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Indikations-Grenze Korsett-Therapie 60 Grad?

Verfasst: Mo, 14.07.2008 - 11:35
von Rainer
Im Basiswissen dieses Forum steht zur Indikations-Grenze für eine Korsett-Therapie:
Bei optimalem Verlauf, d. h. Versorgung mit hochkorrigierenden Korsetten, Krankengymnastik nach Katharina Schroth, die 4 bis 5x wöchentlich eine halbe Stunde/Tag ausgeführt werden muß, noch bestehendem Restwachstum und guter Flexibilität der Wirbelsäule, können idopathische Skoliosen bis 60° nach COBB konservativ behandelt werden.
Als Quelle wir Dr. Kay Steffan angeführt.

Ist diese Definition von Dr. Steffan exklusiv für das Forum erstellt worden oder in irgendeiner Veröffentlichung zu finden?

Kann man die kürzlich hier diskutierte Erfolgsgeschichtevon BZebra als „optimaler Verlauf“ im Sinne dieser Definition verstehen?

Re: Indikations-Grenze Korsett-Therapie 60 Grad?

Verfasst: Mo, 14.07.2008 - 15:11
von BZebra
Rainer hat geschrieben:Im Basiswissen dieses Forum steht zur Indikations-Grenze für eine Korsett-Therapie:
Bei optimalem Verlauf, d. h. Versorgung mit hochkorrigierenden Korsetten, Krankengymnastik nach Katharina Schroth, die 4 bis 5x wöchentlich eine halbe Stunde/Tag ausgeführt werden muß, noch bestehendem Restwachstum und guter Flexibilität der Wirbelsäule, können idopathische Skoliosen bis 60° nach COBB konservativ behandelt werden.
Als Quelle wir Dr. Kay Steffan angeführt.

Ist diese Definition von Dr. Steffan exklusiv für das Forum erstellt worden oder in irgendeiner Veröffentlichung zu finden?

Kann man die kürzlich hier diskutierte Erfolgsgeschichtevon BZebra als „optimaler Verlauf“ im Sinne dieser Definition verstehen?
Der Text wurde von Dr. Steffan für diese Webseite erstellt.
Die genauen Voraussetzungen stehen ja auch dabei: Hochkorrigierendes Korsett, Krankengymnastik nach Katharina Schroth, Restwachstum und gute Flexibilität

War das bei mir alles vorhanden? - Ja!
  • Korrektur im Korsett um 40 Grad
  • jedes Jahr 6 Wochen Reha in Sobernheim, zu Hause in den ersten Jahren sogar bis zu einer Stunde Schroth am Tag (Freiwillig! Das war verlängerte korsettfreie Zeit, da sich die Korrektur außerhalb des Korsetts ansonsten ohne Schroth nicht lange halten lies)
  • Beginn der Korsetttherapie 1/2 Jahr nach der ersten Regelblutung, Restwachstum geschätzte 8 cm
  • Hypermobile WS (evtl. wegen starker Verschlechterung von 30 Grad aus in sehr kurzer Zeit zuvor)
Im Prinzip sind diese Voraussetzungen (bis auf unterscheidliches Restwachstum natürlich) bei allen Patienten gegeben, die bei dieser Ausgangsgradzahl im Korsett auf eine Korrektur um die 40 Grad kommen. So eine hohe Korrektur ist sehr wahrscheinlich ein Indiz für eine gute Flexibilität der Wirbelsäule. Diese Patienten haben in der Regel auch weniger Probleme sich an das Korsett zu gewöhnen.

Wer hingegen schon im ersten Röntgenbild im Korsett (für Rahmounis Verhältnisse) schlechte Werte hatte, der hat meistens auch mehr Probleme sich selbst daran zu gewöhnen, was wahrscheinlich mit der Flexibilität oder der Zugänglichkeit der Krümmung zusammenhängt.

