Verbesserungen mit Schroth?

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tulipana
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Verbesserungen mit Schroth?

Beitrag von tulipana »

Wer hat seine "kleine" Skoliose (bis ca. 20 Grad) nur mit Schrothübungen halten oder sogar verbesseren können? In wieviel Zeit?
Wie sieht es bei den Kindern aus von 10-15J?
Vielen Dank für die Infos
Gruss Tulipana
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Toni
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Beitrag von Toni »

Hallo Tulipana

Es gab eine intensive Diskussion über Die Wirksamkeit von Schroth bei kleinen Skoliosen (10- 20°) bei der Fortbildungsveranstaltung für Physiotherapeuten kürzlich bei Rahmouni.

Dr. Hoffmann berichtete, daß gerade viele "kleine" Skolis zu den intensivsten und fleißigsten Schrothern gehören, da sie versuchen, durch Schroth das Korsett zu vermeiden.

Vielen gelingt es auch (den wenig und nicht-progredienten Skoliosen) mit Hilfe von Schroth-Therapie unter 20° zu bleiben. Dr. Hoffmann gibt daher nur ungern und zögernd z.B. einer 15° Skoli ein Nachtkorsett, weil dann seiner Erfahrung nach eine geringere Compliance zum Schrothen entsteht: "Nun muss ich ja nicht mehr soviel tun, hab ja ein Korsett!"
Was natürlich völlig falsch ist!

Wenn dann die Skoli dann doch (trotz intensivem Schroth) über 20-25° davonläuft und das Korsett doch notwendig wird, dann empfinden die Jugendlichen das Korsett als "Strafe für zu wenig Schrothen" oder haben den Eindruck, daß das Schrothen ja doch keinen Wert gehabt hat , was natürlich auch einen völlig falschen Eindruck erweckt.

Das Korsett sollte aber NIEMALS als Drohung/ Angstmotivator verwendet und als Strafe für schlechte Haltung angesehen werden. Daraus entsteht die total falsche innere Einstellung zu diesem "ungeliebten Hilfsmittel".

Tatsache ist aber schon, daß es einigen(vielen???) kleineren, wenig progredienten Skolis tatsächlich gelingt mit guter Schroth-Compliance unter den 20° zu bleiben. Die Voraussetzung ist einen gute Einstellung/Einweisung in einer Reha und KONSEQUENTES Weiterschrothen zu hause. oft mehr als die berühmte halbe Stunde notwendig!

Also nach meiner pers. Ansicht sollte auf jeden Fall intensives Schroth betrieben werden. Aber nie mit der Motivation oder mit der Aussicht: "Dann brauchst Du kein Korsett" oder als Drohung: "Wenn Du nicht fleißig Schrothest, dann musst du doch noch ins Korsett!"

Schroth ist die Basistherapie.
Das Korsett kommt als weitere Option dazu, wenn Schroth alleine nicht ausreicht, die Progredienz zu verhindern.
Das Korsett sollte nie ausgeschlossen oder Strafe und Drohung missbraucht werden.
Es ist einfach der nächste, logische und selbstverständliche 2.Schritt, wenn es notwendig wird.

Ich hoffe, daß Dr. Steffan mal seine Erfahrungen mit der Nachtkorsett-Versorgung der 15-20° Skolis veröffentlicht.
Ich denke daß das alles sehr stark von der individuellen Progeredienz und vielen weiteren Faktoren abhängig ist.
Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
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BZebra
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Re: Verbesserungen mit Schroth?

