Bericht: Zurück aus BAD SALZUNGEN
- Toni
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- Diagnose: M. Scheuermann Kyphose (urspr. 68°)
M. Baastrup - Therapie: 1 Boston B.O.B.
1 Milwaukee
2 Rahmouni´s
1 TüKO
Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen! - Wohnort: Allgäu
Bericht: Zurück aus BAD SALZUNGEN
Nun finde ich endlich ein bischen Zeit, um über unsere Reha in Bad Salzungen zu berichten.
Eins mal vorweg: Großen Dank an unsere Admins! Ohne Euch und das Forum hätte ich vermutlich nie den Zugang zu dieser wunderbaren Therapie gefunden. Wir (Sieglinde und ich) sind nun überzeugte Vollblut-Schrothianer.
Als wir am Mittwoch vor 4 Wochen in Bad Salzungen ankamen hatte ich immer noch recht difuse Vorstellungen von so einer REHA. Trotz vieler verschiedener Vorerkrankungen und Unfälle war ich bisher noch nie in einer Reha-Klinik. Und dann gleich SOWAS!!!!!
Nach dem Einchecken und dem ersten Mittagessen ging es Schlag auf Schlag. Erste Untersuchung beim Stationsarzt (ein Riesenthema für sich, das ich aber hier lieber nicht breittreten möchte) diverse Messungen Atemvolumen, Gewicht, Körperlänge im Stehen, Oberkörperlänge im Sitzen, Armspannweite, Blutdruck, Lungenvolumen, usw....
Fotografie und 3-D Vermessung. Da viel mir das erste mal auf, daß wir Kyphos auch nur von vorne und hinten fotografiert wurden. Unser sagittales Hauptproblem wegen dem wir eigentlich da waren, scheinte zunächst gar niemand zu interessieren.
Auch bei der Skoliose-Einteilung die der Leitende OA und die "Chef"-PhysioTherapeutin gemeinsam vornahmen war ich irritiert bis leicht amüsiert. Ich wusste gar nicht, daß man sich derart kreativ über meinen Rücken auslassen konnte. Als Rahmouni mit Dr. ElObeidi meine Röbis angeschaut haben und drüber auf arabisch geredet haben, habe ich irgendwie das Gefühl gehabt mehr zu verstehen als diese Disskussion, ob nun meine 10° Microskoliose 4b links 3 bh rechts oder vielleicht doch 4b rechts ohne h oder doch mit h oder doch nur 3b rechts ist. Ich blickte zunächst rein gar nix und war eher belustigt über diese Diskussion. Das Egebniss war, daß icheinen Zettel erhielt mit einer (meiner) symbolischen Rückansicht die mit allerlei ägyptologisch anmutenden blauen Punkten, roten Kringeln und Kästchen, grünen Pfeilen usw... verziert war. Von da weg war ich als reinrassige Skoliose klassifiziert. obwohl ich dank Dr. Steffan endlich endgültig klären konnte, daß diese Miniskoli gar nicht mehr messbar existierte, wenn ich den von Rahmouni in meinen linken Schuh eingebaute Sohlenerhöhung tatsächlich trage was ich ab sofort zur Auflage beim Schrothen erhielt. Barfuss oder in Zehensocken durfte ich nur im Sitzen und im Liegen üben. Trotzdem war ich (zunächst) eine 3b-links-Skoliose. Meine Scheuermann-Kyphose interessierte anscheinend immer noch niemand!
Erstes Abendessen, erste Gespräche mit Mitpatienten, gegenseitiges beschnuppern usw.....
Gleich am ersten Abend hinüber in die Parkklinik und Schwimmen. Langsam begann der Stress der letzen Tage und der Anreise abzufallen.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstücksbuffet gings dann los. Gruppe A (wie Anfänger) im Wartebereich C.
Dann begann systematisch die Einführung in die Schroth-Therapie zunächst mal mit einer auch noch für mich sehr interessanten Einführung in die Anatomie der Wirbelsäule.
In der nächsten Stunde durften wir dann schon eine Matte nehmen, unsere grünen Therapie-Frottee-Tücher drauflegen und bekamen etwas ganz Wertvolles und Kostbares ausgehändigt, das ein wesentliches Element der Schroth-Therapie ist und von dem BZebra nur einmal kurz in einem nebensatz hier im Forum berichtet hat: Unsere Reissäckchen!!!
Wir sollten uns auf den Rücken legen und dann die Reissäckchen entspreched der blauen Punkte auf unseren Skoliose-Einteilungsskizzen drunterlegen und das gefühl erst mal wirken lassen und fühlen. Die angeblich "geordnete Rückenlage" brachte mich gefühlsmäßig total in Unordnung!
Ich fühlte mich dabei gar nicht gut. Irgendwie hatte ich das dumpfe gefühl, wenn ich länger so liegen musste, dann bekomme ich zu meiner Kyphose tatsächlich noch eine echteSekundärskoliose dazu. Puh- war ich froh als diese Reissäckchenstunde vorbei war. Irgendwie fühlte ich mich schon etwas auf der " falschen Hochzeit"Als ich danach mit Sieglinde und Tobias sprachen, hatten die eine ähnlichen Eindruck. Bisher ist noch gar niemand auf unsere Kyphosen eingegangen. Trotzdem lernten wir sehr viel und Mosaiksteinchen für Steinchen lies langsam ein Bild entstehen.
Sequenztrainig,Hydrojet, Fahrradergometer, Wassergymnastik, Fango, und immer wieder A-Gruppe. Dort kam am 3 Tag eine neue Therapeutin in die Gruppe und verkündete gleich als erstes, daß man unsere Röbis nochmals gemeinsam angeschaut habe und einige neu eingeteilt wurden. Einige erhielten neue Skolioseskizzen- so auch ich- und siehe da: die Blauen Reissäckchenpunkte waren nun symetrisch genau auf meiner Kyphose. Genau da wo mit auch Maitre Rahmouni die Pelotten im Korsett plaziert hat.
Nun war die Welt für mich wieder in Ordnung und ich fühlte mich nicht mehr auf der "falschen Hochzeit"
Was mich erstaunt hat: Diese nun wirklich geordnete Rückenlage war echt SUPER! Die Waschlappen halb voll Reis machten tatsächlich mehr Druck auf den Kyphosescheitel als der grand Maitre!
Ich begann einiges zu kapieren und mich richtig gut zu fühlen.
Sieglinde erging es so ähnlich. auch erlernten wir in jedem tag 2-3 neue Übungen dazu, die wir noch ziemlich unsicher machten. Vor allem das Atmen verunsicherte mich in der ersten (und auch noch in der zweiten) Woche total.
Ich hatte noch überhaupt kein Raumgefühl in meinem Brustkorb und wusste echt nicht, wo ich hinatmen sollte, so daß ich mich oft lieber auf meine Beckenkorrekturen und die sonstige Haltung konzentrierte und manchmal das atmen völlig vergaß. Doch die Therapeutinnen haben echt Luchsaugen und sind überall und nirgends gleichzeitig. Die Übungen machten Spaß, waren sehr anstrengend doch meinen Atemrythmus und das richtige Raumgefühl wo ich eigentlich genau hinatmen soll, habe ich in der ersten Woche nicht gefunden. Ich hab die "echten" Skolis bewundert: Wie entsetzlich schwierig muss dann erst die Drehwinkelatmung in einem Asymetrischen Brustkorb sein????
Fortsetzung folgt!
Toni ist müde.
Ciao
Eins mal vorweg: Großen Dank an unsere Admins! Ohne Euch und das Forum hätte ich vermutlich nie den Zugang zu dieser wunderbaren Therapie gefunden. Wir (Sieglinde und ich) sind nun überzeugte Vollblut-Schrothianer.
Als wir am Mittwoch vor 4 Wochen in Bad Salzungen ankamen hatte ich immer noch recht difuse Vorstellungen von so einer REHA. Trotz vieler verschiedener Vorerkrankungen und Unfälle war ich bisher noch nie in einer Reha-Klinik. Und dann gleich SOWAS!!!!!
Nach dem Einchecken und dem ersten Mittagessen ging es Schlag auf Schlag. Erste Untersuchung beim Stationsarzt (ein Riesenthema für sich, das ich aber hier lieber nicht breittreten möchte) diverse Messungen Atemvolumen, Gewicht, Körperlänge im Stehen, Oberkörperlänge im Sitzen, Armspannweite, Blutdruck, Lungenvolumen, usw....
Fotografie und 3-D Vermessung. Da viel mir das erste mal auf, daß wir Kyphos auch nur von vorne und hinten fotografiert wurden. Unser sagittales Hauptproblem wegen dem wir eigentlich da waren, scheinte zunächst gar niemand zu interessieren.
Auch bei der Skoliose-Einteilung die der Leitende OA und die "Chef"-PhysioTherapeutin gemeinsam vornahmen war ich irritiert bis leicht amüsiert. Ich wusste gar nicht, daß man sich derart kreativ über meinen Rücken auslassen konnte. Als Rahmouni mit Dr. ElObeidi meine Röbis angeschaut haben und drüber auf arabisch geredet haben, habe ich irgendwie das Gefühl gehabt mehr zu verstehen als diese Disskussion, ob nun meine 10° Microskoliose 4b links 3 bh rechts oder vielleicht doch 4b rechts ohne h oder doch mit h oder doch nur 3b rechts ist. Ich blickte zunächst rein gar nix und war eher belustigt über diese Diskussion. Das Egebniss war, daß icheinen Zettel erhielt mit einer (meiner) symbolischen Rückansicht die mit allerlei ägyptologisch anmutenden blauen Punkten, roten Kringeln und Kästchen, grünen Pfeilen usw... verziert war. Von da weg war ich als reinrassige Skoliose klassifiziert. obwohl ich dank Dr. Steffan endlich endgültig klären konnte, daß diese Miniskoli gar nicht mehr messbar existierte, wenn ich den von Rahmouni in meinen linken Schuh eingebaute Sohlenerhöhung tatsächlich trage was ich ab sofort zur Auflage beim Schrothen erhielt. Barfuss oder in Zehensocken durfte ich nur im Sitzen und im Liegen üben. Trotzdem war ich (zunächst) eine 3b-links-Skoliose. Meine Scheuermann-Kyphose interessierte anscheinend immer noch niemand!
Erstes Abendessen, erste Gespräche mit Mitpatienten, gegenseitiges beschnuppern usw.....
Gleich am ersten Abend hinüber in die Parkklinik und Schwimmen. Langsam begann der Stress der letzen Tage und der Anreise abzufallen.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstücksbuffet gings dann los. Gruppe A (wie Anfänger) im Wartebereich C.
Dann begann systematisch die Einführung in die Schroth-Therapie zunächst mal mit einer auch noch für mich sehr interessanten Einführung in die Anatomie der Wirbelsäule.
In der nächsten Stunde durften wir dann schon eine Matte nehmen, unsere grünen Therapie-Frottee-Tücher drauflegen und bekamen etwas ganz Wertvolles und Kostbares ausgehändigt, das ein wesentliches Element der Schroth-Therapie ist und von dem BZebra nur einmal kurz in einem nebensatz hier im Forum berichtet hat: Unsere Reissäckchen!!!
Wir sollten uns auf den Rücken legen und dann die Reissäckchen entspreched der blauen Punkte auf unseren Skoliose-Einteilungsskizzen drunterlegen und das gefühl erst mal wirken lassen und fühlen. Die angeblich "geordnete Rückenlage" brachte mich gefühlsmäßig total in Unordnung!
Ich fühlte mich dabei gar nicht gut. Irgendwie hatte ich das dumpfe gefühl, wenn ich länger so liegen musste, dann bekomme ich zu meiner Kyphose tatsächlich noch eine echteSekundärskoliose dazu. Puh- war ich froh als diese Reissäckchenstunde vorbei war. Irgendwie fühlte ich mich schon etwas auf der " falschen Hochzeit"Als ich danach mit Sieglinde und Tobias sprachen, hatten die eine ähnlichen Eindruck. Bisher ist noch gar niemand auf unsere Kyphosen eingegangen. Trotzdem lernten wir sehr viel und Mosaiksteinchen für Steinchen lies langsam ein Bild entstehen.
