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Korsett oder OP für Skoliose bei 40° mit 14 Jahren?
Verfasst: Mi, 01.08.2007 - 18:07
von BZebra
[equote="abgespalten von:"]
Die beste Entscheidung: OP[/equote]
Isolde hat geschrieben: (...) ich werde auch bald in Langensteinbach mit 40 (+?) Grad operiert. Bin gerade 14 Jahre geworden und meine Skoliose ist sehr progredient. Die Ärzte sagen mit 16 wären das dann auch 60-85 Grad wie bei dir und es müßte dann mehr versteift werden.
Deshalb soll ich es jetzt machen lassen und mir einfach die in meinem Fall wohl unsinnigen Versuche mit den Korsetts ersparen.
Hallo Isolde,
das kannst du so nicht sagen.
Was meinst du, was du auf der anderen Seite für tolle Voraussetzungen für eine Korsett-Therpie hast, mit nur 40 Grad.
Ich hab eine Korsett-Therpie mit fast 60 Grad angefangen. Das Ergsbnis mit Bildern findest du hier
http://skoliose-info-forum.de/viewtopic.php?t=1853 und andere Primärkorrektureergebnisse hier
http://skoliose-info-forum.de/viewtopic.php?t=957.
Mit 40 Grad dürftest du (wenn du es trägst, noch wächst und das Korsett ordentlich korrigiert) noch auf 30 Grad kommen, vielleicht sogar noch weniger.
Und wenn du nicht wächst, kannst du die Gradzahl mindestens halten. Eine besonders große Verschlechterungswahrscheinlichkeit bestünde dann ohnehin nicht.
Es gilt bei einem sehr gut korrigierenden Korsett:
Je größer die Verschlechterungswahrscheinlichkeit (je mehr Restwachstum), umso besser die Aussichten auf eine Korrektur mit Korsett.
Je geringer die Verschlechterungswahrscheinlichkeit (umso weniger Restwachstum), umso schlechter auch die Aussichten auf eine Verbesserung mit Korsett.
Also gerade die, die bei mittleren Gradzahlen die schlechtesten Karten haben und mit einer großen Verschlechterung rechnen müssen, die können diese Ausgangsposition besonders gut nutzen, den ganzen Prozess mit dem Korsett umkehren und daraus noch eine deutliche Verbesserung herausholen, so dass gar keine Operation mehr notwendig wird.
Geht aber alles nur bis ca. maximal 60 Grad. Darüber funktioniert leider das beste Korsett auch nicht mehr besonders gut.
OP-Indikation fängt im Übrigen erst bei 40 Grad an (die absolut noiedrigste Grenze), weil eine Operation natürlich mit Risiken und Einschränkungen einhergeht (lang- und kurfristig), so dass eine 40-Grad-Skoliose noch gesünder ist als eine operierte Skoliose.
Verfasst: Mi, 01.08.2007 - 22:33
von Dalia
Hallo Isolde,
so wie ich es lese, hast du es wohl nie mit einem Korsett versucht. Aus diesem Grund kannst du nicht beurteilen, ob ein Korsett was bringt oder nicht.
Du hattest zuletzt 40°. Wann wurdest du das vorletzte Mal geröngt und wie viel Grad hattest du da? Das frage ich, um die Progedienz deiner Skoliose besser einschätzen zu können.
In welchem Alter wurde bei dir erstmals Skoliose diagnostiziert oder entdeckt?
Das Problem ist, dass erschreckend viele Orthopädietechniker keine guten Korsetts bauen. Diese Korsetts korrigieren dann schlecht oder gar nicht. Und genau das ist der Grund, warum auch sehr viele Ärzte von einem Korsett abraten und zur OP empfehlen.
Aus diesem Grund würde ich dir empfehlen, Klaus Nahr in Berlin (Orthopädietechniker) aufzusuchen und ihn zu fragen, wie er deine Chancen auf eine Korrektur einschätzt. Nahr ist einer der wenigen Orthopädietechniker, die wir empfehlen können.
Ich habe dir schon mal woanders einen Thread empfohlen, hast du ihn dir schon angeschaut?
