von Raven » Mo, 25.06.2012 - 09:40
Hallo Silvy und Chrissy,
wie groß (Cobb Winkel) ist aktuell die Verkrümmung von Chrissy? Bei welchen Ärzten habt ihr euch bislang vorgestellt? Hier sollte es sich um einen wirklich auf Skoliose spezialisierten Orthopäden handeln; dass es sich bei einem Orthopäden z.B. um einen in einer Uni-Klinik handelt oder um einen, der von Bekannten (mit anderen Beschwerden) empfohlen wurde, sagt reichlich wenig über seine Kompetenz in Bezug auf Skoliose-Behandlung aus. Möglicherweise gibt es noch eine realistische Chance, eine OP durch eine Korsetttherapie zu umgehen, aber das lässt sich so nicht abschätzen (abhängig z.B. von Cobb-Winkel und Position der Verkrümmung, auch, ob ein Korsett bei ihren sonstigen Einschränkungen überhaupt anwendbar wäre).
Auch wenn ich jetzt im Folgenden mehr über eine OP schreibe - der Sache mit dem Korsett sollte dennoch nachgegangen werden.
Bezüglich der OP gibt es mehrere sich im Detail unterscheidende Verfahren. Als am wichtigsten ist in eurem Fall der Unterschied zwischen mitwachsenden und nicht mitwachsenden Systemen zu nennen; den Punkt des Wachstums hast du ja auch angesprochen. Bei nicht mitwachsenden Systemen wird die Wirbelsäule, bzw. ein großer Anteil der Wirbelsäule, gleich versteift. In diesem Bereich kann dann kein Wachstum mehr stattfinden; weiterwachsen kann sie nur noch in anderen Wirbelsäulenabschnitten, und natürlich z.B. in den Beinen. Speziell für Kinder im Wachstum gibt es OP-Verfahren, bei denen ein verlängerbares Implantatsystem verwendet wird. Dieses kann nach und nach im Wachstum angepasst werden, was entweder durch weitere OPs (die weniger schwerwiegend als die Haupt-OP sind) oder durch ein neuartiges System, bei dem das Implantat von außen per Magnet nachgestellt wird, erfolgen kann. Wenn das Wachstum abgeschlossen ist, erfolgt eine Versteifungs-OP.
Wie lange dauert die Heilung bis sie wieder "auf den Füßen" ist
Das hat natürlich etwas damit zu tun, was man unter "auf den Füßen" genau versteht. Ein paar Anhaltspunkte, wobei sich diese auf Patienten, die "nur" Skoliose haben (je nach Ausprägung der Einschränkungen deiner Tochter durch spina bifida und Hydrocephalus kann manches länger dauern, vielleicht fallen auch manche der genannten Punkte für sie komplett weg), beziehen: Den meisten Patienten ist es möglich, nach wenigen Tagen mit Hilfe aufzustehen, um am Gehwagen ein paar Schritte zu machen. Der Klinikaufenthalt dauert etwa ein bis zwei Wochen. Die Patienten sind dann dazu in der Lage, mit etwas Hilfe einen rudimentären Alltag zu schaffen: sich selbst ankleiden (evl. noch Hilfe bei Socken und Schuhen), selber normal essen, sich im Bett selbst umdrehen, mittlere Wegstrecken inklusive Treppen gehen, sitzen (noch nicht ausdauernd), ein gewisses Maß an Körperpflege (alleine auf die Toilette gehen, Oberkörper waschen, Zähne putzen; Hilfe ist aber oft noch beim Kämmen/Frisieren, Haarewaschen, Duschen und dem Waschen der Beine und Füße nötig).
Bis wieder Schulbesuch möglich ist, dauert es mehrere Wochen bis wenige Monate. Diese Zeitspanne kommt meist dadurch zustande, dass früher kein sicherer Transport in die Schule möglich ist (überfüllter rempeliger Schulbus kann noch nicht zugemutet werden, und nicht jedes Kind kann immer per Auto gebracht werden), es in der Schule keine Möglichkeit zum Hinlegen gibt o.ä. Dem Unterricht folgen könnten die meisten früher. Wenn es absehbar ist, dass aus Gründen wie den genannten ein Schulbesuch nicht frühzeitig möglich ist, macht es Sinn, sich um Hausunterricht zu kümmern. Mehr Infos dazu finden sich auch im Skoliose-OP-Forum.
