Hallo zusammen,
ich versuche gerade einen Termin bei Dr. Hoffmann zu bekommen: Nachdem ich neulich mit Toni telefoniert hatte, bin ich nun neugierig und will es mal mit einer Tüko versuchen. Gestern habe ich mich bei Herrn Lucas informiert. Ich werde berichten.
Im Bechterew-Forum, in dem ich krankheitsbedingt öfters als hier present bin, habe ich am 14.11. einen Beitrag verfaßt, der für den einen oder anderen auch ganz interessant sein könnte (off topic):
Hallo zusammen,
da sich jetzt hier einige wegen der Ernährung bei MB streiten und teilweise gar nicht wissen warum, will ich hier mal versuchen meine Position genauer darzustellen.
Ich bin ein Bücherwurm und habe in den letzten vier Jahren unzählige Wälzer über Ernährung, Krankheit, Gesundheit usw. gelesen. Ich begann aus purer Not und das ganze endete als Hobby. Aus den Büchern vom Strunz und von Uwe Gröber lernte ich, dass Eskimos so gut wie kein Rheuma kennen, und Gröber machte mich mit der Dosierung von ca. 6g Omega 3 vertraut. Es waren Bücher von Vegetariern, über Vollwerternährung, Low Carb usw. Auffällig war, dass sich einige Autoren auf die Urnahrung des Menschen beriefen. Aus meinen Büchern über Nahrungsergänzung wurde dann oft auf den Nährstoffbedarf des „Steinzeitmenschen“ eingegangen. Einige Autoren gingen von einem Proteingehalt der Nahrung von bis zu 33% aus, auch der Fettanteil soll wesentlich größer gewesen sein als uns heute von der DGE empfohlen wird.
Schließlich las ich Bücher von Anthropologen: Wir stammen vom Affen ab, lebten auf Bäumen und zu einem großen Anteil von Früchten (Das könnte die Erklärung sein, dass wir das Gen verloren haben, Vitamin C selbst herzustellen, wie (fast) jedes andere Säugetier). Irgendwann gingen die ersten aufrecht, der Lebensraum veränderte sich (Steppen) und der Fleischanteil in der Nahrung wurde größer, je nach Breitengrad. Dieser Zeitraum dauerte mehrere Millionen Jahre.
Ich zitiere mal ein bisschen aus folgendem Buch: Schrenk, die Frühzeit des Menschen.
(eine kurze Erklärung vorweg: Homo erectus erschien vor 2 Millionen Jahren, aus ihm ging vor 200.000Jahren der Homo sapiens hervor)
„Auch erste Hinweise auf eine gezielte Jagt stammen vom Homo erectus. Aus Funden von Steinwerkzeugen und Tierknochen mit Schnittspuren dieser Gerätschaften ist zu schließen, dass eine Zerlegungstechnik entwickelt war. So konnte Jagdbeute, die in größeren Mengen gemacht wurde, intensiv und systematisch ausgeschlachtet werden.“
„Das Gehirn ist neben Leber und Darm das Organ mit dem höchsten Energieverbrauch im menschlichen Körper. Eine interessante Frage ist daher nicht nur, welche Vorteile ein größeres Gehirn bietet, sondern vor allem auch, wie ein Organismus sich den dadurch stark erhöhten Energieverbrauch leisten kann. Einen Hinweis gibt hier zum Beispiel die Größe des menschlichen Darms, der nur halb so groß ist und damit sehr viel weniger Energie verbraucht, als dies bei Primaten menschlicher Körpergröße zu erwarten wäre. Dies ist aber nur deshalb möglich, weil sich der Mensch zum Allesfresser mit hohem Fleischanteil entwickelte, ...“
Der nächste interessante Punkt ist das große Hirn, welches 2% der menschlichen Körpermasse ausmacht. Das „intelligenteste“ Lebewesen ist der Delphin, der auf 1% kommt. 2 Thesen zur Entstehung fand ich hierzu interessant:
Zum einen war der Mensch zuerst Aasfresser, da er anfangs kein geschickter Jäger war und noch keine Waffen hatte. Wenn man sich anschaut, was Raubtiere so von ihrer Beute übrig lassen, sind das die Knochen. Nach N. Worm enthalten gerade das Knochenmark und das Hirn sehr große Mengen Omega 3 und 6 Fettsäuren, und zwar im idealen Verhältnis. An Knochenfunden wurde bewiesen, dass sich der Mensch hier bediente und deswegen schon mal zusätzliches Baumaterial für seinen Grips hatte.