Das erste Röntgenbild im Rahmouni-Korsett nach nur 2 Wochen scheint also ein guter Indikator dafür, ob die Voraussetzungen gegeben sind, oder nicht. Deswegen würde ich, wenn man lieber ein Korsett möchte als eine OP, es einfach ausproberen. Die Primärkorrektur im Rahmouni-Korsett hat man schließlich schneller als einen OP-Termin; man verliert keine Zeit.

Selten, dass diese Voraussetzungen gegeben sind, scheint es jedenfalls auch nicht zu sein, wenn man nach unseren Usern geht: viewtopic.php?t=957
Es war bei uns bisher ungefähr jede zweite ~ 60-Grad-Krümmung.

Das hängt möglicherweise damit zusammenhängt, dass solche Krümmungen sich meist innerhalb kurzer Zeit vorher während des letzten Hauptwachstumsschubes auf diese Gradzahl verschlechtert haben, also wenig fixiert sind und daher noch sehr flexibel und der Patient dem Zeitpunkt entsprechend noch im Wachstum ist.

Es handelt sich ja um einen Gradzahlbereich, in dem die Verschlechterungsgeschwindigkeit auch exponential nach oben geht.
Es ist also nicht sehr wahrscheinlich, dass jemand eine solche Krümmung un- oder schlecht behandelt über mehrere Jahre hat halten können, wie das ja bei kleineren Krümmungen oft der Fall ist. Solche Krümmungen sind in der Regel also noch "frisch".

Die 60 Grad Skoliosen bei ~ 13-Jährigen, die auftauchen, sind vorher quasi eine Selektion durchlaufen, weshalb die Eignung wohl sehr hoch liegt.

Oder wir könnten auch sagen, dass, gemessen in fixierten schlecht korrigierbaren Anteilen, bei einem großen Anteil der jugendlichen Skoliosen, die auf dem Röntgenbild um die 60 Grad zeigen, es sich der tatsächlichen Schwere nach, die für die hochkorrigierende Korsetttherapie nach dem Beispiel von Rahmouni relevant ist, nicht um 60-Grad-Krümmungen handelt.

Unter "hochkorrigierend" sind bei Dr. Steffans Aussage definitiv aber Korrekturen in dem oben genannten Bereich gemeint.

Unklar ist (das wurde von Dr. Weiß schon diskutiert), ob für das Aufhalten einer Progredienz der prozentual korrigierte Anteil (also die Primärkorrektur) eine Rolle spielt oder die absolute Gradzahl im Korsett.

Es kann z.B. sein, dass eine Korrektur unter eine bestimmte Gradzahl notwendig ist, und nicht nur eine Korrektur um 50% ausreicht, z.B. so was wie eine 30-Grad-Grenze zum Aufhalten der Progredienz. Korrigiert man eine 70 Grad Skoliose um 50%, sind es ja immer noch 35 Grad im Korsett, weshalb es möglicherwiese bei stärkeren Krümmungen, mit dem was die besten Korsette heute leisten können, nicht mehr funktioniert.

Bestmöglichstes Resultat?

Verfasst: Mo, 14.07.2008 - 17:04
von Rainer
d.h. wenn bei knapp 60 Grad alles optimal läuft (so wie bei Dir) kann mit 25 Jahren bestenfalls 2 x 40 Grad und dauernde Notwendigkeit für ein Nachtkorsett als Resultat herauskommen? :/

Wie würde man in Deinem Fall das Progressionsrisiko berechnen?
Was wäre die konkrete Alternative zum Nachtkorsett (z.B. während einer Schwangerschaft)?

Re: Bestmöglichstes Resultat?

Verfasst: Mo, 14.07.2008 - 17:47
von BZebra
Rainer hat geschrieben:d.h. wenn bei knapp 60 Grad alles optimal läuft (so wie bei Dir) kann mit 25 Jahren bestenfalls 2 x 40 Grad und dauernde Notwendigkeit für ein Nachtkorsett als Resultat herauskommen? :/
Das hängt vom Restwachstum ab. Je nach dem wie viel zu Beginn der Korsetttherapie davon noch übrig ist, kann ein besseres oder auch ein schlechteres Ergebnis bei rauskommen.