Sport - ich weiß ja nicht, welcher Sport für Chrissy möglich ist - oder sportähnliche Betätigungen (z.B. Reittherapie, im Spaßbad auf die Wasserrutsche, bestimmte stärker beanspruchende Formen der Physiotherapie o.ä.) sind fürs erste Jahr nicht erlaubt. Ausnahme: Schwimmen, Physiotherapie. Möglicherweise sind manche Rollstuhlsportarten, bei denen man nicht stürzen kann und auch ansonsten keine allzu hohen Kräfte auf den Körper wirken, ebenfalls früher erlaubt.
Bei mir selbst wurde eine Versteifungs-OP zur Korrektur der Skoliose im Alter von 13 Jahren durchgeführt. Hierbei wurde kein mitwachsendes System verwendet, da mein Wachstum schon abgeschlossen war (bin auch zuvor, selbst wenn man die Krümmung rausgerechnet hat, nicht mehr gewachsen). Meine eigenen Erfahrungen damit sind gut, für mich war es die richtige Entscheidung. Mit "gut" meine ich bei weitem nicht, dass die OP leicht war; keinesfalls will ich leugnen, dass es eine harte Zeit war. Aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, ich bin sicher, dadurch deutlich an Lebensqualität gewonnen zu haben und bin froh, dass es die Möglichkeit solcher OPs gibt.
Die OP, in der ich operiert wurde, kann ich trotz eigener sehr guter Erfahrungen dort allerdings nicht weiterempfehlen, schlichtweg, da ich keine Erfahrungen damit habe, wie es dort mit den aktuellen OP-Techniken, Ärzten etc. aussieht und die Klinik im Vergleich zu anderen abschneidet. In den 15 Jahren seit meiner OP hat sich ja einiges geändert.
Die Klinik in Bayreuth ist mir auch von anderen Patienten nicht bzgl. Skoliose-OPs bekannt.
Zur Information kann ich euch das Forum unter
www.skoliose-op.info sehr empfehlen, da es dort viel mehr Patienten als hier gibt, denen eine OP bevorsteht oder die sich bereits einer OP unterzogen haben. Dort finden sich auch aktuelle Erfahrungsberichte zu verschiedenen OP-Kliniken.
Viele Grüße & alles Gute,
Raven
Hallo Silvy und Chrissy,
wie groß (Cobb Winkel) ist aktuell die Verkrümmung von Chrissy? Bei welchen Ärzten habt ihr euch bislang vorgestellt? Hier sollte es sich um einen wirklich auf Skoliose spezialisierten Orthopäden handeln; dass es sich bei einem Orthopäden z.B. um einen in einer Uni-Klinik handelt oder um einen, der von Bekannten (mit anderen Beschwerden) empfohlen wurde, sagt reichlich wenig über seine Kompetenz in Bezug auf Skoliose-Behandlung aus. Möglicherweise gibt es noch eine realistische Chance, eine OP durch eine Korsetttherapie zu umgehen, aber das lässt sich so nicht abschätzen (abhängig z.B. von Cobb-Winkel und Position der Verkrümmung, auch, ob ein Korsett bei ihren sonstigen Einschränkungen überhaupt anwendbar wäre).
Auch wenn ich jetzt im Folgenden mehr über eine OP schreibe - der Sache mit dem Korsett sollte dennoch nachgegangen werden.
Bezüglich der OP gibt es mehrere sich im Detail unterscheidende Verfahren. Als am wichtigsten ist in eurem Fall der Unterschied zwischen mitwachsenden und nicht mitwachsenden Systemen zu nennen; den Punkt des Wachstums hast du ja auch angesprochen. Bei nicht mitwachsenden Systemen wird die Wirbelsäule, bzw. ein großer Anteil der Wirbelsäule, gleich versteift. In diesem Bereich kann dann kein Wachstum mehr stattfinden; weiterwachsen kann sie nur noch in anderen Wirbelsäulenabschnitten, und natürlich z.B. in den Beinen. Speziell für Kinder im Wachstum gibt es OP-Verfahren, bei denen ein verlängerbares Implantatsystem verwendet wird. Dieses kann nach und nach im Wachstum angepasst werden, was entweder durch weitere OPs (die weniger schwerwiegend als die Haupt-OP sind) oder durch ein neuartiges System, bei dem das Implantat von außen per Magnet nachgestellt wird, erfolgen kann. Wenn das Wachstum abgeschlossen ist, erfolgt eine Versteifungs-OP.