Zum anderen hatte der Mensch durch den aufrechten Gang die Hände frei und konnte damit so einiges gestalten à es waren dadurch Impulse gegeben, seinen Grips auch zu gebrauchen, so dass sich das Hirn entsprechen vernetzen konnte (?).
Anscheinend ist es so, dass sich Raubtiere zuerst über die Innereien hermachen, da dort das Fett sitzt sowie die Teile mit dem höchsten Vitamingehalt.
So, was könnte der Mensch damals gegessen haben? Ich glaube, da braucht man nur im heimischen Wald nachzuschauen: Man findet Wild, Wurzeln, Beeren, Nüsse und Blätter. Das Wildfleisch war/ist zudem sehr mager, enthält wenig gesättigte Fette und ein sehr gutes Fettsäurenprofil. Ein paar Zahlen aus Die Pirsch 10/2005: Feldhase enthält 66,5% mehrfach ungesättigte Fettsäuren (=Summe Omega 3+6) und davon wiederum 22,9% Omega3 (Verhältnis ca. 1 zu 4) Was man nicht findet: Kein süßes Zuchtobst (hängt ab vom Breitengrad), keine Milchprodukte, keine Getreideprodukte, zumindest nicht in den Massen. OK, einzelne Körner könnten dabei gewesen sein, vielleicht hat der Urmensch die ein oder andere Erbse gezählt . Auffällig an den aufgeführten Nahrungsmitteln ist, dass sie so gut wie keine Kohlenhydrate enthalten, bzw. solche, die der Mensch nicht verarbeiten kann. Natürlich muß auch die jeweilige Menge berücksichtigt werden, es wird wohl nicht regelmäßig kiloweise süße Beeren gegeben haben und zu manchen Jahreszeiten gab es schließlich gar nix süßes L . Honig war auch selten...
Die „gefundenen“ Lebensmittel kann man nach meiner Meinung übersetzen mit:
Eiweiß nahezu ohne gesättigtes Fett mit relativ viel Omega3
Gemüse, Salat, Beeren. = sek. Pflanzenstoffe, Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe in JEDEM Bissen, satt!!! Das heißt, Kohlenhydrate waren eigentlich Mangelware, die Bauspeicheldrüse brauchte nie viel Insulin zu erzeugen. Und da der Jäger- und Sammler seinem Braten hinterher laufen musste, kann man, verglichen mit einem Schreibtischtäter, vom doppelten Kalorienbedarf ausgehen. Ich denke, dass der angenommene Eiweißanteil von 33% und der Fettanteil von bis zu 50% nicht unbedingt falsch abgeschätzt ist. Wenn man vom Mensch als Allesfresser spricht, so ist nach meiner Meinung diese Nahrungszusammensetzung damit gemeint
Vor ca. 5000Jahren „kam“ der Ackerbau inkl. Milchprodukte schließlich auf mitteleuropäisches Gebiet und somit erhöhte sich der KH-Anteil in unserer Nahrung dramatisch, wobei der Protein- und Fettanteil zurückging! Vieles spricht dafür, dass wir daran immer noch nicht angepasst sind. Kurz: Nachdem wir Millionen von Jahren als Jäger- und Sammler lebten und man von einer ausreichenden Anpassung ausgehen kann, kam schließlich vor 5000Jahren die erste „Vollwerternährung“. Dieser Zeitraum reicht nach meiner Meinung für eine Anpassung nicht aus.