Nachtkorsett ist nicht notwendig, wird auch in den meisten Fällen nicht eingesetzt bzw. nur aufrgund von Eigeninitiative des Patienten weitergeführt, da alternativ ja auch normale KG nach Schroth, bewusste und unbewusste Haltungskontrolle im Alltag möglich ist oder man auch gar nichts weiter machen kann.
Wie würde man in Deinem Fall das Progressionsrisiko berechnen?
Genauso wie bei jedem anderen Patienten auch.

Die meines Wissens nach einzige Studie über den Progressionsverlauf nach Korsettbehandlung ist eine von Landauer, der darin zu dem Ergebnis kommt, dass sich der weitere Verlauf nach Korsettabschulung nicht von dem unbehandelter Patienten gleicher Gradzahl unterschiedet.

Weitere Daten, auf die man zurück greifen könnte, gibt es nicht.

Hier sind z.B. die Ergebnisse der Weinstein Studie: viewtopic.php?p=16495

So über den Dauen gepeilt würde ich anhand dieser Grafik sagen, liegt die Wahrscheinlichkeit sich unbehandelt innerhalb von 40 Jahren nicht mehr als um 25 Grad zu verschlechtern so bei 80-90%.
Was wäre die konkrete Alternative zum Nachtkorsett (z.B. während einer Schwangerschaft)?
Während einer Schwangerschaft ist Schroth und Haltungskontrolle im Alltag möglich, man kann sogar eine Schroth Reha machen.
Bei Krümmungen im Lumbalbereich ist allerdings ohnehin eher mit einer Verbesserung der Krümmung während der Schwangerschaft als mit einer Verschlechterung zu rechnen. Die kritische Zeit ist danach.

Re: Bestmöglichstes Resultat?

Verfasst: Di, 15.07.2008 - 11:37
von Mel-LeaJane
BZebra hat geschrieben: Bei Krümmungen im Lumbalbereich ist allerdings ohnehin eher mit einer Verbesserung der Krümmung während der Schwangerschaft als mit einer Verschlechterung zu rechnen. Die kritische Zeit ist danach.
Hallo,

wie ist das denn zu verstehen?

Wieso sollte sich eine Skoliosekrümmung im Lumbalbereich während einer Schwangerschaft verbessern? Und warum ist die "kritische Zeit" erst nach der Schwangerschaft?

LG Mel

Re: Bestmöglichstes Resultat?

Verfasst: Di, 15.07.2008 - 12:33
von BZebra
Mel-LeaJane hat geschrieben:Wieso sollte sich eine Skoliosekrümmung im Lumbalbereich während einer Schwangerschaft verbessern? Und warum ist die "kritische Zeit" erst nach der Schwangerschaft?
Zunächst mal führen die Hormone zu einer Lockerung des (Knorpel-)Gewebes, was insbesondere dafür wichtig ist, dass sich das Becken weiten kann damit das Baby am Ende durch passt, und noch andere Funktionen erfüllt.

Dann gibt es da zwei mögliche Gründe, die diese Verbesserungen erklären könnten, vielleicht auch beide zusammen:

Zum einen wegen der Größe der Gebärmutter. Sie reicht gegen Ende der Schwangerschaft ja bis zu den Rippen, erzeugt einen großen inneren Druck und stützt damit von innen. Durch eine aufrechtere Haltung und weniger Krümmung im LWS-Bereich kann der Körper mehr Platz im Bauchraum schaffen, da durch die Krümmung ja Körperlänge und damit auch Volumen verloren geht. Eine Zunahme der Krümmung würde dagegen das Volumen verringern und ist mit dem immer größer werdenden Platzbedarf schlecht vereinbar.