Ein Besuch bei Klaus Nahr macht aber nur Sinn, wenn du bereit bist, den harten Weg einer Korsettversorgung zu gehen und wenn du bereit bist, das Korsett mehrere Jahre 23 Stunden (später dann nur noch nachts bis hin zur endgültigen Abschulung) zu tragen. Auch müsstest du regelmäßig (d.h. alle 3 bis maximal 5 Monate) zur Korsett-Neueinstellung fahren. Alles in allem ist eine Korsetttherapie kein Spaziergang und es wird aktive, konsequente Mitarbeit des Patienten verlangt.
Doch am Ende winkt eine fette Belohnung, nämlich eine korrigierte Skoliose (auf wie viel, hängt von deinem Ehrgeiz, deiner Beweglichkeit und dem Wesen deiner Skoliose ab), die ihre volle Beweglichkeit behalten hat und nicht durch Stäbe teilweise versteift wird, zumal Stäbe selbst auch ein gewisses Risiko beinhalten (der Verzicht auf eine OP allerdings auch, man muss also abwägen).
Mit 40° bist du weit entfernt von einer echten OP-Indikation und mit 14 Jahren hast du fantastische Chancen auf Korrektur. Du solltest dann aber keine Zeit verlieren und dich so schnell wie möglich um einen Termin bei Nahr kümmern - vorausgesetzt, du bist interessiert an einer Korsetttherapie.
Steht aber deine Entscheidung für die OP fest, wünsche ich dir alles Gute dafür und viel Erfolg!
Skoliose ist stark progredient
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 10:38
von Isolde
Hallo Dalia,
danke für Deine ehrlichen Kommentare. Ich hatte Dir geschrieben, dass meine Skoliose stark progredient ist und im Moment nur die oberen Lendenwirbel betrifft. Ich habe Roentgenbilder mit 24 Grad, 32 Grad und jetzt eben 40 Grad. Alles in 15 Monaten. Bei der eigenlichen OP, werde ich dann bei 45 Grad sein - so ganz schnell geht das nirgends. Mein Orthopäde nennt das "rebellische Skoliose" - kommt bei 1-2 seiner ca. 80 Skoliose-Patienten im Jahr so pregredient vor. Bei weiterer Verschlechterung entsteht dann die S-Kurve als Folgeerscheinung der Lumbalskoliose. Wenn wir jetzt nicht handeln riskieren wir eine schwere OP in zwei Jahren, mit wesentlich groesserer Versteifungsstrecke und weniger Erfolg (dann OP-Zugang von hinten im Vergleich zur jetzigen Korrekturmöglichkeit mit der Halm-Zielke Methode vom vorderen Zugang).
Schaut Euch einfach mal im Forum um, wie unterschiedlich Skoliose-OPs sind. Wir waren bei verschiedenen Ärzten, auch Anhänger der konservativen Methoden. Wir haben ein kurzes Schreiben gefordert in dem die Erfolgschancen der Therapie kurz erläutert werden: Haben wir nirgens bekommen. Nur die lapidare mündliche Auskunft, dass man in der "Vergangenheit gute Erahrungen" gemacht hat.
Es gibt ein verschiedenster Literatur (z.B Dr. Weiss, "Mein Kind hat Skoliose" und Dr. Harms "Korsetttherapie) welche eine nachgewiesene starke Progredienz (Verschlechterungstendenz im Jugendalter) als unbedingte OP-Indikation bewerten.
"Die Korsett-Therapie bei der Behandlung der Skoliose wird seit Jahren kontrovers diskutiert, international gibt es keine einheitlichen Empfehlungen.....Allgemein kann es dagegen als bewiesen angesehen werden, dass eine stark progrediente (zunehmende) Skoliose durch eine Korsettversorgung letztendlich nicht zu beeinflussen ist!" (siehe Datei-Anlage).
Wichtig ist hier das Wort "letztendlich", d.h. dass selbst bei super Korrektur über Jahre nach der Abschulung eine Verschlechterung eintritt, die dann im Erwachsenalter oft zur OP führt. Dann sind die Wirbel verknöchert - also natürlich versteift. Sie muessen dann gelockert werden (hört sich harmloser an als es ist), begradigt und dann wieder künstlich versteinft werden. Die rechtzeitige OP zieht diese Versteifung einfach vor und kann letztlich mehr Restbeweglichkeit erhalten, da jetzt nur ca. 5 Wirbel betroffen sind.
Hier im Forum gibt es verschiedene Beiträge die dies mit persönlichen Berichten bestätigen und wir haben auch einige Stellen gefunden in denen beschrieben wird, dass selbst Herr Rahmouni diese Einschätzung teilt.
