Wie steht es um meinen Rücken?

Fragen und Antworten rund um das Thema Skoliose
Antworten
Seebär

Wie steht es um meinen Rücken?

Beitrag von Seebär »

Hallo,
ich habe zwar bald einen Orthopädentermin, aber ich hoffe ihr könnt mir helfen, meinen Rückenstatus einzuschätzen.

Meine Geschichte:
Bin männlich, 21 Jahre alt. Als ich 5 oder 6 war, habe ich mal für kurze Zeit Krankengymnastik wegen meinem Rücken erhalten, genaueres weiß ich aber nicht mehr. Rundrücken und Hohlkreuz habe ich seit meiner frühen Jugend, deutlich sichtbar aber immer schmerzfrei. Habe aber nie viel Sport gemacht, so dass meine Rückenmuskulatur nur bedingt entwickelt war. 2003 bin ich zur Bundeswehr, als Grundwehrdienstleistender auf einem Marineschiff als Navigator. Dort habe ich richtige Rückenschmerzen bekommen, rückblickend lag es wohl daran, dass ich überhaupt keinen Sport mehr gemacht habe und oft ohne Körperspannung am Kartentisch stand...
Nachdem die Schmerzen mich schließlich an meinem Dienst hinderten, bin ich zu einem BW-Orthopäden, der folgendes feststellte:

"Rezidivierendes Rückenschmerzsyndrom bei kombinierter WS-Skoliose mit teilkontraktem Hohlrundrücken stärkeren Ausmaßes."

Befund:
"Bei normalgewichtigem Habitus ist das Gangbild ungestört. Zehen- und Hackengang sind problemlos möglich. Das Abhocken und Wiederaufrichten ebenfalls. Beckengeradstand. In der Rumpfbeugung FBA 30cm- Die im Stand deutlich vermehrte BWS-Kyphose richtet sich bei der Reklination nicht vollständig auf, in der Inklination keine wesentliche Ausweichbewegung, aber Entwicklung eines ausgeprägten linksseiten Lendenwulstes bei nicht vollständiger Entfaltbarkeit der LWS. Die Seitneigungen sind bds. unangenehm, aber noch altersentsprechend frei. Leichte Klopfempfindlichkeit über den Dornfortsätzen der Wirbelkörper. Die Rückenstrecker sind vermehrt tonisiert, die Kibler'scher Hautfalte ist bds. praravertebral negativ. Eine Nachfederungsempfindlichkeit im Bereich des lumbosacralen Übergangs besteht nicht, die Kreuzdarmbeingelenke sind frei. Auf der Untersuchungsliege in Rückenlage ist das Lasegue-Zeichen bds. negativ. Hüft- und Kniegelenke frei beweglich. Grob neurologisch keine Auffälligkeiten im Bereich der unteren Extremitäten. Eine radikuläre Symptomatik besteht nicht.

Rö.: BWS/ LWS in jesweils 2 Ebenen:
Vermehrte BWS-Kyphose, angedeutete Keilwirbel im Kyphosescheitel, großbogige re.-konvexe Ausbiegung mit Scheitelpunkt bei Th 12, kuzbogiger Gegenschwung li.-konvex lumbal mit Scheitelpunkt bei LWK 3. Die Dornfortsätze L1 bis 5 sind aus der Mittellinie deutlich nach re. herausgedreht. Bogenschlussstörung S1. Nicht vollständig einsehbare Kreuzdarmbeingelenke, re. wesentlich schlechter einsehbar als li. Im Seitbild Fehlstatik in sehr ausgeprägtem Maße, das Lot aus dem Mittelpunkt von L3 fällt auf die Hinterkante von S1. Kein Anhalt für Wirbelgleiten. Sonst keine Bandscheibenraumverschmälerungen.

Röntgenbilder oder Gradangaben habe ich leider nicht.

Bin daraufhin für borddienstuntauglich erklärt und in eine Schreibeinheit versetzt worden. Zusätzlich Physiotherapie und Fango/ Massage. Zudem habe ich mit Kraftsport und Laufen begonnen und bin heute sehr aktiv.

Seit meiner BW-Zeit habe ich eine sehr gute Rückenmuskulatur entwickelt. Kann heute ohne Probleme 3 Sätze Kreuzheben a 8 Wiederholungen mit 80kg machen und steiger mich langsam beim Gewicht weiter. Ähnliches bei Kniebeugen, hier sogar noch mit etwas mehr Gewicht. Die Haltung bei diesen Übungen ist korrekt. Ich neige zwar noch zum Hohlkreuz und zum Rundrücken, wenn ich entspannt stehe, doch ist meine Haltung deutlich besser geworden. Eine leichte Dysbalanz fällt nur bei genauer Betrachtung meines freien Oberkörpers auf, nur wenn ich mich nach vorne beuge ist im Bereich der linken LWS ein Wulst fühl- und sehbar. Bis darauf, dass ich was Dehnübungen im Vergleich zu anderen nicht ganz so beweglich bin, fühle ich mich nicht weiter eingeschränkt, Rückenschmerzen habe ich auch bei Belastung keine mehr und ich bin um eine gute Körperhaltung bemüht.


Nun möchte ich gerne wieder zur See fahren und weiß, dass damit mein Rücken wieder stärker belastet wird. Dieser Belastung fühle ich mich aber absolut gewachsen.
Mein Problem ist aber die Seetauglichkeitsuntersuchung, die auch für die zivile Seefahrt nötig ist. Da ich damals wegen meiner Skoliose, die bis zu diesem Zeitpunkt niemand(!) bemerkt hat, untauglich wurde, habe ich Angst, es nicht zu schaffen. Die Ärze sagten mir damals, bauen sie ordentlich Stützmuskulatur auf und sie werden mit dem Rücken keine Probleme mehr haben.

