Karlson ist "bolzengerade" (1 Jahr Korsett, ein Re

Alles zur Korsett-Therapie für Jugendliche und Erwachsene bei Skoliose, Morbus Scheuermann, Kyphose ...
Karlson vom Dach
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Beitrag von Karlson vom Dach »

Hallo Silas,

danke, danke...
Silas hat geschrieben:Was die Versteifung in verkrümmter Form angeht, so dachte ich immer, dass der Grund dafür ein Versteifen des vorderen Längsbandes (ligamentum longitudinale anterius) und die Bildung von Knochenspangen (Syndesmophyten) entsteht.
Das dürfte stimmen, die Bänder werden im Röbi dann weiß. Das hatte mir Dr. Hoffmann mal so erklärt. Und in die Banscheiben lagert sich Kalk (?) ein, wobei die Knochenspangen so zu sagen von außen nach innen wachsen. Man kann aber gerade und in verkrümmter Form versteifen, und hier meine ich, daß bei der gekrümmten Form eine Art Schonhaltung vorher eingenommen wird. Aber vielleicht kann dazu jemand anderes noch etwas schreiben. Für diesen Prozeß müssen aber Entzündungen im Gange sein, sonst dürfte nix passieren, oder?
Silas hat geschrieben:Hast Du einen Tipp, was man noch zur Vorbeugung gegen Iritis machen kann (neben Cortison, Diclo, MTX)?
Vielleicht hast Du einige Ernährungstipps oder sonstiges?
Ich bin mir sicher, daß ich Deinem Freund helfen kann! Ich hatte Dir hier mal etwas dazu geschrieben und zum downloaden viewtopic.php?t=4658&postdays=0&postorder=asc&start=40 meine Nährstoffdosierung angegeben.

Für das, was ich jetzt schreibe, werde ich wahrscheinlich von einigen zerrissen: Ich halte inzwischen den Morbus Bechterew fast für eine "Wohlstandskrankheit", die es schon im alten Ägypten gegeben hatte. Ich wurde auf ein Phänomen aufmerksam, daß Eskimos angeblich (so gut wie?) kein Rheuma kennen würden! Uwe Gröber empfiehlt in seinem Buch "Orthomolekulare Medizin" u.a. bis zu 6g Omega-3-Fettsäuren täglich zur Behandlung von Krankheiten des rheumatischen Formenkreises. Das ist dann in ca. 18g Fischöl enthalten, einem Schnapsglas! Um diese Menge zu erreichen, müßte Dein Freund ganz schön viel Fisch essen...

Ferner hatte ich ähnliche "Hinweise" über einige andere Nährstoffe erhalten, so daß ich mich mit der Orthomolekularen Medizin beschäftigt hatte und schließlich im Juli 2004 mit der Nährstoff-Supplementierung begonnen hatte. Die Tabelle in Deinem Beitrag habe ich inzwischen etwas verändert, Vit. A ist hinzugekommen, E reduziert usw.
Aufgrund meiner positiven Erfahrungen empfehle ich Deinem Freund es mir nachzumachen und sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Neben den Stoffen in der Tabelle trinke ich nach dem Frühstück ein Gläschen Fischöl (Nase zuhalten, mit Ginseng von Aldi nachspülen, spült wegen des enthaltenen Alkohols alles weg ;) ) Desweiteren nehme ich geziehlt Eiweiße zu mir, die dürften bei Rheuma eine geringere Rolle spielen, da sich die Erfolge bereits vorher einstellten. Wichtig ist auch, daß ich die Ernährung sehr konsequent erst später umgestellt habe: Der Erfolg stellte sich rein mit der Supplementierung ein!!! Allerdings ist das Ganze nix für Ungeduldige: Bei mir kam der Erfolg erst nach 1 bis 1,5 Jahren. Ich vermute, daß sich die ganzen Substanzen erst allmählich im Körper einlagern und dann erst Ihre Wirkung entfalten können.
Da es neben den Vitaminen noch weitere und wesentlich stärkere Substanzen gibt, die man nicht alle ergänzen kann, empfehle ich Euch, nicht nur die "Kapsel" zu nehmen, sondern auch den "Apfel" dazu zu essen. Als Beispiel: E, C und Selen sind Antioxidantien. Es gibt Stoffe, die man allgemein als sekundäre Pflanzenstoffe bezeichnet, die eine wesentlich höhere antioxidative Wirkung haben sollen als die drei oben aufgeführten Ergänzungsmittel: Polyphenole in Rotwein und Bitterschokolade, verschiedene Carotinoide, Lycopen in Tomaten usw..
Zu meiner Ernährung hatte ich oben schon etwas an Calla geschrieben, wichtig wäre für Deinen Freund nur noch, möglichst rotes Fleisch und tierische Fette zu vermeiden, da der Körper aus der darin enthaltenen Arachidonsäure Entzündungsbotenstoffe "bastelt". Auch würde ich nur noch Fette essen, bei denen die Omega-3-Fette überwiegen. Ein Tipp ist auch das Albaöl, ein Rapsöl mit Buttergeschmack.

Nimmt Dein Freund wegen des MTX Folsäure zusätzlich ein?

Weitere angenehme Nebeneffekte: Bin vitaler, weniger müde, bekomme keine Erkältungen mehr, keine rissigen Lippen, keine schuppigen Augenbrauen...
Silas hat geschrieben:Ich wünsche Dir weiterhin solch tolle Erfolge und Schmerzreduktion
Vielen Dank, aber das geht nicht. Ich habe keine Schmerzen mehr, eine weitere Reduzierung ist nicht möglich :D

Ich würde mich riesig über eine Rückmeldung freuen ob es bei Deinem Freund auch anschlägt, da ich anscheinend der einzige Rheumatiker bin, der darüber berichtet. Es gibt noch den Uli aus dem Bechterew-Forum, der Omega-3-Fette ergänzt und Erfolge hat sowie einen positiven Erfahrungsbericht auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Orthomolekulare Medizin.

Da man aber einiges falsch machen kann, empfehle ich Euch vorher einen darauf spezialisierten Arzt oder entsprechende Fachliteratur! Ich werde demnächst mal einen Arzt aufsuchen und nachmessen lassen...

Viele Grüße,

Karlson vom Dach
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Lynn
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Beitrag von Lynn »

Hallo Karlson,
im Moment geht es mir erfreulicherweise wieder besser, wobei ich ja nie weiß, wann die Probleme wieder zuschlagen. Seltsamerweise hab ich aber schon recht lange Ruhe. Freut mich!

Bis auf die Ärztin, die den HLA-Test gemacht hat weiß noch keiner was. Ich mauschel also noch im Geheimen vor mich hin. Dummerweise hatte ich ja an der Uni ein paar Probleme, da hab ich mich auch nicht wirklich damit beschäftigt, zumal es mir ja gerade nicht schlecht geht (ich weiß schon, dummes Denken, aber es ging echt nicht anders!).

Ich bin schon die ganze Zeit auf der Suche nach "fit mit Fett" von Strunz, aber irgendwie gibts das nirgends mehr zu kaufen. Ist das überhaupt noch zu empfehlen oder hast du mittlerweile bessere Bücher gefunden? Ich will ja gern alles selbst lesen und in mich aufsaugen ;) .

Irgendwie sträubt sich alles in mir zu einem Rheumatologen zu gehen, auch wenn ich weiß, dass ich das eigentlich nur vor mir hinschiebe.

Da ich ja immer noch recht starke Nackenprobleme habe, hab ich mich im Internet nochmal schlau gemacht und bin dabei auf ein paar interessante Seiten gestoßen. Allerdings bin ich ein wenig besorgt. Hat man dir zu deinen HWS-Problemen noch irgendwas genaueres gesagt? Bist du da nur unbeweglicher geworden oder hattest du auch Schmerzen? Ich weiß grad nicht, ob ich jetzt superdringend zum Arzt muss oder ob ich zuerst mit der Nahrungsumstellung weiter machen soll. Schau mal hier:

http://www.aerztezeitung.de/docs/2000/0 ... 7a1202.asp

Grüßle, Ula
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Silas
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Beitrag von Silas »

Hallo Karlson,

Danke für Deine Antwort.

Das Du absolut schmerzfrei bist, freut mich riesig für Dich. Sind bei Dir noch alle peripheren Gelenke entzündungsfrei

Mit all den mehr oder minder leckeren Dingen, ist mein ärmster Schatz schon abgefüttert worden, leider ohne Erfolg. (außer, dass er schon voll genervt reagiert, wenn man ihn daran erinnert, ob er die jeweiligen Dinge schon eingenommen hat)

Allerdings ist er auch was Nahrung komplett umstellen angeht, nicht gerade ein leichter Fall :/
... eher Typ fleischfressende Pflanze :D und ich hasse Fisch. Wenn es irgendwie geht, kommt nur Gemüse auf den Tisch oder auch mal Hähnchen oder Pute (wobei man aber auch wieder wegen der Purinsäure aufpassen muss), irgendwann überkommt ihn aber dann doch wieder die Lust...

Vielleicht liegt es daran oder auch an seinen Experimenten, die Kortisondosis zu reduzieren (da leider einige Rettungsringe hinzugekommen sind...).

Was übrigens das Migränethema angeht, so habe ich auch ein wenig herumexperimentiert und festgestellt, dass eine Kombination aus Bierhefe (alle möglichen B-Vitamine), Vitamin E, Jod und Magnesium sich ganz positiv auswirkt.
Noch stärker wirken sich aber psychische Situation und halbwegs ausreichend Schlaf aus.

Das Topamax nehme ich mittlerweile nicht mehr, da es zunehmend die Konzentrationsfähigkeit vermindert hat und sich mittlerweile die Anfälle ankündigen und meist nachts auftreten, so dass die Sturzgefahr nahezu ausgeschlossen ist.

Dein Beispiel sollte man wirklich allen Orthopäden und Internisten zeigen, damit nicht mehr so viele Bechtis vollkommen krumm versteifen und sich teilweise auch noch einer riskanten, langwierigen und schmerzhaften OP unterziehen müssen.