Dann scheint sich auch ein Hohlkreuz korrigierend auf den Lendenbogen auszuwirken, da eine Abflachung der physiologischen Krümmung notwendig ist für eine Rotation (oder eine möglichst "gute", ungehinderte Rotation) der Wirbelkörper, die widerum notwendig ist für eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule (deswegen neigen Skoliosen mit einem normalen Seitprofil oder einer Kyphose auch weniger zu Progredienz).
Um das Gewicht des Bauches auszugleichen, ist die Frau gezwungen während der Schwangerschaft immer mehr in ein Hohlkreuz zu gehen. Dieser Korrektureffekt wird auch bei Schroth in dem Programm Namens "Physiologic" genutzt. Dabei wird auch versucht im betroffenen abgeflachten LWS und LWS-BWS-Übergangsbereich in ein Hohlkreuz zu gehen mit gleichzeitigen Korrekturspannungen gegen die Krümmung.

Mögliche Gründe also:
  • Hormonelle Gewebslockerung
  • Streckung im LWS-Bereich durch innere Stütze und Schaffung von mehr Volumen im Bauchraum
  • Verstärkung des Hohlkreuzes, durch die Gewebslockerung wahrscheinlich auch in einem Maße, wie es sonst dem Patienten gar nicht möglich wäre
Nach der Schwangerschaft fällt die innere Stütze und der Volumenbedarf weg, die Holkreuzposition ist auch nicht mehr von Nöten, aber das Gewebe bleibt noch einige Zeit länger flexibel, daher ist das Risiko einer Verschlechterung zu dem Zeitpunkt größer, während kurz nach der Geburt die Krümmung im LWS-Bereich auf dem Röntgenbild oft deutlich reduziert ist.

Re: Bestmöglichstes Resultat?

Verfasst: Mi, 16.07.2008 - 16:17
von BZebra
Rainer hat geschrieben:d.h. wenn bei knapp 60 Grad alles optimal läuft (so wie bei Dir) kann mit 25 Jahren bestenfalls 2 x 40 Grad und dauernde Notwendigkeit für ein Nachtkorsett als Resultat herauskommen? :/
Ach ja, folgende Ergänzung vielleicht noch.

Ein solches Resulat entspricht voll und ganz den angestrebten Zielen, für die die Indikationsgrenzen aller Standard Korsette (von 40 Grad thorakal und 50 Grad lumbal) gelten.

Dabei wird von keiner Verbesserung der Krümmung ausgegangenen (das können die meisten Korsette nicht leisten), sondern lediglich im optimalen Fall von einem Halten der Ausgangskrümmung.

Vom Resultat ausgehend sind diese beiden Grenzen also identisch, es geht nur um unterschiedlich leistungsfähige Korsette, die bei unterschiedlichen Gradzahlen vergleichbare Endergebnisse erzielen.

Re: Indikations-Grenze Korsett-Therapie 60 Grad?

Verfasst: Do, 17.07.2008 - 08:36
von Rainer
BZebra hat geschrieben:
Rainer hat geschrieben:Im Basiswissen dieses Forum steht zur Indikations-Grenze für eine Korsett-Therapie:
Bei optimalem Verlauf, d. h. Versorgung mit hochkorrigierenden Korsetten, Krankengymnastik nach Katharina Schroth, die 4 bis 5x wöchentlich eine halbe Stunde/Tag ausgeführt werden muß, noch bestehendem Restwachstum und guter Flexibilität der Wirbelsäule, können idopathische Skoliosen bis 60° nach COBB konservativ behandelt werden.
Als Quelle wir Dr. Kay Steffan angeführt.

Ist diese Definition von Dr. Steffan exklusiv für das Forum erstellt worden oder in irgendeiner Veröffentlichung zu finden?
Der Text wurde von Dr. Steffan für diese Webseite erstellt.
Wie muss man sich das praktisch vorstellen? Die aktuellen Leitlinien der Schulmedizin sind Dir nicht konservativ genug – deshalb schickt Dr. Steffan auf Anfrage mal eben so ein persönliches Statement per Email und Du veröffentlichst es als „Basiswissen“ in Deinem Forum? :/

Verfasst: Do, 17.07.2008 - 14:03
von gauklerdavid
Rainer,

die standard Leitlinien beruhen auf den Erfahrungen mit Korsetten mit schlechter bis mittlerer Korrektur. Dr Steffan, aufgrund seiner Erfahrung spezifiziert die Empfehlungen und sagt:
unter gewissen Umständen können die Ziele der Korsettbehandlung (die Ziele sind wohlgemerkt die selben im Vergleich zu den standard Leitlinien, nämlich stabilisierung der Krümmung , also bei den Standard leitlininien bei maximal 40/50 Grad) auch bei höheren Krümmungen erreicht werden.