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 12:03
von Thomas
Hallo Isolde,
das Papier, aus dem Du zitierst ist von einem Chirurgen geschrieben. Das ist, wie wenn Du Deinen Metzger, der Dir ne Wurst verkaufen will, frägst, welchen Fisch Du zu Mittag kaufen sollst. Er wird Dir auch erklären, dass Wurst und Fleisch doch viel besser und gesünder sind als Fisch.
Die Erkenntnisse in diesem Papier sind eindeutig widerlegt. Es gibt genügend Erfahrungen über erfolgreichen Korsett-Therapien, und das bei weitaus höheren Graden und bei wesentlich höherer Progredienz als bei Dir! BZebra, die Dir ja auch schon geantwortet hat, ist ein gutes Beispiel dafür.
Ich würde auf jeden Fall eine Korsett-Therapie versuchen. Bei einer solchen Therapie ist eine engmaschige Erfolgskontrolle wichtig. Wenn Ihr seht, dass sich Deine Wirbelsäule tatsächlich durch ein gutes Korsett nicht begradigen lässt könnt Ihr Euch immer noch für eine OP entscheiden! Bei einer Progredienz von 1° pro Monat hättet ihr hierfür auf jeden Fall noch Zeit!
Aber letztendlich müsst Ihr natürlich selbst entscheiden, was ihr machen wollt!
Viele Grüße
Thomas
Einseitige Info - da hast du Recht
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 12:36
von Isolde
Thomas,
mit Deinem Kommentar hast du Recht. Ich suche Dir heute abend zu Hause die entsprechenden Stellen aus den Büchern von Dr. Hans-Rudolf Weiss heraus. Ich glaube der ist für Dich kein Metzger.
Mit Deinem Argument der Befangenheit, dürfte ich jedoch auch keinen Korsettbauer dieser Welt die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Korsetttherapie stellen. Oder warum ist da ggf. alles anders?
Re: Skoliose ist stark progredient
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 12:58
von BZebra
Isolde hat geschrieben:Mein Orthopäde nennt das "rebellische Skoliose" - kommt bei 1-2 seiner ca. 80 Skoliose-Patienten im Jahr so pregredient vor.
Ja, die gibt es, welcher Arzt sieht sich aber in der Lage die zu diagnostizieren? Dafür muss man nämlich wissen welche Skoliosen die leistungsfähigsten Orthopädietechniker korrigieren können und welche nicht. Man muss schon ziemlich eng mit einem entsprechenden OT zusammenarbeiten.
Wie heißt denn der Orthopäde?
Es gibt ein verschiedenster Literatur (z.B Dr. Weiss, "Mein Kind hat Skoliose" und Dr. Harms "Korsetttherapie) welche eine nachgewiesene starke Progredienz (Verschlechterungstendenz im Jugendalter) als unbedingte OP-Indikation bewerten.
Bei Dr.Weiß garantiert nicht! Der empfielt, wenn die Krümmung mit Korsett zugänglich ist, auch (oder gerade) bei progredienten Skoliosen diesen geringen Ausmaßes Korsett-Therpie, und zwar bis zu 60 Grad.
Dr.Weiß hat ja immerhin einige Erfahrung mit Korsetten, Prof. Harms hat meines Wissens nach aber keinerlei positive Referenzen für Korsett-Therapie.
Allgemein kann es dagegen als bewiesen angesehen werden, dass eine stark progrediente (zunehmende) Skoliose durch eine Korsettversorgung letztendlich nicht zu beeinflussen ist!" (siehe Datei-Anlage).
Nimmst du mich als Beispiel, und schon ist der "allgemiene Beweis" im Eimer.
Ich hatte eine Verschlechterung von 26 Grad innerhalb eines 3/4 Jahres auf 58 Grad. Mit 13 Jahren dann Korsett-Versorgt und 2 Jahre nach kompletter Korsettabschulung ca. 40 Grad Restkrümmung.
So, jetzt mussen wir es nur noch wieder zurück auf die 60 Grad schaffen und noch mehr als das, weil die 60 Grad von damals fand ich schon nicht überzeugend genug, mich dafür einer Operation zu unterziehen.
Im Endeffekt lässt man sich in der Regel auch nicht wegen der Krümmung operieren, sondern wegen Schmerzen, und die treten unabhängig von der Krümmungsstärke auf. Eine 80 Grad Skoliose kann vollkommen schmerzfrei und uneingeschränkt sein, während es eine 20 Grad Skoliose nicht ist. Schmerzen ist der Hauptoperationsgrund, die keiner voraussagen kann, nicht die Krümmung, weil die ansich nichts macht.