Dir alles Gute und ein schönes Wochenende
Silas
"Man kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert. Aber die Wissenschaft macht Gott überflüssig."
(Stephen Hawking)
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Calla
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Beitrag von Calla »

Karlson vom Dach hat geschrieben: schließlich im Juli 2004 mit der Nährstoff-Supplementierung begonnen hatte. Die Tabelle in Deinem Beitrag habe ich inzwischen etwas verändert, Vit. A ist hinzugekommen, E reduziert usw.
d.h. die Einnahme muss immer wieder individuell eingestellt werden? Ist das diese Redox-Serum-Analyse?
Was kostet so eine Untersuchung ungefähr?

Hallo Karlson,
ein hochinteressantes Thema! Habe mir die Bücher "Das Vitamin Programm" von Linus Pauling und "Orthomolekulare Medizin" von Uwe Gröber bestellt.

Seit kurzem nehme ich „Gelenk-Vit“ (Vitamine, Grünlipp-Muschelkonzentrat, Omega 3 Fettsäuren, D-Glucosamin u. Chondroitin) auf Empfehlung meines Apothekers ein.
Auch Centrum nehme ich hin und wieder.
Verglichen mit den Dosen auf Deiner Tabelle sind diese Tagesempfehlungen aber einen Tropfen auf den heißen Stein....
Ich spüre seit meiner Nahrungsumstellung schon eine Besserung meiner körperlichen Verfassung, bin nicht mehr so müde und schlapp wie früher, kann mich besser konzentrieren, bin leistungsfähiger geworden aber die Rückenschmerzen sind eben noch da. Auch dieser leicht entzündliche Schmerz in fast allen kleinen Gelenken und im Knie nimmt eher zu....(Wobei BSG und CRP o.B. sind)

Ganz in der Nähe meines Heimatortes gibt es einen Arzt, der sich auf orthomolekulare Medizin spezialisiert hat. Werde morgen mal anrufen. Am liebsten würde ich noch vor der Reha in BaSa mit der Einnahme beginnen.

Herzlichen Dank für Deine Mühe! :)
LG Calla

PS. Obst hatte ich vergessen, esse auch gern Hühnerfleisch und zum Expresso auch mal 80% Schokolade
Hülsenfrüchte vertrage ich nicht, das ist schade wegen des Eiweißes
Joghurt und Milch geht auch nicht, deswegen möchte ich es unbedingt mit diesen „Vitalstoff-Ergänzungen“ versuchen
Mut heilt!
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Lynn
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Beitrag von Lynn »

Hallo Karlson, ich weiß schon, ich verlang vielleicht zuviel, ich will nur wissen, ob das jemand schon mal gesehen hat im Zusammenhang mit Rheuma. Falls ihr euch unter Stufenleiter-Phänomen nix vorstellen könnt, hier ist meins:

viewtopic.php?p=57451#57451
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Dalia
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Beitrag von Dalia »

Endlich schaffe ich es, die vielen Beiträge nachzulesen... gerade die Geschichte von Karlson darf ich doch nicht verpassen. ;)

Calla, ich schaffe jetzt nur 5 bis 7 Stunden im Korsett. ;) 8 Stunden sind super!

Karlson, sehr interessant, was du über die Eskimos schreibst. Ernährst du dich ganz konsequent gesund oder sind auch "Sünden" drin?

Mit der Ernährung sollte ich mich auch auseinander setzen, da meine Mutter selbst körperliche Probleme hat, aber da müsste ich mich erst einarbeiten. Ich finde das Thema Ernährung hoch interessant und bin überzeugt davon, dass man damit einiges bewirken kann.

Dalia
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Beitrag von Thomas »

Hallo,

hat in letzter Zeit mal wieder jemand was von Karlson gehört?

Ich hoffe, es geht im gut!

Thomas
Phil
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Beitrag von Phil »

Servus,

auch ich würde mich freuen etwas aktuelles von Karlson zu hören denn ich finde seine Ausführungen zum Thema "Gute Ernährung" und sinnvolle Nahrungsergänzungsmittel speziell für Morbus Scheuermann Erkrankte sehr gut und orientiere mich daran.

Danke!

Phil
Karlson vom Dach
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Beitrag von Karlson vom Dach »

Hallo liebe Leute,

habt Gedult, in Kürze gibt es wieder Neuigkeiten. Ich probiere gerade wieder neue Sachen aus...

Hallo Phil,

ich war in der letzten Zeit nicht nur schreib-, sondern auch lesefaul, von daher: Hast Du selbst auch mit Nahrungsergänzungsmitteln etc. Erfahrungen gemacht? Gibt es von Dir Beiträge?
Allerdings schreibe ich nix über Scheuermann, sondern über Bechterew, eine rheumatische Erkrankung.

Gruß,

Karlson vom Dach
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Reinhard K. Sprenger
Phil
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Beitrag von Phil »

Servus,

Zu einer ganzheitlichen Behandlung von Morbus Scheuermann gehört meiner Auffassung nach auch eine richtige Ernährung.

Es ist möglicherweise sinnvoll den menschlichen Körper im Gesundungsprozess zu unterstützen in dem man besonders benötigte
Nährstoffe z.B. über Nahrungsergänzungsmittel zuführt.

Im Prinzip habe ich da aber sehr wenig Ahnung, lese mich aber in das Thema ein. Dein Berichte Karlson haben mich darauf aufmerksam gemacht.

Vielleicht hat sonst noch jemand Ideen welche Nährstoffe für
Morbus Scheuermann Erkrankte wichtig sein könnten?

Das Internet gibt speziell dazu wenig her.

Gruß

Phil
Karlson vom Dach
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Beitrag von Karlson vom Dach »

Liebe Leute,

zu meinem dritten, wieder verpennten, Korsettgeburtstag melde ich mich mal wieder.
Vom Schrothen abgesehen, war ich dieses Jahr sehr fleißig und habe einiges ausprobiert.

Was ist passiert in den letzten Monaten?
Aufgerichtet habe ich mich nicht weiter, bin ja auch soweit gerade. Die obere BWS könnte noch ein paar Grad vertragen, ist aber mit dem Korsett sehr schwer zu erreichen. Das Halsteil trage ich nicht, da es mich doch sehr einschränkt. Eine Indikation dafür ist futsch, da ich die Beweglichkeit der HWS damit erhalten wollte, was aber nicht mehr notwendig ist, da keine Entzündungen mehr vorliegen. Durch meine Lebensweise konnte ich mein geringes Gewicht ohne Mühe locker halten. Diese Woche war ich in der Korsettsprechstunde bei Dr. Hoffmann/Rahmouni: beide sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Mein Korsett trage ich immer noch 23h täglich, es ist für mich so selbstverständlich geworden wie Schuhe und Hosen. Ich nehme jetzt seit 2 Jahren mit einer Ausnahme, auf die ich noch eingehe, kein Diclo mehr und bin in jeder Hinsicht schmerzfrei, was Fehlhaltung und Bechterew angeht. Vom letzteren betrachte ich mich inzwischen als "geheilt", oder anders ausgedrückt, die Krankheit ist "ausschaltbar". Wie das gemeint ist, steht weiter unten bei "Omega 3 und Rheuma". Die Blutwerte sind fast normal, z. B. CRP 7 (leicht erhöht), BKS 9, etc. Schmerzen kommen nur, wenn ich das Korsett einen ganzen Tag ausziehe, wobei ich an diesem Punkt gerade mit MedX arbeite.

Korsett, Muskelerhalt, Med X und Folgen:
Dieses Jahr wurde ich auf MedX aufmerksam gemacht, eine Maschine, in die man eingespannt wird und isoliert die kleinen Muskeln um die WS "ansprechen" kann. Hier hatte ich darüber mal berichtet: viewtopic.php?p=71009&highlight=#71009.
Mein Gefühl, dass das Korsett in Bereich der LWS relativ komfortabel zu tragen ist, war nicht falsch: Ich habe in dieser Maschine einen Kräftestatus machen lassen und siehe da: sehr schwach ausprägte Muskeln in der LWS!!! Ich hatte vom Herbst 2004 an 1,5 Jahre eine Stunde täglich intensiv geschrothet und dürfte dort nicht schwach gewesen sein. Von daher gehe ich davon aus, dass sich die Muskulatur in diesem Bereich abgebaut hat. Wer also als Erwachsener ein Korsett tragen will, muß zusätzlich schrothen oder etwas anderes machen!!! Ich habe jetzt über 10 Einheiten hinter mir und konnte Kraft und Beweglichkeit (wichtig bei M. Bechterew) in der LWS deutlich steigern. Die Verbesserung der Beweglichkeit konnte ich an der gesteigerten Amplitude messen (= ich kam immer weiter nach hinten), die Kraft an den immer höheren Gewichten. Wie sich das in der Praxis auswirkt, konnte ich auch bereits feststellen: Im Frühjahr diesen Jahres machte ich einige ausgedehnte Radtouren, wobei ich tagsüber das Korsett nicht anhatte. Ich habe ein modifiziertes Rennrad, bei dem ich den Lenker etwas höher gesetzt habe. Am Abend war ich wieder etwas zusammengesackt (auch durch die Sitzposition) und hatte starke Rückenschmerzen, die aus der Fehlhaltung resultierten und im Korsett sofort wieder weg waren. Aufrichten konnte ich mich aus eigener Kraft nicht.
Nach den Trainingseinheiten habe ich im Herbst wieder Radtouren unternommen: Auch jetzt sackte ich wieder etwas zusammen, ABER: Ich hatte deutlich weniger Schmerzen als im Frühjahr!!! Ich hatte das Training jetzt unterbrechen müssen, werde es aber wieder aufnehmen. Hier sehe ich noch deutlich Potenzial, über das ich noch berichten werde. Diese Therapie sehe ich für mich als vollen Erfolg an. Klasse ist auch, dass der zeitliche Aufwand äußerst gering ist. Mein nächstes Ziel ist es jetzt, die Korsett-Tragezeit mit dem MedX-Training deutlich zu reduzieren! Über die Indikation bei Morbus Scheuermann kann ich nichts schreiben, hier sollten sich andere äußern.

