Therapie im Erwachsenenalter?

Fragen und Antworten rund um das Thema Skoliose
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Jessica
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Therapie im Erwachsenenalter?

Beitrag von Jessica »

Hallo,

ich bin ganz neu hier. Habe dieses Forum gerade erst entdeckt und nach einigem Lesen wird mir klar, daß meine starken Schmerzen (seit ca. 16 Monaten) auch mit meiner Skoliose zu tun haben können.
Die Skoliose ist als Kind festgestellt worden (wieviel Grad weiß ich leider nicht), ebenfalls M. Scheuermann. Die einzigen Therapien damals waren allerdings ab und zu 6 x "normale" Krankengymnastik, dabei wurde auch der Krankengymnast nie auf Skoliose hingewiesen.
Nun bin ich 38 und meine Frage ist, ob eine Therapie im Erwachsenenalter überhaupt noch möglich ist. Wenn ja, welche und an wen kann ich mich wenden? Gibt es in Dortmund Ärzte, die sich damit wirklich auskennen? Kann die Skoliose und M. Scheuermann gleichzeitig therapiert werden? Macht eine Therapie in meinem Alter Sinn (also besteht die Möglichkeit, da überhaupt noch etwas zu bewegen?) Als ersten Schritt habe ich mir einen Termin bei meinem Orthopäden geben lassen, um eine Überweisung zum Röntgen und Messen des Grades der S. geben lassen.
Ich danke schon mal recht herzlich für Hinweise und Tipps.

Liebe Grüße
Jessica
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Toni
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Re: Therapie im Erwachsenenalter?

Beitrag von Toni »

Jessica hat geschrieben: Nun bin ich 38 und meine Frage ist, ob eine Therapie im Erwachsenenalter überhaupt noch möglich ist.
Sie ist möglich und NOTWENDIG! Die Schmerzen und die Krümmungen der Wirbelsäule werden mit zunehmendem Alter nicht weniger sondern nehmen weiter zu. DU MUSST was tun dagegen!
Jessica hat geschrieben: Wenn ja, welche und an wen kann ich mich wenden? Gibt es in Dortmund Ärzte, die sich damit wirklich auskennen?
Uns ist in Dortmund bisher leider KEIN Skoliose- und M.Scheuermann-kompetenter Arzt bekannt.
Dr. Colemont in ist leider für eine konservative Therapie im Erwachsenenalter nicht zu empfehlen, da er KEINE konservativen Therapieversuche unterstützt und leider fast alles Richtung OP berät.
Jessica hat geschrieben: Kann die Skoliose und M. Scheuermann gleichzeitig therapiert werden? Macht eine Therapie in meinem Alter Sinn (also besteht die Möglichkeit, da überhaupt noch etwas zu bewegen?)
JA auf jeden Fall. Die Therapie für Skoliose und M. Scheuermann ist die gleiche: Eine Reha und KG nach SCHROTH und eventuell ein gutes und stark korrigierendes aufrichtendes Korsett. Das wirkt konservativ am stärksten.
Jessica hat geschrieben: Als ersten Schritt habe ich mir einen Termin bei meinem Orthopäden geben lassen, um eine Überweisung zum Röntgen und Messen des Grades der S. geben lassen.
Kläre ab ob dieser Orthopäde überhaupt in der Lage ist Ganz-Wirbelsäulenaufnahmen in 2 Ebenen ( dorsal und sagittal) zu machen! (Das können die wenigsten Orthopäden, aber NUR GANZ-WS-Röntgen macht Sinn und kann vermessen werden!

Wenn Du nicht bereit bist notfalls eine längere Reise zu unternehmen, sehe ich für Dich in NRW die Chancen an einen kompetenten Arzt und eine gute Therapie zu kommen verschwindend gering!

Gruß Toni
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Jessica
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Beitrag von Jessica »

Hi Toni,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

Beim Orthopäden hat man mir schon gesagt, daß diese Messung in der Praxis nicht möglich ist, aber von dort bekomme ich eine Überweisung zu einer Klinik, die diese Aufnahmen machen kann.

