Entlordosierung vs. McKenzie

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Saphira
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Entlordosierung vs. McKenzie

Beitrag von Saphira »

Hallo ihr Lieben,

ich habe mal wieder eine Frage, weil ich im Rahmen meines Aufenthaltes in der Rommel - Klinik auf einen Widerspruch für mich gestoßen bin. Und zwar dachte ich bisher immer bzw. hab das bisher auch immer so gehört, dass man eine bestehende (Hyper-) Lordose nicht verstärken, also nicht weiter forcieren soll, sondern versuchen, sich eher zu entlordosieren. Jetzt habe ich in der Rommel - Klinik die Methode nach McKenzie kennengelernt. Und diese Methode forciert dabei die Bewegungen des Rückens in die extremen Positionen, u.a. in die extreme Lordose (man liegt in Bauchlage und stützt dann die Arme auf und drückt den Oberkörper nach oben, die Beine und das Becken bleiben auf der Unterlage -> somit hängt der Rücken ziemlich stark durch im extremen Hohlkreuz). Da frage ich mich, ob sowas wirklich gut sein kann :confused: . Mir widerstrebt sich das jedenfalls total. Ich hab die Übung unter Anleitung der Physiotherapeutin nur einmal gemacht. Nicht nur, dass ich starke Schmerzen in der unteren LWS bekam, nein, ich hatte anschließend sogar neurologische Auffälligkeiten und verstärkte Kraftdefizite im linken Vorfuß und Großzehe :rolleyes: . Daraufhin wurde bei mir kein weiteres McKenzie angewandt. Aber das kann doch echt nicht gesund sein, oder?

Grüßle,

Saphira
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Re: Entlordosierung vs. McKenzie

Beitrag von minimine »

Hallo Saphira,

also in Sobernheim wird McKenzie auch angeboten, in Kleingruppen.
Ich glaube auch nicht, dass es sonderlich schädlich ist, mal bei bestimmten Übungen in die Krümmung zu gehen, solange du nicht den ganzen Tag in dieser Position ausharrst. Es dient vielleicht sogar dazu, die Krümmung besser wahrzunehmen. Kommt halt auch auf den Sinn und Zweck des Konzeptes an. Es ist eine Methode von vielen, die wirken kann oder nicht.
Wenn es bei dir nach einer einzigen Bewegung bzw. Anwendung schon zu solchen Beschwerden geführt hat, dann liegt es bestimmt nicht an der Behandlungsmethode, sondern daran, dass bei dir womöglich doch mehr "kaputt" ist, als vielleicht gedacht. Allerdings sollte man das doch dann feststellen können?!
LG
Minimine

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Re: Entlordosierung vs. McKenzie

Beitrag von Kypho60 »

Hallo Saphira,
ich kenn jetzt das Konzept von McKenzie nicht, aber die vorgestellte Übung habe ich in ähnlicher Weise schon vor ca. 40 Jahren gegen meinen Rundrücken machen sollen. Auch auf dem Bauch liegend ein Buch lesen sollte ich öfters machen. Dabei stand wohl eher die BWS als die LWS im Vordergrund.

Ich kenne jetzt Deine Schwierigkeiten nicht, aber nach deinem Profil mit den geringen Skoliosewerten in deinem Alter sehe ich nicht den Zusammenhang.
Wie minimine schon schrieb, könnte man eher vermuten, das da ganz andere Baustellen Vorrang haben.
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Re: Entlordosierung vs. McKenzie

Beitrag von skoliose-gondelsheim »

Die Frage ist, warum mit dir diese speziellen Mc Kenzie - Übungen gemacht wurden.
Sie sind meiner Erfahrung nach sehr wirksam bei Bandscheibenvorfällen.
Sie kräftigen außerdem die unteren kleinen Rückenstreckmuskeln.
Allerdings würde ich persönlich bei einer bestehenden Hyperlordose nicht noch weiter in diese hinein arbeiten, wenn kein Bandscheibenvorfall vorliegt. Sollte dies der Fall sein, wäre es einen vorsichtigen Versuch wert, um zu sehen, ob sie auch hier helfen.
Außerdem käme es mir darauf an, zu schauen, wie der Gegenhalt der Bauchmuskulatur ist. Bei einer schwachen BM wäre für mich erst diese zu kräftigen.

LG
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Saphira
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Re: Entlordosierung vs. McKenzie

Beitrag von Saphira »

Hallo ihr Lieben,

und erstmal vielen Dank für eure Antworten.

