Nachdem etwas Zeit ins Land zog, entschied ich mich im Herbst 2007 eine Schroth-Reha über meinen Hausarzt einzuleiten. Diese absolvierte ich 4 Wochen lang im Dezember 2007/Januar 2008 in Bad Salzungen. Die Reha hat mir gut gefallen, hatte danach ein besseres Körpergefühl und auch die Schroth-KG fand ich sehr sinnvoll. Da sich allerdings keine Erfolge gezeigt haben, habe ich leider das selbstständige üben ein paar Wochen nach Ende der Kur komplett eingestellt, mich seitdem auch nicht mehr mit der Thematik näher auseinandergesetzt. Lag wohl daran, dass ich mit dem Studium genug ausgelastet war und der Rücken dann eher in den Hintergrund trat, vor allem deshalb, da die Schmerzen trotz der massiven Fehlstellung vergleichsweise gering waren. Optisch empfand ich es aber schon immer als massiv störend.
Nun hatte ich am 20. Januar diesen Jahres einen Termin bei einem MKG-Chirurgen in Bad Homburg, der erstmal nicht in Verbindung mit meinem Rücken stand. Grund für den Besuch war, dass sich mein Masseter-Kaumuskel seit meiner Jugend immer weiter vergrößert hat. Laut dem Chirurg liegt der Grund hierfür in einer Kieferfehlstellung, die den Muskel übermäßig belastet und ihn auch ständig anspannt. Dies führt auch zu deutlichen Verspannungen im Nackenbereich. Um den Muskel zu entspannen und seine Rückbildung zu fördern, wurde er durch Botoxinjektionen direkt in den Muskel "gelähmt". Schon 1-2 Tage nach der Injektion verschwanden die Verspannungen nicht nur im Nackenbereich, sondern im kompletten Körper. Früher hatte ich Muskelpartien oft unbewusst angespannt, dies war nun nicht mehr der Fall.
Doch viel massiver waren die Änderungen meiner Haltung, die sich völlig überraschend im Verlauf der Tage 2-7 nach der Injektion vollzogen haben:
- Verringerung der Lordose im HWS (fiel mir als erstes auf)
- Verringerung der Kyphose
- Verringerung des Hohlkreuzes
- Schultern hängen deutlich weniger als noch wenige Tage zuvor
- Verbesserte Beckenstellung
- Verbesserte Gewichtsverlagerung auf den Füßen
Dies geschah alles wie über Nacht, und komplett ohne KG. Es ist auch optisch eine deutliche Veränderung sichtbar.
Wegen diesen unerwarteten Erfolgen hatte ich für den 4. Februar einen Termin bei Dr. Hoffmann vereinbart. Ich wollte anhand einer neuen Röntgenaufnahme überprüfen, ob die Erfolge wirklich existieren und ich mir nicht nur alles einbilde. Und tatsächlich: Dr. Hoffmann stellte einen verbeserten Kyphosewinkel von 63° auf 46° nach Stagnara fest.
Ich führe diese Erfolge ausschließlich auf die Injektionen zurück, da ich seit knapp einen Jahr weder Schroth noch normale KG betrieben habe.
Laut Auskunft von Dr. Hoffmann wurde meine HWS durch den Masseter-Muskel in die Lordose gezogen, da dieser durch das Botox nun nicht mehr aktiv ist, konnte sich die HWS aufrichten.
Ich weiß nicht, inwiefern meine Erfolge auf andere übertragbar sind. Dr. Hoffmann zeigte sich sehr interessiert an der Botoxtherapie und will sich nun näher damit beschäftigen und Erkundigungen einziehen.
Allerdings ergeben sich auch Nachteile: Anscheinend ist mein Muskelkorsett zu schwach, um meine Wirbelsäule in der verbesserten Position über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Ich bekomme schon nach kurzem Stehen schmerzen. Zwar nicht massiv, aber auffällig.
Da das Botox nur eine begrenzte Wirkungsdauer von etwa 3-4 Monaten (laut Dr. Hoffmann evtl. auch kürzer) hat und eine Injektion rund 550 Euro kostet und auch nicht von der Kasse bezahlt wird, hat eine Stärkung des Muskelkorsetts nun äußerste Priorität bei mir, um ein Zurückfallen in die alte Haltung nach Ende der Wirkdauer des Botox zu vermeiden/abzuschwächen.
Leider musste ich nachdem mir Dr. Hoffmann auch ein Rezept über KG ausgestellt hat bereits feststellen, dass es hier vor Ort zwar Schroth-Therapeuten gibt, ich deren Kenntnisse über Kyphose aber als gering einschätze. Dazu kommt dann auch leider noch, dass ich durch die lange Schroth-Pause die Übungen sowie die Atmung auch selbst nicht mehr beherrsche.
Einen Antrag für eine Reha in Bad Salzungen hat Dr. Hoffmann auch gestellt. Ich würde eine baldige Intensiv-Reha in meiner Situation für sehr sinnvoll halten, um das Zeitfenster der Botox-Wirkdauer ausnutzen zu können. Früher hat sich der Masseter wohl immer negativ auf die Trainingserfolge ausgewirkt, das wäre im Moment nicht mehr der Fall. Leider ist meine letzte Kur erst knapp 13 Monate her, was mich nicht gerade positiv auf eine Genehmigung durch die Barmer stimmt.
Da meine finanziellen Mittel als Student stark begrenzt sind, existiert auch leider nicht die Möglichkeit einer privat finanzierten Kur und weiterer Botox-Injektionen. Ich finde das sehr schade, da diese Investition in meine Gesundheit in der jetzigen Situation einen sehr hohen Nutzen haben könnte.
Bin nun schon kräftigt dabei, meine Muskel zu dehnen und zumindestens zu versuchen, die einfacheren Schroth-Übungen in Zusammenarbeit mit meinem Therapeuten und meinem Gedächtnis/den Unterlagen aus Bad Salzungen zu "rekonstruieren".
Für Tipps betreffend meiner Lage wäre ich natürlich dankbar. Eine eigenständige Dehnung/Stärkung der autochtonen Rückenmuskulatur scheint im Moment wohl die einzige Lösung zu sein. Wobei ich natürlich auch schon auf ein Gefecht mit dem Sachbearbeiter der Barmer bezüglich der Kur eingestellt bin
Für Fragen zu der ganzen Botox Sache stehe ich natürlich im Rahmen meiner Möglichkeiten zur Verfügung, komplett verstanden habe ich die genauen Zusammenhänge auch nocht nicht.