Wichtig ist hier das Wort "letztendlich", d.h. dass selbst bei super Korrektur über Jahre nach der Abschulung eine Verschlechterung eintritt, die dann im Erwachsenalter oft zur OP führt.
Auch ein Dr. Harms würde im Übrigen seine Aussage relativieren, wenn eine 40 grad Skoliose um 20 Grad nach Korsett-Abschulung korrigiert wird.
Das müsste dann nämlich eine ziemlich große Verschlechterung sein. Dafür müsste sich zunächst mal die Korsett-Korrektur komplett zurückbilden, das dauert Jahrzehnte wenn überhaupt, plus noch eine Verschlechterung über den Ausgangswinkel vor Korsett-Therpaie hinaus stattfinden, weil 40 Grad ja noch lange keine OP-Indikatin sind. Wegen so einer geringen Krümmung legt sich ja keiner freiwillig unters Messer.
Also, hier so eine Vorhersage über 30, 40, 50 Jahre zu machen, dass es dazu sicher kommen wird, ist etwas gewagt wenn es sich um hochkorrigierende Korsette handelt.
Papier ist halt geduldig und außer mehr Geld in der Kasse macht es ja nichts, wenn man mal was falsches publiziert.
In jedem Falle bringt es aber eines, nähmlich Zeitgewinn. Die Methoden verbessern sich mit den Jahren und man gewinnt Jahrzehnte, in denen man seinen natürlichen Verschleiß auf alle Wirbel verteilen kann, anstelle auf nach der Operation besonders stark die angrenzenden.
Wir brauchen nur 15 Jahre zurückdenken. Da war es noch die Harrington-Methode mit 3-monatigem Klinikaufenthalt und 1-jährigem Gips. Heute geht das alles viel schneller.
Isolde hat geschrieben:Die rechtzeitige OP zieht diese Versteifung einfach vor und kann letztlich mehr Restbeweglichkeit erhalten, da jetzt nur ca. 5 Wirbel betroffen sind.
Hier im Forum gibt es verschiedene Beiträge die dies mit persönlichen Berichten bestätigen und wir haben auch einige Stellen gefunden in denen beschrieben wird, dass selbst Herr Rahmouni diese Einschätzung teilt.
100%ig nicht, wenn die OP dann nie stattfindet!
Thomas hat geschrieben:Ich würde auf jeden Fall eine Korsett-Therapie versuchen. Bei einer solchen Therapie ist eine engmaschige Erfolgskontrolle wichtig. Wenn Ihr seht, dass sich Deine Wirbelsäule tatsächlich durch ein gutes Korsett nicht begradigen lässt könnt Ihr Euch immer noch für eine OP entscheiden! Bei einer Progredienz von 1° pro Monat hättet ihr hierfür auf jeden Fall noch Zeit!
Ich würde es dann schon von Dr. Hoffmann in Stuttgart überprüfen lassen, denn der ist ein OP-Freund! Wenn es sich tatsächlich um eine mit Korsett nicht zugängliche Skoliose handelt (zum Beispiel unter dem Schulterblatt), wird er das sagen.
Schmerzen sind schon da
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 13:22
von Isolde
Hallo BZebra,
danke für diese Kommentare. Ich habe vergessen zu schreiben, dass ich bereits bei längerem Sitzen Schmerzen habe.
Dass Krümmungswinkel der Skoliose und langfristiges Schmerzrisiko nichts miteinander zu tun haben kann ich nicht glauben. Die Bandscheiben nützen sich bei dauerhaften 40 Grad einseitig ab und es wird kritisch werden, spätestens jenseits der 50 Jahre, wenn Muskulatur schaff wird. Ich muss jedoch zugeben, dass mir dies nur mein Instinkt sagt.
Uns ist klar, dass auch oder erst recht for operierte Jugendliche ein rückenfreundliches Leben (besonders richtige KG, Vermeidung von falschem Sport und richtige Berufswahl (kein Bürohocker und kein Bauarbeiter) sehr sehr wichtig ist. Wenn da einer denkt nach der OP ist die Skoliose vergessen geht das auch nur max. 20 Jahre gut.