Sequenztrainig,Hydrojet, Fahrradergometer, Wassergymnastik, Fango, und immer wieder A-Gruppe. Dort kam am 3 Tag eine neue Therapeutin in die Gruppe und verkündete gleich als erstes, daß man unsere Röbis nochmals gemeinsam angeschaut habe und einige neu eingeteilt wurden. Einige erhielten neue Skolioseskizzen- so auch ich- und siehe da: die Blauen Reissäckchenpunkte waren nun symetrisch genau auf meiner Kyphose. Genau da wo mit auch Maitre Rahmouni die Pelotten im Korsett plaziert hat.
Nun war die Welt für mich wieder in Ordnung und ich fühlte mich nicht mehr auf der "falschen Hochzeit"
Was mich erstaunt hat: Diese nun wirklich geordnete Rückenlage war echt SUPER! Die Waschlappen halb voll Reis machten tatsächlich mehr Druck auf den Kyphosescheitel als der grand Maitre!
Ich begann einiges zu kapieren und mich richtig gut zu fühlen.
Sieglinde erging es so ähnlich. auch erlernten wir in jedem tag 2-3 neue Übungen dazu, die wir noch ziemlich unsicher machten. Vor allem das Atmen verunsicherte mich in der ersten (und auch noch in der zweiten) Woche total.
Ich hatte noch überhaupt kein Raumgefühl in meinem Brustkorb und wusste echt nicht, wo ich hinatmen sollte, so daß ich mich oft lieber auf meine Beckenkorrekturen und die sonstige Haltung konzentrierte und manchmal das atmen völlig vergaß. Doch die Therapeutinnen haben echt Luchsaugen und sind überall und nirgends gleichzeitig. Die Übungen machten Spaß, waren sehr anstrengend doch meinen Atemrythmus und das richtige Raumgefühl wo ich eigentlich genau hinatmen soll, habe ich in der ersten Woche nicht gefunden. Ich hab die "echten" Skolis bewundert: Wie entsetzlich schwierig muss dann erst die Drehwinkelatmung in einem Asymetrischen Brustkorb sein????
Fortsetzung folgt!
Toni ist müde.
Ciao
- sloopy
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- Registriert: Do, 01.11.2001 - 10:17
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- Diagnose: idiopathische thorakolumbal Skoliose
01/2010 thorakal 48°
09/2010 im Korsett 21°
08/2011 72h ohne Korsett ~37° - Therapie: Schroth-KG, 7 Rehas in Bad Sobernheim (91,92,93,95,97,'03,'10)
Rahmouni-Korsett 2002-2004
CCtec-Korsett 2010-2013 - Wohnort: Eifel
- Kontaktdaten:
Lieber Toni,
vielen Dank für Teil I deines Salzungen-Berichts!
Auch, wenn ich den Inhalt wohl größtenteils schon kannte, macht es echt Spaß, deinen Bericht zu lesen
! Ich warte gespannt auf die Fortsetzung!
Lieben Gruß, Sabine
vielen Dank für Teil I deines Salzungen-Berichts!
Auch, wenn ich den Inhalt wohl größtenteils schon kannte, macht es echt Spaß, deinen Bericht zu lesen
Lieben Gruß, Sabine
Mein Thread: Mein CCtec (Erwachsenen)korsett und ich
"Bewahre mich vor dem naiven Glauben,es müsse im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen." (Antoine de Saint-Exupéry)
"Bewahre mich vor dem naiven Glauben,es müsse im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen." (Antoine de Saint-Exupéry)
Hi Toni,
ich habe es gar nicht anders erwartet: Mir war klar, dass Du begeistert sein würdest!
Da ich ja selbst im September nach SAlzungen gehe, bin ich sehr gespannt auf Deinen weiteren Bericht und freue mich über Deine schier unermüdliche SChreiblust!!
Lieben Gruß, auch an Sieglinde!
P.S. Soweit ich mich erinnere, muss man in Sobernheim eine Matte, Handtuch, eigene Reissäckchen (meine hat Mammi genäht
und Massagebürste mitbringen, zumindest war das früher so. Angenehm, dass man in Salzungen diese Dinge offenbar zur Verfügung gestellt bekommt.
ich habe es gar nicht anders erwartet: Mir war klar, dass Du begeistert sein würdest!
Da ich ja selbst im September nach SAlzungen gehe, bin ich sehr gespannt auf Deinen weiteren Bericht und freue mich über Deine schier unermüdliche SChreiblust!!
Lieben Gruß, auch an Sieglinde!
P.S. Soweit ich mich erinnere, muss man in Sobernheim eine Matte, Handtuch, eigene Reissäckchen (meine hat Mammi genäht
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Faultier B.
- aktives Mitglied

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@ Toni:
Ein schöner, interessanter Bericht! Bin auch schon sehr auf Deine Fortsetzung gespannt.
Also für Sobi durfte ich meine Reissäckchen selber nähen. Daheim haben sie sich damals königlich darüber amüsiert, als ich erzählt habe, dass ich mir noch 4 Waschlappen kaufen und sie mit Reis auffüllen muss. Aber durch das Selbernähen und dadurch, dass man sich dann die Farbe selbst aussuchen kann, hat man einen viel persönlicheren und liebevolleren Bezug zu seinen Reissäckchen.
Habt Ihr in Salzu eigentlich auch die Schwunggymnastik mit Säckchen und Klopfen und das gegenseitige Bürsten (ich persönlich hasse diese Schrubberei an mir) machen dürfen?
Ein schöner, interessanter Bericht! Bin auch schon sehr auf Deine Fortsetzung gespannt.
Also für Sobi durfte ich meine Reissäckchen selber nähen. Daheim haben sie sich damals königlich darüber amüsiert, als ich erzählt habe, dass ich mir noch 4 Waschlappen kaufen und sie mit Reis auffüllen muss. Aber durch das Selbernähen und dadurch, dass man sich dann die Farbe selbst aussuchen kann, hat man einen viel persönlicheren und liebevolleren Bezug zu seinen Reissäckchen.
Habt Ihr in Salzu eigentlich auch die Schwunggymnastik mit Säckchen und Klopfen und das gegenseitige Bürsten (ich persönlich hasse diese Schrubberei an mir) machen dürfen?
- Toni
- Profi

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Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen! - Wohnort: Allgäu
Hallo Faultier B
Ja das fand ich interessant bis lustig. Alle diejenigen, die schon ein- oder mehrmals in Sobi waren, hat man sofort daran erkannt, daß sie bunte Reissäckchen hatten. Die "reinrassigen Salzunger" hatten nur schneeweiße! Die muss dort die Nachtschwester von Hand nähen, damit es ihr nicht langweilg wird ...grins....
Ich hatte ab der 2 Woche sogar 6 Reissäckchen um schleppen, da ich mir bei bestimmten Übungen regelrechte Türmchen aus Reissäcken bauen musste.
Selbstverständlich haben wir Reissäckchen-Schwunggym. gemacht- fast vor jeder Skoliosen-Gruppenstunde. Das ist manchmal in eine Art-Reissäckchenweit- und Hochwurf ausgeartet, wenn jemand (mir z.B.) das reissäckchen aus der Hand geflogen ist. Klopfen haben wir auch gemacht- hat bei mir geklungen als würde KING-KONG persönlich auf den brustkorb trommeln. Das gegenseitige bürsten kenn ich nicht- scheint also in Salzu unbekannt zu sein. Wenn Du es hasst, dann bin ich rückwirkend froh es nicht gemacht zu haben. (Hoffentlich haben wir nun keine schlafenden Hunde geweckt!)
Gruß Toni
Ja das fand ich interessant bis lustig. Alle diejenigen, die schon ein- oder mehrmals in Sobi waren, hat man sofort daran erkannt, daß sie bunte Reissäckchen hatten. Die "reinrassigen Salzunger" hatten nur schneeweiße! Die muss dort die Nachtschwester von Hand nähen, damit es ihr nicht langweilg wird ...grins....
Ich hatte ab der 2 Woche sogar 6 Reissäckchen um schleppen, da ich mir bei bestimmten Übungen regelrechte Türmchen aus Reissäcken bauen musste.
Selbstverständlich haben wir Reissäckchen-Schwunggym. gemacht- fast vor jeder Skoliosen-Gruppenstunde. Das ist manchmal in eine Art-Reissäckchenweit- und Hochwurf ausgeartet, wenn jemand (mir z.B.) das reissäckchen aus der Hand geflogen ist. Klopfen haben wir auch gemacht- hat bei mir geklungen als würde KING-KONG persönlich auf den brustkorb trommeln. Das gegenseitige bürsten kenn ich nicht- scheint also in Salzu unbekannt zu sein. Wenn Du es hasst, dann bin ich rückwirkend froh es nicht gemacht zu haben. (Hoffentlich haben wir nun keine schlafenden Hunde geweckt!)
Gruß Toni
REHA in Salzungen
Hallo Toni, schön, dass Du wieder da bist. Habe mir Deinen Bericht ausgedruckt und gemütlich im Bett gelesen, da die Haltung vor dem PC nicht so gut ist. Warte gespannt auf die Fortsetzung. Vor allen Dingen bin ich erstaunt, dass man auch im "Alter" noch Schroth lernen kann.
Tialine
Tialine
- NettiAngel
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Gruseline
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Hallo Toni
Nochmal ,schön das du wieder zurück bist.
Dein Bericht eine Angriff auf meine Lachmuskeln,
auch wenn ich nicht immer weiß, wovon du redest.Lerne ja noch.
Es tut sooooooooo unendlich gut, mit welchem Humor(Galgenhumor?)du erzählst.
Warte ganz gespannt auf die Fortsetzung.
Alles Liebe
Gruseline
Ps.Reissäckchen für Sobbernheim haben wir auch schon geköppelt
:juggle
Nochmal ,schön das du wieder zurück bist.
Dein Bericht eine Angriff auf meine Lachmuskeln,
Es tut sooooooooo unendlich gut, mit welchem Humor(Galgenhumor?)du erzählst.
Warte ganz gespannt auf die Fortsetzung.
Alles Liebe
Gruseline
Ps.Reissäckchen für Sobbernheim haben wir auch schon geköppelt
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Gutes Holz wächst nicht einfach so.
Je stärker der Wind,desto stärker der Baum
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- Toni
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Danke für die "Blumen"
Hier der 2.Teil
2. Teil
So gegen Ende der 1. Woche (ich weiß nicht mehr ganz genau... war es beim "Freien Üben" oder noch in der A-Skoliose-Gruppe?.....) hatte ich dann irgendwann die Schnauze voll.
Als mich wieder eine Therapeutin in eine Sekundärskoli hineinkorrigieren wollte und ich meine "schwache Stelle" berühren und weitatmen sollte, wurde ich stinkesauer:
" Mir reichts! Ich hab überhaupt keine Schwache Stelle!" (Schallendes Gelächter aller Anwesenden)
Die Therapeutin: " Sie haben sogar 2 Schwache Stellen. Ätsch!" ( brüllendes Gelächter)
"Ich will nicht mehr als eine vierbogig-links-Skoliose mit Hüftprominenz behandelt werden! Ich bin überhaupt nicht prominent (wieder lachen) und meine lausige 10° Miniskoli gibts gar nicht, wenn ich meine Beinlängendifferenzausgleich trage oder sitze. Ich bin wegen meiner Scheuermann-Kyphose da und ich will, daß die endlich als Kyphose behandelt wird!"
Alle guckten konsterniert....Ich war fast schon leicht wütend, obwohl ich seit Jahren meine Choleriker-Anwandlungen eigentlich relativ gut unter mentaler Kontrolle hatte.