Warum die bei mir McKenzie versuchen wollten, ist mir schleierhaft :confused: . Ich denke, einfach nur deswegen, weil die dort in dieser Klinik dies einfach am verbreitetsten machen und somit versuchen sie es wohl erstmal bei allen Rückenschmerzpatienten. Wahrscheinlich, weil ich schmerzbedingt im Rücken etwas steif bin, da wollten sie wohl die Beweglichkeit verbessern (was ja aber eben wegen der Schmerzen nicht geht und dann leider auch gleich neurologische Probleme nach sich zieht dann :rolleyes: ). Bandscheibenvorfälle liegen bei mir nämlich (zum Glück) keine vor. Auf die Bauchmuskulatur wurde dort gar nicht eingegangen. Aufgrund meiner gering vorhandenen Hyperlordose halte ich es eben nicht unbedingt für sinnvoll, diese noch weiter zu verstärken. Daher erschließt sich mir der Sinn von McKenzie leider überhaupt nicht, wozu das gut sein soll :confused: . Und weshalb es bei mir dadurch zu verstärkten neurologischen Auffälligkeiten kam, das konnte sich auch keiner erklären :confused: . Es scheint dadurch jedenfalls zu einer kurzfristigen, reversiblen Nervenwurzelreizung im Bereich L4/L5 zu kommen, die eher das linke Bein betrifft dann. Warum, weshalb, wieso, das konnte sich keiner so recht erklären :juggle: .

Grüßle,

Saphira
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Re: Entlordosierung vs. McKenzie

Beitrag von Alex_activitas »

Hallo Saphira,

so, wie Du es beschreibst klingt es für mich nach der "Try-and-Error-Methode". Das bedeutet, dass sie in der Rommel-Klinik ihr bewährtes konzept bei Dir versucht haben (in diesem Fall offensichtlich McKenzie) und es bei Dir offensichtlich der falsche Weg war.
Warum sie es überhaupt bei Dir probiert haben, kann man aus der Ferne nicht beurteilen. Sie werden schon ihre Gründe gehabt haben.
Nachdem sie aber gesehen haben, dass bei Dir dadurch verstärkt Probleme utnerschiedlichster Art aufgetaucht sind, wurde es auch nicht mehr gemacht. Wenn ich Dich richtig verstanden habe.

McKenzie ist generell ein sehr gutes Konzept. Bei uns arbeiten 2 Therapeutinnen auch nach McKenzie und haben damit große Erfolge.
Aber wie immer: das Behandlungskonzept muss zum Patienten bzw. zum Befund/zur Diagnose passen. Sonst kann es nicht funktionieren. Normalerweise wird zuerst geschaut, was beim jeweiligen Patient vorliegt und dann das geeignete Therapiemittel ausgesucht.
Nach Deiner Schilderung ist dies leider in dieser Form nicht passiert.

Gruß,
Alex
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Re: Entlordosierung vs. McKenzie

Beitrag von Saphira »

Hallo Alex,

vielen Dank für deine Antwort.

Ich hatte in der Klinik eigentlich schon das Gefühl, dass die Physiotherapeutin sich zunächst sehr ausführlich ein Bild von meiner Situation gemacht hat. Dennoch wollte sie es eben zunächst mit McKenzie versuchen, wodurch eben sofort die doch recht massiven negativen Auswirkungen deutlich wurden. Danach wurde es nicht mehr weiter gemacht. Allerdings wurde seit dem Zeitpunkt eigentlich gar nichts mehr mit mir gemacht, weil keiner so recht wusste, was er mit mir noch machen soll :( . Daher war der Aufenthalt in dieser Klinik für mich allgemein unbefriedigend.

Mir kam die Frage eben auf, ob McKenzie bei einem leicht bestehenden Hohlkreuz wirklich sinnvoll ist, weil mir bislang eben immer von allen Seiten gesagt wurde, dass ich aufpassen soll und das Hohlkreuz ja nicht weiter verstärken soll und mich da eben eher versuchen soll zu entlordosieren und die Bauchmuskulatur zu stärken, damit ich mein Becken besser aufrichten kann. Und da ist McKenzie ja das genaue Gegenteil davon und das verwirrt mich eben doch ziemlich :confused: . Wie gesagt, meine Hyperlordose ist nur gering ausgeprägt und bislang hat das auch noch kein Arzt als in irgendeiner Form pathologisch eingestuft, sondern als grenzwertig normal. Dennoch sollte ich eben aufpassen, dass sich das nicht weiter verstärkt und daher eben versuchen, da eher gegenzuwirken, damit es sich eben nicht verstärkt. Ich kann mich da auch eigentlich ganz gut aufrichten (wird eben nur auf längere Dauer anstrengend, v.a. im Stehen und beim Gehen eben).

