Arzt gesucht-echte versus funktionelle Beinlängendifferenz

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frasu
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Arzt gesucht-echte versus funktionelle Beinlängendifferenz

Beitrag von frasu »

Hallo,
ich wollte mal fragen ob hier im Forum jemand einen Arzt kennt, der eine echte von einer funktionellen Beinlängendifferenz unterscheiden kann und das auch bei Überlagerung beider Phänomene.
Durch meine Skoliose habe ich eine funktionelle Beinlängendifferenz, aufgrund meiner Vorerkrankungen liegt es aber nahe, dass es zusätzlich noch eine echte Beinlängendifferenz gibt. Mich würde halt interessieren, wie stark die echte Beinlängendifferenz ggf. ist. Wenn ich zum nächst besten Orthopäden gehe, stellt der mich auf die Brettchen und holt seine Wasserwaage heraus und misst die funktionelle Beinlängendifferenz mit, mit der Folge das zuviel ausgeglichen wird, was für die Skoliose eher schädlich wäre. In Sobernheim wird grundsätzlich gesagt, es sei alles rein funktionell, was wahrscheinlich bei 90% der Skoliosen auch zutrifft, bei mir speziell aber eben nicht besonders wahrscheinlich (wenn auch möglich) ist. Beide Varianten finde ich halt irgendwie nicht besonders zufriedenstellend, ich würde es gerne genau wissen.
Also, welchen Arzt könnt ihr mir hierfür empfehlen?
scoliodoc
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nicht schwer

Beitrag von scoliodoc »

Hallo,

im Prinzip sollte dir jeder Orthopaede diese Frage beantworten koennen. Eine funktionelle Beinlaengendifferenz ist eine un-echte. Z.b. wenn du ein steifes Knie in 20 Grad Beugung hast. Dadurch, dass du es nicht durchstrecken kannst, ist es funktionell kuerzer. Gleiches findest du bei einem Spitzfuss oder in bestimmten Faellen bei einem Beckenschiefstand.

Eine echte Beinlaengendifferenz findest du, wenn deine Knochen unterschiedlich lang sind (kann theoretisch auch vom Knorpel kommen, aber minimal).

Es gibt entweder tastbare anatomische Punkte (Rollhuegel an der Huefte, Kniegelenk, Fussknoechel) an denen man das ausmessen kann oder, wenn man es ganz genau wissen will, mittels Roentgen.

Auch die Brettchenmethode ist ok. Man sollte nur darauf achten, dass die Knie durchgestreckt sind und beide Fusssohlen den Boden beruehren.
Lady S
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Re: nicht schwer

Beitrag von Lady S »

scolidoc hat geschrieben: im Prinzip sollte dir jeder Orthopaede diese Frage beantworten koennen.
Du gestattest, dass ich höhnisch lache... schon mal inkognito als Patient bei einem Orthopäden gewesen - möglichst gesetzlich versichert?
Zwischen "können sollen" und "können"/"tun" klafft da wohl ein meilenweiter Abgrund.
scolidoc hat geschrieben: Auch die Brettchenmethode ist ok. Man sollte nur darauf achten, dass die Knie durchgestreckt sind und beide Fusssohlen den Boden beruehren.
Sicher? Damit kannst Du eine echte Beinlängendifferenz von einer durch Skoliose verursachten scheinbaren unterscheiden?

Mir hat damit einer aus dieser Zunft mal per Augenmass 1 cm Ausgleich für das falsche Bein verschrieben; dies nur so am Rande.

Grüsse, Lady S
frasu
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Beitrag von frasu »

theoretisch geb ich dir recht scolidoc. die Praxis zeigt nur ganz andere Erfahrenungen.
Beispielsweise kommt bei mir, je nachdem an welchem anatomischen Punkt man misst, ein ganz unterschiedliches Ergebnis raus. (Erhöhung links oder Erhöhung rechts oder ggf. auch gar keine)
Laut dem was ich in Sobernheim gehört habe, sollen funktionelle Beinverkürzungen, vor allem wenn sie durch die Skoliose verursacht werden, nicht ausgeglichen werden, weil das die Skoliose verschlimmern würde.
Echte Beinverkürzungen werden aber in der Regel ausgeglichen und das ganze wird auch noch von der Krankenkasse bezahlt, also muss es doch irgendeinen Sinn haben, oder?
scoliodoc
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wow

Beitrag von scoliodoc »

haette ja nicht mit solchen reaktionen gerechnet. aber irgendwie nehme ich euch die geschichten ab.

eine funktionelle beinlaengendifferenz, z.b. durch skoliose, sollte man nicht ausgleichen. das ist schon i.d.r. richtig. allerdings sollte man dann auch vorher wissen, ob sie wirklich durch die skoliose verursacht ist.

wenn man es also ganz genau wissen moechte, dann brauch man eine roentgen-ganzbein-standaufnahme. am besten, wenn beide gleichzeitig auf dem bild zu sehen sind. leider haben viele orthopaeden nicht diese moeglichkeit. in der klinik sollte es einfacher gehen.
da kann man dann ganz genau die laenge von oberschenkelknochen und schienbein bestimmen. sogar indirekt die knorpelbreite.
wenn die die differenz unter ein cm ist, dann brauch man gar keinen ausgleich. bis zu fast drei cm kann man unter umstaenden mit einlagen auskommen. drueber muss man fast immer die schuhe erhoehen.

unterschiede von ueber einem cm kann man oft selber an sich ausmessen. hosenrand auf hueftknochen auflegen, beine durchstrecken und schauen, ob ein hosenbein laenger ist. wenn nicht, dann handelt es sich zumindest nicht um eine starke differenz. wenn ja, dann wuerde ich mal ein roentgen anfertigen lassen.
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