Osteoporose
Mit dem Bechterew und den damit verbundenen Entzündungen in der WS kommt es bei vielen Betroffenen zu einer Osteoporose, einer Krankheit, bei der sich der Knochen abbaut. Gleiches passiert, wenn die Belastung vom Knochen genommen wird wie z. B. bei Astronauten. Durch Dr. Hoffmann wurde ich 2004 zur Knochendichtemessung geschickt, da meine Knochen im Röbi auffallend hell waren. Sein Verdacht wurde bestätigt, mir wurde eine Osteopenie, die Vorstufe zur Osteoporose, diagnostiziert. Durch die Erfahrungen mit dem Kräftestatus der MedX-Maschine dachte ich einen Schritt weiter: Wenn sich Muskeln abbauen, wie sieht es dann mit den Knochen aus? Eine weitere Knochendichtemessung bestätigte meinen Verdacht: die Dichte hat sich in den letzten 3 Jahren weiter reduziert. Da ich glaube, die Entzündungen im Griff zu haben, führe ich den Effekt auf das Korsett zurück. Alle anderen Krankheiten sind eigentlich ausgeschlossen, dem werde ich aber auch noch nachgehen.
Als Therapie werde ich die Korsett-Tragezeit verringern, mehr joggen bzw. Sport treiben und entsprechende Nährstoffe (Calzium, Vit. D+K, etc.) weiterhin supplementieren. Eventuell werde ich Strontiumralenat nehmen, was zur Zeit wohl das beste Medikament darstellt. Von Biophosphonaten halte ich nichts, da der Knochen "älter" wird (sowohl der Aufbau als auch der Abbau wird behindert, was zu einer Überalterung führt). Außerdem erschrecken mich die Nebenwirkungen, die Lurchi damit erlebt hat! Das Thema ist meine nächste größere Baustelle...
Die folgende Seite fand ich zum Thema recht interessant: http://www.osteoporosezentrum.de/index.html

Nahrungsergänzung und Nährstoffstatus
Seit Mitte 2004 supplementiere ich meine Nahrung mit einem Großteil der 47 essentiellen Nähstoffe, wobei ich recht hohe Dosen zu mir nehme. Ergänzend dazu treibe ich relativ regelmäßig Ausdauersport beim richtigen Puls. Natürlich schlucke ich nicht nur Pillen, sondern achte sehr auf die Ernährung (Bin ein Fan der Steinzeit-Ernährung)
Das Resultat: keine Entzündungen mehr, keine Erkältungen mehr, mehr Vitalität und bessere Laune, keine rissigen Lippen mehr.
Um zu kontrollieren, ob ich alles richtig mache, war ich im Frühjahr beim großen Meister persönlich: Dr. Strunz
http://www.drstrunz.de/index.html
Ein Klasse-Arzt, der über den Tellerrand hinausschaut! Empfehlen möchte ich seine Bücher, besonders Frohmedizin.
Bei ihm habe ich den Großteil der 47 essentiellen Nährstoffe im Blut bestimmen lassen. Es scheint so zu sein, dass der Verbrauch bestimmter Nährstoffe bei rheumatischen Krankheiten deutlich erhöht ist. Bei mir war z. B. trotz hoher Dosis Zink der Spiegel viel zu niedrig, ähnlich die Aminosäure Methionin und Eisen bzw. Ferritin. Meine Vorgehensweise wurde absolut bestätigt, wobei die eine oder andere Dosis angepasst wurde.
Wer Interesse hat, sollte sich an den entsprechenden Arzt wenden, den Orthomolekularmediziner.

Omega-3-Fettsäuren und Krankheiten des rheumatischen Formenkreises
Ich glaube, dass die Ergänzung der Omega-3-Fettsäuren maßgeblich daran beteiligt ist, dass es mir so gut geht! Ich nehme jeden Tag ca. 18g Fischöl zu mir, was ca. 6g Omega-3-Fettsäuren entspricht.
Im Herbst bin ich wegen einiger Reisen für 6 Wochen auf (teure) Kapseln umgestiegen, womit ich die Dosis auf 2,5g reduziert habe. Nach 6 Wochen habe ich die Dosis kurzfristig auf 30g erhöht, da ich wieder Probleme mit HWS hatte, dass ich sogar wieder paar Tage lang Diclo genommen habe. Ich habe für Schmerzen inzwischen ein gutes "Körpergefühl" und bin mir von daher sicher, dass hier Entzündungen im Spiel waren. Nach ein bis zwei Wochen hatte ich das Problem mit der hohen Dosis Öl wieder voll im Griff, alle Schmerzen waren wieder weg.
Von daher bin ich fest davon überzeugt, dass die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren bei Krankheiten des rheumatischen Formenkreises deutlich unterschätzt wird!!! Nebenwirkungsfrei. Über Erfahrungsberichte würde ich mich sehr freuen.
Noch einen Tipp zur Praxis: Das Öl gibt es in der Literflasche in der Apotheke. 18g entsprechen einem Schnapsglas. Ich bekomme das Zeug runter mit zugehaltener Nase, wobei ich sofort mit unverdünntem Holunderbeersaft nachspüle und erst dann die Nase wieder öffne. Wohl bekomms ;)

Viele Grüße,

Karlson vom Dach
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Beitrag von Dalia »

Hallo Karlson,

ich habe mich so gefreut, wieder von dir zu lesen, und dein Bericht ist äußerst interessant und spannend zu lesen. Man merkt, wie du nur so vor Gesundheit und Lebensfreude strotzt und die verbesserte Vitalität genießt. Ich finde es ja sehr interessant, dass du die verschiedenen Effekte auf das Korsett zurückführst. Dein bericht zeigt, dass eine hohe Compliance sich auszahlt. Die Schwierigkeit besteht darin, sie zu erhalten. Du hast es geschafft, und ich bin neugierig, wie es bei dir weitergeht, wenn du die Tragezeit reduziert hast.
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo Karlson,

ein sehr interessanter informativer Bericht!
sehr schwach ausprägte Muskeln in der LWS!!! Ich hatte vom Herbst 2004 an 1,5 Jahre eine Stunde täglich intensiv geschrothet und dürfte dort nicht schwach gewesen sein. Von daher gehe ich davon aus, dass sich die Muskulatur in diesem Bereich abgebaut hat. Wer also als Erwachsener ein Korsett tragen will, muß zusätzlich schrothen oder etwas anderes machen!!! Ich habe jetzt über 10 Einheiten hinter mir und konnte Kraft und Beweglichkeit (wichtig bei M. Bechterew) in der LWS deutlich steigern/
Ich denke, dass Deine Muskelbetrachtungen generell für Kyphose gelten.
Meine Kyphose liegt ja sehr tief und die Muskeln im LWS Bereich sind auch für mich der Hauptpunkt beim Rückentraining.
Kann es vielleicht sein, dass die isometrischen Übungen beim Schroth generell nicht ausreichend sind?

Ich trainiere auch an einer MedX, allerdings die alte F3 Version mit 2 Gurtfixierungen. Dabei experimentiere ich auch ein bischen mit Schrothschem Schulterzug und neuerdings auch mit reduziertem Gewicht.
Es ist schon erstaunlich, was man mit weiter verlangsamten Bewegungsausführungen so alles erreicht und bin gespannt, wann die neue F3 Ausführung kommt, die weitere Fixierungen ermöglicht. Die sozusagen medizinische Ausführung (hat die einen Namen?) kann da wahrscheinlich noch mehr.
Durch Wirbelfixierungen würde ein Korsett bei mir nicht viel bringen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sich die möglichen Angriffspunkte an den entscheidenden Muskeln positiv verändern würden. Meine Wirbelsäule ist ja sozusagen um 180 Grad geklappt, was nach meiner Ansicht nicht mit einer mehr verkrümmten WS gleichzusetzen ist.
Mein nächstes Ziel ist es jetzt, die Korsett-Tragezeit mit dem MedX-Training deutlich zu reduzieren!
Es ist ja hier die grosse Frage, wann es jemanden gelingt, nicht nur diese Tragezeit zu reduzieren, sondern auch ganz abzuschulen.
Auf jeden Fall hast Du nochmal deutlich klar gestellt, dass bei einem Korsett die aktive Muskelpflege ganz ganz wichtig ist!

Gruss
Klaus
Karlson vom Dach
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Beitrag von Karlson vom Dach »

Hallo zusammen,

anbei ein kleiner Nachtrag:
Ich war inzwischen wieder bei Dr. Strunz zum Nachmessen.

Die Osteoporose werde ich mit Nährstoffen des Knochenstoffwechsels behandeln. Die entsprechenden Dosen muß ich mit ihm noch abstimmen. Ob es funktioniert, lässt sich dann ganz einfach mit einer weiteren Knochendichtemessung beweisen. Ich berichte...

Ich hatte im vorherigen Beitrag berichtet, dass ich für 6 Wochen die Omegadosis reduziert hatte. Am Ende dieser Zeit hatte ich für eine Woche Schmerzen und nahm seit langen für ein paar Tage wieder Diclo, bis die doppelte Dosis Fischöl die Sache wieder im wahrsten Sinne des Wortes ins Gleichgewicht (Verhältnis Omega3 zu 6) brachte.
Die Entzündungsparameter kurz davor:
CRP 7, BKS 9/?
Im Dezember:
CRP 19,4, BKS 18/36 à das ganze schmerzfrei!
Wie hoch waren die Werte wohl nach den 6 Wochen???