Beitrag von BZebra »

tulipana hat geschrieben:Wer hat seine "kleine" Skoliose (bis ca. 20 Grad) nur mit Schrothübungen halten oder sogar verbesseren können? In wieviel Zeit?
Ich habe in Sobernheim bei Dr.Weiß Röntgenbilder aushängen sehen von sehr guten Korrekturergebnissen durch Schroth bei kleinen Skoliosen (Zeitraum über mehrere Jahre). Im Buch Dreidimensionale Skoliosebehandlung sind glaube ich auch Korrekturerfolge per Röntgenbild dokumentiert (habs gerade nicht vorliegen).
Toni hat geschrieben:Dr. Hoffmann gibt daher nur ungern und zögernd z.B. einer 15° Skoli ein Nachtkorsett, weil dann seiner Erfahrung nach eine geringere Compliance zum Schrothen entsteht: "Nun muss ich ja nicht mehr soviel tun, hab ja ein Korsett!"
Was natürlich völlig falsch ist!

Wenn die Skoli dann doch (trotz intensivem Schroth) über 20-25° davonläuft und das Korsett doch notwendig wird, ...
Diese Meinung kann ich garnicht teilen.

Zum einen muss ein Nachtkorsett bestimmt nicht heißen, daß es dann auch sicher dabei bleiben wird, zum anderen kann es ein genausogroßer Anreiz sein, ein Ganztgags-Korsett mit Schroth-KG vermeiden zu wollen. Ich denke die Frage ist da eher wie das rüber gebracht wird.

Wenn man dann aber feststellt, daß die Skoliose mit Schroth alleine weiter fortschreitet, dann sind es ja in den meisten Fällen schon 20-25° und DANN ist gleich ein Ganztgas-Korsett notwendig.

Es macht aber einen riesen Unterschied, ein Korsett nur nachts tragen zu müssen oder ganztags.
Kinder und Jugendliche haben halt ihren eigenen (dämlichen) Willen. Viele Eltern schaffen es einfach nicht ihre Kinder dazu zu bringen, ganztags ein Korsett zu tragen. Wir haben hier ja genügend Beispiele im Forum, die meisten Beispiele findet man als Konsequenz dessen dann letztendlich unter den Operierten.
Wenn das also passiert, hat man in den meisten Fällen dann schon verloren und der nächste Schritt heißt dann eben OP.

Lieber therapiere ich mein Kind frühzeitig mit den angenehmeren effektiven Sachen über als daß ich daran aus pädagogischen Gründigen zwecks Complianceerhaltung spare und das viel höhere Risiko eingehe, daß es später mit einem ganztags zu tragendem Korsett scheitert, weil das nunmal viel höhere Anforderungen stellt als ein Nachtkorsett plus Schroth, vor allem gesellschaftliche (Schule, Kleidung, die Angst vorm auffallen und nicht akzeptiert werden usw.).

Keiner kann einem sagen wieviel Schroth notwendig ist um eine Skoliose zu stoppen (ist mit Sicherheit auch individuell verschieden) und keiner kann von außen wirklich kontrollieren wie intensiv da jemand schrothet, weil sich das wesentliche schlicht und einfach innendrinne abspielt ohne daß dabei Bewegungen sichtbar werden. Man weiß also nie, ob das wirklich ausreicht oder nicht.
Das ist meines Erachtens Grund genug sich nach zusätzlichen Therapiemöglichkeiten umzusehen.
Da bietet sich diese "Fast-Null-Aufwand-Therapie" Nachtkorsett ja geradezu an. Das Korrekturprinzip ist zudem das selbe wie bei Schroth: Wachstumslenkung durch Belatungsänderung.

Gescheiterte konservative Skoliosetherapien kennzeichnen sich immer dadurch, daß man mit der Therapie der Skoliose "hinterherläuft", also die Therapie nie ausreichend ist, um die Skoliose aufzuhalten.
Die logischste Schlußfolgerung daraus wäre also möglichst frühzeitig mit GENÜGEND Therapie dem ganzen einen Riegel vorzuschieben.

Man sollte sich wirklich niemals darauf verlassen, sein Kind unter Kontrolle zu haben. Kinder und Jugendliche sind unberechenbar, und es wäre auch schlimm, wenn dem nicht so wäre; dann würden sie ja nie selbständig.