Einige wild zusammengewürfelte Beispiele und „Fundsachen“ zum Gedanken machen: Die letzten Jäger und Sammler waren, wie Knochenfunde zeigten, so groß wie wir. Mit dem Ackerbau wurde der Mensch wieder kleiner. Auch lassen sich an fossilen Knochenfunden ab dieser Periode bestimmte Krankheiten nachweisen, die vorher nicht vorhanden waren. Worm und Lutz zeigen in ihren Büchern auf, dass sich bestimmte Blutfettwerte verbessern können, wenn die KH deutlich reduziert werden. Jeder weiß, dass für das Verdauen von KH Insulin gebraucht wird. Dieses Hormon ist der Gegenspieler vom Wachstumshormon, unserem „Jungbrunnen“...
Dr. Strunz berichtete mal in seinen News, dass sich das Aminogramm (Gehalt der essentiellen Aminosäuren im Blut) eines Patienten wesentlich verbessert hatte, als dieser alle Milchprodukte wegließ (Laktose?)...
Ich glaube, bei Worm oder Lutz hatte ich mal gelesen, dass Naturvölker, die von heute auf morgen auf westliche „vollwertige“ Ernährung umgestellt werden, relativ schnell an Diabetis Typ 2 erkranken.
Meine eigenen Erfahrungen werde ich weiter unten schildern.
Fazit: Unsere heutige Nahrung mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren mit ungünstigem Fettsäurenprofil inkl. Verhältnis Omega 3 zu 6, pflanzlichen Ölen mit einem teilweise furchtbaren Fettsäurenprofil, viel zu geringen Proteinanteil und einem über Millionen von Jahren nie da gewesenen riesigem KH-Anteil inkl. „unbekannter“ Laktose ist nach meiner Meinung keine genetisch korrekte Kost; wir tragen immer noch die Gene der Jäger- und Sammler in uns. Sehr gut geschildert werden diese Zusammenhänge in den Büchern „Syndrom X oder ein Mammut auf dem Teller“ (Worm), „Leben ohne Brot (Lutz) oder „Die neue Diät“ Strunz.
Verglichen mit der Steinzeit essen wir heute nur noch die Hälfte der Kalorien, teilweise leere (nährstofflose) in Form von „unbekannten“ KH. Damit nicht genug, die „Leben“-smittel sind sehr stark verarbeitet...
Für mich habe ich daher folgendes für meine Ernährung abgeleitet:
Da ich nicht alles roh, auch Zuchtobst, ein bisschen Schoko und möglichst wenig Fisch (mag ich nicht so gern) und Wild (teuer und bitte nicht jeden Tag, seltenes Kantinenessen) essen möchte und dann noch berufsbedingt wenig Zeit habe, aber auf die Zusammensetzung und den Nährstoffgehalt der „Steinzeiternährung“ nicht verzichten möchte, habe ich mich zu folgendem entschieden:
Basis sind bei mir Obst und Gemüse, und noch einmal: OBST und GEMÜSE, möglichst roh und nicht als kleine Beilage auf dem Teller! Damit decke ich meine Nährstoffe und sekundären Pflanzenstoffe ab. Und weil das nicht reicht bzw. ich davon immer noch nicht genug esse, ergänze ich Vitamine etc. gezielt mit nach Messungen festgelegten Dosen.
Da Omega 6 eigentlich überall drin ist, brauche ich mich darum nicht zu kümmern, die 3er sind die Mangelware. Und da ich nicht jeden Tag Wild oder Fisch essen möchte, bzw. dieses zu teuer und zeitlich zu aufwändig ist, nehme ich ganz einfach Fischöl. Und auch hier messe ich nach und korrigiere ggf.. Ihr könnt mal nach Omegametrix im WWW suchen...
Und da ich auch noch zusätzlich leckeres Fett essen möchte, gibt es bei mir fast ausschließlich noch Oliven- und Rapsöl. Letzteres gibt es als Albaöl mit Buttergeschmack z. B. für gekochtes Gemüse. Lecker!!!