Inzwischen gibt es einen neuen Blutwert, der den Omega 3 Fettanteil in den roten Blutkörperchen bestimmt und das Verhältnis von Omega 3 zu Omega 6 angibt.
Näheres findet Ihr hier:
http://www.omegametrix.eu/abnahmeundversand.html
Anscheinend ist es eine Tatsache, dass die ursprünglich lebenden Eskimos keinen Krebs, kein Rheuma und keine Herz-Kreislaufkrankheiten kennen, was man eben auf den Fisch(öl)konsum zurückführt. Der Erfinder dieser Methode hat dort an 600 Menschen die Werte bestimmt und als Referenzwert festgelegt: Der Anteil der Omega 3 Fettsäuren sollte, wie bei den Eskimos, 8% betragen.
Meine Werte dürften vor den 6 Wochen besser gewesen sein, inzwischen bin ich bei 5,63% angelangt, das Verhältnis 6/3 beträgt 4,6.
Neues Ziel: Ich WILL auf mindestens 8% kommen und habe die tägliche Dosis Fischöl auf 36g erhöht. Ich werde berichten...

Zu den Blutwerten/Nährstoffstatus:
Es scheint so zu sein, dass bei rheumatischen Erkrankungen bestimmte Nährstoffe in sehr hohen Mengen verbraucht werden.
Hier mein extremstes Beispiel: Ich nahm täglich 60mg Zink zu mir! Eine sehr, sehr hohe Dosis (Bitte nicht so ohne weiteres nachmachen!!!), wobei ich trotzdem nur auf einen Blutwert von 66µg/dl Blut komme. Jetzt wird wieder angepasst und nachgemessen, usw., bis es passt.
Weitere defizitäre Werte sind: Eisen, Ferritin (Eisenspeicher), Magnesium, Selen, Vitamin A, D, Aminosäure Methionin, (fehlen noch ein paar)
Für mich war das erstaunlich, da ich die Stoffe bereits alle ergänzt habe und nun nochmals die entsprechende Dosis angepasst habe.
Noch etwas von meinem Bauchgefühl: Ich glaube, dass der wichtigste Nährstoff bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises die Omega-3-Fettsäure ist!

Hallo Dalia,
danke, danke, danke! So viel Compliance habe ich gar nicht! Ganz im Gegenteil, inzwischen ist es soweit, dass ich Compliance benötige, meinen Schraubstock abzulegen. Das ist Anstrengend. Unangenehm. ;)

Hallo Klaus,
mit dem Satz: "Kann es vielleicht sein, dass die isometrischen Übungen beim Schroth generell nicht ausreichend sind?" liegst Du wahrscheinlich richtig.
Zum Abschulen: Das habe ich eigentlich nicht vor, dass wird wahrscheinlich nicht funktionieren. Von daher tauge ich als Beispiel nicht. Allerdings wird die Tragezeit reduziert. Ob ich mal so weit komme, dass ich den Schraubstock nur noch Nachts trage, kann ich jetzt noch nicht abschätzen.

Viele Grüße,

Karlson vom Dach


PS: An alle Admins: Ich weiß, der Beitrag es etwas off topic! Bitte spaltet hier nix ab, ich bitte um Gnade ;) . Danke.
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Hallo zusammen,

gestern vor 4 Jahren bekam ich mein Korsett - Zeit mich wieder mal zu melden. Mir geht es so gut wie noch nie. Ich habe meine Ernährung weiter umgestellt (Eiweißanteil ca. 33% der Kalorien, bis zu 40g Fischöl täglich, usw.) und halte mich hier im Wesentlichen an die Ratschläge von Worm und Strunz: Steinzeitdiät oder: genetisch korrekte Ernährung.

Die Tragezeit von 23h habe ich aus Faulheit noch nicht reduziert, ich will erst ausgiebig mit MedX meine WS-Muskulatur in der Lende aufbauen. Im Korsett habe ich nach wie vor keine (!) Rückenschmerzen. Ab und zu habe ich Sodbrennen, wobei es verschwindet, wenn ich dann die Schnallen etwas weiter stelle. Da das aktuelle Korsi inzwischen 3 Jahre alt ist, will ich bald versuchen, ein neues zu bekommen. Ich werde Herrn Rahmouni bitten, den Abdominaldruck zu reduzieren, damit das (leichte) Brennen überhaupt nicht mehr vorkommt.

Interessant fand ich auch die Berichte von Toni über die Tüko...

Eine erneute Knochendichtemessung habe ich noch nicht gemacht, kommt anfang nächsten Jahres an die Reihe.

Den CRP-Wert (ein Enzündungsparameter) konnte ich zwischenzeitlich auf 1,8 drücken, so tief wie nie.

Gibt nicht viel neues, von daher mache ich hier mal einen Punkt

Viele Grüße,

Karlson
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Reinhard K. Sprenger
Karlson vom Dach
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Beitrag von Karlson vom Dach »

Hallo zusammen,

ich versuche gerade einen Termin bei Dr. Hoffmann zu bekommen: Nachdem ich neulich mit Toni telefoniert hatte, bin ich nun neugierig und will es mal mit einer Tüko versuchen. Gestern habe ich mich bei Herrn Lucas informiert. Ich werde berichten.

Im Bechterew-Forum, in dem ich krankheitsbedingt öfters als hier present bin, habe ich am 14.11. einen Beitrag verfaßt, der für den einen oder anderen auch ganz interessant sein könnte (off topic):
Hallo zusammen,

da sich jetzt hier einige wegen der Ernährung bei MB streiten und teilweise gar nicht wissen warum, will ich hier mal versuchen meine Position genauer darzustellen.

Ich bin ein Bücherwurm und habe in den letzten vier Jahren unzählige Wälzer über Ernährung, Krankheit, Gesundheit usw. gelesen. Ich begann aus purer Not und das ganze endete als Hobby. Aus den Büchern vom Strunz und von Uwe Gröber lernte ich, dass Eskimos so gut wie kein Rheuma kennen, und Gröber machte mich mit der Dosierung von ca. 6g Omega 3 vertraut. Es waren Bücher von Vegetariern, über Vollwerternährung, Low Carb usw. Auffällig war, dass sich einige Autoren auf die Urnahrung des Menschen beriefen. Aus meinen Büchern über Nahrungsergänzung wurde dann oft auf den Nährstoffbedarf des „Steinzeitmenschen“ eingegangen. Einige Autoren gingen von einem Proteingehalt der Nahrung von bis zu 33% aus, auch der Fettanteil soll wesentlich größer gewesen sein als uns heute von der DGE empfohlen wird.

Schließlich las ich Bücher von Anthropologen: Wir stammen vom Affen ab, lebten auf Bäumen und zu einem großen Anteil von Früchten (Das könnte die Erklärung sein, dass wir das Gen verloren haben, Vitamin C selbst herzustellen, wie (fast) jedes andere Säugetier). Irgendwann gingen die ersten aufrecht, der Lebensraum veränderte sich (Steppen) und der Fleischanteil in der Nahrung wurde größer, je nach Breitengrad. Dieser Zeitraum dauerte mehrere Millionen Jahre.

Ich zitiere mal ein bisschen aus folgendem Buch: Schrenk, die Frühzeit des Menschen.

(eine kurze Erklärung vorweg: Homo erectus erschien vor 2 Millionen Jahren, aus ihm ging vor 200.000Jahren der Homo sapiens hervor)

„Auch erste Hinweise auf eine gezielte Jagt stammen vom Homo erectus. Aus Funden von Steinwerkzeugen und Tierknochen mit Schnittspuren dieser Gerätschaften ist zu schließen, dass eine Zerlegungstechnik entwickelt war. So konnte Jagdbeute, die in größeren Mengen gemacht wurde, intensiv und systematisch ausgeschlachtet werden.“

„Das Gehirn ist neben Leber und Darm das Organ mit dem höchsten Energieverbrauch im menschlichen Körper. Eine interessante Frage ist daher nicht nur, welche Vorteile ein größeres Gehirn bietet, sondern vor allem auch, wie ein Organismus sich den dadurch stark erhöhten Energieverbrauch leisten kann. Einen Hinweis gibt hier zum Beispiel die Größe des menschlichen Darms, der nur halb so groß ist und damit sehr viel weniger Energie verbraucht, als dies bei Primaten menschlicher Körpergröße zu erwarten wäre. Dies ist aber nur deshalb möglich, weil sich der Mensch zum Allesfresser mit hohem Fleischanteil entwickelte, ...“

Der nächste interessante Punkt ist das große Hirn, welches 2% der menschlichen Körpermasse ausmacht. Das „intelligenteste“ Lebewesen ist der Delphin, der auf 1% kommt. 2 Thesen zur Entstehung fand ich hierzu interessant:
Zum einen war der Mensch zuerst Aasfresser, da er anfangs kein geschickter Jäger war und noch keine Waffen hatte. Wenn man sich anschaut, was Raubtiere so von ihrer Beute übrig lassen, sind das die Knochen. Nach N. Worm enthalten gerade das Knochenmark und das Hirn sehr große Mengen Omega 3 und 6 Fettsäuren, und zwar im idealen Verhältnis. An Knochenfunden wurde bewiesen, dass sich der Mensch hier bediente und deswegen schon mal zusätzliches Baumaterial für seinen Grips hatte.
Zum anderen hatte der Mensch durch den aufrechten Gang die Hände frei und konnte damit so einiges gestalten à es waren dadurch Impulse gegeben, seinen Grips auch zu gebrauchen, so dass sich das Hirn entsprechen vernetzen konnte (?).

Anscheinend ist es so, dass sich Raubtiere zuerst über die Innereien hermachen, da dort das Fett sitzt sowie die Teile mit dem höchsten Vitamingehalt.