Die Therapeutin: " Aber wir sind eine Skoliose-Klinik und hier wird vorrangig die Skoliose behandelt!"
Ich: " NEIN! Das stimmt nicht! WIR sind eine Wirbelsäulenklinik und hier werden Wirbelsäulenfehlformen behandelt!"
Die Therapeutin stur: "Wir sind ein Skoliose-Intensiv-Rehabilitations-Zentrum und hier wird vorrangig die Skoliose behandelt. Der LOA will das so!"
" Nochmals NEIN. WIR machen hier Wirbelsäulen-Intensiv-Rehabilitation= W.I.R. So stehts zumindest im Therapie-Konzept. Das bedeutet, daß hier Skolis, Kyphos und andere Fehlstellungen der WS behandelt werden. Da bin ich 200% sicher. S.I.R macht definitiv Bad Sobernheim- aber WIR sind HIER und machen W.I.R! Fragen Sie doch den LOA!"
Betroffenes Silentium..... die Therapeutin war sehr klug zu schweigen und sich der Korrektur einer " real existierenden" Skoliose zuzuwenden und ich hatte meine Wut mit einigen laut schnaubend- pferdeähnlich klingenden Lippenbremsen-Ausatmungen (ich glaube es war die 50x-Übung) verblasen und veratmet.
Aber der Knoten war nun endlich geplatzt!!!
Von diesem Moment an "durfte" ich symetrisch und gezielt gegen die Kyphose üben ohne mit meiner lächerlichen "Microskoli" behelligt zu werden.
Von diesem Punkt an ging es dann rapide voran.
Auch Sieglinde wurde nun mit ihrer (immerhin 17° Miniskoli) kaum noch asymetriert (sie hatte noch die 3. Beckenkorrektur und ein flachgepatschtes Reissäckchen unter dem kaum wahrnehmbaren "Lendenwülstchen") wurde aber ab diesem Punkt auch wesentlich gezielter auf die Kyphose behandelt.
In der 2. Woche kam dann auch Tobias 78 (auf gegenseitigen Wunsch) in unsere 4b-Gruppe, so daß wir immerhin schon mal 3 sagittale Indikationen in einer Gruppe waren und dann zusammen gegen unsere Kyphosen experimentieren durften, während unsere Skoli-KollegInnen z.B. sich am Querholz plagten oder thorakolumbale Übungen machten.
Es war auch sehr hilfreich, daß ich meine Kyphose der "binären Nomenklatur nach SCHROTH" angepasst habe.
Ich der vorher überhaupt gar keine Schwache Stelle, kein Paket und keine Enge Vorderseite hatte, der eigentlich nur einen Rundrücken (das Wort "Buckel" ist TABU!!!!) hat, hatte plötzlich 2 Schwache Stellen die die gesamten Lendenbereiche beidseitig symetrisch umfassten. Ich hatte 4 Pakete- 2 symetrisch hinten am Kyphosescheitel, 2 symetrisch vorne an meinem prominent-vorstehenden Brustkorb. Und darüber befanden sich 2 enge Vorderseiten- ebenfalls symetrisch.
Dafür hatte ich überhaupt garkeinen Lendenwulst und keine schwache Seite mehr. (konnte auch saugut drauf verzichten!)
Statt Drehwinkelatmung verwendete ich den Begriff der "Knick-Streckwinkelatmung". Ich musste nur nach oben vorne hoch und nach unten hinten den Lendenbereich weitatmen.
Ich hatte nur noch (lächerliche) 2 Beckenkorrekturen (statt der 4bh, die ca. 5 Beckenkorrekturen beachten und 3 asym. Atemstellen koordinieren und 2 unterschiedliche Schulterdrehungen plus einen einseitigen Schultergegenzug verbinden und das Paket raffen mussten).
Das klingt (für Nichtschrothianer) höchst kompliziert. Aber das schafften einige Skolis schon in der 3. Woche schon fast so gut wie Sloopy!
Daß ich aber lernte, meine vorderen Pakete "wegzuraffen" hatte ich zu Beginn der 3. Woche einer Therapeutin zu verdanken, die mir bei der "Hocker-über–den-Kopf-Übung"- als ich wehrlos pumpend und zischend geordnet auf dem Rücken lag - wie eine Suppenschildkröte auf dem Markt von Manila- mit spitzen Fingern unsanft auf meine Rippen drückte. Ich zog sie (die vorderen Rippen meines Thorax) unwillkürlich unter ihren Fingernägeln weg.
"Nun haben sie es gerafft!"
"Huhhhhhhh" Mir blieb schier die Luft weg. Aber ich versuchte es nochmals. Mit einer bestimmten Muskelgruppe meiner Bauchmuskulatur konnte ich tatsächlich meine Rippen einziehen!!!! Die Kyphose hinten konnte ich nur mit streckender Aufrichtung etwas begradigen, aber mein Fass-Thorax-Paket konnte ich nun "wegraffen". Der Lohn waren Tage voller Muskelkater irgendwo tief im Bauch- aber ein herrliches Gefühl "Herr über seine eigenen Rippen-Pakete" zu werden!
Sieglinde hat schon in der 2. Woche beim freien Üben ihre "Königs-Übung" entdeckt. Eine SCHROTH-Übung, die es "offiziell" eigentlich gar nicht gibt.
Sie übte im sitzen "Zwischen 2 Stäben" und investierte anscheinend zu viel Kraft über die Stäbe in den Boden hinein, statt sich zwischen den Stäben selbst aufzurichten. Da nahm ihr Therapeutin einfach die Stäbe weg und sagte ihr, sie solle sich die Stäbe DENKEN! Es war wie ein kleines Wunder. Meine "Frühere Verlobte" ( Sieglindes Code-Namen in Salzu) hatte urplötzlich KEINE KYPHOSE MEHR!!!!! EIN VOLLKOMMEN GERADER RÜCKEN- fast schon ein FLACHRÜCKEN.
Die Übung war so barbarisch anstrengend und sie schaffte es gerade mal 2-3 Atemzüge lang diese enorme Spannung zu halten. Dann war die Kyphose fast ruckartig wieder da. Aber von da weg sah Sieglinde "Licht am Ende des Tunnels- es war für uns beide ein echtes AHA-Erlebnis!
Die Übung hies ab sofort: IM SITZEN ZWISCHEN (OHNE) 2 STÄBE.
Irgendwie hatten wir nun ein ganz erfolgsentscheidenendes Prinzip von SCHROTH kapiert(gerafft!).
Wir wurden nun richtig kreativ. Die Steigerung war dann:
IM SITZEN(ohne Hocker) ZWISCHEN (OHNE) 2 STÄBE.
Das Ganze wahlweise auch im stehen oder knien- wie auch immer...ganz egal...Und das ganze noch (notwendigerweise) zwischen 2 Spiegeln. Wunderbare "Tannenbäumchen" erschienen wie von Zauberhand auf unseren Rückenreliefs, die wir immer länger und immer mehr Atemzüge halten konnten. Das baut gewaltige Körperspannung auf, fordert das tiefe aufrichtende und streckende Muskelkorsett und die Bauchmuskulatur bis zum Äußersten und hinherlässt tagelange Muskelkater-Phasen ganz tief innen drinn. Ich war auf Sieglinde richtig neidisch, da sie ihre 65° Kypho nun ohne die 4-Punkt-Hebelwirkung von "Meister Rahmounis Umarmung" (zumindest für einige Minuten) auf optisch-subjektive 35° begradigen konnte. Ich war total stolz auf meine "Bessere Hälfte und frühere Verlobte" Immerhin feierten wir in Bad Salzungen unseren 23. Hochzeitstag. Hätten wir die 2 Jahre voreheliche Lebenspartnerschaft dazugerechnet, so hätten wir sogar Silberhochzeit feiern können! Aber es zählt leider nicht, wenn man in einem "gschlampeten Verhältniss boarisch haust" (Orginalbez.Allgäu).
Unsere Mitpatienten
Wir waren ein extrem gemischtes und vor allem lustiges Völkchen- wir WS-Patienten.
Von 10 bis über 70 Jahren waren aller Alterstufen vertreten. Von kaum wahrnehmbaren Microskoliosen bis zum schwersten Kippel-Feil-Syndrom- von hochgradigen Schmerzpatienten mit Miniskoliosen zur enormen Skoliosen ohne besondere Schmerzproblematik. Von glücklichen Operierten bis zu fürchterlich enttäuschen operierten Extremschmerzpatienten, die sich nur mit Morphiumpflaster und TENS mühsam in die Therapie hinabschleppten und dort nur entspannende Übungen schafften. Jugendliche mit und ohne Korsetts. Junge ausgewachsene Skoliosen mit und ohne Bandscheiben-Vorfall-Zusatzprobleme. Und das ganze auch noch in einer Gemengelage kreuz und quer durch alle Berufe und sozialen Schichten. Von Rostock bis Bodensee, von Aachen bis Cottbus. Es war sehr interessant miteinander ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig stundenlang die Anamnesen und Erfahrungen zu erzählen und eine mitfühlende weil selbst betroffene Zuhöhrerschaft zu finden.
Leider war der einzige dafür ideal geeignete Platz die Raucherecke auf der Patiententerasse draussen vor dem Speisesaal. Warum bekommen eigentlich die Nichtraucher-Patienten nicht auch so einen wunderbaren Platz zuerkannt? Sogar unser Physiker musste zugeben, daß es irgend ein geheimnissvolles und wenig erforschtes metaphysisches Naturgesetz gibt, wonach der Rauch der Raucher IMMER zu den Nichtrauchern zieht- sogar gegen den Wind und Zugluft!!! Trotzdem ließen wir uns bis zum Hustenreiz einräuchern, nur um bis 2330h zusammensitzen zu können und viel mitanander zu lachen.
Auch etliche gute Fläschchen wurden einigermaßen aufgeteilt, an Jede und Jeden, der sich dazugesellte und ein RIEDEL-Glas stilvoll am Stiel anfassen konnte, statt mit der Hand nach der Cuppa zu grabschen, wie es nur bei Congnac-Schwenkern geduldet wird. Wir waren fast jeden Abend eine so fröhliche Runde, daß sich sogar einige gelangweilte "Lungen-Parkkliniker" lieber zu uns "Wirbelsäulen" dazugesellten, da es ihnen in der Parkklinik drüben am anderen Ufer des Burgsees viel zu fade und trist zuging. Bei uns wurde wirklich sehr viel gelacht und gefeiert. Selbst unsere Jugendlichen gesellten sich ab der 3. Woche zu uns, was ganz besonders einem echten Gesangsstar unter uns zu verdanken war: CHRIS, der uns mit seiner Gitarre und seinen unerschöpflichen Lieder-Repertoire total verzauberte und uns so gute Live-Musik spielte, daß den Restaurant-Gästen der grüne Neidschaum aus dem Mund quoll, da sie eine Tafel: ZUTRITT NUR FÜR PATIENTEN am näheren herantreten hinderte. Mit seiner Stimme, die irgendwo zwischen Bob Dylan und dem jungen Reinhard Mey lag und seinem exellenten Gitarrenspiel schenkte er uns herrliche, niemals zu vergessende Stunden.
Am ersten Abend, an dem er uns sein Können zum Besten gab, wurde uns sogar schon vor 2200h die kinikeigene "Security" (paarweise auftretende, düstere Gestalten mit der Aufschrift ASKLEPIOS-KLINIK-SECURITY auf den T-shirts, so schwarz, daß sie selbst noch in einem dunklen Kohlenkeller eine Schlagschatten werfen würden) auf den Hals hetzten. Schon nach 3 Wochen Schroth-REHA fühlte ich mich so stark, daß ich die "Knäblein am allerliebsten windelweich verhaut hätte, als sie Chris das singen (ohne Verstärker mit kleiner akustischer Gitarre) verbieten wollten! 2 Hochzeiten am Wochenende davor dauerten bis 0300h nachts mit stinkendem Feuerwerk und grauenhafter Elektronikorgel-Alleinunterhalter-Anti-Einschlaf-Musik. Das war anscheinend legal. Nur wenn ein junger Patient singt wie die Reincarnation des Orpheus, dann ist es schon vor 2200h Ruhestörung! Ich war so sauer ( Ø pH-Wert aller meiner Körperflüssigkeiten bei ca. 1,7) wie sonst nie mehr in der ganzen Reha.