Wir diskutieren das mitlerweise genauso kontrovers wie die Fachartikel - das zeigt eigentlich ein gutes Niveau der Beträge, danke besonders auch an Dich für Deine Mühen.
Admininfo: "Isolde" = IsoldesVater/Querleser/Querdenker
Re: Einseitige Info - da hast du Recht
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 13:27
von Thomas
Isolde hat geschrieben:Thomas,
mit Deinem Kommentar hast du Recht. Ich suche Dir heute abend zu Hause die entsprechenden Stellen aus den Büchern von Dr. Hans-Rudolf Weiss heraus. Ich glaube der ist für Dich kein Metzger.
Bin ich auch gespannt, ob Du bei Dr. Weiss irgendwo die Aussage findest, dass bei einer progredienten Skoliose von 40° nicht einmal der Versuch einer Korsettbehandlung gemacht werden soll. Kann ich mir nicht vorstellen! Aber lassen wir uns überraschen.
Isolde hat geschrieben:Mit Deinem Argument der Befangenheit, dürfte ich jedoch auch keinen Korsettbauer dieser Welt die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Korsetttherapie stellen. Oder warum ist da ggf. alles anders?
Doch, ich glaube, dass ein guter Korsettbauer mit entsprechender Erfahrung die Fragen nach den möglichen Erfolgen einer Korsett-Therapie besser beantworten kann wie ein Chirurg, genauso wie ein Chirurg Dir bessere Informationen übder die Erfolgsaussichten und die Risiken einer OP geben kann. Aber die objektiv richtige Entscheidungshilfe, welche Therapie jetzt die bessere ist, wirst Du von beiden nicht bekommen, dazu sind sie beide zu sehr geprägt.
Wenn Du aber eine möglichst objektive Drittmeinung hören willst, würde ich Dir auch Dr. Hoffmann in Leonberg empfehlen. Er arbeitet sowohl eng mit einem Korsettbauer (Rahmouni) als auch mit einem der gegenwärtigen anerkanntesten Chirurgen (Dr. Halm aus Neustadt) zusammen. Wenn er eine Operation auch für richtig hält, würde er es sicher auch sagen.
Gruß
Thomas
Re: Schmerzen sind schon da
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 13:44
von BZebra
Isolde hat geschrieben:Dass Krümmungswinkel der Skoliose und langfristiges Schmerzrisiko nichts miteinander zu tun haben kann ich nicht glauben. Die Bandscheiben nützen sich bei dauerhaften 40 Grad einseitig ab und es wird kritisch werden, spätestens jenseits der 50 Jahre, wenn Muskulatur schaff wird. Ich muss jedoch zugeben, dass mir dies nur mein Instinkt sagt.
Abnutzung ist etwas natürliches was mit dem Altern passiert. Und nicht jede Abnutzung führt zu Schmerzen. Das hat man insbesondere bei Langzeituntersuchungen von Skoliose-Operierten festgestellt. Deren Bandscheiben wiesen nämlich besondere Abnutzungserscheinungen auf, weil sie über Jahre die Funktion der über die Versteifungstrecke herausgenommenen Zwischenwirbelscheiben ersetzen mussten. Bei weitem nicht jeder diagnostizierte Schaden verursachte aber Schmerzen.
Ganz getreu dem Motto: "Es gibt keine gesunden Menschen, nur Menschen die nicht gut genug untersucht wurden."
Abnutzung gilt aber für Operierte und nicht Operierte gleichermaßen. Röntgenologisch feststellbare Abnutzungserscheinungen bei den Operierten waren allerdings häufiger.
Ein anderer Grund, warum es trotz der Krümmung häufig nicht zu Schmerzen kommt ist, dass die Skoliose im Wachstum entsteht und damit alle Strukturen aufeinander abgestimmt sind und im Gleichgewicht stehen. Es ist der natürliche Zustand, der an sich nicht krankhaft ist (Skliose ist keine Krankheit) sondern nur von der Norm abweicht.
--
Im Endeffekt müsst ihr es aber wissen. Die Korrektur muss gut sein im Korsett und du musst es natürlich auch tragen wollen (wenn es in der Ecke steht, dann bringt es natürlich nichts).
Ich persönlich würde keinem Chirurgen überhaupt die Kompetenz zutrauen, sicher auszuschließen, dass eine Korsett-Therpie unmöglich ist. Ich kenne keinen Chirurgen, der auch gleichzeitig wirklich erfolgreiche Korsett-Versorgungen betreut. Das heißt, dass bei denen dann alle Skoliosen, von denen sie noch nie gesehen haben, dass sie erfolgreich therapiert wurden, gleich als nicht therapierbar gelten.