So, was könnte der Mensch damals gegessen haben? Ich glaube, da braucht man nur im heimischen Wald nachzuschauen: Man findet Wild, Wurzeln, Beeren, Nüsse und Blätter. Das Wildfleisch war/ist zudem sehr mager, enthält wenig gesättigte Fette und ein sehr gutes Fettsäurenprofil. Ein paar Zahlen aus Die Pirsch 10/2005: Feldhase enthält 66,5% mehrfach ungesättigte Fettsäuren (=Summe Omega 3+6) und davon wiederum 22,9% Omega3 (Verhältnis ca. 1 zu 4) Was man nicht findet: Kein süßes Zuchtobst (hängt ab vom Breitengrad), keine Milchprodukte, keine Getreideprodukte, zumindest nicht in den Massen. OK, einzelne Körner könnten dabei gewesen sein, vielleicht hat der Urmensch die ein oder andere Erbse gezählt . Auffällig an den aufgeführten Nahrungsmitteln ist, dass sie so gut wie keine Kohlenhydrate enthalten, bzw. solche, die der Mensch nicht verarbeiten kann. Natürlich muß auch die jeweilige Menge berücksichtigt werden, es wird wohl nicht regelmäßig kiloweise süße Beeren gegeben haben und zu manchen Jahreszeiten gab es schließlich gar nix süßes L . Honig war auch selten...

Die „gefundenen“ Lebensmittel kann man nach meiner Meinung übersetzen mit:
Eiweiß nahezu ohne gesättigtes Fett mit relativ viel Omega3
Gemüse, Salat, Beeren. = sek. Pflanzenstoffe, Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe in JEDEM Bissen, satt!!! Das heißt, Kohlenhydrate waren eigentlich Mangelware, die Bauspeicheldrüse brauchte nie viel Insulin zu erzeugen. Und da der Jäger- und Sammler seinem Braten hinterher laufen musste, kann man, verglichen mit einem Schreibtischtäter, vom doppelten Kalorienbedarf ausgehen. Ich denke, dass der angenommene Eiweißanteil von 33% und der Fettanteil von bis zu 50% nicht unbedingt falsch abgeschätzt ist. Wenn man vom Mensch als Allesfresser spricht, so ist nach meiner Meinung diese Nahrungszusammensetzung damit gemeint

Vor ca. 5000Jahren „kam“ der Ackerbau inkl. Milchprodukte schließlich auf mitteleuropäisches Gebiet und somit erhöhte sich der KH-Anteil in unserer Nahrung dramatisch, wobei der Protein- und Fettanteil zurückging! Vieles spricht dafür, dass wir daran immer noch nicht angepasst sind. Kurz: Nachdem wir Millionen von Jahren als Jäger- und Sammler lebten und man von einer ausreichenden Anpassung ausgehen kann, kam schließlich vor 5000Jahren die erste „Vollwerternährung“. Dieser Zeitraum reicht nach meiner Meinung für eine Anpassung nicht aus.
Einige wild zusammengewürfelte Beispiele und „Fundsachen“ zum Gedanken machen: Die letzten Jäger und Sammler waren, wie Knochenfunde zeigten, so groß wie wir. Mit dem Ackerbau wurde der Mensch wieder kleiner. Auch lassen sich an fossilen Knochenfunden ab dieser Periode bestimmte Krankheiten nachweisen, die vorher nicht vorhanden waren. Worm und Lutz zeigen in ihren Büchern auf, dass sich bestimmte Blutfettwerte verbessern können, wenn die KH deutlich reduziert werden. Jeder weiß, dass für das Verdauen von KH Insulin gebraucht wird. Dieses Hormon ist der Gegenspieler vom Wachstumshormon, unserem „Jungbrunnen“...
Dr. Strunz berichtete mal in seinen News, dass sich das Aminogramm (Gehalt der essentiellen Aminosäuren im Blut) eines Patienten wesentlich verbessert hatte, als dieser alle Milchprodukte wegließ (Laktose?)...
Ich glaube, bei Worm oder Lutz hatte ich mal gelesen, dass Naturvölker, die von heute auf morgen auf westliche „vollwertige“ Ernährung umgestellt werden, relativ schnell an Diabetis Typ 2 erkranken.
Meine eigenen Erfahrungen werde ich weiter unten schildern.
Fazit: Unsere heutige Nahrung mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren mit ungünstigem Fettsäurenprofil inkl. Verhältnis Omega 3 zu 6, pflanzlichen Ölen mit einem teilweise furchtbaren Fettsäurenprofil, viel zu geringen Proteinanteil und einem über Millionen von Jahren nie da gewesenen riesigem KH-Anteil inkl. „unbekannter“ Laktose ist nach meiner Meinung keine genetisch korrekte Kost; wir tragen immer noch die Gene der Jäger- und Sammler in uns. Sehr gut geschildert werden diese Zusammenhänge in den Büchern „Syndrom X oder ein Mammut auf dem Teller“ (Worm), „Leben ohne Brot (Lutz) oder „Die neue Diät“ Strunz.

Verglichen mit der Steinzeit essen wir heute nur noch die Hälfte der Kalorien, teilweise leere (nährstofflose) in Form von „unbekannten“ KH. Damit nicht genug, die „Leben“-smittel sind sehr stark verarbeitet...

Für mich habe ich daher folgendes für meine Ernährung abgeleitet:
Da ich nicht alles roh, auch Zuchtobst, ein bisschen Schoko und möglichst wenig Fisch (mag ich nicht so gern) und Wild (teuer und bitte nicht jeden Tag, seltenes Kantinenessen) essen möchte und dann noch berufsbedingt wenig Zeit habe, aber auf die Zusammensetzung und den Nährstoffgehalt der „Steinzeiternährung“ nicht verzichten möchte, habe ich mich zu folgendem entschieden:

Basis sind bei mir Obst und Gemüse, und noch einmal: OBST und GEMÜSE, möglichst roh und nicht als kleine Beilage auf dem Teller! Damit decke ich meine Nährstoffe und sekundären Pflanzenstoffe ab. Und weil das nicht reicht bzw. ich davon immer noch nicht genug esse, ergänze ich Vitamine etc. gezielt mit nach Messungen festgelegten Dosen.

Da Omega 6 eigentlich überall drin ist, brauche ich mich darum nicht zu kümmern, die 3er sind die Mangelware. Und da ich nicht jeden Tag Wild oder Fisch essen möchte, bzw. dieses zu teuer und zeitlich zu aufwändig ist, nehme ich ganz einfach Fischöl. Und auch hier messe ich nach und korrigiere ggf.. Ihr könnt mal nach Omegametrix im WWW suchen...
Und da ich auch noch zusätzlich leckeres Fett essen möchte, gibt es bei mir fast ausschließlich noch Oliven- und Rapsöl. Letzteres gibt es als Albaöl mit Buttergeschmack z. B. für gekochtes Gemüse. Lecker!!!

Alle 4h esse ich Eiweiß, weil es so schön einfach ist, in Form von mit Wasser zubereiteten Shakes (seltsam, ich hatte befürchtet, dass sie mir irgendwann zu den Ohren rauskommen würden. Es passiert nicht, als ob mein Körper weiß, was für ihn gut ist...) Ich versuche auf täglich 200g Eiweiß zu kommen, was auch mit Shakes nicht einfach ist. Einmal täglich esse ich Fleisch, eigentlich immer mageres Geflügel.
Auch hier messe ich nach, Gesamteiweiß und Aminogramm, wobei letzteres nur wenige Labore beherrschen und es recht teuer ist.

Und zu guter letzt: Kohlenhydrate
Nur in Form von Obst und der Milch+Zucker im (italienischen) Kaffee. Oft benutze ich Fruchtzucker, der geht etwas langsamer ins Blut, da dieser in der Leber erst „umgebaut“ werden muß. Jeden Abend gönne ich mir nach dem Essen eine kleine Nascherei. Der Hunger auf Süßes ist sehr schnell gestillt.
Etwas zum Nachdenken: Es gibt essentielle Fett- und Aminosäuren, aber nicht ein einziges essentielles KH...

Ich denke, damit einen guten Kompromiss gefunden zu haben. Einer schrieb mal etwas von Freestyle-Diät. Meinetwegen, gebt dem Kind einen Namen... J

Und meine Blutwerte:
Harnsäure, Cholesterin, Triglyzeride und sonstige “gefürchtete” Werte sind bei mir traumhaft, ich habe hier teilweise darüber berichtet. Über die Nähstoffe folgt in Kürze eine Ergänzung.

Und die Folgen:
Die Entzündungen sind so gut wie weg, die Schmerzen ganz. Keine Medikamente.
Ich bin nur noch ganz selten erkältet und wenn, dann nur kurz.
Wahrscheinlich durch den hohen Eiweißspiegel stieg die Laune und Lebensfreude spürbar an, Glückbotenstoffe bestehen aus Eiweiß... Auch bin ich nach den Mahlzeiten nicht mehr müde.
Ein Warze verschwand nach Jahren von selbst. Ich hatte öfters Schuppen, die ebenfalls weg sind.
Heißhungerattacken gibt es nicht mehr. Im Gegenteil: Oft schaffe ich es nicht, die mir vorgenommenen Speisen alle zu vertilgen. Dabei bin ich so leicht wie nie zuvor, ich wog mal 25kg mehr.
Ich hatte oft rissige und blutige Lippen, auch weg.
Durch das Korsett hatte ich oft einen venösen Rückstau und damit geschwollene Beine. Meine Venen scheinen durch den hohen Eiweißspiegel wesentlich stabiler geworden zu sein (ich hatte den Zusammenhang mal im www gefunden), die Ödeme sind so gut wie weg.

Jaja, ich weiß, dass klingt zu schön um wahr zu sein. Empfehlung: Lasst Euer kindlichen Neugier mal freien Lauf und probiert es aus. Ich habe viele Jahre gebraucht, um allmählich zur dieser Ernährung und Erkenntnis zu finden. Ich genieße mein Essen und vermisse nix mehr. Wenn ich mal unbedingt was außer der Reihe will, was selten vorkommt, dann los. Ich werde weiterhin neue Bücher zum Thema lesen und immer wieder anpassen...

Aus diesen Gründen und den am eigenen Körper gemachten Erfahrungen halte ich die üblichen Ernährungsratschläge (insbesondere der DGE) für falsch oder unvollständig.