Doch eine freundliche Nachtschwester hatte großes Verständnis und öffnete uns noch einen Schroth-Raum, wo wir den wunderbaren Abend nicht apruppt sondern klangvoll beenden konnten. Die schwarzen ASKLEPIOS-Deputies durften weiter breitbeinig und breitschulterig um den See spazieren und auf den Treppen sitzende Jugendliche verscheuchen, während auf den Patientenparkplätzen 3 mal in Autos eingebrochen wurde. Meinen Landy haben sie in Ruhe gelassen, das Ding war den Autoknackern offensichtlich nicht ganz geheuer, obwohl ich einige wertvolle Ausrüstung im Auto liegen hatte.
Lustige Begebenheit: Eine ältere Mitpatientin beschwerte sich eines Morgens bei einer Physiotherapeutin: " Da laufen immer zwei so dunkle Typen nachts am See entlang und um die Klinik herum, man traut sich ja gar nicht hinauszugehen!" Sie war nur sehr zögernd davon zu überzeugen, daß die "dunklen Typen" auch zu ihrem Schutz da sind und für Patienten keine Bedrohung darstellen.
Eine weitere lustige Begebenheit. Ich war leicht überschrothet und hatte zum gemütlichen abendlichen Rumsitzen mein RAHMOUNI angezogen. Da konnte ich die leicht überangestrengten Rückenmuskeln schön entspannen, ohne in die kyphotischen Fehlhaltung zurückzufallen. Ja, an solchen Abenden ist ein RAHMOUNI was echt entspannendes!!! Zumal die Außensessel ohne Keilkissen und/ oder SISSEL-Blasen schon nach einer halben Stunde fast unerträglich werden.Sitzen in Beckenkorrektur darin ist fast unmöglich. Wirklich echt rückenfreundliche Sitzgelegenheit gibt’s nur eine Einzige in der ganzen Klinik, und das ist ein orthopädischer Vorführ-Bürostuhl im Therapiebereich! Aber mit Keilkissen und meinem "Stuttgarter Schildkrötenpanzer" hätte ich es notfalls bis zum Morgengrauen aushalten können. Da flog mir mitten im Gespräch ein Riesevieh von einem echt Thüringer Junikäfer ins Genick und kroch mir sogar UNTER DAS ENGANLIEGENDE KORSETTHEMD!!!! Nach einem grotesken Eiertanz, der den anwesenden Mitpatienten Lachkrämpfe bescherte, konnte mich Sieglinde mit den Fingern zwischen Korsetthemd und Korsett fischend von dem Blödvieh-Krabbelwesen befreien.
Fortsetzung folgt.....
Hier der 2.Teil
2. Teil
So gegen Ende der 1. Woche (ich weiß nicht mehr ganz genau... war es beim "Freien Üben" oder noch in der A-Skoliose-Gruppe?.....) hatte ich dann irgendwann die Schnauze voll.
Als mich wieder eine Therapeutin in eine Sekundärskoli hineinkorrigieren wollte und ich meine "schwache Stelle" berühren und weitatmen sollte, wurde ich stinkesauer:
" Mir reichts! Ich hab überhaupt keine Schwache Stelle!" (Schallendes Gelächter aller Anwesenden)
Die Therapeutin: " Sie haben sogar 2 Schwache Stellen. Ätsch!" ( brüllendes Gelächter)
"Ich will nicht mehr als eine vierbogig-links-Skoliose mit Hüftprominenz behandelt werden! Ich bin überhaupt nicht prominent (wieder lachen) und meine lausige 10° Miniskoli gibts gar nicht, wenn ich meine Beinlängendifferenzausgleich trage oder sitze. Ich bin wegen meiner Scheuermann-Kyphose da und ich will, daß die endlich als Kyphose behandelt wird!"
Alle guckten konsterniert....Ich war fast schon leicht wütend, obwohl ich seit Jahren meine Choleriker-Anwandlungen eigentlich relativ gut unter mentaler Kontrolle hatte.
Die Therapeutin: " Aber wir sind eine Skoliose-Klinik und hier wird vorrangig die Skoliose behandelt!"
Ich: " NEIN! Das stimmt nicht! WIR sind eine Wirbelsäulenklinik und hier werden Wirbelsäulenfehlformen behandelt!"
Die Therapeutin stur: "Wir sind ein Skoliose-Intensiv-Rehabilitations-Zentrum und hier wird vorrangig die Skoliose behandelt. Der LOA will das so!"
" Nochmals NEIN. WIR machen hier Wirbelsäulen-Intensiv-Rehabilitation= W.I.R. So stehts zumindest im Therapie-Konzept. Das bedeutet, daß hier Skolis, Kyphos und andere Fehlstellungen der WS behandelt werden. Da bin ich 200% sicher. S.I.R macht definitiv Bad Sobernheim- aber WIR sind HIER und machen W.I.R! Fragen Sie doch den LOA!"
Betroffenes Silentium..... die Therapeutin war sehr klug zu schweigen und sich der Korrektur einer " real existierenden" Skoliose zuzuwenden und ich hatte meine Wut mit einigen laut schnaubend- pferdeähnlich klingenden Lippenbremsen-Ausatmungen (ich glaube es war die 50x-Übung) verblasen und veratmet.
Aber der Knoten war nun endlich geplatzt!!!
Von diesem Moment an "durfte" ich symetrisch und gezielt gegen die Kyphose üben ohne mit meiner lächerlichen "Microskoli" behelligt zu werden.
Von diesem Punkt an ging es dann rapide voran.
Auch Sieglinde wurde nun mit ihrer (immerhin 17° Miniskoli) kaum noch asymetriert (sie hatte noch die 3. Beckenkorrektur und ein flachgepatschtes Reissäckchen unter dem kaum wahrnehmbaren "Lendenwülstchen") wurde aber ab diesem Punkt auch wesentlich gezielter auf die Kyphose behandelt.
In der 2. Woche kam dann auch Tobias 78 (auf gegenseitigen Wunsch) in unsere 4b-Gruppe, so daß wir immerhin schon mal 3 sagittale Indikationen in einer Gruppe waren und dann zusammen gegen unsere Kyphosen experimentieren durften, während unsere Skoli-KollegInnen z.B. sich am Querholz plagten oder thorakolumbale Übungen machten.
Es war auch sehr hilfreich, daß ich meine Kyphose der "binären Nomenklatur nach SCHROTH" angepasst habe.
Ich der vorher überhaupt gar keine Schwache Stelle, kein Paket und keine Enge Vorderseite hatte, der eigentlich nur einen Rundrücken (das Wort "Buckel" ist TABU!!!!) hat, hatte plötzlich 2 Schwache Stellen die die gesamten Lendenbereiche beidseitig symetrisch umfassten. Ich hatte 4 Pakete- 2 symetrisch hinten am Kyphosescheitel, 2 symetrisch vorne an meinem prominent-vorstehenden Brustkorb. Und darüber befanden sich 2 enge Vorderseiten- ebenfalls symetrisch.
Dafür hatte ich überhaupt garkeinen Lendenwulst und keine schwache Seite mehr. (konnte auch saugut drauf verzichten!)
Statt Drehwinkelatmung verwendete ich den Begriff der "Knick-Streckwinkelatmung". Ich musste nur nach oben vorne hoch und nach unten hinten den Lendenbereich weitatmen.
Ich hatte nur noch (lächerliche) 2 Beckenkorrekturen (statt der 4bh, die ca. 5 Beckenkorrekturen beachten und 3 asym. Atemstellen koordinieren und 2 unterschiedliche Schulterdrehungen plus einen einseitigen Schultergegenzug verbinden und das Paket raffen mussten).
Das klingt (für Nichtschrothianer) höchst kompliziert. Aber das schafften einige Skolis schon in der 3. Woche schon fast so gut wie Sloopy!
Daß ich aber lernte, meine vorderen Pakete "wegzuraffen" hatte ich zu Beginn der 3. Woche einer Therapeutin zu verdanken, die mir bei der "Hocker-über–den-Kopf-Übung"- als ich wehrlos pumpend und zischend geordnet auf dem Rücken lag - wie eine Suppenschildkröte auf dem Markt von Manila- mit spitzen Fingern unsanft auf meine Rippen drückte. Ich zog sie (die vorderen Rippen meines Thorax) unwillkürlich unter ihren Fingernägeln weg.
"Nun haben sie es gerafft!"
"Huhhhhhhh" Mir blieb schier die Luft weg. Aber ich versuchte es nochmals. Mit einer bestimmten Muskelgruppe meiner Bauchmuskulatur konnte ich tatsächlich meine Rippen einziehen!!!! Die Kyphose hinten konnte ich nur mit streckender Aufrichtung etwas begradigen, aber mein Fass-Thorax-Paket konnte ich nun "wegraffen". Der Lohn waren Tage voller Muskelkater irgendwo tief im Bauch- aber ein herrliches Gefühl "Herr über seine eigenen Rippen-Pakete" zu werden!
Sieglinde hat schon in der 2. Woche beim freien Üben ihre "Königs-Übung" entdeckt. Eine SCHROTH-Übung, die es "offiziell" eigentlich gar nicht gibt.
Sie übte im sitzen "Zwischen 2 Stäben" und investierte anscheinend zu viel Kraft über die Stäbe in den Boden hinein, statt sich zwischen den Stäben selbst aufzurichten. Da nahm ihr Therapeutin einfach die Stäbe weg und sagte ihr, sie solle sich die Stäbe DENKEN! Es war wie ein kleines Wunder. Meine "Frühere Verlobte" ( Sieglindes Code-Namen in Salzu) hatte urplötzlich KEINE KYPHOSE MEHR!!!!! EIN VOLLKOMMEN GERADER RÜCKEN- fast schon ein FLACHRÜCKEN.
Die Übung war so barbarisch anstrengend und sie schaffte es gerade mal 2-3 Atemzüge lang diese enorme Spannung zu halten. Dann war die Kyphose fast ruckartig wieder da. Aber von da weg sah Sieglinde "Licht am Ende des Tunnels- es war für uns beide ein echtes AHA-Erlebnis!
Die Übung hies ab sofort: IM SITZEN ZWISCHEN (OHNE) 2 STÄBE.
Irgendwie hatten wir nun ein ganz erfolgsentscheidenendes Prinzip von SCHROTH kapiert(gerafft!).
Wir wurden nun richtig kreativ. Die Steigerung war dann:
IM SITZEN(ohne Hocker) ZWISCHEN (OHNE) 2 STÄBE.
Das Ganze wahlweise auch im stehen oder knien- wie auch immer...ganz egal...Und das ganze noch (notwendigerweise) zwischen 2 Spiegeln. Wunderbare "Tannenbäumchen" erschienen wie von Zauberhand auf unseren Rückenreliefs, die wir immer länger und immer mehr Atemzüge halten konnten. Das baut gewaltige Körperspannung auf, fordert das tiefe aufrichtende und streckende Muskelkorsett und die Bauchmuskulatur bis zum Äußersten und hinherlässt tagelange Muskelkater-Phasen ganz tief innen drinn. Ich war auf Sieglinde richtig neidisch, da sie ihre 65° Kypho nun ohne die 4-Punkt-Hebelwirkung von "Meister Rahmounis Umarmung" (zumindest für einige Minuten) auf optisch-subjektive 35° begradigen konnte. Ich war total stolz auf meine "Bessere Hälfte und frühere Verlobte" Immerhin feierten wir in Bad Salzungen unseren 23. Hochzeitstag. Hätten wir die 2 Jahre voreheliche Lebenspartnerschaft dazugerechnet, so hätten wir sogar Silberhochzeit feiern können! Aber es zählt leider nicht, wenn man in einem "gschlampeten Verhältniss boarisch haust" (Orginalbez.Allgäu).