Wenn's notwendig ist und Aussicht besteht, daß ich noch etwas ändern kann, dann nehme ich auch einen weiteren Fahrtweg in Kauf.
Ich will nur endlich meine Rückenschmerzen loswerden. Allgemeine Rückenschmerzen habe ich eigentlich schon immer, seit 16 Monaten dann dieser spezielle Schmerz, der z.Zt. mit Morphin "überdeckt" wird.

Mich wundert's nur, daß in all den Jahren von den vielen Orthopäden, die mich gesehen haben, niemals einer auf die Idee gekommen ist, eine "richtige" Therapie in die Wege zu leiten.
Mein HA will wegen der Schmerzen sowieso eine Reha für mich beantragen, dann werde ich ihn gleich bitten, eine Schroth-Reha-Klinik zu beantragen.

Ein Korsett wird doch sicher erst bei einer "höheren" Gradzahl verordnet, oder?

lG
Jessica
tantalus
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Beitrag von tantalus »

hallo jessica

da geht es dir genau wie mir.
ich habe einfach erst mal eine Kur in Bad Salzungen beantragt, hoffe daß ich die auch bewilligt bekomme.

was deinen "speziellen Schmerz" betrifft: hat mal einer der Ärzte an einen Prolaps gedacht? (im Röntgen sieht man das nicht!) oder an eine Fraktur? (Osteoporose?) bei mir war das mämlich so. Wenn du schon Morphine brauchst, ist das zumindest verdächtig.
Erst ein Neurologe kam auf diesen Gedanken, Orthopäden sind dahingehend in der Regel "etwas träge".
ich würde es einfach mal prüfen lassen, kann ja nicht schaden.

viele Grüße
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Jessica
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Beitrag von Jessica »

Hallo Tantalus,

Prolaps und Vorwölbungen habe ich zusätzlich von C2 - C4 :| . Neben den diversen Orthopäden war ich noch beim Neurologen (der Migräne diagnostizierte, obwohl ich nur selten Kopfschmerzen habe, aber das ist wohl seine Lieblingskrankheit) und beim Neurochirurgen, der mir sagte, die BSV seien nicht weiter schlimm. Irgendwann weiß man nicht mehr, was man noch glauben soll. Im Moment habe ich in einer Schmerzklinik noch eine ambulante Schmerztherapie begonnen, bin aber noch in der Untersuchungsphase, habe daher noch keinen Therapieplan.
Der Krankengymnast, der dort die Befundung durchführte, hat mich aber auch auf die diversen Schiefstände (eine Schulter höher, Taillendreieck ungleichmäßig etc.) hingewiesen und mir erklärt, daß dadurch durchaus meine Schmerzen hervorgerufen werden können.
Weit über 30 Termine "normale" Krankengymnastik im letzten Jahr haben überhaupt nichts gebracht, eher im Gegenteil.

Ich will es auf jeden Fall mit der Schroth-Reha versuchen, denn ganz viele andere konservative Therapien wie Akupunktur, manuelle Therapie etc. sind bisher gescheitert.

Mich würde noch interessieren, ab wann ein Korsett verschrieben wird und wann die Schroth-Kg allein reicht.

Liebe Grüße
Jessica
tantalus
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Beitrag von tantalus »

hallo,
das Besste wird sein, du versuchst eine Kur in einer Skoliose-Klinik (Info hier) zu bekommen, so schnell wie möglich. Das kannst du auch alleine machen, zuständig ist Rentenversicherung (wenn Arbeitnehmer), Anträge dort oder auch bei der Kasse. Das geht in der Regel schneller, denn bis die Ärzte so zu Potte kommen, das kann dauern. Ich gehe mal davon aus, daß du nur dort einigermaßen optimal versorgt wirst (ich selbst habe jedenfalls die Hoffnung).
Alles Andere scheint sinnlos zu sein (so wie bei mir, ich bin ja auch schon von Pontius bis Pillatus gerannt, und nichts Vernünftiges ist dabei herausgekommen).

viele Grüße
W.Beermann
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Schmerz