Viele Grüße,

Euer Karlson

PS: Von der Evolution ausgehend, wer lebt jetzt extremer? Ist nicht unsere sogenannte „Vollwerternährung“ extremer für unseren Körper?
ENDE

Die Diskussion geht hier weiter: http://www.dvmb-forum.de/showthread.php ... #post88497

Viele Grüße,

Karlson
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Beitrag von Toni »

Hallo Karlson
Teilweise stimme ich mit Dir überein. In einem Punkt habe ich zur Entstehung des Homo sapiens meine eigene anthropologische Hypothese entwickelt.
OK. unsere Vorfahren stammen vom "Affen" irgendwo im heutigen Ostafrika ab. (Fundort von "Lucie"). Und doch fehlt immer noch das "missing -link"- das archäologische noch ungefundene Bindeglied zwischen Affe und Mensch, der gemeinsame Vorfahr von UNS und den noch verbliebenen Primaten.
Warum hat der Mensch gegenüber allen Tieren die Dominanz auf dem Planten Terra "gewonnen"?
Warum wurde ausgerechnet der Mensch "intelligent" und konnte sich über den ganzen Globus ausbreiten?

Als Urwaldbewohnende Affen waren wir schon gezwungen etwas intelligenter zu sein als Savannen-Grasfresser. Der Lebensraum Dschungel ist gefährlich und kompliziert. Frugiphor im Dschungel lebende Tiere sind fast alle zwangsläufig hochintelligent. Siehe z.B. Papageien unter den Vögeln. Sie müssen Früchte und deren Reifezustand erkennen, sich in einem sehr unübersichtlichen sich ständig verändernden Lebensraum zurechtfinden, ungeniesbare und giftige Früchte und Tiere unterscheiden, warten können wenn etwas noch nicht reif genug ist und zu der reifenden Frucht rechtzeitig zurückkehren, bevor sie ein anderer findet und wegfrisst. Das geht so weit, daß „wir Primaten“ schon an Blüten und ihrem Duft erkennen, wann da eventuell Früchte zu holen sind, was unsere psychische Affinität zu Blumen und Blüten erklärt. (Etwas was z.B. Wölfe und Hunde weniger als Scheißdreck interessiert).

„Wir“ haben uns im Dschungel so gut vermehrt, bis "Wir" aus dem Wald heraustreten und von den Bäumen herunterkommen mussten und an eine große natürliche Grenze gestoßen sind:
Das Meer!

Ost-Afrika war damals von einer Lagunen-See (Indischer Ocean) umgeben wie heute etwa das Great Barriere-Riff um Australien. Diesen neuen Lebensraum haben sich unsere Altvorderen als Zweit-Biotop erschlossen. An die Savannen-Jäger-Theorie glaube ich nicht, obwohl sie den „Lauf-Päpsten“ besser ins Konzept passt. Wir waren den karniphoren Savannen-Jägern Löwen, Leoparden, Geparden, Tüpfel-Hyänen usw... körperlich dermaßen haushoch unterlegen, wenn es darum ging ein Gnu, Zebra oder eine Antilope oder gar Gazelle zu erbeuten. Wir waren sicher selbst Beuteschema der wahren Jäger!

Hingegen konnten Muscheln, Garnelen, Krabben und zwischen den Korallen in die Enge getriebene Fische dem in der Lagune badenden und tauchenden Ur-Menschen kaum weglaufen. So haben wir uns neben den Früchten der Bäume (Obst, Nüsse, Samen) die sehr eiweißreichen „Meeresfrüchte“ als weitere Aminosäure-Luxuskonsum-Nahrungsquelle erschlossen. Das machte uns fähig ein wesentlich größeres und leistungsfähigeres CPU (Hirn) zu versorgen. Mussten wir uns doch jetzt in 2 völlig verschiedenen Lebensräumen zurechtfinden: Dschungel UND Lagune!
Der Urwald reichte damals bis zum Strand und verlief buchstäblich im Sande.
Die Südsee-Insulaner ernährten sich fast bis heute aus Mango, Papaya, Kahki,- Litschies, Affenbrotbaumfrüchten, Kokosnüssen und Bananen mit Riesen-Garnele, Tintenfisch und Muschelsalat, bevor Mc Donalds auch auf die entlegensten Pazifik-Inseln seine Filialen gebaut hat.
Diesen Zustand bezeichnen wir heute rückblickend als „paradiesisch“. Einfach ohne zu arbeiten von dem zu leben, was die Natur ohne jagen und töten zu müssen bietet.

Kein Wunder also, dass wir uns ordentlich vermehrt haben und uns fortan entlang der Grenze zwischen Dschungel und tropisch warmem Lagunen-Meer ausgebreitet haben.
Die körperlichen Tätigkeiten waren geprägt vom Klettern auf Palmen und Bäumen, laufen am Strand und bei Ebbe in den Watten, schwimmen und tauchen in den Lagunen.

So hat sich die aufkeimende Menschheit entlang der Meere wandernd ausgebreitet. Das ist wissenschaftlich erwiesen.
Auch große Flüsse und Seen erwiesen sich als geeignete Biotope für unsere Vorfahren.
Immer am Uferstreifen entlang wandernd haben wir unseren Planeten besetzt.

Es gibt für diese Phase der Menschheit (bisher) keinen einzigen archäologischen Beweis. Das Meer hinterlässt keine Beweise, selbst Knochen werden verstoffwechselt.

Aber es sprechen sehr viele Indizien für diese Lagunen-Hypothese:

Wir Menschen treiben mehr als jedes Tier mit Salz einen Luxuskonsum, so als würde das Salz uns überall unbegrenzt zur Verfügung stehen. Tatsächlich tut es das nur den Meeresküstenbewohnern.

Das gilt unter Anderem auch für das Spurenelement Jod, das der Mensch für seine Schilddrüse essentiell in weit höherer Menge braucht, als jedes sonstige Landtier. Eine Jod-Dosis die wir natürlich nur dann erreichen, wenn wir ausreichend Meersalz und Meerestiere konsumieren.

Warum ist der „Affe-Mensch“ im Gegensatz zu unseren nächsten verwandten Primaten ohne Fell? (außer am Kopf?)
Weil ein Fell zum schwimmen und tauchen in lauwarmen Lagunen eher bremsend und hinderlich ist!
Mit den Fellen erbeuteter Tiere haben wir uns erst einhüllen müssen, als wir kältere und Strandaffen-unwirtlichere Lebensräume erobern mussten.

Eiweißverdaulichkeit:
Sehr viele pflanzliche Eiweiße sind für uns Menschen ungenießbar bis leicht giftig. So auch das Phaesin der ganzen Leguminosen wie Bohnen, Erbsen, Linsen einschl. Soja. Erst durch Erhitzung und Aufbereitung wird das Zeug überhaupt für Menschen geniesbar und verdaulich. Das kann also niemals eine natürliche Nahrungsgrundlage unserer Vorfahren gewesen sein.
Auch Fleisch von Landtieren ist für das menschl. Verdauungssystem rel. schwerverdaulich bis hin zu Problemen wie Gicht und Cholesterin usw...
Fast jedes Fleisch war früher durchsetzt mit Trichinen und div. Wurmparasiten-Eiern. Ohne Erhitzung gefährlich bis tödlich.

Meeresfrüchte aber essen „wir“ heute noch roh mit Früchten:
Austern mit Zitrone, Matjes mit Apfel und Zwiebel, Sushi in vielen Formen, Shrimps in allen Varianten usw....
Kein tierisches Eiweiß ist für uns Menschen leichter verdaulich und bekömmlicher als Meeresfrüchte.
Weitere Indizien für die Lagunen-Theorie:
Warum können neugeborene Menschenbabys etwas kein Affenbaby kann? Schwimmen und tauchen?
Warum hat die menschliche Tränenflüssigkeit die fast selbe Salz- Molarität wie Meerwasser?
Warum reagiert unsere Haut sehr positiv auf hohe Salzkonzentrationen die immer dann entstehen, wenn ein „Lagunenaffe“ aus der Lagune herauskommt und das Wasser in Sonne und Wind trocknet, das dabei Salz auf der Haut zurückbleibt.
Wieso zieht es uns immer wieder ans Meer. Ist die tiefe sehnsucht nach unserer paradiesischen Vergangenheit in unserer tiefsten Ur-Psyche so fest verankert, daßes uns wenigsten im Urlaub ans Meer zieht? (Oder ersatzweise an einen Fluß oder Bergsee)
Warum empfindet unsere Psyche eine so grauenhafte und elend langweilige Tätigkeit wie Fischen als extrem beruhigend?
Kein anderes landbewohnendes Lebewesen geht so verschwenderisch großzügig mit seinen Elektrolyten (Salzen) um. Wenn wir in Hitze laufen/rennen ganz besonders.
Wir haben den Bedarf an Salzen und Flüssigkeit sicher nicht zusammen mit Großraubtieren an krokodil- und Nilpferdbewohnten verseuchten Schlammlöchern der Savanne gestillt.
Für mich alles klare Indizien, die die LagunenTheorie als „nasse Phase“ der Menschheitsentstehungsgeschichte höchstwahrscheinlich werden lassen.