Unsere Mitpatienten
Wir waren ein extrem gemischtes und vor allem lustiges Völkchen- wir WS-Patienten.
Von 10 bis über 70 Jahren waren aller Alterstufen vertreten. Von kaum wahrnehmbaren Microskoliosen bis zum schwersten Kippel-Feil-Syndrom- von hochgradigen Schmerzpatienten mit Miniskoliosen zur enormen Skoliosen ohne besondere Schmerzproblematik. Von glücklichen Operierten bis zu fürchterlich enttäuschen operierten Extremschmerzpatienten, die sich nur mit Morphiumpflaster und TENS mühsam in die Therapie hinabschleppten und dort nur entspannende Übungen schafften. Jugendliche mit und ohne Korsetts. Junge ausgewachsene Skoliosen mit und ohne Bandscheiben-Vorfall-Zusatzprobleme. Und das ganze auch noch in einer Gemengelage kreuz und quer durch alle Berufe und sozialen Schichten. Von Rostock bis Bodensee, von Aachen bis Cottbus. Es war sehr interessant miteinander ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig stundenlang die Anamnesen und Erfahrungen zu erzählen und eine mitfühlende weil selbst betroffene Zuhöhrerschaft zu finden.
Leider war der einzige dafür ideal geeignete Platz die Raucherecke auf der Patiententerasse draussen vor dem Speisesaal. Warum bekommen eigentlich die Nichtraucher-Patienten nicht auch so einen wunderbaren Platz zuerkannt? Sogar unser Physiker musste zugeben, daß es irgend ein geheimnissvolles und wenig erforschtes metaphysisches Naturgesetz gibt, wonach der Rauch der Raucher IMMER zu den Nichtrauchern zieht- sogar gegen den Wind und Zugluft!!! Trotzdem ließen wir uns bis zum Hustenreiz einräuchern, nur um bis 2330h zusammensitzen zu können und viel mitanander zu lachen.
Auch etliche gute Fläschchen wurden einigermaßen aufgeteilt, an Jede und Jeden, der sich dazugesellte und ein RIEDEL-Glas stilvoll am Stiel anfassen konnte, statt mit der Hand nach der Cuppa zu grabschen, wie es nur bei Congnac-Schwenkern geduldet wird. Wir waren fast jeden Abend eine so fröhliche Runde, daß sich sogar einige gelangweilte "Lungen-Parkkliniker" lieber zu uns "Wirbelsäulen" dazugesellten, da es ihnen in der Parkklinik drüben am anderen Ufer des Burgsees viel zu fade und trist zuging. Bei uns wurde wirklich sehr viel gelacht und gefeiert. Selbst unsere Jugendlichen gesellten sich ab der 3. Woche zu uns, was ganz besonders einem echten Gesangsstar unter uns zu verdanken war: CHRIS, der uns mit seiner Gitarre und seinen unerschöpflichen Lieder-Repertoire total verzauberte und uns so gute Live-Musik spielte, daß den Restaurant-Gästen der grüne Neidschaum aus dem Mund quoll, da sie eine Tafel: ZUTRITT NUR FÜR PATIENTEN am näheren herantreten hinderte. Mit seiner Stimme, die irgendwo zwischen Bob Dylan und dem jungen Reinhard Mey lag und seinem exellenten Gitarrenspiel schenkte er uns herrliche, niemals zu vergessende Stunden.
Am ersten Abend, an dem er uns sein Können zum Besten gab, wurde uns sogar schon vor 2200h die kinikeigene "Security" (paarweise auftretende, düstere Gestalten mit der Aufschrift ASKLEPIOS-KLINIK-SECURITY auf den T-shirts, so schwarz, daß sie selbst noch in einem dunklen Kohlenkeller eine Schlagschatten werfen würden) auf den Hals hetzten. Schon nach 3 Wochen Schroth-REHA fühlte ich mich so stark, daß ich die "Knäblein am allerliebsten windelweich verhaut hätte, als sie Chris das singen (ohne Verstärker mit kleiner akustischer Gitarre) verbieten wollten! 2 Hochzeiten am Wochenende davor dauerten bis 0300h nachts mit stinkendem Feuerwerk und grauenhafter Elektronikorgel-Alleinunterhalter-Anti-Einschlaf-Musik. Das war anscheinend legal. Nur wenn ein junger Patient singt wie die Reincarnation des Orpheus, dann ist es schon vor 2200h Ruhestörung! Ich war so sauer ( Ø pH-Wert aller meiner Körperflüssigkeiten bei ca. 1,7) wie sonst nie mehr in der ganzen Reha.
Doch eine freundliche Nachtschwester hatte großes Verständnis und öffnete uns noch einen Schroth-Raum, wo wir den wunderbaren Abend nicht apruppt sondern klangvoll beenden konnten. Die schwarzen ASKLEPIOS-Deputies durften weiter breitbeinig und breitschulterig um den See spazieren und auf den Treppen sitzende Jugendliche verscheuchen, während auf den Patientenparkplätzen 3 mal in Autos eingebrochen wurde. Meinen Landy haben sie in Ruhe gelassen, das Ding war den Autoknackern offensichtlich nicht ganz geheuer, obwohl ich einige wertvolle Ausrüstung im Auto liegen hatte.
Lustige Begebenheit: Eine ältere Mitpatientin beschwerte sich eines Morgens bei einer Physiotherapeutin: " Da laufen immer zwei so dunkle Typen nachts am See entlang und um die Klinik herum, man traut sich ja gar nicht hinauszugehen!" Sie war nur sehr zögernd davon zu überzeugen, daß die "dunklen Typen" auch zu ihrem Schutz da sind und für Patienten keine Bedrohung darstellen.
Eine weitere lustige Begebenheit. Ich war leicht überschrothet und hatte zum gemütlichen abendlichen Rumsitzen mein RAHMOUNI angezogen. Da konnte ich die leicht überangestrengten Rückenmuskeln schön entspannen, ohne in die kyphotischen Fehlhaltung zurückzufallen. Ja, an solchen Abenden ist ein RAHMOUNI was echt entspannendes!!! Zumal die Außensessel ohne Keilkissen und/ oder SISSEL-Blasen schon nach einer halben Stunde fast unerträglich werden.Sitzen in Beckenkorrektur darin ist fast unmöglich. Wirklich echt rückenfreundliche Sitzgelegenheit gibt’s nur eine Einzige in der ganzen Klinik, und das ist ein orthopädischer Vorführ-Bürostuhl im Therapiebereich! Aber mit Keilkissen und meinem "Stuttgarter Schildkrötenpanzer" hätte ich es notfalls bis zum Morgengrauen aushalten können. Da flog mir mitten im Gespräch ein Riesevieh von einem echt Thüringer Junikäfer ins Genick und kroch mir sogar UNTER DAS ENGANLIEGENDE KORSETTHEMD!!!! Nach einem grotesken Eiertanz, der den anwesenden Mitpatienten Lachkrämpfe bescherte, konnte mich Sieglinde mit den Fingern zwischen Korsetthemd und Korsett fischend von dem Blödvieh-Krabbelwesen befreien.
Fortsetzung folgt.....
Zuletzt geändert von Toni am So, 29.06.2003 - 18:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Spila
- treues Mitglied

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- Wohnort: St. Gallen und nähe Basel, Schweiz
Hallo Toni
Dein Bericht war wieder mal wirklich sehr spannend zu lesen!!!!!!!
Vor allem hat sich gezeigt, dass man sich wehren muss, wenn man eine gute Therapie will.
Gibt es eigentlich wirklich so wenige Kyphosen in Bad Salzungen?
Warum schaut man nicht, dass man die Kyphosen nur an wenigen Daten pro Jahr behandelt, dafür eine eigene Gruppe macht?
Dein Bericht war wieder mal wirklich sehr spannend zu lesen!!!!!!!
Vor allem hat sich gezeigt, dass man sich wehren muss, wenn man eine gute Therapie will.
Gibt es eigentlich wirklich so wenige Kyphosen in Bad Salzungen?
Warum schaut man nicht, dass man die Kyphosen nur an wenigen Daten pro Jahr behandelt, dafür eine eigene Gruppe macht?
... that's life, but we've got only one, so let's make the best out of it!
- NettiAngel
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Hallo Toni,
wie Spila schon geschrieben hat, wieder ein sehr spannender Beitrag von dir.
Bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil, hoffe der kommt noch vor Mittwoch
Wie waren denn nun eigentlich die Salzunger Nächte auf einer nicht-Tempur Matratze?
wie Spila schon geschrieben hat, wieder ein sehr spannender Beitrag von dir.
Bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil, hoffe der kommt noch vor Mittwoch
Wie waren denn nun eigentlich die Salzunger Nächte auf einer nicht-Tempur Matratze?
Man muss sich stets vergegenwärtigen, dass der heutige Tag nur einmal kommt. Er kehrt niemals wieder!
- Toni
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- Beiträge: 4388
- Registriert: Sa, 20.04.2002 - 19:07
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- Diagnose: M. Scheuermann Kyphose (urspr. 68°)
M. Baastrup - Therapie: 1 Boston B.O.B.
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2 Rahmouni´s
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Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen! - Wohnort: Allgäu
Salzunger Nächte
Ohne das Posting des LOA Dr. Steffan:
" der Patient muss selbst halb Medizin studieren und dann Forderungen stellen......"
wäre ich vermutlich nicht ganz so forsch aufgetreten.
DANKE Dr. Steffan!
Die Matratzen sind gut. Sieglinde konnte sehr gut damit schlafen, freute sich aber in der 4. Woche schon sehr auf die TEMPUR zuhause. Ich habe so 3-4 Nächte ohne Korsett geschlafen und das war auch gut.
Aber zum Schlafen mit Korsett sind die Matratzen zumindest für mich definitiv nicht geeignet. Man sinkt zwar weich ein- aber ganz im Gegensatz zu Tempur baut diese Matratze ein großes Rückspannungspotential auf. Bei Seitlage im Korsett entsteht eine unangenehm hohe Druckspannung an den Reklinationspelotten, die den unteren Arm fast abquetscht. Zudem war der Schlaf unruhig, weil die Matratze "wabbliger" als die Tempur ist. Sie sinkt gut ein, bildet aber nicht so körperkongruedte Mulden wie die Tempur ein den man ruhig bebettet liegt. Gottseidank hatte ich mein Tempur-Reiseset dabei. Wer diese Matratzen gekauft hat, hat definitiv noch nie ein Nacht im Korsett darauf verbracht.
Eine andere junge Rahmouni-Trägerin hat in Salzu fast durchschlafen können. Aber die war halt noch nicht von zuhause mit Tempur verwöhnt und versaut.
Einige "Alt-Sobernheimer" hätte heilige Eide geschworen, daß in Sobi zumindest ein Teil der Betten mit TEMPUR ausgestattet wären.
Eine operierte Skoli mit relativ langer Versteifungsstrecke konnte auch nicht schlafen und war die ersten Nächte morgens wie gerädert.
Erst nach mehreren Tagen und nach dem sie schriftlich erklärt hatte, daß sie die eventuellen Folgen selbstverantwortlich trägt ( = juristische Folgen-Freistellungserklärung !!!), erhielt sie ein Brett auf den Lattenrost. Von da an war es gut und sie konnte tief und schmerzfrei schlafen. Es lag also eindeutig mehr am Rost als an der Matratze. Wir fanden alle, daß eine WS-Fachklinik in dieser Hinsicht eventuell etwas kreativer und flexibler reagieren sollte.
Nach meiner Schätzung waren aber 90% der Patienten mit den Matratzen zufrieden.
Die Bettdecken waren für den Hochsommer eindeutig zu warm.
Auf bitten erhielten wir von den "Guten Feen der Hauswirtschaft" sofort Wolldecken mit Überzug.
