Einseitige Ernährung ursächlich für Skoliose?

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Bernie
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Einseitige Ernährung ursächlich für Skoliose?

Beitrag von Bernie »

Hallo,

die Ursachen von Skoliose sind ja nicht bekannt. Erblich kann es bei meiner 10-jährigen Tochter eigentlich nicht sein, da niemand aus unserer Familie/der Familie meiner Frau Skoliose hatte.

Man liest von Stoffwechselstörungen während der Wachstumsphasen.

Kann es sein, daß Skoliose in Wachstumsphasen dadurch entsteht, dass die Wirbelsäule schneller wächst, als der restliche Körper? Da kann dann die Wirbelsäule ja nur seitlich ausweichen.

Und könnte das durch eine einseitige Ernährung begünstigt werden? Meine Tochter ißt sehr einseitig. Absolut kein Fleisch und eigentlich auch keine Wurst. Obst nur, wenn man es ihr hinstellt. Eigentlich nur geschälter und in Häppchen geschnittener Apfel. Manchmal Banane. Gemüse ißt sie eigentlich alles, was sie auf den Teller bekommt.

Wenn es nach ihr geht, könnte sie nur von Maultaschensuppe und mit Käse überbackenen Kartoffeln leben. Sie mag auch keine typischen Kindergerichte wie Spagetti, Pommes, Eis und dergleichen.
Als Brotbeilage bzw. Brotaufstrich am liebsten fettarmen (nicht stinkigen) Camenbert.

Zudem ißt sie wie ein Spatz. Sie wiegt mit ihren 155 cm ja auch nur knapp über 40 kg. Sie hatte aber schon immer nur Minimalgewicht.

Was haltet Ihr von der Theorie der einseitigen Ernährung?


Viele Grüße,

Bernie
Bommenate
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Beitrag von Bommenate »

Hallo Bernie,

vielleicht beeinflusst die Ernährung die Skoli ein wenig, aber ich glaube eher weniger.

Ich habe mich immer gut ernährt, von allem was, also nicht einseitig. Bei meinen "Vorfahren" war auch keine Skoli dabei. In meinem Falle denke ich eher, dass mangelnde Bewegung und schlechtes Bindegewebe gut mit dran beteiligt waren. Damals war ich eher "faule Socke" und konnte mich zum Sport nicht wirklich aufraffen. Wenn also Muskeln fehlen, dazu noch schwaches Bindegewebe kommt, schlechte Haltung, hormonelle Umstellung in der Pubertät ..... dann geht´s los. Einmal angefangen, schlecht zum Aufhalten. Jetzt bin ich bei 110°/62° gelandet. :/

Bommenate
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Charp
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Beitrag von Charp »

Hallo,

außerdem wird ja nur die Veranlagung zur Skoliose vererbt, das muss nicht heißen, dass in der näheren Verwandtschaft höhergradige und damit auffällige Skoliosen auftreten müssen.
Zur Ernährungstheorie: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ernährung eine relevante Rolle spielt. Ich und meine Schwester haben übrigens recht brav alles gegessen in unserer Jugend. Ich habe bisher absolut keine Erklärung gefunden, warum etwa meine Skoli viel ausgeprägter ist als die meiner Schwester, obwohl wir mal "Gleichstand" hatten und unsere Röntgenbilder zum Verwechseln ähnlich aussahen. Körpergröße, Statur, Bindegewebe, Ernährung, Sport in der Kindheit und Jugend, alles sehr ähnlich bis gleich. Vielleicht gibt es kein echtes "System" dabei.