Alle 4h esse ich Eiweiß, weil es so schön einfach ist, in Form von mit Wasser zubereiteten Shakes (seltsam, ich hatte befürchtet, dass sie mir irgendwann zu den Ohren rauskommen würden. Es passiert nicht, als ob mein Körper weiß, was für ihn gut ist...) Ich versuche auf täglich 200g Eiweiß zu kommen, was auch mit Shakes nicht einfach ist. Einmal täglich esse ich Fleisch, eigentlich immer mageres Geflügel.
Auch hier messe ich nach, Gesamteiweiß und Aminogramm, wobei letzteres nur wenige Labore beherrschen und es recht teuer ist.
Und zu guter letzt: Kohlenhydrate
Nur in Form von Obst und der Milch+Zucker im (italienischen) Kaffee. Oft benutze ich Fruchtzucker, der geht etwas langsamer ins Blut, da dieser in der Leber erst „umgebaut“ werden muß. Jeden Abend gönne ich mir nach dem Essen eine kleine Nascherei. Der Hunger auf Süßes ist sehr schnell gestillt.
Etwas zum Nachdenken: Es gibt essentielle Fett- und Aminosäuren, aber nicht ein einziges essentielles KH...
Ich denke, damit einen guten Kompromiss gefunden zu haben. Einer schrieb mal etwas von Freestyle-Diät. Meinetwegen, gebt dem Kind einen Namen... J
Und meine Blutwerte:
Harnsäure, Cholesterin, Triglyzeride und sonstige “gefürchtete” Werte sind bei mir traumhaft, ich habe hier teilweise darüber berichtet. Über die Nähstoffe folgt in Kürze eine Ergänzung.
Und die Folgen:
Die Entzündungen sind so gut wie weg, die Schmerzen ganz. Keine Medikamente.
Ich bin nur noch ganz selten erkältet und wenn, dann nur kurz.
Wahrscheinlich durch den hohen Eiweißspiegel stieg die Laune und Lebensfreude spürbar an, Glückbotenstoffe bestehen aus Eiweiß... Auch bin ich nach den Mahlzeiten nicht mehr müde.
Ein Warze verschwand nach Jahren von selbst. Ich hatte öfters Schuppen, die ebenfalls weg sind.
Heißhungerattacken gibt es nicht mehr. Im Gegenteil: Oft schaffe ich es nicht, die mir vorgenommenen Speisen alle zu vertilgen. Dabei bin ich so leicht wie nie zuvor, ich wog mal 25kg mehr.
Ich hatte oft rissige und blutige Lippen, auch weg.
Durch das Korsett hatte ich oft einen venösen Rückstau und damit geschwollene Beine. Meine Venen scheinen durch den hohen Eiweißspiegel wesentlich stabiler geworden zu sein (ich hatte den Zusammenhang mal im www gefunden), die Ödeme sind so gut wie weg.
Jaja, ich weiß, dass klingt zu schön um wahr zu sein. Empfehlung: Lasst Euer kindlichen Neugier mal freien Lauf und probiert es aus. Ich habe viele Jahre gebraucht, um allmählich zur dieser Ernährung und Erkenntnis zu finden. Ich genieße mein Essen und vermisse nix mehr. Wenn ich mal unbedingt was außer der Reihe will, was selten vorkommt, dann los. Ich werde weiterhin neue Bücher zum Thema lesen und immer wieder anpassen...
Aus diesen Gründen und den am eigenen Körper gemachten Erfahrungen halte ich die üblichen Ernährungsratschläge (insbesondere der DGE) für falsch oder unvollständig.
Viele Grüße,
Euer Karlson
PS: Von der Evolution ausgehend, wer lebt jetzt extremer? Ist nicht unsere sogenannte „Vollwerternährung“ extremer für unseren Körper?
ENDE
Die Diskussion geht hier weiter:
http://www.dvmb-forum.de/showthread.php ... #post88497
Viele Grüße,
Karlson