Beitrag von W.Beermann »

Hallo Jessica!
Bei Ihrer Krankengeschichte sind ihre Rückenschmerzen als chronisch zu bezeichnen.
In diesem Fall hilft nur eine Kombination von verschiedenen Behandlungamaßnahmen.
Medikamentöse Therapie kombiniert mit einer aktiven Rückentherapie, mit Entspannungsmaßnahmen unter Einbeziehung Ihres ganz konkreten Alltags.
Im Gegensatz zu "Klaus" glaube ich, dass Dr. Colemont sowohl was das Thema Skoliose betrifft, als auch was eine moderne Schmerztherapie bedeutet, ein kompetenter Orthopäde ist.
Zudem verordnet er, wenn er es für notwendig hält, auch schnell und unbürokratisch eine Schroththerapie als Reha-Maßnahme in Bad Sobernheim. Dr. Colemont hat eine "Skoliose-Sprechstunde" und die Termine sind rar.
Meine Empfehlung also: Dr. Colemont in Bochum anrufen.
HG, W.B.
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Toni
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Beitrag von Toni »

Dr. Colemont mag durchaus Skoliose-kompetent sein im Sinne von Röntgen, Vermessung und Reha/Physiotherapie.
Aber er hat offensichtlich wenig positive Erfahrung mit Orthetik und hat keinen empfehlenswerten Orthopädietechniker mit dem er erfolgreich zusammenarbeiten könnte. Zudem schikt er meiner Meinung nach Patienten sehr voreilig und ohne konservative Therapieversuche und unzureichende Risiko- und Langzeitaufklärung in sehr große Versteifungsoperationen.
Ich sehe deshalb Dr. Colemont als Skoliose/Kyphose-Facharzt wesentlich kritischer und könnte ihn nicht so uneingeschränkt empfehlen!
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Jessica
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Beitrag von Jessica »

Von medikamentöser Schmerztherapie habe ich zur Zeit die Nase gestrichen voll. Ich habe das komplette letzte Jahr mit Lyrica, Katadolon, Novalgin, Ibu, Tramal, Morphin und anderen Medikamenten verbracht. Die Nebenwirkungen waren immer stärker als die Wirkung und seit 3 Wochen nehme ich ausser ab und an Ibu nichts mehr und kann endlich mal wieder, zwar mit Schmerzen, dafür aber ohne Nebel im Kopf und ohne Übelkeit, am Leben teilhaben :) .

Ich habe mich, nachdem ich hier endlos viele Erfahrungsberichte gelesen habe und nachdem Toni freundlicherweise mal einen Blick auf meinen Rücken geworfen hat, für Dr. Hoffmann entschieden.

Ich werde auf jeden Fall hier berichten, was weiter passiert.

Liebe Grüße
Jessica
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo Herr Beermann,
W.Beerman hat geschrieben:Im Gegensatz zu "Klaus" glaube ich, dass Dr. Colemont sowohl was das Thema Skoliose betrifft, als auch was eine moderne Schmerztherapie bedeutet, ein kompetenter Orthopäde ist.
Damit keine Mißverständnisse entstehen, ich habe diese Ansicht aufgrund der entsprechenden Posts vertreten. Herrn Colemont kenne ich persönlich nicht.
Wir können uns im Forum nur auf die Erfahrungen berufen, die Leute hier auch posten. Daraus folgt logischerweise, dass wir bei vielen negativen Erfahrungen keine Empfehlung abgeben können.

Empfehlungen sind deshalb hier im Forum eine "Anhäufung von positiven, natürlich subjektiven Erfahrungen".
Somit ist das alles im Fluss und wir würden uns alle sehr freuen, wenn sich der Kreis von kompetenten Leuten durch entsprechende Posts eindeutig erweitern würde.

Sie sind ja das beste Beispiel dafür, dass durch eine breite Diskussion Wege aufgezeigt werden, die möglicherweise später auch durch zahlreiche persönliche Erfahrungen die entsprechende Würdigung erhalten werden.

Gruss
Klaus
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