Er sagt nicht mehr und nicht weniger. Wo ist das Problem?
Nirgendwo steht: Skoliosen bis 60 müssen mit Korsett versorgt werden und eine OP ist die schlechtere Wahl.

Basiswissen ist nicht gleichzusetzen mit "die Ideale Behandlung für jeden indiviuellen Fall" und es ist auch nicht gleichzusetzen mit einer Diagnose oder einer Behandlungsanweisung.

Basiswissen beruht, so wie ich das einschätze, aus der persönlichen Erfahrung der Admins und BZebra sowie deren Kenntnis und Interpretation von anderen Fällen, der Literatur und Gesprächen mit Behandlern.

Das Basiswissen und viele Mitglieder hier im Forum sind sicherlich konservativ ausgerichtet in dem Sinne dass die OP Vermeidung Priorität bekommt.

Wenn da jemand anders anderer Meinung ist und (am besten mit Argumenten und Vorbildern) eklären kann warum und wann er/sie eine (frühzeitige)OP als die bessere Lösung sieht kann er das hier tun und das wird ja auch getan. Machst du ja auch.

Vollständige nicht-subjektive Aussagen wirst du hier nicht finden und woanders übrigens auch nicht. Auch nicht in der Focusärzteliste (oder glaubst du an die Unabhängigkeit und Qualität der deutschen Presselandschaft?), nicht in wissenschaftlichen Publikationen und auch nicht auf Kongressen.
Trotz allem sind all diese Informationsquellen wichtig , wenn man weis wie man mit der gebotenen Information kritisch umzugehen hat.


David

Verfasst: Do, 17.07.2008 - 15:40
von BZebra
Rainer hat geschrieben:Wie muss man sich das praktisch vorstellen? Die aktuellen Leitlinien der Schulmedizin sind Dir nicht konservativ genug – deshalb schickt Dr. Steffan auf Anfrage mal eben so ein persönliches Statement per Email und Du veröffentlichst es als „Basiswissen“ in Deinem Forum? :/
Nein, es ist kein persönliches Statement.
Die Passage wurde uns zum Zweck der Veröffentlichung auf dieser Seiten von Dr. Steffan überlassen.

Wir verfügen hier ja auch über ein paar wenige Adressen, die die genannten Anforderungen (hochkorrigierend) erfüllen können.

Das tut bestimmt über 99% der Ärzteschaft nicht. Demnach sind sie gar nicht dazu in der Lage, eigenständig eine solche Behandlung in die Wege zu leiten. Der mangelnden Befähigung der Ärzte und Orthopädietechniker muss logischerweise auch diese Leitlinie entsprechen, für die ist sie ja schließlich gemacht.

Wollte man diese Empfehlungsrichtlinien ändern, müsste es eine offizielle Qualitätskontrolle geben, die durch das Überweisungs- und Rezeptsystem möglichst zuverlässig die Spreu vom Weizen trennt. Das heißt geprüfte Skoliose-Fachärzte, Skoliose-Fachkliniken und Skoliose-Fachorthopädietechniken. Und für diese Personen und Einrichtungen können dann andere Empfehlungen gelten.

Da es das nicht gibt, müssen wir ja auch die Fahrtkosten zu den besser Qualifizierten selbst tragen, womit diese Behandlung zum Teil schon privat finanziert werden muss und sie sich nicht jeder leisten kann.

