minderung nach meiner Meinung absoluten Vorrang.
Dann kann man sich überlegen, inwieweit man beim Tragen des Korsetts durch paralleles Muskeltraining (Schroth und Fitness) einen Zustand erreichen kann, der weitgehend vor einem "Zurückfallen" schützt, wenn temporär das Korsett nicht getragen werden kann.
Möglicherweise ist so etwas durch eine langsamere Korrektur im Korsett besser zu bewerkstelligen, aber da löse ich sicherlich wieder eine andere Diskussion aus. :)

Auf jeden Fall würde ich bei Fixierungen aller Art sehr vorsichtig sein, wenn ein Korsett hier Strukturen aufbrechen sollte, die der Körper als Selbstschutz aufgebaut hat.

Gruss
Klaus
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Dalia
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Beitrag von Dalia »

Wobei Fixierungen auf den Körper auch nicht gut sein können und eine eventuell vorhandene Progredienz zumindest gestoppt werden kann. Ich will JETZT leben und nicht auf ein Korsett verzichten, nur weil das Korsett später nicht mehr getragen werden könnte.

Da beißt sich die Katze in den Schwanz, entweder trage ich jetzt ein Korsett und habe in der korsettfreien Zeit eine deutlich höhere Lebensqualität, oder aber ich trage kein Korsett, habe aber so viele Beschwerden, dass meine Lebensqualität grundsätzlich eingeschränkt ist. Die Argumente von Dr. Steffan und von Klaus sind nicht von der Hand zu weisen, es fehlen fundierte Studien, weil es ein ganz neues Thema ist.

Aber ich denke auch, wenn ich ein Korsett trage, bleibt meine Vitalität länger erhalten, so dass ein Abbau im Alter nicht so schnell vonstatten gehen wird. Zudem erfolgt bei einem langjährigen Korsettuser eine Abschulung ja vermutlich nicht radikal, sondern Schritt für Schritt, so dass der Körper sich umstellen kann.

Viele Grüße
von der kranken Dalia, die jetzt vermutlich wegen Überdehnung durch das Korsett anscheinend eine böse Muskelverzerrung hat :D
Ich kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben. (Bertolt Brecht)
meine Geschichte: Dalia wird Königin (Korsett für eine Oldie-Power-Skoliose)
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Beitrag von goldfisch »

Hallo,

und hi Klaus - du hast geschrieben:

"Auf jeden Fall würde ich bei Fixierungen aller Art sehr vorsichtig sein, wenn ein Korsett hier Strukturen aufbrechen sollte, die der Körper als Selbstschutz aufgebaut hat."

- sind die Korsetts von Rahmouni nicht alle "korrigierende" Korsetts?
D.h. die Fixierung wird damit im "günstigsten" bzw. "ungünstigsten" Fall (je nach Betrachtungsweise) "aufgebrochen" oder wie man das sonst nennen möchte?

Als ich bei Dr. Hoffmann war und meine Situation schilderte (seit halben Jahr Schmerzen) schlug er mir zwei Wege vor:
Op (ab 50°+Schmerzen = Op wäre indiziert) oder Korsett.
Ich entschied mich fürs Korsett. Eigentlich weiß ich aber gar nicht mehr, ob ich nun ein "Schmerzkorsett" oder ein "Korrekturkorsett" erhalten habe?

Irgendwie dachte ich nach dem letzten Röntgen im Korsett, meine Probleme kämen genau von dieser fixierten Stelle - so fühlt sich meine BWS zumindest an (irgendwie so zusammengestaucht, verklebt und verwachsen) - und ich war zuerst erleichtert, als Rahmouni meinte, diese fixierte Stelle könne nach längerem tragen evtl noch nachgeben! Ich dachte dann, dass dies das Ziel sei...

Hat jemand ähnliche Probleme mit solch fixierten Stellen, die trotz Pelottendruck wenig nachgeben?