Insbesondere bei so wenig Graden wie bei dir, wenn man da nur 10 - 20 Grad Korrektur nach Abschulung erreicht, ist man schon wieder voll im grünen Bereich.
Also, sofern deine Skoliose im Korsett einigermaßen korrigierbar ist, hätte ich liebend gerne mit dir getauscht als Ausgangsposition für eine Korsett-Therapie.
--
Im Übrigen, was Rückenschmerzen angeht bei längerem Sitzen, dafür müssten wir jetzt mal schauen wie es bei Gleichaltrigen aussieht. Die sind nämlich auch bei Jugendlichen garnicht so selten, und die meisten davon haben keine Skoliose als möglichen Grund dafür anzubieten!
Jeder zweite Jugendliche hat Rückenschmerzen
Langzeitstudien
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 13:59
von Isolde
Hallo BZetra,
wo finde ich diese von Dir erwähnten Langzeitstudien und wer hat sie durchgeführt?
Gruss Vater von Isolde
Admininfo: Gastnick "IsoldesVater" in "Isolde" umgewandelt
Re: Langzeitstudien
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 14:08
von BZebra
IsoldeVater hat geschrieben:wo finde ich diese von Dir erwähnten Langzeitstudien und wer hat sie durchgeführt?
Danielsson AJ, Nachemson AL.
Radiologic findings and curve progression 22 years after treatment for adolescent idiopathic scoliosis: comparison of brace and surgical treatment with matching control group of straight individuals.
Spine. 2001 Mar 1;26(5):516-25.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entre ... h=11242379
Danke!!!!
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 14:44
von Isolde
BZebra,
danke für den Link. Auch die "ralated documents" mit anderen Untersuchungsaspekten sind sehr interessant.
Ob man Operierte zwischen 1968 bis 1977 mit den heutigen Verfahren vergleichen kann muss gefragt werden. Ich gehe davon aus, dass die Qualität der Operation und die Anzahl der betroffenen Wirbel eine entscheidende Rolle spielt. Das konnte diese Studie bei der geringen Anzahl von Probanten jedoch nicht berücksichtigen, da sonst die Signifikanz statischtisch nicht mehr ausgereicht hätte.
Wir muessten eine Studie finden, die nur jugendlich Operierte mit annährend völliger Begradigung und max. 6 Wirkbelversteifungen berücksichtigt. Dann wäre das mit unserer Sitation vergleichbar. So etwas wurde jedoch zwischen 1968 und 1977 gar nicht gemacht, weil die Operation damals viel gefährlicher war.
Ich bin noch am Lernen und (In-)Fragestellen - danke nochmals für diesen Link.
Admininfo: Gastnick "IsoldesVater" in "Isolde" umgewandelt
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 15:37
von BZebra
Es ging darin auch um Auswirkungen von Verschleißerscheinungen, dass das Vorhandensein selbiger bei den untersuchten Patienten nicht bedeutet hat, dass auch Schmerzen vorliegen.
Eine Langzeitstudie für euren Fall werdet ihr kaum finden können, dafür gibt es die Methode noch nicht lang genug. Ihr seid die Versuchskarnikel!
In jedem Falle solltet ihr euch aber auch mal die Primärkorrekturen von Rahmouni anschauen:
http://skoliose-info-forum.de/viewtopic.php?t=957
Anhand derer könnt ihr schon abschätzen, wie wahrscheinlich eine bestimmter Prozentsatz an Korrektur bei einer 40 Grad Skoliose ist.
Eine Primärkorrektur von 50% oder mehr gilt als sicher vor einer weiteren Verschlechterung. Bei einer Korrektur von unter 20% ist kein Einfluss des Korsetts auf den natürlichen Verlauf der Skoliose zu erwarten.
Landauer hat im Übrigen interessante Langzeitstudien mit durchschnittlich nur 40% Primärkorrektur veröffentlicht, bei denen auch ein halten der Krümmung möglich war.
Hier noch mal in graphisch aufbereiteter Form.