Gruß Toni
" der Patient muss selbst halb Medizin studieren und dann Forderungen stellen......"
wäre ich vermutlich nicht ganz so forsch aufgetreten.
DANKE Dr. Steffan!
Die Matratzen sind gut. Sieglinde konnte sehr gut damit schlafen, freute sich aber in der 4. Woche schon sehr auf die TEMPUR zuhause. Ich habe so 3-4 Nächte ohne Korsett geschlafen und das war auch gut.
Aber zum Schlafen mit Korsett sind die Matratzen zumindest für mich definitiv nicht geeignet. Man sinkt zwar weich ein- aber ganz im Gegensatz zu Tempur baut diese Matratze ein großes Rückspannungspotential auf. Bei Seitlage im Korsett entsteht eine unangenehm hohe Druckspannung an den Reklinationspelotten, die den unteren Arm fast abquetscht. Zudem war der Schlaf unruhig, weil die Matratze "wabbliger" als die Tempur ist. Sie sinkt gut ein, bildet aber nicht so körperkongruedte Mulden wie die Tempur ein den man ruhig bebettet liegt. Gottseidank hatte ich mein Tempur-Reiseset dabei. Wer diese Matratzen gekauft hat, hat definitiv noch nie ein Nacht im Korsett darauf verbracht.
Eine andere junge Rahmouni-Trägerin hat in Salzu fast durchschlafen können. Aber die war halt noch nicht von zuhause mit Tempur verwöhnt und versaut.
Einige "Alt-Sobernheimer" hätte heilige Eide geschworen, daß in Sobi zumindest ein Teil der Betten mit TEMPUR ausgestattet wären.
Eine operierte Skoli mit relativ langer Versteifungsstrecke konnte auch nicht schlafen und war die ersten Nächte morgens wie gerädert.
Erst nach mehreren Tagen und nach dem sie schriftlich erklärt hatte, daß sie die eventuellen Folgen selbstverantwortlich trägt ( = juristische Folgen-Freistellungserklärung !!!), erhielt sie ein Brett auf den Lattenrost. Von da an war es gut und sie konnte tief und schmerzfrei schlafen. Es lag also eindeutig mehr am Rost als an der Matratze. Wir fanden alle, daß eine WS-Fachklinik in dieser Hinsicht eventuell etwas kreativer und flexibler reagieren sollte.
Nach meiner Schätzung waren aber 90% der Patienten mit den Matratzen zufrieden.
Die Bettdecken waren für den Hochsommer eindeutig zu warm.
Auf bitten erhielten wir von den "Guten Feen der Hauswirtschaft" sofort Wolldecken mit Überzug.
Gruß Toni
- Sabi
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Hypermobilität
Spondyloarthritis - Therapie: aktuell Nachtkorsett von Rahmouni
manuelle Therapie
Schroth-KG
Hallo Toni,
deine Berichte sind wirklich einmalig
Nachdem ich das mit den Autoeinbrüchen gelesen hab,bin ich wirklich froh,mich dafür entwscheiden zu haben,doch nicht selbst mit dem Auto hinzufahren.
Bin wie die anderen auch,schon sehr auf den nächsten Teil gespannt.
Liebe Grüße,Sabi

deine Berichte sind wirklich einmalig
Nachdem ich das mit den Autoeinbrüchen gelesen hab,bin ich wirklich froh,mich dafür entwscheiden zu haben,doch nicht selbst mit dem Auto hinzufahren.
Bin wie die anderen auch,schon sehr auf den nächsten Teil gespannt.
Liebe Grüße,Sabi
In der Idee leben heißt,
das Unmögliche behandeln,
als wenn es möglich wäre.
Goethe
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- bluecat
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- Diagnose: Double Major Skoliose LWS 51°, BWS 57° in 2007
2013 BWS+LWS 57°
Gleitwirbel L2/L3 - Therapie: Korsett als Jugendliche (erst CBW Korsett, dann Cheneau von Sanomed)
Korsett als Erwachsene (´03 -´07 Rahmouni,
seit 7/11 cctec),
Rehas 96, 02, 06, 09, 12, 15; KG, OP Empfehlung - Wohnort: Hessen
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Charlie
- Toni
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Teil 3
Hallo Charlie
.........Widerstandstraining gegen nicht fachgerechte Behandlung?
Absolut nicht!!!!
Um gleich eventuellen Missverständnissen vorzubeugen.... wir fühlten uns zu keinem Zeitpunkt nicht fachgerecht behandelt!!!
Die Behandlung war von Anfang an hochqualifiziert und professionell. Wir lernten in der Skoliose-A-Gruppe sehr viel. Logischerweise als 2 Kyphos unter lauter Skolis auch Dinge und Übungen, die wir in der Praxis gar nicht brauchten. Z. B. Muskelzylinder in Seitlage. Das lernten wir einfach mit und übten es zuerst mal fleißig. Erst in den Stunden des freien Übens und in der Schroth-Gruppe haben die Therapeutinnen beim korrigieren festgestellt, daß das bei uns nicht viel bringt, weil man in Seitlage zwar sehr viel Einfluss auf eine Asymetrie hat, aber fast keine Wirkung in der sagittalen Ebene. Theoretisch hätten wir uns die ganzen Seitlage-, Hüftholz- und Thorakolumbalen Übungen gleich einsparen können. Bei letzeren haben wir eh fast nur noch zugeguckt und dann was symetrisches variiert und versucht. Aber wir haben alles gelernt, versucht, geübt, uns korrigieren lassen und dann gemeinsam festgestellt: Nix für uns-gestrichen.
Dafür haben sich ab der 2. Und der 3. Woche die Therapeutinnen für uns wenigen Kyphos fast so viel Zeit genommen wie für die Skolis und uns einige sehr kyphose-spezifische Übungen beigebracht, mit denen die Skolis wiederum gar nix anfangen konnten, wie "Zwischen 2 Stühlen kniend"- oder "spezielle Querholz mit Deuserband-Kyphose-Übungen" oder "Die Kuh vor dem Karren" eine gegurtete Streck- und Zug-Übung im Vierfüßler-Stand, usw....
Wir sind nicht prinzipiell falsch behandelt worden, nur weil wir auch einige Skoli-Übungen mitlernen mussten. Es hat uns außer ein bischen Zeitverlust (ich kann sehr ungeduldig werden) nicht geschadet. Im Gegenteil. Mich hat es zumindest interessiert und Sieglinde hat auch noch 15° Skoli.
Um die Stimmung nach der Einführungswoche etwas zu schildern:
Unsere Einführungswochen-Therapeutin hat sich zum Schluss von uns verabschiedet. "Tschüssi, ich gehe nun 2 Wochen in Urlaub"
Ich zynisch: " Ulaub? Was ist das???"
Die Therapeutin schwärmerisch:" Urlaub ist etwas gaaaaanz Schönes!"
Meine sonst so wortkarge ehemalige Verlobte schlagfertig: "Kann es denn etwas schöners geben als zu Schrothen?"
Also es war KEIN Wiederstandstrainig gegen falsche Behandlung. Das ist offensichtlich einigen "Obersobernianern" in den falschen Hals geraten.
Man könnte auch so sagen: Wir haben Schroth derart ganzheitlich gelernt, daß wir nun sowohl Kyphose- als auch Skoliose-spezifische Übungen können. Daß wir zuerst total skoliose-spezifisch behandelt wurden, lag einfach am einstudierten Skoli-Schema, das wir auch ohne meinen "Ungedulds-Ausraster" bald verlassen hätten, nur ein paar Übungsstunden später. Ich habs halt nicht verknusen können, wenn ich aufgefordert werde, mir in die Schwache Stelle zu fassen, wenn ich noch gar nicht begriffen habe, ob und wo ich diese überhaupt habe.
Zur Schroth- Intensität in Bad Salzungen
Auch diesem Missverständniss muss vorgebeugt werden, daß in Bad Salzungen angeblich Schlaff-Schroth betrieben wird. MITNICHTEN!
Wir hatten an manchen Tagen 2 mal Schroth-Gruppe (neue Übungen oder Circel-training) 3 mal eine Stunde freies Üben und Atemtherapie. Also fast 6 h Schroth. Wenn man pech hatte war auch noch Sequenztraining (Kraft-Training an Maschinen) und Fahrrad-ergonometer dazwischen. Wenn man Glück hatte ein entspannendes Fango oder relaxen auf dem Hydrojet. Oft endeten die Tage mit Wassergymnastik. Oder man setzte noch ein schnelles und extrem anstrengendes Bauch-Beine-Po-Trainig um 1700h drauf.
Wenn einem die Milchsäure schon aus den Muskeln tropft, daß der Schweiß der die "Tannenbäumchen" am Rücken herunterrinnt schon nach Jogurth riecht, die Schultern beim Abendessen so weh tun vor lauter Schultergegenzug und Türrahmen-Übungen, daß einem ein Löffel schwer vorkommt, die Ruhigstellung im Korsett als Erlösung vorkommt und man sogar bei der Hitze, die wir hatten am Abend gerne zur Muskelkaterbekämpfung in die Sauna geht, was sollte man da noch mehr schrothen??? Wir haben trainiert und geübt, als wollten wir eine Goldmedaillie im Schrothen gewinnen. Wenn jemand behauptet, daß in Sobi noch mehr oder noch intensiver geübt würde, dem müsste ich sagen, daß das dann eher kontraproduktiv wäre. Noch mehr hätte uns lahmgelegt. Wir waren so schon an vielen Abenden total überschrothet. Mehr geht nicht und wäre auch nicht sinnvoll! Die Intensität und Quantität war kaum noch steigerbar. Das steht für mich fest.
Es waren auch mehrere mehrfach-"Alt-Sobernheimer" da, die mir übereinstimmend bestätigt haben, daß in Sobernheim nicht intensiver oder mehr geschrothet wird. Eine Skoli ( 2 x Sobi) sagte mir auch, daß in Salzu viel detaillierter auf ihre spezielle Form der Skoliose und den Flachrücken eingegangen wird, als jemals in Sobernheim. Und wenn man so ab der 2. Und 3. Woche die Mitpatienten beobachtete, wie perfekt sich manche schon aufrichten und entdrehen, die Skoliosen "wegzaubern" konnten. Nahezu perfekt!
Unvorstellbar wie das in Sobi angeblich hätte noch besser sein können?
Es waren auch einige wenige Jugendliche da, die relativ spät zum freien Über reingehuscht sind, ein bischen in der Nähe einer Sprossenwand rumgeschnauft oder auf einer Matte gepustet haben. Sobald die Unterschrift der Therapeutin auf dem Therapieplan war, waren sie auch wieder schnell fertig- und meistens die die es eigentlich bitter nötig gehabt hätten etwas fleißiger zu trainieren. "Was? Schon fertig? Wieviel Übungen und wieviel Wiederholungen hast Du denn gemacht?"
"Doch schon einige..." - und husch- draußen.
Wie wird eigentlich solchen "Schroth-Faulen" in Sobi begegnet?
Doch die allermeisten waren echt sehr fleißig!
Die allermeisten Therapeutinnen sind ja in Sobernheim ausgebildet. Ich habe zwar keinen direkten Vergleich, kann mir aber nicht vorstellen, daß dort qualitativ wesentlich besser geschrothet wird. Den verschiedenen Erzählungen nach soll es in Sobi Therapeutinnen geben, die leider relativ desinteressiert und "Schroth-müde" sind. In Salzu wechseln die Therapeutinnen alle paar Monate zwischen Park-Klinik und Seeklinik hin- und-her.
Wir wurden immer sehr engagiert betreut und intensiv korrigiert.
Lediglich samstags waren die 2 Schroth-Räume mit "Frei Übenden" etwas zu überfüllt und mindestens 1. Therapeutin zu wenig im Einsatz. Das ändert sich aber sicher, wenn bald die ehemalige Rolltor-Garage auch zum "Schroth-Raum" umgebaut ist.