Hier die Sobernheimer Veröffentlichung zum Indikationsbereich der Korsette, die von ihnen angeboten bzw. vermittelt werden:

[equote="Asklepios Katharina-Schroth-Klinik - Jahresbericht 2003, S. 13"]Korsettanpassung und -behandlung

Da in den Hauptwachstumsphasen oftmals die physiotherapeutischen Intensivprogramme allein nicht ausreichen, wird zum Vermeiden einer weiteren Krümmungsverschlechterung auch stationär die Korsettversorgung durchgeführt. Korsette der Vertragswerkstatt, aber auch fremder Werkstätten werden angeschult und dem stationären Behandlungsverlauf hinsichtlich der Paßform und Krümmungskorrektur ständig angepasst. Bei bestehender Wachstumserwartung und Krümmungswinkeln von weniger als 40° sind hierbei in Einzelfällen deutliche endgültige Krümmungskorrekturen möglich. Allerdings sind wir auch auf Korsettversorgungen spezialisiert bei höhergradigen Verbiegungen, welche jenseits der in der Literatur für konservative Behandlungen empfohlenen Indikationsbereiche liegen (bis max. 60°).
[/equote]
Quelle: kb.php?mode=article&k=8

So, und letzteres haben sie z.B. auch mit mir gemacht. Das war auch eine von Sobernheim in die Wege geleitete Korsettversorgung. Wird schon schon seit über einem Jahrzehnt dort so praktiziert. Die Mindestanforderungen der Leitlinie, was das Resultat angeht, haben sie bei mir jedenfalls mit ihrer Vorgehenweise erfüllt.

Warum sollte man die Existenz von Qualität ignorieren, nicht für sich nutzen und nicht die Information an Andere weitergeben, nur weil die Mehrzahl der Leute nichts davon weiß?

Erfolgsquote einer solchen 60 Grad-Behandlung

Verfasst: Do, 17.07.2008 - 17:09
von Rainer
BZebra hat geschrieben:
Rainer hat geschrieben:Wie muss man sich das praktisch vorstellen? Die aktuellen Leitlinien der Schulmedizin sind Dir nicht konservativ genug – deshalb schickt Dr. Steffan auf Anfrage mal eben so ein persönliches Statement per Email und Du veröffentlichst es als „Basiswissen“ in Deinem Forum? :/
Nein, es ist kein persönliches Statement.
Die Passage wurde uns zum Zweck der Veröffentlichung auf dieser Seiten von Dr. Steffan überlassen.
Mhm, ich dachte einfach, es wäre schön, wenn Dr. Steffan solche Statements z.B. in Fachzeitschriften veröffentlichen würde und dann auch dokumentiert welche Resultate damit in der Regel erzielt werden.
[equote]....können idopathische Skoliosen bis 60° nach COBB konservativ behandelt werden.[/equote] sagt ja nichts über die Erfolgsquote aus. :rolleyes:

Re: Erfolgsquote einer solchen 60 Grad-Behandlung

Verfasst: Do, 17.07.2008 - 18:26
von BZebra
Rainer hat geschrieben:Mhm, ich dachte einfach, es wäre schön, wenn Dr. Steffan solche Statements z.B. in Fachzeitschriften veröffentlichen würde und dann auch dokumentiert welche Resultate damit in der Regel erzielt werden.
Tja, Studien anzufertigen kostet nun mal Zeit und Geld. Du bekommst halt nicht alles um sonst im Leben, Rainer.

Wenn du daran interessiert bist, müsstest du halt ein entsprechendes Budget zur Verfügung stellen, und dann findet sich auch garantiert jemand, der eine professionelle Auswertung der Rahmouni'schen Ergebnisse anfertigt.

Je mehr Geld zur Verfügung steht, umso mehr Zeit ist auch zum Auswerten gegeben und umso qualifizierter kann auch der dafür eingesetzte Auswerter sein, so dass dann vielleicht auch eine detaillierte Aufschlüsselung nach Ausgangsbefund mit veröffentlicht werden kann (was bis dato sogar einmalig in der Skoliose-Publikationsgeschichte wäre), und umso genauer könnte man daraus dann auch Vorhersagen für den Einzelnen treffen.