<img src="
http://skoliose-info-forum.de/files/see ... ni_932.gif">
see&sun's Werte ist eine Korsett-Versorgung, die nicht von Rahmouni war
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 15:46
von sloopy
Hallo Vater von Isolde (und Isolde?),
irgendwie hab ich beim Lesen manchmal das Gefühl, ihr wollt Euch gar nicht wirklich helfen lassen, sondern lieber bedauert werden, weil Isolde operiert werden "muss".
Warum startet ihr nicht sofort eine Korsett-Therapie? Ihr könnt doch gar nicht darüber urteilen, wenn ihr es gar nicht versucht habt! Eine OP kann man nie mehr rückgängig machen- eine Korsett-Therapie dagegen kann man nach einem halben Jahr abbrechen und dann immer noch operieren. Ist Isolde erst mal operiert, ist der Zug für alle anderen Therapieformen abgefahren und sollte die OP schief laufen, (was ich niemandem wünsche!!!), werdet ihr euch wahrscheinlich ein Leben lang Vorwürfe machen, nicht alle konservativen Behandlungsmethoden ausgeschöpft zu haben.
sloopy
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 16:03
von kimster
die tabelle check ich nich ich seh nur punkte...

Verfasst: Do, 02.08.2007 - 16:18
von BZebra
kimster hat geschrieben:die tabelle check ich nich ich seh nur punkte...


Jeder Punkt, ein Patient. Senkrecht nach unten kannst du die Ausgangsgradzahl ablesen (ohne Korsett), waagerecht nach links die Primärkorrektur in Prozent (im Korsett).
Beispiel roter Punkt: 44° und 11% Korrektur
Versuchskanikel
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 16:19
von Isolde
BZebra,
ich will das jetzt abschliessen. "Versuchskanikel" ist unter der Gürtellinie und eindeuig emmotional. Das Thema ist ermst wir sollten einen kühlen Kopf behalten.
Diese Operation ist heute Standard und wird in grossen Wirbelsäulenzentrum mehr als 1000 Mal in Jahr durchgeführt. In
www.techniker-krankenkasse.de gibt es den Klinkführer mit den Fallzahlen der einzelnen Skoliose-Abteilungen der Kliniken. Und diese Betroffonen hätten sich ja alle für Rahmouni entscheiden sollen, weil andere Korsetts Plastikmüll sind (kann man hier im Forum öfter finden). So einfach ist die Welt leider nicht.
Nüturlich operieren die Kliniken auch noch viele verschleppte Skoliosen mit 80 Grad, die dann aber eben nur auf 30-40 Grad korrigiert werden. Das sind die Fälle auf die sich die Studie zwangsläufig bezieht. Unter dieser Extremgruppe sind dann auch entsprechend viele ehemalige Korsettträger.
Also machen wir keinen Glaubenskrieg aus der Sache, wo es zwei Lösungen gibt, sind zwei Meinungen. So ist das Leben. Wir sollten uns jedoch täglich fragen, ob wir auch bereit sind unsere eigene Ansicht zu hinterfragen. Und dieses Hinterfragen findet typischer Weise bei überzeugenden Argumenten statt. Dein letzter Beitrag deutet darauf hin, dass du von der gängigen Praxis und den Fallzahlen der weltweiten Skoliosechirugie nicht viel mitbekommst. Sonst wäre dir nicht "Versuchskanikel" aus den Fingern in die Tastatur gesprungen.
Ich werd' deine Antwort lesen - in diesem Thread aber nichts mehr schreiben. Trotzdem danke - ich habe aus dieser Diskussion einige Erkenntnisse gewonnen. Besonders auch noch mal danke für den Link von vorhin.
Admininfo: Gastnick "IsoldesVater" in "Isolde" umgewandelt
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 16:19
von kimster
sagt aber nichts drüber aus, ob die skoliose dann aufgehalten wurde oder nich, ne?

Re: Versuchskanikel
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 16:29
von BZebra
IsoldeVater hat geschrieben:"Versuchskanikel" ist unter der Gürtellinie und eindeuig emmotional.
Es gibt für diese Methode keine Langzeiterfahrungen, nur für Harrington, Versuchkarnikel seid ihr auf alle Fälle!
Vollkommen Ernst gemeint, denn eine Operation durchgeführt zu haben, heißt nicht, dass man weiß, wie sich das Endresultat in 20, 30 Jahren verhält! Das hast du auch selber ein paar Posts weiter oben geschrieben, dass die Danielsson Studie (das waren Harrington OPs und Milwaukee-Korsette) natürlich keine oder nur begrenzte Schlüsse über heutige OP-Methoden zulässt.