Was aber echt kritisiert werden kann und auch von mir Dr. Steffan gegenüber schon offen angesprochen wurde: Die Atemtherapie war etwas unterbewertet.
Sie findet in Sobernheim angeblich in Einzeltherapie statt.
In Salzu waren wir dazu viel zu große Gruppen (einmal sogar12 Leute) und die Atemtherapie fand 2 mal pro Woche gegenseitig unter Partnertausch statt.
Einmal hatte ich als Partner bei der Atemtherapie einen extrem mageren zartgliedrigen Jungen der äußerst konsequent ein grauenhaft hässliches Korsett (im Vergleich zu Rahmouni´s) trug. Dann sah ich erstmals seine WS. Sowas hatte ich auch noch nie gesehen und ich musste mich erst mal orientieren, was bei ihm die schwache Seite und die schwache Stelle war, die wir massieren und mit Igelbällen anregen sollten. Seine Skoli war enorm und sehr tief lumbal-thorakal. Seine Zeichnung hatte er nicht dabei. Ich forderte Ihn auf mit der Hand in seine schwache Stelle zu fassen- aber er wusste es nicht. So fragte ich die mit 14 Leuten leicht überlastete Atem- Therapeutin: " Stimmt es, er seine schwache Stelle und die Schwache Seite übereinander auf der gleichen Seite rechts?"
"Sie sollen hier keine Diagnosen stellen sondern ihm endlich die Schwache Stelle massieren" war die etwas brüske Antwort. Da sich bei Ihm eine pergamentdünne Haut knalleng über die Knochen spannte wagte ich gar nicht so fest zuzulangen wie es vielleicht nötig gewesen wäre. Ich fühlte mich als "Hilfs-Therapeut" leicht überfordert. Der zartgliederige Junge wiederum hatte in den zarten Fingerchen dann bei mir kaum die Kraft, durch meine leider immer noch reichlich vorhandenen Speckschwarten richtig die Atemstellen zu reizen und es kitzelte mehr. Ich musste mich eisern zusammennehmen, nicht einen Kitzelreiz-Lachanfall zu bekommen- er gab sich solche Mühe. In dieser Form ist die Atemtherapie nicht optimal zu erlernen.
Zitat einer Kyphoskoliose Sobernheimerin: " wennn ich nicht schon in Sobi gewesen wäre, hier wüsste ich noch nicht wo ich eigentlich hinatmen soll"
Gottseidank gibt noch Optimierungspotential!
Es waren auch einige wenige Jugendliche da, die relativ spät zum freien Über reingehuscht sind, ein bischen in der Nähe einer Sprossenwand rumgeschnauft oder auf einer Matte gepustet haben. Sobald die Unterschrift der Therapeutin auf dem Therapieplan war, waren sie auch wieder schnell fertig- und meistens die die es eigentlich bitter nötig gehabt hätten etwas fleißiger zu trainieren. "Was? Schon fertig? Wieviel Übungen und wieviel Wiederholungen hast Du denn gemacht?"
"Doch schon einige..." - und husch- draußen. Doch die allermeisten waren echt sehr fleißig!
Eine weitere lustige (fast ernste) Begebenheit
Ein Mädchen hatte ein Rahmouni-Korsett, das sie selbst nicht anlegen konnte.
Ja, sowas gibt’s tatsächlich!!! Hätte ich früher auch nicht geglaubt.
Aber sie hatte einen so kurzen gedrungenen Oberkörper und so große Bögen, daß sie nicht einmal den Rastergurt in den Verschluss (den Nippel durch die Lasche ziehen), geschweige denn die Überlappung zusammengebracht hätte.
2 andere Mädchen mussten mit aller Kraft helfen und von den Seiten drücken damit sie das Korsett überhaupt zu brachte. Sogar ich musste mich sehr anstrengen, sie so seitlich zusammenzudrücken, daß sie es schließen konnte. Sie kam auch seit März nur auf eine Tragezeit von 2,5 h/d, was natürlich viiiieeel zu wenig war. Ich motivierte sie sehr. Sie wollte es auch schaffen das Korsett selbst anzulegen. Ich ging zum Landy und fand in seinem schier unerschöpflichen Equipment einen 1 Mg- Ratschenspanngurt zur Ladungssicherung. (1Mg = 1.000 kg also eine Tonne)
Zuerst übte ich das Procedere der Korsett-Schießung mittels Ratschenspanngurt an mir selbst und machte einen Praktikabilitäts- und Plausibilitätsprüfung. Ergebnis: Mit einem solchen Spanngurt hätte man mühelos einen Traktorreifen in ein Rahmouni-Korsett hineinpressen können!
Dann machte ich eine Vorführung bei den Kid´s.
Ich legte mich im offenen Korsett auf den Boden, fädelte den Spanngurt ein, zog von Hand so weit wie möglich zu und begann die Ratsche zu betätigen. Bis zur gewünschten Enge- und dann STOP.
Dann lies ich das Mädchen selbst probieren. Es klappte gar nicht schlecht. Damit konnte sie tatsächlich ihr brutales Rahmouni endlich selbst anlegen und fein dosiert bis zur gewünschten Korrektur-Enge zuschnallen. Super- dachte ich mir- ein Problem weniger- sehr technisch gelöst!
Am nächsten Tag stand ich zufällig mit Dr. Steffan auf dem Gang zu einem kurzen Talk, als die 2 anderen Mädchen in heller Aufregung gerannt kamen: "TONI-TONI, dumussst......Guten Tag Dr. Steffan, ....hmmmmm-" Deutliche Verlegenheit, offensichtlich wegen der Anwesenheit des LOA- "TONI- kannst Du dann bitte-bitte-bitte- sofort in *****Zimmer kommen??" Ich ahnte Füchterliches. "Was ist denn los?"
"Ach, **** und ihr Korsett und der Gurt und wir wissen nicht und sie liegt am Boden und...."
Dr. Steffan war eh auf dem Absprung und ich rannte in ihr Zimmer. Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Sie lag mitten im Zimmer auf dem Boden wie eine umgedrehte Meeresschildkröte und hatte sich mit dem Spanngurt völlig verheddert. Das korsett war optimal zu, sie japste etwas nach luft, konnte es aber noch gut aushalten. Die Windungen des Gurtes waren viel zu viele um das Spannschloss herumgewickelt, so daß sich alles verklemmt hatte. Ich hatte im Gegensatz zu jahrelanger Angewohnheit innerhalb der Klinik auf das mitführen meines
Leatherman, (den ich sonst sogar neben das Bett lege) verzichtet. Und nun war ein echter Notfalleinsatz für so ein Universalwerkzeug. Es stand mir aber nur ein kleines ASKLEPIOS- Obstmesser (teil der Zimmerausstattung) zur Verfügung. Damit säbelte ich nun auf ****´s Rahmoni und meinem 1-Mg-Spanngurt herum, bis dieser zerschnitten von der zwischen japsen und kichern hin-und-hergerissenen **** herunterviel. Ein Druck auf den Einrast-Mittelgurt-Verschlussmechanismus und das Rahmouni sprang auf wie bei einer kleinen Sprengung. Nun lachten wir alle. Sie war befreit und ich hatte meinen Spanngurt vernichtet. Aber mir standen schon Schweißperlen auf der Stirn.
Das mit dem Spanngurt hätte schon gut funktioniert, nur war meine technische Instruktion den Mädchen gegenüber zu kurz. Sie haben viel zu früh beim lockeren Gurt angefangen zu ratschen, so daß viel zu viele Windungen drauf kamen, bis Spannwirkung entstand.
Dadurch hatte sich alles total verheddert.
Ich war wieder mal eine Erfahrung klüger. Ich kenne einige hervorragende weibl. Ingenieure und habe überhaupt kein "Matscho-Vorurteil" HUCH- FRAUEN & TECHNIK IGITTT mehr gehabt. Ich dachte viel zu leichtfertig, daß die Girls sicher damit klar kommen. Ich hab es ja gezeigt und geübt. Aber so einfach wars dann eben doch nicht. Irren ist menschlich!
Fortsetzung folgt
Toni
Hallo Charlie
.........Widerstandstraining gegen nicht fachgerechte Behandlung?
Absolut nicht!!!!
Um gleich eventuellen Missverständnissen vorzubeugen.... wir fühlten uns zu keinem Zeitpunkt nicht fachgerecht behandelt!!!
Die Behandlung war von Anfang an hochqualifiziert und professionell. Wir lernten in der Skoliose-A-Gruppe sehr viel. Logischerweise als 2 Kyphos unter lauter Skolis auch Dinge und Übungen, die wir in der Praxis gar nicht brauchten. Z. B. Muskelzylinder in Seitlage. Das lernten wir einfach mit und übten es zuerst mal fleißig. Erst in den Stunden des freien Übens und in der Schroth-Gruppe haben die Therapeutinnen beim korrigieren festgestellt, daß das bei uns nicht viel bringt, weil man in Seitlage zwar sehr viel Einfluss auf eine Asymetrie hat, aber fast keine Wirkung in der sagittalen Ebene. Theoretisch hätten wir uns die ganzen Seitlage-, Hüftholz- und Thorakolumbalen Übungen gleich einsparen können. Bei letzeren haben wir eh fast nur noch zugeguckt und dann was symetrisches variiert und versucht. Aber wir haben alles gelernt, versucht, geübt, uns korrigieren lassen und dann gemeinsam festgestellt: Nix für uns-gestrichen.
Dafür haben sich ab der 2. Und der 3. Woche die Therapeutinnen für uns wenigen Kyphos fast so viel Zeit genommen wie für die Skolis und uns einige sehr kyphose-spezifische Übungen beigebracht, mit denen die Skolis wiederum gar nix anfangen konnten, wie "Zwischen 2 Stühlen kniend"- oder "spezielle Querholz mit Deuserband-Kyphose-Übungen" oder "Die Kuh vor dem Karren" eine gegurtete Streck- und Zug-Übung im Vierfüßler-Stand, usw....
Wir sind nicht prinzipiell falsch behandelt worden, nur weil wir auch einige Skoli-Übungen mitlernen mussten. Es hat uns außer ein bischen Zeitverlust (ich kann sehr ungeduldig werden) nicht geschadet. Im Gegenteil. Mich hat es zumindest interessiert und Sieglinde hat auch noch 15° Skoli.
Um die Stimmung nach der Einführungswoche etwas zu schildern:
Unsere Einführungswochen-Therapeutin hat sich zum Schluss von uns verabschiedet. "Tschüssi, ich gehe nun 2 Wochen in Urlaub"
Ich zynisch: " Ulaub? Was ist das???"
Die Therapeutin schwärmerisch:" Urlaub ist etwas gaaaaanz Schönes!"
Meine sonst so wortkarge ehemalige Verlobte schlagfertig: "Kann es denn etwas schöners geben als zu Schrothen?"
Also es war KEIN Wiederstandstrainig gegen falsche Behandlung. Das ist offensichtlich einigen "Obersobernianern" in den falschen Hals geraten.
Man könnte auch so sagen: Wir haben Schroth derart ganzheitlich gelernt, daß wir nun sowohl Kyphose- als auch Skoliose-spezifische Übungen können. Daß wir zuerst total skoliose-spezifisch behandelt wurden, lag einfach am einstudierten Skoli-Schema, das wir auch ohne meinen "Ungedulds-Ausraster" bald verlassen hätten, nur ein paar Übungsstunden später. Ich habs halt nicht verknusen können, wenn ich aufgefordert werde, mir in die Schwache Stelle zu fassen, wenn ich noch gar nicht begriffen habe, ob und wo ich diese überhaupt habe.
Zur Schroth- Intensität in Bad Salzungen
Auch diesem Missverständniss muss vorgebeugt werden, daß in Bad Salzungen angeblich Schlaff-Schroth betrieben wird. MITNICHTEN!