Bis dahin müssen wir uns leider auf die Erfahrungswerte Anderer verlassen, wie eben der Leute, die diese Behandlungen seit Jahren begleiten.
Rainer hat geschrieben:[equote]....können idopathische Skoliosen bis 60° nach COBB konservativ behandelt werden.[/equote] sagt ja nichts über die Erfolgsquote aus. :rolleyes:
Umso mehr wissen wir dafür über die Erfolgsquote der Korsettbehandlungen, auf die sich die Leitlinie beziehet! Darüber gibt es nämlich Studien.

12% durchschnittliche Primärkorrektur im Korsett.
Primärkorrekturen von unter 20% haben sich als wirkungslos erwiesen.
Der natürliche Verlauf von Skoliosen ist auch gut dokumentiert...

Na, wie hoch schätzt du die Erfolgsquote ein, was das von mir oben angenommene Ziel des Haltens der Krümmung mit den Standard Korsetten angeht? War ziemlich optimistisch von mir, oder?

Und trotzdem werden bei Skoliosen bis 40 bzw. 50 Grad in der Leitlinie noch Korsette empfohlen, und das Ganze allgemein ohne Hinweis auf irgendeine Mindestkorrektur im Korsett.

Wer hat die Leitlinie noch mal geschrieben? Nur Chirurgen! Mensch auf was für Gedanken man da jetzt kommen könnte!

Könnte es sein, dass unsere Indikationsgrenze von 60 Grad mit hochkorrigierenden Korsetten vielleicht am Ende noch die weitaus bessere Erfolgsquote erzielt, ganz allein deswegen weil wir Mindestansprüche an die Primärkorrektur stellen?

Und schau dir mal hier im Vergleich die von den Sobernheimern verfasste Leitlinie zum eigenen physiotherapeutischen Rehabilitationskonzept an: http://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/033-045.htm
Auf diese eine Behandlungsform sind sie detailier eingegangen als die Chirurgen in ihrer Leitlinie auf die gesamte Skoliosebehandlung. Lässt das Zweifel bei dir an der Qualität dieser Skoliose-Leitlinie aufkommen?

Jetzt könnten wir uns noch weiter wundern über die Aufführung vom Boston- und Milwaukee-Korsetten, und der Harrington-OP als Standard Therapieverfahren, und das ganze noch zusammen mit dem Erstellungsdatum von 1999 und dem Überarbeitungsdatum 2002 (gar nicht so lange her).

Wie werden diese Leitlinien denn überhaupt ausgewählt und wer überprüft sie auf Qualität, dass so etwas da überhaupt drin stehen kann? Makes you wonder, doesn't it?

Was sagt Toni dazu immer? - "Immer wieder von einem alten Lehrbuch abgeschrieben und weitergetragen."

Hast du die Leitlinie eigentlich vorher gelesen, Rainer, oder bist du wie immer blind der "Autorität" hinterhergelaufen? An was meinst du denn Qualität und Zuverlässigkeit von Informationen erkennen zu können? An Papierqualität der Fachzeitzeitschrift, auf der sie gedruckt sind?

Verfasst: Do, 17.07.2008 - 21:39
von minimine
Hallo,
jetzt muss ich mich hier auch mal einmischen.
sagt ja nichts über die Erfolgsquote aus.
Und wer sagt, dass es eine "Erfolgsquote" bei denjenigen gibt, die nach den Leitlinien handeln?
Die Leitlinie Skoliose befindet sich doch noch immer auf Entwicklungsstufe 1 (von 3), d.h. sie wurde von einer informellen "Expertengruppe" entwickelt, eine wissenschaftliche Studie ist hier auch noch nicht mit eingeflossen. Sieht man auch ganz klar an den Literaturangaben (die sich auch nur auf OP beziehen).

Für Leitlinien gibt es im Übrigen noch das Ärtztliche Zentrum für Qualität in der Medizin. Dort gibt es sogar einen Link in dieses Forum :D.

Wer sind eigentlich die Herren hier, die das ganze erstellt haben?
T. Humke, J.-D. Rompe, C. Hopf, J. Heine, C. Carstens
Also C.Carstens gehört in die Uni Heidelberg, C.Hopf nach Kiel und die Anderen? Die Namen sind ziemlich unbekannt oder?

LG
Minimine