Liebe Grüße,
Charp
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BZebra
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Beitrag von BZebra »

Ich finde die Ernährung gar nicht so einseitig, hört sich doch eigentlich recht gesund an (möglicherweise sogar besser als deine eigene, wenn Du die üblichen Kindergerichte, viel Fleisch und Käse mit großem Fettgehalt als gesund ansiehst ;)):

- wenig Fleisch
- fett- und kolesterienarm
- wenig Süßigkeiten (?)
- etwas Obst
- viel Gemüse
- viel Kornprodukte und Milchprodukte

Außerdem sollte man bedenken, daß wenn es nicht gerade um Dinge geht, die so lecker sind, daß sie eigentlich zu den Drogen zählen müssten, der Mensch meist nach dem verlangt, was der Körper am ehesten braucht. Jede Ernährungstheorie ist dagegen nur eine Hilfskrücke.
Kann es sein, daß Skoliose in Wachstumsphasen dadurch entsteht, dass die Wirbelsäule schneller wächst, als der restliche Körper? Da kann dann die Wirbelsäule ja nur seitlich ausweichen.
Nein, weil das die Wirbelsäule und den Brustkorb umgebende in senkrechter Richtung verlaufende Gewebe dehnbar und flexibel ist und das Längenwachstum der Wirbelsäule, die als tragende Säule stabiler gebaut ist, kaum einschränkt.

Die Skoliose entsteht bzw. verschlechtert sich durch bereits vorhandene Asymetrien und dadurch entstehende ungleiche Belastungen, die zu ungleichem Wachstum führen, was wiederum zu einer Zunahme der Ungleichbelatung führt... Die Ungleichbelastung und das ungleiche Wachstum verstärken sich jeweils gegenseitig, worauf das Fortschreiten einer Skoliose beruht.

Die Ernährung eurer Tochter ist wahrscheinlich eiweißarm. Wäre aber zu diskutieren, ob eine eiweißreichere Ernährung für den Verlauf der Skoliose von Vorteil ist.
Eiweißreiche Ernährung gilt als gesund, da Eweiß in den Muskeln gepeichert wird und einen guten Vorrat für das Imunsystem darstellt und es ein Ersatz für Fett darstellt. Eiweißreiche Ernährung soll allerdings auch allgemein das Körperwachstum fördern. Der gestiegene Anteil von Eiweiß in unserer Ernährung soll dafür verantwortlich sein, daß die Kriegsgeneration allgemein kleiner ist als die Folgegeneration, was sich auch mit den Körpergrößen verschiedener Volksstämme in Hinblick auf ihren Essgewohnheiten deckt.

Für einen Skoliotiker ist zusätzliches Wachstum allerdings nur ein zusätzliches Risiko für eine weitere Verschlechterung.

Es gibt viele Völker, die sehr eiweißarm leben und dafür viel Gemüse zu sich nehmen, die aber im allgemeinen nicht kränker sind sondern nur kleiner. Insbesondere Koronarerkrankungen treten bei diesen Volksgruppen weniger häufig auf.

Warum sollte man ein Kind "mästen" wenn es an der grenze zum Untergewicht ist. Man nimmt im laufe seines Lebens ohnehin immer weiter zu. Besser zu dünn als zu dick. Letzteres ist sicherlich schädlicher.

Ich würde nicht versuchen die Eßgewohnheiten eerier Tochter zu ändern, sondern ihr höchstens vielleicht das Obst schälen, auf daß sie wahrscheinlich verzichtet nur weil ihr die Zubereitung zuviel Arbeit ist und sie die Schale nicht mag.

Abgesehen davon gibts ja auch Erdbeeren, Kiwis, Birnen, Melonen, Kirschen, Ananas, Mangos, Mandarinen, Granatäpfel, Pflaumen ... die entweder generell ohne Schale gegessen werden oder keine besonders harte Schale haben, so daß man sie immer mit isst. Wenn bei Euch das Obst immer nur als geschälte und geschnittener Ausgeliefert werden und sonst nichts zur Wahl steht, wäre das ganze natürlich auch nicht so begeisternd.
Zuletzt geändert von BZebra am Fr, 17.03.2006 - 16:08, insgesamt 6-mal geändert.
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steffi25
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Beitrag von steffi25 »