Gruß,
BZebra
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Dalia
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Beitrag von Dalia »

Hallo Tulipana,

deine Frage kann ich leider nicht beantworten. Meine Skoliose wurde mit sechs Jahren festgestellt (Anzeichen wurden mit fünf Jahren erstmals bemerkt), ich glaube, ich habe dann Vojta-Therapie gemacht und bin mit neun Jahren leider doch in ein Korsett gekommen. Ich denke, es waren täglich 15 oder 30 Min. Vojta-Therapie.
Das Korsett sollte aber NIEMALS als Drohung/ Angstmotivator verwendet und als Strafe für schlechte Haltung angesehen werden.
Das sehe ich ganz genauso. Vor allem auch, weil ein Korsett sich manchmal einfach nicht vermeiden lässt, trotz Schroth. Trotzdem sollte man dem Kind auf diese Möglichkeit im Fall einer Verschlechterung hinweisen, mit dem Ziel, eine OP zu vermeiden.

Das Problem ist, dass Skoliosen enorm schnell fortschreiten können, man aber nur 1x im Jahr röntgen sollte.

Ich stehe zwischen den Aussagen von Toni und BZebra. Als ich so ca. zwölf war, wollte ich nicht mehr turnen, weil ich die Nase davon gründlich voll hatte. Ich habe mich auch darauf verlassen, dass das Korsett ausreichend korrigiert. Aber wenn ich das Korsett nicht getragen hätte, ich glaube, ich hätte auch dann nicht mehr geturnt, da ich ja keine Beschwerden hatte und die Optik durch die Skoliose keine Rolle spielte. Ich war außerdem "turngeschädigt".

Der Artikel von Dr. Hoffmann, wenn einer erscheinen sollte, würde mich interessieren.

Nachtrag: Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, dann hätte ich mir gewünscht, dass Ärzte mir gesagt hätten, was passieren kann, wenn ich nicht regelmäßig turne. Meine Mutter sagte es zwar, aber welches Kind hört schon auf seine ständig mahnende Mutter?

Gut wäre auch ein Abo einer Skoliosen-Zeitschrift gewesen, da ich gerne las. Ich weiß noch, wie ich in einer Jugendzeitschrift den Artikel einer Korsettträgerin las und mich sehr gefreut habe. Hätte meine Mutter so ein Heft abonniert und es "zufällig" liegenlassen, ich hätte sicher reingeguckt.

Liebe Grüße,
Dalia
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micros
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Beitrag von micros »

hallo,

meine Skoliose hat sich durch Schroththerapie gebessert/gehalten.
Meine Skoliose wurde nach dem größten Wachstumsschub( war grad 13) festgestellt und da hatte ich 18° ( aber ich weiß leider nicht, ob das der größte Bogen war, da meine Orthopädin eigentlich immer nur den mittleren winkel ausgerechnet hat; Röntgenbilder sind leider nicht mehr auffindbar;und mein größter Bogen ist jetzt aber der obere; ).
In sobi hatte ich dann 25° grad oben, und die anderen bögen waren 15 bzw. 10 °. ( die 2.Röntgenbilder).und die neusten (4.)bilder waren ziemlich gut, oben 20°, unten 14° und 4° !! da war ich 16!( wurden von der gleichen ärztin gemessen).
auch meine krankengymnastin sagt, dass es sich bei mir wirklich gebessert hat, allein schon von der Haltung. ich bin schon seit 4 Jahren bei meiner Schroththerapeutin und war auch schon dreimal in Sobernheim und habe mich dort immer sehr verbessert!!
Also, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!
ich muss aber dazu sagen, dass mir am Anfang die Therapie wirklich schwer gefallen ist, weil manche Übungen sehr, sehr anstrengend waren (früher musste mich meine Krankengymnastin beim Muskelzylinder halb tragen und ich konnte mich noch kaum halten, und heute schaffe ich alleine (!) 10 gute Atemzüge!!) *g*
Lache wenn es nicht zum Weinen reicht
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