Man führt OP's vor allem deshalb durch, weil man das Risiko (auch Langzeit-) und den zu erwartenden Schaden aufgrund von Einschränkungen durch die Skoliose für geringer einschätzt.
Nicht aber wenn man nichts hat!
Und diese Betroffonen hätten sich ja alle für Rahmouni entscheiden sollen, weil andere Korsetts Plastikmüll sind (kann man hier im Forum öfter finden). So einfach ist die Welt leider nicht.
Dazu gibt es auch eine Studie von Dr. Weiß:
Weiss HR, EL Obeidi N, Botens-Helmus CH (2003). Qualitätskontrolle korrigierender Rumpforthesen in der Skoliosebehandlung. Med Orth Tech. 126
Hier die Zusammenfassung zum Teil der "Sonstigen Korsette":
Material und Methode
Über einen Zeitraum von 3 Monaten wurden die Korrektureffekte der Patienten in der Asklepios Katharina-Schroth-Klinik in Bad Sobernheim dokumentiert. Die Auswertung erfolgte nicht nach unterschiedlichen Krümmungsmustern geordnet, sondern für alle dokumentierten Krümmungen getrennt. Sie beinhaltet daher Hauptkrümmungen und Nebenkrümmungen. Das Gesamtkollektiv bestand aus 29 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 14,1 Jahren. Der genaue Gradzahlbereich und der Zeitpunkt der Kontrollröntgenaufnahmen wurden in der Studie nicht angegeben.
Ergebnisse
Die durchschnittlichen Cobbwinkel ohne Korsett betrugen für die thorakalen Krümmungen (n = 29) 42,7°, die lumbalen Krümmungen (n = 22) 38,3° und die thorakolumbalen Krümmungen (n = 2) 31°. Die Durchschnittswerte im Korsett betrugen thorakal 37,4° (Primärkorrektur 12,4%), lumbal 34,5° (Primärkorrektur 9,9%) und thorakolumbal 22,8° (Primärkorrektur 26,5%). Nicht in der Studie angegeben waren die gemittelten Werte aller Krümmungen. Hierfür ergibt sich pro Bogen rechnerisch eine durchschnittliche Ausgangsgradzahl von 40,4°, ein durchschnittlicher Cobbwinkel von 35,6° im Korsett und eine durchschnittliche Primärkorrektur von 12%.
Sonstige Angaben
Autor gibt als Schwachpunkt der Studie an, dass Nebenkrümmungen in die Analyse mit einbezogen wurden, die naturgemäß nicht so stark wie Hauptkrümmungen korrigiert werden sollten. Es handelt sich um verschiedene Orthopädietechniken, die nicht dem Qualitätszirkel angehören. Namen und Anzahl der verantwortlichen Orthopädietechniken waren in der Studie nicht genannt.
12% Korrektur! Das ist der Plastikmüll, den die Betroffenen getragen haben, und da hätten sie noch nicht mal zu Rahmouni gehen brauchen, um besser versorgt zu werden! Sie haben es nur nicht besser gewusst.
Fakt ist, dass man nicht überall hingehen kann und das sind auch die Korsette (weil es die große Mehrzahl ist), auf die sich die ganzen Publikationen stützen, die davon ausgehen, dass Korsett-Therpie so uneffektiv ist; auf Korsette die Null Wirkung haben. Kein Wunder also!
Für eine Korsett-Therapie die ihr Geld wert ist, muss man sich selbst einsetzen und ggf. auch Fahrkosten bezahlen. Für diejenigen, die es nicht tun, endet es in vielen Fällen (wortwörtlich) blutig.
Und wenn du schreibst "So einfach ist die Welt leider nicht.".
Für uns, die sich einfach einen besseren Orthopädietechniker suchen, sieht die Welt tatsächlich so einfach aus. Dann hat man anstatt 12% Korrektur halt eben 70% und braucht auch bei 60 Grad Skoliose keine OP mehr.
Re: Einseitige Info - da hast du Recht
Verfasst: Do, 02.08.2007 - 16:40
von Thomas
Isolde hat geschrieben:Ich suche Dir heute abend zu Hause die entsprechenden Stellen aus den Büchern von Dr. Hans-Rudolf Weiss heraus. Ich glaube der ist für Dich kein Metzger.
Du hattest uns noch was versprochen!
Thomas