Grüßle,

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Re: Entlordosierung vs. McKenzie

Beitrag von Alex_activitas »

Hallo Saphira,
Saphira hat geschrieben:Allerdings wurde seit dem Zeitpunkt eigentlich gar nichts mehr mit mir gemacht, weil keiner so recht wusste, was er mit mir noch machen soll :( . Daher war der Aufenthalt in dieser Klinik für mich allgemein unbefriedigend.
das ist außerst unbefriedigend. In der Tat. Denn dafür ist doch eigentlich so ein Klinikaufenthalt da, damit man nach der geeigneten Therapie für die soezifische Problematik sucht.
So macht es den Eindruck, als wäre Mckenzie die einzige Technik, die in dieser Klinik angewandt wird. Was natürlich nicht akzeptabel ist.

Man kann eine Probebehandlung mit McKenzie machen, wenn die Situation so ist, wie von Dir beschrieben: ein physiologisches Krümmungsverhalten in der LWS. Eine McKenzie-Anwendung beeinflusst die Lordose nicht dauerhaft, sondern es ist ein Therapieansatz.
Wenn dann die (massive) Reaktion kommt wie bei Dir geschehen, muss ich diese interpretieren und nach einem anderen Ansatz suchen.
Saphira hat geschrieben:Mir kam die Frage eben auf, ob McKenzie bei einem leicht bestehenden Hohlkreuz wirklich sinnvoll ist
Ja, ist es. Denn der Hintergedanke bei der Behandlung ist nicht der, eine Lordose auf Dauer zu verstärken, sondern therapeutische "Impulse" in diesem Bereich zu setzen.
Vielmehr ist wichtig, ob die Technik im spezifischen Fall angezeigt ist.
Leider habe ich die McKenzie-Ausbildung selber nicht und kann Dir hierzu auch keine differenzierte Aussage treffen. Das machen bei uns 2 Mitarbeiterinnen. Aber das Grundprinzip ist bei jeder Technik dasselbe: es macht nur dann Sinn, eine bestimmte Technik anzuwenden, wenn der Befund dies auch nahelegt.
Funktioniert es dann trotzdem nicht, muss ich nach einer anderen Technik schauen - oder den Befund nochmals überprüfen.
Nichts tun ist keine Option - in meinen Augen.

Gruß,
Alex
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Re: Entlordosierung vs. McKenzie

Beitrag von Saphira »

Hallo Alex,

nochmals vielen Dank für deine Antwort.

Ja, ich hatte mir da schon mehr von dem Klinikaufenthalt erhofft. Im Grunde wurde erstmal all das erneut ausprobiert, was schon im ambulanten Bereich leider nicht erfolgreich war und im Gegenteil sogar eher zu einer Verschlechterung, gerade der Schmerzen, geführt hat. McKenzie ist dort in dieser Klinik in der Tat ein großes Thema; an der Wand hängen überall Plakate darüber und fast jedem Patienten wird zunächst ein Buch darüber in die Hand gedrückt (ausgeliehen). Sie haben es dann im weiteren Verlauf bei mir nur noch mit neurophysiologischen Therapiekonzepten nach Brunkow versucht (das hat zumindest nichts verschlimmert), aber mehr eben nicht (und was geholfen hat das auch nicht). Es passierte dann wirklich tagelang gar nichts mehr, auf den Termin für eine neurologische Untersuchung wartete ich mehrere Tage, in denen nichts geschah und danach passierte dann auch nichts mehr und ich wurde dann entlassen (mit stärkeren Rückenschmerzen als bei der Aufnahme) :rolleyes: . Daher war der Klinikaufenthalt für mich mehr als unbefriedigend. Es wurde nicht mehr genauer nachgeforscht, warum es zu den Beschwerden kam um dann etwas anderes zu finden, das mir helfen könnte :rolleyes: . Ich kam mir vor, wie wenn sie mich aufgegeben hätten. Und jetzt bin ich genauso schlau wie zuvor.

Das Ziel von McKenzie habe ich nach wie vor nicht verstanden, auch nicht, weshalb sie das zunächst für indiziert hielten :confused: . Ich habe die Bilder davon auf den Plakaten gesehen (und mir tut das schon beim Hinschauen weh :rolleyes: ). Und es widerspricht sich auch sehr stark mit Schroth, da McKenzie rein auf symmetrische Übungen ausgelegt ist und alles asymmetrische gleich als schlecht dargestellt wird. Aber eine Skoliose ist leider nunmal eine asymmetrische Veränderung und bedarf daher eher asymmetrischer Übungen. Und da kommt eben die nächste Frage in mir hoch, die mich an der Anwendung von McKenzie bei Skoliosepatienten zweifeln lässt, dass ich den Eindruck habe, dass eine Skoliose dadurch eher negativ beeinflusst werden könnte und sich im schlimmsten Fall sogar verschlechtern könnte (wenn man das regelmäßig als alleinige Therapie anwendet). McKenzie selbst hat ja nämlich auch das Ziel, die entsprechenden Übungen und Körperhaltungen in den Alltag mit einzubauen und dort regelmäßig anzuwenden. Und das sehe ich nun doch wieder als sehr problematisch an.

Grüßle,

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