Ist es nicht so, dass vor allem eher dünne und große Mädchen Skoliose haben?? Ist eine Häufung hier nur Zufall??
„Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nicht verstehen.“ (Konfuzius)
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BZebra
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Beitrag von BZebra »

steffi25 hat geschrieben:Ist es nicht so, dass vor allem eher dünne und große Mädchen Skoliose haben?? Ist eine Häufung hier nur Zufall??
Groß kann sicherlich mit dem Wachstum zusammen hängen: Je mehr Körperwachstum umso größer das Risiko einer Verschlechterung.
Dünn spielt mit Sicherheit eine Rolle bei der Diagnose: Je dicker der Betroffene umso weniger fällt die Skoliose ins Auge.
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Beitrag von DanyP »

Ist es nicht so, dass vor allem eher dünne und große Mädchen Skoliose haben??
Das kann ich bei meiner Tochter nicht bestätigen. Sie ist mit ihren 9 Jahren nämlich relativ klein - 128 cm - gut, dünn ist sie relativ - sie wiegt 26 kg.

LG Daniela mit Denise
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Beitrag von Bommenate »

Ich bin eher klein mit 1,57 m. Wenn ich den Längenverlust aufgrund der Skoliose hinzurechne (ca. 14 cm), dann wäre ich 1,71 m. Finde ich jetzt nicht gerade riesig. ;)
BZebra hat geschrieben:Dünn spielt mit Sicherheit eine Rolle bei der Diagnose: Je dicker der Betroffene umso weniger fällt die Skoliose ins Auge.
Dünn war ich nie, auch nicht dick, sagen wir mal moppelig :D . Deswegen fiel es damals nicht so auf, wie bei anderen super dünnen Mädels. In Sobi damals war ich echt erschrocken, dass so manch eine gerade mal die Hälfte meiner Grade hatte und es doch nicht weniger aussah als bei mir. (Die Rotation lasse ich jetzt mal außen vor.) Da empfand ich es schon positiv, etwas moppelig zu sein. Ist allerdings auch nachteilig, da ich mehr mit mir rumschleppen muss als andere und jedes Kilo mehr zieht mit der Schwerkraft die WS nach unten.

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Emily
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Beitrag von Emily »

Schon gemein, da gehör ich nun schonmal zu den wenigen Leuten mit Skoli und dann gehöre ich nichtmal da in das "typische" Raster von gross und dünn :nein: :( ;(

Ach ja, und ich finde dass man meine Skoli mehr sieht seit ich zugenommen habe. Die fiel nicht so auf als ich noch dünn war.
Grüssle
--Emily
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Beitrag von Teufel1990 »

Mit Ernährung hat Skoliose bei deiner Tochter nichts zu tun. Es kommt wahrscheinlich von einem Wachstumsschub bei deiner Tochter, so war es auch bei mir damals gewesen.

Klar könnte es ihr nicht schaden, mehr zu essen, aber das ist ein anderes Thema. Pass nur auf, das sie evtl. nicht abnimmt, sonst könnte es ein Fall von Magersucht sein. (Sicher bin ich mir jetzt nicht, oder??)

Ansonsten kann ich mich nur den anderen anschließen!
Christoph
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Beitrag von Toni »

Mit der Ernährung hat eine idiophatische Skoliose ganz sicher NICHT das das Geringste zu tun!
Da nicht nur der Mensch, sondern nahezu ALLE Wirbeltiere (Wild- und Nutztiere), selbst Fische, Dephine, Schweine, Hühner usw.... Skoliose bekommen können, obwohl diese sich soweit sie können völlig natürlich ernähren (Ein nur fischfressender Delphin hat sicherlich keinen Proteinmangel!) gibt es idiphatische Skoliosen bei diesen Tieren.
Die Skoliose hat andere Ursachen, die nicht in der Nutrifikation zu suchen sind.
Ich hab eine Hyphothese/wahrscheinliche Theorie der Skolioseentstehung, aber mit der Ernährung hat sie nichts zu tun.
Ich nenne sie die "Wachstums-Differenzialsperren-Defekt-Hypothese".

Trotzdem ist Ernährung sehr wichtig.
Deine Tochter ernährt sich aus moderner trophologischer Sicht gar nicht schlecht! Da stimme ich BZebra voll zu.
Respekt!
Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
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