Maja 19 hat geschrieben:Danke! Von Hans-Rudolf Weiss hab ich auch schon mehrere Bücher gelesen z.B. "Befundgerechte Physiotherapie bei Skoliose" oder "Ich habe Skoliose: Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Therapeuten". Die waren auch so recht informativ, haben mir nur leider nicht in diesem Bereich weiter geholfen...
Ja, die kenne ich auch. Nicht um sonst habe ich dir Publikationen genannt, die "out of print" sind bzw. nur über Bestellservice zu bekommen, anstelle den üblichen Standardpublikationen.
Die letztere enthält sogar eine Passage über das Nachtkorsett, was auch soweit einmalig ist:
[equote="Weiss HR (1995) Standard der Ortheseversorgungen in der Skoliosebehandlung. Med Orth Tech. 115:323-330"]Nach unseren Erfahrungen haben Patienten mit früher Abschulung (Risserstadium 4-5 bei Mädchen) ungünstigere Verläufe als bei Spätabschulungen im Alter von 18-19 Jahren. Diese Erfahrung teilen wir auch mit anderen (RAHMOUNI, 1991). Eine Ursache hierfür könnte sein, dass auch nach Schluss der Epiphysenfuge der Hand und der Darmbeinkante ein signifikantes Wirbelsulenwachstum besteht (HOWELL et al., 1992). Die Autoren geben an, dass das Wirbelsäulenwachstum auch nach Schluss der radiologisch sichtbaren Epiphysenfugen noch weitere 2 Jahre anhält. Diese Untersuchung bestärkt uns darin, die Abschulungsphase zumindest bei Patienten mit nicht überkorrigierten Skoliosen bis zum 18. oder 19. Lebensjahr herauszuschieben. Will man eine solch lange Korsetttragedauer vermeiden, so muss man die Patienten mit kleineren Cobb-Winkeln eben frühzeitig versorgen. Dies auch mit der Gefahr vielleicht einzelner auch unnötiger Behandlungen. Dieses Konzept wurde auf dem 9. Internationalen Phillip Zorab Symposium in Cambridge von PONTE (1993) vorgestellt. Der genannte Autor hat über die letzten 10 Jahre mehr als 200 Patienten mit Korsetten früh behandelt, wobei das nächtliche Tragen ausreichend war. Allerdings hat er hierzu einen Korrektureffekt von mindestens 60% gefordert. Bei keinem dieser Patienten ist langfristig eine ganztägliche Tragedauer des Korsetts notwendig geworden. Eine solche Nachtversorgung belastet den Patienten nicht wesentlich psychisch und verhindert möglicherweise die Notwendigkeit einer Ganztagestragezeit oder eventuell gar einer Operation. Auch hier finden wir wieder die Notwendigkeit einer ausreichenden Primärkorrektur dokumentiert.[/equote]
Bisher habe ich nichts besseres gefunden als das.
Wenn du etwas vergleichen möchtest, dann wäre hierführ die Belastung der einzelnen Therapiemethoden vielleicht geeignet:
Physiotherapie:
Muss täglich gemacht werden, damit es was bringt
Intensive Schulung in Reha notwendig
Motivationsprobleme
Nachtkorsett:
Nach Gewöhnung an das Korsett Schlafen ohne Korsett gar nicht so einfach möglich, da ungewohnt (= keine Motivationsprobleme)
Nachts im Bett bei Kindern überhaupt nicht störend
Ganz- oder Halbtagskorsett:
Behinderung der Bewegungsfreiheit
Unbequem bis schmerzhaft
Kleidungsprobleme, muss kaschiert werden
Muss in der Öffentlichkeit getragen werden, Schamgefühle
Motivationsprobleme
Oder auch die Länge der Therapie:
Frühzeitiges Abschulen bei Überkorrektur im Korsett möglich, aber
möglichst lange Korsetttragezeit bei nicht vollständiger Korrektur notwendig um Korrekturverluste zu vermeiden.
Vielleicht welche Therpie in welchem Gradzahlbereich möglich ist, wann damit angefangen werden muss, unter welchen Vorraussetzungen welche Version möglich ist.
Ist aber in dem Detail so in keinen Publikationen abgehandelt worden, das sind nur Informationen, die wir dir als Patienten geben können. Erfahrungswerte dieser Art tauchen außer hier im Forum ansonsten nur in einigen Publikationen von Dr. Weiß auf, wie z.B. in der zitierten Passage.
Ein paar interessante kritische Zitate zur Operationsindikation hätten wir noch hier
skoliose-operation.php
Aus dieser Publikation hier könntest du vielleicht noch etwas zu dem Thema Belastung ziehen:
Freidel, Klaus: Psychosoziale Belastungen bei idiopathischer Skoliose : Evaluation und Qualitätssicherung einer orthopädischen Rehabilitationsmaßnahme / Klaus Freidel. - Als Ms. gedr.. - Berlin : dissertation.de, 2000.
ISBN 3-89825-021-0