Wir hatten an manchen Tagen 2 mal Schroth-Gruppe (neue Übungen oder Circel-training) 3 mal eine Stunde freies Üben und Atemtherapie. Also fast 6 h Schroth. Wenn man pech hatte war auch noch Sequenztraining (Kraft-Training an Maschinen) und Fahrrad-ergonometer dazwischen. Wenn man Glück hatte ein entspannendes Fango oder relaxen auf dem Hydrojet. Oft endeten die Tage mit Wassergymnastik. Oder man setzte noch ein schnelles und extrem anstrengendes Bauch-Beine-Po-Trainig um 1700h drauf.
Wenn einem die Milchsäure schon aus den Muskeln tropft, daß der Schweiß der die "Tannenbäumchen" am Rücken herunterrinnt schon nach Jogurth riecht, die Schultern beim Abendessen so weh tun vor lauter Schultergegenzug und Türrahmen-Übungen, daß einem ein Löffel schwer vorkommt, die Ruhigstellung im Korsett als Erlösung vorkommt und man sogar bei der Hitze, die wir hatten am Abend gerne zur Muskelkaterbekämpfung in die Sauna geht, was sollte man da noch mehr schrothen??? Wir haben trainiert und geübt, als wollten wir eine Goldmedaillie im Schrothen gewinnen. Wenn jemand behauptet, daß in Sobi noch mehr oder noch intensiver geübt würde, dem müsste ich sagen, daß das dann eher kontraproduktiv wäre. Noch mehr hätte uns lahmgelegt. Wir waren so schon an vielen Abenden total überschrothet. Mehr geht nicht und wäre auch nicht sinnvoll! Die Intensität und Quantität war kaum noch steigerbar. Das steht für mich fest.
Es waren auch mehrere mehrfach-"Alt-Sobernheimer" da, die mir übereinstimmend bestätigt haben, daß in Sobernheim nicht intensiver oder mehr geschrothet wird. Eine Skoli ( 2 x Sobi) sagte mir auch, daß in Salzu viel detaillierter auf ihre spezielle Form der Skoliose und den Flachrücken eingegangen wird, als jemals in Sobernheim. Und wenn man so ab der 2. Und 3. Woche die Mitpatienten beobachtete, wie perfekt sich manche schon aufrichten und entdrehen, die Skoliosen "wegzaubern" konnten. Nahezu perfekt!
Unvorstellbar wie das in Sobi angeblich hätte noch besser sein können?
Es waren auch einige wenige Jugendliche da, die relativ spät zum freien Über reingehuscht sind, ein bischen in der Nähe einer Sprossenwand rumgeschnauft oder auf einer Matte gepustet haben. Sobald die Unterschrift der Therapeutin auf dem Therapieplan war, waren sie auch wieder schnell fertig- und meistens die die es eigentlich bitter nötig gehabt hätten etwas fleißiger zu trainieren. "Was? Schon fertig? Wieviel Übungen und wieviel Wiederholungen hast Du denn gemacht?"
"Doch schon einige..." - und husch- draußen.
Wie wird eigentlich solchen "Schroth-Faulen" in Sobi begegnet?
Doch die allermeisten waren echt sehr fleißig!
Die allermeisten Therapeutinnen sind ja in Sobernheim ausgebildet. Ich habe zwar keinen direkten Vergleich, kann mir aber nicht vorstellen, daß dort qualitativ wesentlich besser geschrothet wird. Den verschiedenen Erzählungen nach soll es in Sobi Therapeutinnen geben, die leider relativ desinteressiert und "Schroth-müde" sind. In Salzu wechseln die Therapeutinnen alle paar Monate zwischen Park-Klinik und Seeklinik hin- und-her.
Wir wurden immer sehr engagiert betreut und intensiv korrigiert.
Lediglich samstags waren die 2 Schroth-Räume mit "Frei Übenden" etwas zu überfüllt und mindestens 1. Therapeutin zu wenig im Einsatz. Das ändert sich aber sicher, wenn bald die ehemalige Rolltor-Garage auch zum "Schroth-Raum" umgebaut ist.
Was aber echt kritisiert werden kann und auch von mir Dr. Steffan gegenüber schon offen angesprochen wurde: Die Atemtherapie war etwas unterbewertet.
Sie findet in Sobernheim angeblich in Einzeltherapie statt.
In Salzu waren wir dazu viel zu große Gruppen (einmal sogar12 Leute) und die Atemtherapie fand 2 mal pro Woche gegenseitig unter Partnertausch statt.
Einmal hatte ich als Partner bei der Atemtherapie einen extrem mageren zartgliedrigen Jungen der äußerst konsequent ein grauenhaft hässliches Korsett (im Vergleich zu Rahmouni´s) trug. Dann sah ich erstmals seine WS. Sowas hatte ich auch noch nie gesehen und ich musste mich erst mal orientieren, was bei ihm die schwache Seite und die schwache Stelle war, die wir massieren und mit Igelbällen anregen sollten. Seine Skoli war enorm und sehr tief lumbal-thorakal. Seine Zeichnung hatte er nicht dabei. Ich forderte Ihn auf mit der Hand in seine schwache Stelle zu fassen- aber er wusste es nicht. So fragte ich die mit 14 Leuten leicht überlastete Atem- Therapeutin: " Stimmt es, er seine schwache Stelle und die Schwache Seite übereinander auf der gleichen Seite rechts?"
"Sie sollen hier keine Diagnosen stellen sondern ihm endlich die Schwache Stelle massieren" war die etwas brüske Antwort. Da sich bei Ihm eine pergamentdünne Haut knalleng über die Knochen spannte wagte ich gar nicht so fest zuzulangen wie es vielleicht nötig gewesen wäre. Ich fühlte mich als "Hilfs-Therapeut" leicht überfordert. Der zartgliederige Junge wiederum hatte in den zarten Fingerchen dann bei mir kaum die Kraft, durch meine leider immer noch reichlich vorhandenen Speckschwarten richtig die Atemstellen zu reizen und es kitzelte mehr. Ich musste mich eisern zusammennehmen, nicht einen Kitzelreiz-Lachanfall zu bekommen- er gab sich solche Mühe. In dieser Form ist die Atemtherapie nicht optimal zu erlernen.
Zitat einer Kyphoskoliose Sobernheimerin: " wennn ich nicht schon in Sobi gewesen wäre, hier wüsste ich noch nicht wo ich eigentlich hinatmen soll"
Gottseidank gibt noch Optimierungspotential!
Es waren auch einige wenige Jugendliche da, die relativ spät zum freien Über reingehuscht sind, ein bischen in der Nähe einer Sprossenwand rumgeschnauft oder auf einer Matte gepustet haben. Sobald die Unterschrift der Therapeutin auf dem Therapieplan war, waren sie auch wieder schnell fertig- und meistens die die es eigentlich bitter nötig gehabt hätten etwas fleißiger zu trainieren. "Was? Schon fertig? Wieviel Übungen und wieviel Wiederholungen hast Du denn gemacht?"
"Doch schon einige..." - und husch- draußen. Doch die allermeisten waren echt sehr fleißig!
Eine weitere lustige (fast ernste) Begebenheit
Ein Mädchen hatte ein Rahmouni-Korsett, das sie selbst nicht anlegen konnte.
Ja, sowas gibt’s tatsächlich!!! Hätte ich früher auch nicht geglaubt.
Aber sie hatte einen so kurzen gedrungenen Oberkörper und so große Bögen, daß sie nicht einmal den Rastergurt in den Verschluss (den Nippel durch die Lasche ziehen), geschweige denn die Überlappung zusammengebracht hätte.
2 andere Mädchen mussten mit aller Kraft helfen und von den Seiten drücken damit sie das Korsett überhaupt zu brachte. Sogar ich musste mich sehr anstrengen, sie so seitlich zusammenzudrücken, daß sie es schließen konnte. Sie kam auch seit März nur auf eine Tragezeit von 2,5 h/d, was natürlich viiiieeel zu wenig war. Ich motivierte sie sehr. Sie wollte es auch schaffen das Korsett selbst anzulegen. Ich ging zum Landy und fand in seinem schier unerschöpflichen Equipment einen 1 Mg- Ratschenspanngurt zur Ladungssicherung. (1Mg = 1.000 kg also eine Tonne)
Zuerst übte ich das Procedere der Korsett-Schießung mittels Ratschenspanngurt an mir selbst und machte einen Praktikabilitäts- und Plausibilitätsprüfung. Ergebnis: Mit einem solchen Spanngurt hätte man mühelos einen Traktorreifen in ein Rahmouni-Korsett hineinpressen können!
Dann machte ich eine Vorführung bei den Kid´s.
Ich legte mich im offenen Korsett auf den Boden, fädelte den Spanngurt ein, zog von Hand so weit wie möglich zu und begann die Ratsche zu betätigen. Bis zur gewünschten Enge- und dann STOP.
Dann lies ich das Mädchen selbst probieren. Es klappte gar nicht schlecht. Damit konnte sie tatsächlich ihr brutales Rahmouni endlich selbst anlegen und fein dosiert bis zur gewünschten Korrektur-Enge zuschnallen. Super- dachte ich mir- ein Problem weniger- sehr technisch gelöst!
Am nächsten Tag stand ich zufällig mit Dr. Steffan auf dem Gang zu einem kurzen Talk, als die 2 anderen Mädchen in heller Aufregung gerannt kamen: "TONI-TONI, dumussst......Guten Tag Dr. Steffan, ....hmmmmm-" Deutliche Verlegenheit, offensichtlich wegen der Anwesenheit des LOA- "TONI- kannst Du dann bitte-bitte-bitte- sofort in *****Zimmer kommen??" Ich ahnte Füchterliches. "Was ist denn los?"
"Ach, **** und ihr Korsett und der Gurt und wir wissen nicht und sie liegt am Boden und...."
Dr. Steffan war eh auf dem Absprung und ich rannte in ihr Zimmer. Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Sie lag mitten im Zimmer auf dem Boden wie eine umgedrehte Meeresschildkröte und hatte sich mit dem Spanngurt völlig verheddert. Das korsett war optimal zu, sie japste etwas nach luft, konnte es aber noch gut aushalten. Die Windungen des Gurtes waren viel zu viele um das Spannschloss herumgewickelt, so daß sich alles verklemmt hatte. Ich hatte im Gegensatz zu jahrelanger Angewohnheit innerhalb der Klinik auf das mitführen meines
Leatherman, (den ich sonst sogar neben das Bett lege) verzichtet. Und nun war ein echter Notfalleinsatz für so ein Universalwerkzeug. Es stand mir aber nur ein kleines ASKLEPIOS- Obstmesser (teil der Zimmerausstattung) zur Verfügung. Damit säbelte ich nun auf ****´s Rahmoni und meinem 1-Mg-Spanngurt herum, bis dieser zerschnitten von der zwischen japsen und kichern hin-und-hergerissenen **** herunterviel. Ein Druck auf den Einrast-Mittelgurt-Verschlussmechanismus und das Rahmouni sprang auf wie bei einer kleinen Sprengung. Nun lachten wir alle. Sie war befreit und ich hatte meinen Spanngurt vernichtet. Aber mir standen schon Schweißperlen auf der Stirn.
Das mit dem Spanngurt hätte schon gut funktioniert, nur war meine technische Instruktion den Mädchen gegenüber zu kurz. Sie haben viel zu früh beim lockeren Gurt angefangen zu ratschen, so daß viel zu viele Windungen drauf kamen, bis Spannwirkung entstand.
Dadurch hatte sich alles total verheddert.
Ich war wieder mal eine Erfahrung klüger. Ich kenne einige hervorragende weibl. Ingenieure und habe überhaupt kein "Matscho-Vorurteil" HUCH- FRAUEN & TECHNIK IGITTT mehr gehabt. Ich dachte viel zu leichtfertig, daß die Girls sicher damit klar kommen. Ich hab es ja gezeigt und geübt. Aber so einfach wars dann eben doch nicht. Irren ist menschlich!
Fortsetzung folgt
Toni