Und wieviel Zeit sollte man einem Korsett allgemein geben? Gehen bei euch nur die Schmerzen weg, solange ihr das Korsett tragt oder sind die dann weitgehend weg und kommen nur noch beispielsweise bei einseitigen Belastungen wieder?
Haben sich von euch einige nach einer gewissen Korsettzeit gegen dieses und für eine Op entschieden?

lg, goldfisch
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Beitrag von Klaus »

goldfisch hat geschrieben:- sind die Korsetts von Rahmouni nicht alle "korrigierende" Korsetts?
D.h. die Fixierung wird damit im "günstigsten" bzw. "ungünstigsten" Fall (je nach Betrachtungsweise) "aufgebrochen" oder wie man das sonst nennen möchte?.... und ich war zuerst erleichtert, als Rahmouni meinte, diese fixierte Stelle könne nach längerem tragen evtl noch nachgeben!
Eine fixierte Stelle kann nachgeben (Korrektur in geringem Umfang), das ist was anderes als aufbrechen von z.Bsp. knöchernen Spangen zwischen den Wirbelkörpern!
Die nicht fixierten Stellen können aber tatsächlich korrigiert werden, je nachdem wo die fixierte Stelle liegt ergibt sich insgesamt eine mehr oder weniger starke Korrektur, die aber auch von der individuellen Rückenstruktur(Muskeln, Bänder und Sehnen) abhängig ist.

Jeder Rücken ist anders!
Dalia geht es mit Korsett besser und deswegen trägt sie eins, auch vor dem Hintergrund, dass damit eine weitere Progredienz aufgehalten wird.

Ich trage keins, weil es mir zur Zeit ohne Korsett sicherlich besser geht, als mit. Das liegt auch daran, dass ich meine relativ geringen Schmerzen gut im Griff habe und ich ein Korsett als Minderung der Lebensqualität ansehe.
Ausserdem habe ich Spangenbildungen, die eine grössere Korrektur nicht zulassen.

Deshalb muss jeder für sich selbst entscheiden!
Dalia hat geschrieben:Ich will JETZT leben und nicht auf ein Korsett verzichten, nur weil das Korsett später nicht mehr getragen werden könnte.
Und Dalia hat sehr anschaulich ihre persönliche Entscheidung dargestellt.

Gruss
Klaus
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Beitrag von Dalia »

Klaus hat geschrieben:Das liegt auch daran, dass ich meine relativ geringen Schmerzen gut im Griff habe und ich ein Korsett als Minderung der Lebensqualität ansehe.
Das war auch meine Ausgangssituation: Eher wenige Beschwerden. Jetzt mit Korsett merke ich, wie viel ich in Wirklichkeit schon abgebaut hatte. Ein Korsett ist ja nur in den ersten Monaten brutal, zudem braucht man es ja nur nachts zu tragen, so dass man von den Einschränkungen durch das Korsett im Leben nichts merkt (außer vielleicht beim Kuscheln mit dem Partner ;)) Aber beschwerlich ist es schon, bis man es geschafft hat, nachts im Korsett zu schlafen. Doch das ist auch sehr stark eine Einstellungssache.
Ausserdem habe ich Spangenbildungen, die eine grössere Korrektur nicht zulassen.
Mein Korsett korrigiert mich auch so gut wie gar nicht, ich habe eine sehr starre Wirbelsäule. Bei der Höllenfahrt habe ich gerade mal 20 % Korrektur geschafft, das war aber eine Einstellung, die schon verdammt hammermäßig war. Jetzt trage ich das Korsett so locker, dass es mich sicher nicht korrigiert, und doch spüre ich, dass es meine Vitalität in den korsettfreien Zeiten steigert.

Außerdem schlafe ich gern im Korsett. Ich kann problemlos ohne schlafen, aber ich fühle mich nackt, wenn ich keins habe. Nur heute muss ich drauf verzichten wegen eines eingeklemmten Nervs.

Das ist das Wunderbare am Erwachsenenalter, wir sind frei und können uns für oder gegen ein Korsett entscheiden. Noch wunderbarer wäre es aber, wenn wir Jugendliche wären und dauerhaft korrigieren könnten...
Ich kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben. (Bertolt Brecht)
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