Zum Thema zurück: Auch für unsere WS (egal, krumm oder gerade) ist einerseits das Klettern, andererseits das Schwimmen ideal und wohltuend als Ausgleich zur Landbewegung laufen und gehen.
Dafür sind wir genetisch seit jahrzigtausenden prädestiniert!
Die Schroth´sche Sprossenwand ist aber nur ein rudimentärer Not-Ersatz für das Klettern auf eine Kokospalme oder einen Affenbrotbaum.
Und die Wassergymnastik im bieselwarmen Pool von Bad Salzungen ein traurig-künstlicher Ersatz für gemeinsames Kaiser-Garnelen-fangen und Muschel-Tauchen in einer Meeres-Lagune der Südsee.
Freue mich auf rege Diskussionen!
Gruß Toni
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im Korsi -24,7° thorakal ,darüber links konvex 1-2 von 32° darunter 21,5 nach copp

SOHN - Kyphose/Skoliose
Kyphosewinkel 30°
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Skoliose 7°
Therapie: TOCHTER:
2008 Reha in Bad Kösen
2009 Korsi von CCtech Herr Nahr
durchgegehnd kg nach Schroth(auserhalb des Regelfalls)

SOHN: kg nach Schroth, März/April Sobi 2011
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Beitrag von mamaratlos »

:halloatall: Ich möcht mich auch gerne einbringen.
Da das Thema doch sehr interessant ist. Speziel auch in meinen fall.
Da ich im moment auch noch ergebnissen abwarte die meine untersuchung betreffen. Bei meiner Schwester ist das LipoproteinA gen-defekt festgestellt worden und sie hat deswegen schon 2 Stenz verpasst bekommen (sie ist erst 40) und bei mir die Untersuchung die im Januar stattfindet.
Man nennt es auch das 3. schlechte Cholesterin. Ich weiß daß das nichts mit Skoliose zutun hat, aber die frage stellt sich für mich auch in wieweit die evolution und die darauf folgende Ernährungsumstellung von uns Homo sapiens mit vielen Erkrankungen ein hergehn.

Muß zu meiner schande gestehn das ich nicht alle postet durchgelesen habe zu den Thema, aber ich werde mich durcharbeiten :D :D
Es wäre ja ein toller erfolg, wenn gewisse erkrankungen mit der umstellung der ernährung und die alltägl. Bewegungen die eigentlich unsere Wirbelsäule enstprechend machen schon verbesserungen erzielen kann.
Stimmt zwar das die unsere Ahnen nicht sehr alt geworden sind, was aber mit bestimmten sachen wie der unzureichnen, so wie keine versorgung in sachen Knochenbrüche, Blutvergiftungen oder der Hygiene.
Bin aber der festen meinung wenn sie diese gehabt hätten,sie für die gesündesten Menschen geworden sind ohne Herz und Knochenerkrankungen.
Das mit den Eskimo´s finde ich auch sehr interesant zu lesen.
Aber wenn ich daran denke fällt mir immer sofort meine Oma ein, die auf Lebertran geschworen hat und uns Enkel regelmäßig damit uns in die flucht geschlagen hat :D :D
Bin doch sehr neugierig geworden über dieses thema und werde mich weiter durchlesen und freue mich schon auf weitere postet die doch ein wenig nachdenklich über ein selbst macht.



Viele liebe grüße aus den ruhrpott

Mamaratlos
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Beitrag von Karlson vom Dach »

Hallo Mamaratlos, hallo Toni,

vielen Dank für Eure Antworten. Toni, insbesondere Deine Antwort hat mich wieder beeindruckt! Ich werde darauf noch eingehen, leider mußte ich innerhalb meiner Gesundsheits-Hobby-Themen umpriorisieren:

Hallo zusammen,

ich informiere Euch (Strunz-Forum (Auszug), DVMB-Forum, Skoliose-Info-Forum) heute über meine letzten Schritte und hoffe auf einen regen Austausch.

Osteoporose:
Um die Knochen aufzubauen, habe ich nach einem Jahr Pause mein MedX-Training im November 08 wieder aufgenommen. Ich vermute, dass ich mir dabei 2 WK-Frakturen zugezogen habe, zumindest zeigte die MRT-Aufnahme frische Frakturen. Ich halte die MedX-Maschine nach wie vor für hervorragend und nur bei Osteoporose inzwischen für contraindiziert. Der Vorteil ist, dass man die Muskulatur um die WS isoliert (!) ansprechen und damit trainieren kann. Innerhalb von zwei bis drei Minuten wird bis zur vollständigen Erschöpfung gearbeitet!
Eine Osteopenie hatte ich bereits als ich das Korsett bekam, hier vermute ich als primäre Ursache das Entzündungsgeschehen des Morbus Bechterew dahinter. Die deutliche Verschlechterung in eine Osteoporose innerhalb von drei Jahren müsste das Korsett mit bewirkt haben, da nach meiner Vermutung die Muskeln/Knochen in der LWS weniger beansprucht werden und es somit zu einer Entlastung kommt. Ich hatte, nachdem ich schon lange nicht mehr geschrothet hatte, einen Kräftestatus in der MedX-Maschine machen lassen: das Ergebnis war einfach schlecht und scheint meine Vermutung zu bestätigen!
Wichtig: Auf keinen Fall ist das Korsett nach meiner Meinung bei nicht verknöcherten Wirbelsäulendeformitäten in Verbindung mit einem Morbus Bechterew contraindiziert, nur gehört für mich auf jeden Fall Krafttraining dazu. Ich glaube aufgrund meiner Erfahrungen, dass in diesem speziellen Fall letzteres wichtiger als Schroth-KG ist.
Eine endokrinologische Ursache für die Osteoporose habe ich ausschließen lassen, wobei es natürlich auch hier Potential gibt.
Diagnose: Neben den bekannten Methoden gibt es inzwischen ein sogenanntes XtremeCT, mit dem man die Knochenstrukturen sichtbar machen kann. In Deutschland gibt es inzwischen drei dieser Geräte. Eine sehr interessante Arbeit (PDF-Format) gibt es auf der Internetseite von Dr. Helmut Radspieler. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang die Beurteilung des Therapieverlauf unter bestimmten Medikamenten!
Untersucht werden Tibia und Radius (Unterarm/Schienbein), wobei die Korrelation zwischen den untersuchten Knochen und der WS normalerweise gut ist. Im Falle einer Entzündungsaktivität an der WS müssen hier nach meinen persönlichen Erfahrungen gewisse Abweichungen berücksichtigt werden. Für mich ist dieses CT die zur Zeit beste Methode, wobei ich eine ergänzende DXA bzw. QCT-Messung an der LWS im Falle einer Entzündung zusätzlich anstreben würde.
Therapie: Das einzige zugelassene Medikament, dass wirklich osteoanabol (knochenaufbauend) wirkt, ist Parathormon. Leider wird das von den Kassen nur in sehr schweren Fällen übernommen, da die Kosten sehr hoch liegen.
Ferner gibt es eine Reihe weiterer endokrinologischer Maßnahmen, insbesondere die Therapie mit Wachstumshormon, die aber nicht zugelassen sind und damit nicht von den Kassen übernommen werden. In der Zeitschrift für orthomolekulare Medizin vom März 06 findet sich dazu ein lesenswerter Artikel von Dr. Alexander Römmler (Ich glaube, man findet diesen auch auf seiner HP). Für die etwas besser ausgestatteten Patienten sicherlich eine optimale Therapie...
Krafttraining: wirkt doppelt, einerseits wird durch die Belastung ein Wachstumsreiz gegeben, zum anderen verbessert sich durch das Krafttraining der Hormonstatus sehr deutlich, angeblich teilweise wie unter Substitutionstherapie. Die Zusammenhänge sind sehr anschaulich u. a. in den Büchern von Dr. Strunz nachzulesen, siehe auch die News vom 15.12.08.
Zum Krafttraining meiner Wahl werde ich mich in einem späteren Beitrag noch einmal äußern.

Korsett:
Ich habe seit einigen Wochen nun auch eine Tüko! Im Gegensatz zum Rahmouni gibt es hier keinen Zwetschkenkerneffekt, der nach meiner Meinung zu einer deutlich Entlastung des Rückens, insbesondere der LWS, geführt hatte.
Herr Lukas nahm sich für die Anpassung ewig Zeit und stellte mir das gute Stück auf eigenen Wunsch sehr eng ein (Schulterspange vorn und Pelotte unterhalb des Kyphosenscheitels) wobei die Beckenfassung sehr milde ausfällt. Durch die das Korsett eingeleiteten Korrekturkräfte kann ich die im Rahmouni erreichten Korrekturen gut halten, allerdings bekomme ich beim längeren spazieren gehen unglaubliche Rückenschmerzen. Es fühlt sich nach schwachen Muskeln an, weniger nach Entzündungen, da die Schmerzen nach einem Wechsel in das Rahmouni ziemlich schnell weg sind. Ich denke, dass das zum einen auf den fehlenden "Zwetschkenkerneffekt" der Tüko zurückzuführen ist, da der Rücken die Last des Oberkörpers zu 100% tragen muß und zum anderen auf die vermehrten Freiheitsgrade, die die Tüko zuläßt.
Ansonsten ist die Tüko wesentlich angenehmer zu tragen als das Rahmouni, man kann freier atmen und fressen ;) . Ferner ist viel mehr Bewegung wie Bücken möglich, eventuell kann man in dem Ding sogar joggen. Im Gegensatz zu Toni werde ich voraussichtlich keine Polsterungen anbringen, da ich nachts weiterhin im Rahmouni schlafe und das harte Plastik der Tüko mich tagsüber zur aktiven Korrektur zwingt:
Fazit: Auch ich halte das Rahmouni-Adult-Kyphosen-Korsett bei gewollten Korrekturen für eines der besten Möglichkeiten die persönlichen Korrekturziele zu erreichen. Für eine anschließende "Dauerbehandlung" denke ich, dass die Tüko besser geeignet ist, da sie nach meiner Wahrnehmung den Bewegungsapparat mehr fordert, auch weil sie in den Alltag viel besser zu integrieren ist. Ob diese Vermutung zutrifft, wird die Zukunft zeigen...

Autoimmunkrankheiten und der Morbus Bechterew:
Ich bin, seit ich hochdosiert Fischöl & Co zu mir nehme, schmerzfrei. Seit dem Herbst haben die Entzündungszeichen im Blut zugenommen, wobei ich eine Verschlechterung in der HWS im Dezember bemerkt habe.
Vermutungen:
1. Zahnwurzelentzündung
2. Milcheiweiß
3. Magnesium

1. Zahnwurzel: Da in der schmerzhaften Vergangenheit auch beide Kiefergelenke symmetrisch betroffen waren und jetzt (neben der HWS) nur eine Seite betroffen war, habe ich eine entzündete Zahnwurzel dahinter vermutet. Der Verdacht wurde vor Kurzem vom Röntgenbild bestätigt, die Wurzelbehandlung folgt in Kürze. Eventuell hat das eine "immunologische Kettenreaktion" ;) ausgelöst...