[quote]Wie lange dauert die Heilung bis sie wieder "auf den Füßen" ist[/quote]
Das hat natürlich etwas damit zu tun, was man unter "auf den Füßen" genau versteht. Ein paar Anhaltspunkte, wobei sich diese auf Patienten, die "nur" Skoliose haben (je nach Ausprägung der Einschränkungen deiner Tochter durch spina bifida und Hydrocephalus kann manches länger dauern, vielleicht fallen auch manche der genannten Punkte für sie komplett weg), beziehen: Den meisten Patienten ist es möglich, nach wenigen Tagen mit Hilfe aufzustehen, um am Gehwagen ein paar Schritte zu machen. Der Klinikaufenthalt dauert etwa ein bis zwei Wochen. Die Patienten sind dann dazu in der Lage, mit etwas Hilfe einen rudimentären Alltag zu schaffen: sich selbst ankleiden (evl. noch Hilfe bei Socken und Schuhen), selber normal essen, sich im Bett selbst umdrehen, mittlere Wegstrecken inklusive Treppen gehen, sitzen (noch nicht ausdauernd), ein gewisses Maß an Körperpflege (alleine auf die Toilette gehen, Oberkörper waschen, Zähne putzen; Hilfe ist aber oft noch beim Kämmen/Frisieren, Haarewaschen, Duschen und dem Waschen der Beine und Füße nötig).
Bis wieder Schulbesuch möglich ist, dauert es mehrere Wochen bis wenige Monate. Diese Zeitspanne kommt meist dadurch zustande, dass früher kein sicherer Transport in die Schule möglich ist (überfüllter rempeliger Schulbus kann noch nicht zugemutet werden, und nicht jedes Kind kann immer per Auto gebracht werden), es in der Schule keine Möglichkeit zum Hinlegen gibt o.ä. Dem Unterricht folgen könnten die meisten früher. Wenn es absehbar ist, dass aus Gründen wie den genannten ein Schulbesuch nicht frühzeitig möglich ist, macht es Sinn, sich um Hausunterricht zu kümmern. Mehr Infos dazu finden sich auch im Skoliose-OP-Forum.
Sport - ich weiß ja nicht, welcher Sport für Chrissy möglich ist - oder sportähnliche Betätigungen (z.B. Reittherapie, im Spaßbad auf die Wasserrutsche, bestimmte stärker beanspruchende Formen der Physiotherapie o.ä.) sind fürs erste Jahr nicht erlaubt. Ausnahme: Schwimmen, Physiotherapie. Möglicherweise sind manche Rollstuhlsportarten, bei denen man nicht stürzen kann und auch ansonsten keine allzu hohen Kräfte auf den Körper wirken, ebenfalls früher erlaubt.
Bei mir selbst wurde eine Versteifungs-OP zur Korrektur der Skoliose im Alter von 13 Jahren durchgeführt. Hierbei wurde kein mitwachsendes System verwendet, da mein Wachstum schon abgeschlossen war (bin auch zuvor, selbst wenn man die Krümmung rausgerechnet hat, nicht mehr gewachsen). Meine eigenen Erfahrungen damit sind gut, für mich war es die richtige Entscheidung. Mit "gut" meine ich bei weitem nicht, dass die OP leicht war; keinesfalls will ich leugnen, dass es eine harte Zeit war. Aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, ich bin sicher, dadurch deutlich an Lebensqualität gewonnen zu haben und bin froh, dass es die Möglichkeit solcher OPs gibt.
Die OP, in der ich operiert wurde, kann ich trotz eigener sehr guter Erfahrungen dort allerdings nicht weiterempfehlen, schlichtweg, da ich keine Erfahrungen damit habe, wie es dort mit den aktuellen OP-Techniken, Ärzten etc. aussieht und die Klinik im Vergleich zu anderen abschneidet. In den 15 Jahren seit meiner OP hat sich ja einiges geändert.
Die Klinik in Bayreuth ist mir auch von anderen Patienten nicht bzgl. Skoliose-OPs bekannt.
Zur Information kann ich euch das Forum unter www.skoliose-op.info sehr empfehlen, da es dort viel mehr Patienten als hier gibt, denen eine OP bevorsteht oder die sich bereits einer OP unterzogen haben. Dort finden sich auch aktuelle Erfahrungsberichte zu verschiedenen OP-Kliniken.
Viele Grüße & alles Gute,
Raven