Natürlich sollst du nicht zugucken, aber so wie ich dich verstanden habe, ist er sich der ganzen Sache ziemlich bewusst. Oder täusche ich mich? So kam es mir aus deinem ersten Text jedenfalls vor. "Er schafft es nicht" ist was anderes als "er will nicht".
Leider schafft er es nicht sein Korsett mehr als 8 - 10 Stunden zu tragen. Vom Kopf her weiß er, daß das jetzt seine einzige Chance ist,
seine Wirbelsäule aufzurichten, doch er kann es nicht umsetzen. Nachts klappt es ganz gut beim schlafen, doch tagsüber schafft er kaum eine Stunde am Stück.
Außerdem ist doch der ganze Ausgangspunkt, dass die derzeitige Lage nicht zielführend ist, sonst würdest du ja hier nicht schreiben.
Und du sagst vielleicht, dass du nicht belämmerst, aber vielleicht sieht dein Sohn das ja anders? Mir fällt da kein anderer Grund ein, zu verschwinden und die Tür zuzumachen. Da will man sich offensichtlich von etwas entziehen.
Ich wollte dich jetzt auch nicht irgendwie als irgendwas hinstellen. Mütter können in ihrer Sorge schon sehr anstrengend sein (ich spreche da aus Erfahrung

) und die Sorge hilft einfach bei gar nichts. Im Gegenteil, sie strengt ihn zusätzlich an. Du bist zwar besorgt, aber dein Sohn macht das harte Programm durch, nicht du. Ihm drohen Rückenschmerzen, OP und der ganze Zinober. Das klingt jetzt härter als es gemeint ist, aber man muss sich einfach bewusst sein, wer kämpft und was das Problem ist. Das Problem ist doch, dass er aus welchem Grund auch immer (warum eigentlich? Wo drückts? Fehlt Gewöhnung? Was ist der Grund, warum er es nachts tragen kann und tags kaum?) tagsüber nicht wirklich getragen bekommt. Bei
diesem Problem musst du ihm helfen. Und helfen ist etwas anderes als so lange nachhaken, bis er schließlich dicht macht (und ich bin mir fast sicher, dass das schon lange vor der Tür passiert). Also nicht den Fokus verlieren.
Man sorgt sich doch nur, weil man es selbst nicht in der Hand hat. Sonst würde man sich nicht sorgen, sondern machen. Allein daran sieht man ja, dass es voll von ihm abhängt. Das muss man aber auch Ernst nehmen. Entschuldigung, aber schimpfen oder strafen halte ich in dem Fall für absurd. Das hat nichts mit Unterstützung zu tun.
Ich will damit auch nicht sagen, dass dir das alles am Allerwertesten vorbei gehen soll. Aber wenn dein Sohn sagt, dass du ihn mal damit in Ruhe lassen sollst, dann hast du doch kaum eine Wahl? Du kannst ihn doch sowieso nicht 24h überwachen, also muss er schon selbst damit klarkommen und es einsehen. Aber die Einsicht scheint ja nicht das Problem zu sein.
Und wenn er dann nach einer Stunde raus muss, dann muss er eben raus. Das ist nicht gut für die Therapie, schon klar. Aber wenn er schließlich ganz zumacht und deswegen das Korsett ganz bleiben lässt, wäre das viel fataler.
Er kann ja auch mal selbst sich hier anmelden. Das würde die Sache einfacher machen. Vielleicht hilft es ihm ja auch, mal Dampf abzulassen über das sch*** Teil. Du kannst ihn ja mal darauf stoßen, dass er sich hier vielleicht Tipps abholen könnte, wie man besser mit dem Ding umgehen kann oder was weiß ich. Aber eben dabei im Auge behalten, dass es nicht mehr geht, dass er es gegen seinen Willen macht, weil du es willst (Dass du dabei die besten Absichten hast und an seinen Rücken denkst ist schon klar, hilft aber nix). Der Zug ist mit 13 tatsächlich abgefahren würde ich behaupten. ich wüsste jedenfalls nicht, wie das gehen sollte.
Wenn du allerdings der Ansicht bist, dass es ihm nicht klar ist, wie ernst das ganze ist und dass es erst richtig abgeht, wenn er das Ding nicht trägt, dann hilft es vielleicht, wenn der Arzt mal mit ihm redet.
Und zum Abschluss:
Fühl dich bitte nicht so angegriffen. Ich kann gut nachvollziehen, wie du dich fühlst. Dem Kind geht es nicht gut, man weiß es und man kann doch nicht wirklich was machen. Das ist ein sch*** Gefühl, um das ich dich nicht beneide. Aber du kannst ja trotzdem mal lesen, was ich geschrieben habe und es dir durch den Kopf gehen lassen, ob vielleicht was dran ist. Ich habe mich gedanklich jung gemacht und mir vorgestellt wie es wäre in dem Alter so eine Diagnose und diese Therapie. Das ist brutal. Und jetzt hab ich mir mal meine Mutter dazu vorgestellt und in meiner Vorstellung wäre ihre Sorge nicht hilfreich