2. Milcheiweiß: Etwas vorweg zur Erklärung: Es besteht zu ca. 80% aus Casein und zu 20% aus Molkenprotein. Ich hatte in diesem Jahr verstärkt Eiweißshakes (4 Komponenten-Pulver: Casein, Ei, Molkenprotein, Soja) zu mir genommen und die
Zuletzt geändert von Karlson vom Dach am Di, 06.01.2009 - 21:03, insgesamt 1-mal geändert.
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freien Aminosäuren bis auf Arginin und Methionin weggelassen und darüber berichtet.
Resultat der letzten Messung: das Aminogramm hatte sich verschlechtert und war auf dem Niveau der allerersten Messung Anfang 2007. Das Gesamteiweiß war allerdings klasse. Das würde bedeuten, dass mit Eiweißpulver das Aminogramm zumindest bei mir (entzündliche Prozesse) schwer anzuheben ist. Oder die angestiegene Entzündungsaktivität hat den Rückgang verursacht.
Da ich die Shakes praktisch finde und ich vorerst nicht darauf verzichten wollte, bin ich anfang Dezember dazu übergegangen, tagsüber Shakes aus reinem Molkenproteinen ohne Kasein zu konsumieren. Die "Kaseinbrocken" hatte ich im Verdacht, dass das Aminogramm so abgesunken war. Da sich seit Dezember aber der MB weiter verschlechtert hat, könnte ich mir vorstellen, dass eben das Molkenprotein mit Entzündungsaktivität und dem schlechten Aminogramm (das eine bewirkt anscheinend das andere) in Verbindung steht!
Durch Grischan, einem Forumsmitglied, bin ich auf Ashton F. Embry aufmerksam geworden, einen wissenschaftlich arbeitenden Geologen, dessen Sohn an MS erkrankt war. Seine Vorgehensweise unterscheidet sich deutlich von denen der Mediziner, er geht jeweils der größten Wahrscheinlichkeit nach. Ein sehr interessanter Aufsatz ist von Detlef Neumann übersetzt worden und über Google leicht zu finden, bei dem er die Vorgehensweise erläutert. Bitte lesen, er ist es wert! Und über ein Feedback würde ich mich freuen.
Man könnte beim Durchlesen des Artikels durchaus zu dem Schluß kommen, dass es durchaus Parallelen zwischen MS und Morbus Bechterew geben könnte, beides Autoimmunkrankheiten.
Embry geht davon aus, dass die Ernährung zu den (äußeren) Ursachen gehört. Hier ein paar Ausschnitte:

"Die Ursache für die Aktivierung von T-Zellen gegen ZNS-Proteine außerhalb des ZNS ist etwas problematisch. Die am meisten akzeptierte Hypothese (Theofilopoulos, 1995b) ist die, daß Peptide (Fragmente von Proteinen) fremder Antigene, die durch Makrophagen (eines anderen Typs von Immunzellen) den T-Zellen präsentiert werden, Teilen von ZNS-Eigenproteinen hinsichtlich der molekularen Struktur ähneln mögen. Dies bezieht sich auf die sog. molekulare Mimikry, die früher erwähnt wurde. Experimentelle Ergebnisse haben klar gezeigt, daß ein solcher Mechanismus sowohl durch Nahrungsmittel als auch durch Viren die Aktivierung von T-Zellen gegen verschieden Eigenproteine auslösen kann (Singh u.a., 1989; Wucherpfennig u.a., 1995; Ostenstat u.a., 1995). Somit scheint molekulare Mimikry tatsächlich ein kritischer Faktor in der Pathogenese der MS zu sein"

"Kurzgefaßt, ein Allergen im Blut stimuliert durch eine komplexe Reihe von Immunantworten Mastzellen und Basophile (spezifische Arten von Immunzellen), verschiedene chemische Stoffe und Hormone abzusondern, wie Histamine, Leokotriene und Tumornekrosefaktoren. Es ist wohlgesichert, daß die chemischen Stoffe, die von aktivierten Basophilen und Mastzellen abgesondert werden, eine signifikante Erhöhung der Durchlässigkeit von Kapillaren verursachen (Lichtenstein, 1993). Wie von Rozniecki u.a. (1995) festgestellt: "Mastzellen ... können an der Regulierung der Blut-Hirn-Schranken-Durchlässigkeit beteiligt sein." Somit sind Nahrungsallergene potentiell in der Lage, signifikante örtliche, wachsende Durchlässigkeiten der BHS zu verursachen."

"Die Typ III-Hypersensibilität beinhaltet die Produktion von Immunkomplexen, die durch eine Kombination von Antigenen und Antikörpern gebildet wird. Dieser Typ von Hypersensibilität ist höchstwahrscheinlich verantwortlich für viele Nicht-IgE-Reaktionen. Es ist gesichert, daß diese zirkulierenden Immunkomplexe, hauptsächlich durch Einnistung in Blutgefäßwänden, eine pathogene Wirkung haben können (Cochrane & Koffler, 1973). Dies verursacht Entzündungen der Gefäßwände und eine weit erhöhte Durchlässigkeit. Immunkomplexe können auch die Aktivierung eines anderen Teils des Immunsystems auslösen, sog. Komplemente (Plasmaproteine), die weitere Schäden anrichten (Elgert, 1996). Damit kann die gesteigerte Produktion von Antikörpern (hauptsächlich IgA, IgG, IgE und IgM) infolge der Aufnahme verschiedener Nahrungsproteine ins Kreislaufsystem eine Immunkomplex- Formation auslösen mit der darauffolgenden Einnistung ins Gefäßsystem des ZNS, der Aktivierung von Komplementen und damit die Schädigung der BHS.
Die Typ IV-Hypersensibilität bezieht sich auf zellvermittelte Reaktionen und führt zur Aktivierung von T-Zellen, die danach ein Heer von schädigenden Immunreaktionen auslösen. Sie sind, wie die Typ III-Reaktionen, verzögert und treten oft erst Tage nach der Aufnahme der anstößigen Nahrungsmittel auf. Die Mechanismen durch die Nahrungsmittel-Antigene Typ IV-Reaktionen in Gang bringen sind gegenwärtig noch wenig verständlich, obwohl solche Symptome (z.B. die Celiac-Krankheit, bei welcher Getreideproteine zellvermittelte Reaktionen verursachen) unzweifelhaft sind. Wie früher erwähnt, könnte ein möglicher Mechanismus dafür, daß Nahrungsmittel eine Aktivierung von T-Zellen gegen Teile des ZNS auslösen, durch molekulare Mimikry zustandekommen. Nahrungsproteine, die ins Kreislaufsystem gelangen, werden von Makrophagen verarbeitet, die danach den T-Zellen Peptide (Proteinfragmente) als Derivate der Nahrungsproteine präsentieren. Die molekulare Struktur dieser Peptide mag der Struktur der Eigen-Antigene im ZNS ähnlich genug sein (molekulare Mimikry), um eine T-Zellenaktivierung gegen Teile des ZNS auszulösen. Es wurde zum Beispiel kürzlich gezeigt, daß Getreideproteine Aminosäuren-Übereinstimmungen mit menschlichem Gelenkgewebe (Procollagen) aufweisen und daß T-Zellen aus den Gelenken von Arthritispatienten durch diese Getreideproteine aktiviert wurden. Damit kann molekulare Mimikry von Getreideproteinen zu Arthritis führen (Ostenstad u.a., 1995). Es ist leicht vorstellbar, daß verschiedene Proteine, wie man sie in Milchprodukten und Körnern und auch anderen Nahrungsmitteln findet (z.B. Hülsenfrüchten, Hefe, Eiern) ebenfalls ähnliche Aminosäurestrukturen aufweisen wie Proteine im ZNS."
"Wie erörtert wurde, ist MS teilweise die Folge einer undichten BHS, hervorgerufen durch nahrungsverursachte Immunreaktionen und hohe Aufnahme von gesättigten Fetten. Einer der Gründe dafür, daß nahrungsverursachte Immunreaktionen im Kreislaufsystem vorkommen, ist das Vorhandensein einer anderen undichten Stelle im Körper - eines undichten Darms. Ein undichter Darm heißt erhöhte Durchlässigkeit des Verdauungstrakts und führt dazu, daß Nahrungsproteine in der Lage sind, zwischen den Verdauungstraktzellen hindurch ins Kreislaufsystem zu gelangen. Dies setzt natürlich die zerstörenden Immunreaktionen in Gang, was schließlich zu verschiedenen Krankheiten einschließlich MS führt (Butkus und Mahan, 1986). Labors bieten Darmdurchlässigkeits-Tests an (siehe Anhang), obwohl ich denke, man spart Zeit und Geld und nimmt einfach an, man hat einen undichten Darm und unternimmt Schritte, ihn zu heilen. Verstärkte Durchlässigkeit hat verschiedene Gründe, einschließlich des Gebrauchs von NSAID (non steroidal anti-inflammatory drugs - nicht-kortisongestützte entzündungshemmende Medikamente), Infektionen, Pilzwucherungen, Parasiten, Aufnahme von allergieauslösender Nahrung, Alkoholismus und Traumen. Es ist wichtig, die Quelle des Problems (z.B. Pilzwucherungen) auszuschalten und verschiedene unterstützende Mittel zu nehmen, um den Darm zu heilen und zu schützen. Dazu gehören "Acidophilus"®, Enzyme, Fischöl, Borretschöl und Glutamin."
Zuletzt geändert von Karlson vom Dach am Di, 06.01.2009 - 21:06, insgesamt 1-mal geändert.
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