Was meint ihr, kann ich mir Hoffnung machen?


Danke und Gruß
Robin :)
Benutzeravatar
Toni
Profi
Profi
Beiträge: 4388
Registriert: Sa, 20.04.2002 - 19:07
Geschlecht: männlich
Diagnose: M. Scheuermann Kyphose (urspr. 68°)
M. Baastrup
Therapie: 1 Boston B.O.B.
1 Milwaukee
2 Rahmouni´s
1 TüKO
Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen!
Wohnort: Allgäu

Beitrag von Toni »

Hallo Robin-Seebär
welcome on board!

Dein Marine-Orthopäde war ja echt klasse in seinem Befund! Langes Gelabere, aber das Wichtigste und Entscheidende fehlt: Die Cobb-Winkel -Grade und die Rotations-Angaben! (Wäre wohl eher eine Aufgabe für einen Navigator als für einen "Knochenklempner" gewesen.
So wie sich das für mich aus dem befund darstellt hast Du Hohlkreuz und Rundrücken und eine lumbale Skoliose mit Lendenwulst.
Damit wurdest für die glorreiche kaiserliche Kriegsmarine und für die "christliche Seefahrt" borduntauglich, dürftest aber in einer Segelyacht so oft um den Globus schippern, wie Du Lust und Zeit hast! ;D

Nun aber mal im Ernst!
Du brauchst als erstes einen richtigen Befund, mit vermessenem Ganz-WS Röntgenbild. Alles andere ist sinnlos.
Kraftsport und laufen ist schön und recht, wird aber an Deiner Skoliose gar nichts ändern und sie eher noch verschlimmern, auch wenn Du (momentan) nichts spürst.
30 cm FBA (Finger-Boden-Abstand) ist erbärmlich, ich schaff im Korsett (!!!) 0 cm. Das war auch nur ein Teil der SCHOBER & OTT-Vermessung, die bei Dir auch vollständig zu machen wäre!
Du brauchst einen (zivilen) Orthopäden, der ein (in Deinem Fall sogar 2- seilich und von hinten) Ganz-WS-RöBi macht und Dich vermisst.
Eventuell solltest Du eine Schroth-Reha machen. Das würde die optimale Grundlage für die Selbstkorrektur der Skoliose und Kyphose/Hyperlordose bilden.
Mit einem Korsett wärest Du erst recht nicht bordtauglich, es wäre aber der intensivste, schnellste und wirksamste Weg Dich aufzurichten und Deine Haltung zu verändern.
Aber auch nach 3-4 Wochen Schroth-Reha kannst Du Dich durch jede Bordtauglichkeits-Untersuchung "durchschmuggeln".

Dein Sport trainiert nur die äußeren Bewegungsmuskeln, aber leider kaum die tiefliegende "Stützmuskulatur" und schon gar nicht die Muselgruppen, mit denen man sich selbst in der Korrektur stabilisiert.
Interessant wäre noch, ob Du Scheuermann-Symptome hast, die Beschreibung Deiner Haltung lässt dies sehr vermuten.

Ich bin nun über 50, habe aber immer noch einen "Traumberuf":
Vormann auf einem Seenot-Rettungskreuzer.
Bild


Ich kann Dich soooooo gut verstehen!
"Seeeeeemann, deine Liebe ist das Meer..... ;) "
Ahoi, Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
Benutzeravatar
Klaus
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 15279
Registriert: Mi, 23.06.2004 - 18:36
Geschlecht: männlich
Wohnort: Hannover

Beitrag von Klaus »

Seebär hat geschrieben:Kann heute ohne Probleme 3 Sätze Kreuzheben a 8 Wiederholungen mit 80kg machen und steiger mich langsam beim Gewicht weiter
Oh je, offenbar Gewichtheben mit Langhanteln!?
Das ist so ziemlich das Gefährlichste, was man bei Skoliose/Kyphose machen kann, weil hierbei aufgrund einer möglichen falschen Haltung die Situation weiter verschlimmert wird, ohne das man das erst mal merkt.
Ich habe auch auf Anraten meines Orthopäden vor über 20 Jahren mit Muskelaufbau angefangen und bin wenigstens wegen eines Leistenbruchs vom Frei-Hantel-Training abgekommen. Aber auch das hat nicht viel genützt.
Die Schmerzen kamen erst viel später, trotz neuer Muskelpakete.
Die Ursache dafür war eine Verschlimmerung meiner Kyphose, mit der man leider auch im Erwachsenen-Alter rechnen muss, wenn man nicht gezielt richtig entgegenwirkt!

Heute kombiniere ich Schroth-Übungen mit gezieltem Fitness-Training an Geräten. Dazu sollte man unbedingt die schon von Toni angesprochene REHA machen und davor erst mal eine genaue Diagnose mit entsprechenden Winkelangaben.

Gruss
Klaus
Seebär

Beitrag von Seebär »

Erstmal Danke für eure Antworten! :)

Morgen früh habe ich meinen Orthopädietermin, danach weiß ich hoffentlich genau, wie es um mich bestellt ist.
Ich fühl mich gut, aber leugnen, dass meine Wirbelsäule nicht ganz ok ist, kann ich nicht.
FBA 30cm ist knapp 2 Jahre alt, würde vermuten heute sind es noch ca. 10 cm.
Das Freihanteltraining habe ich auf Anraten des Arztes begonnen, Kniebeugen und Kreuzheben seien bei richtiger Übngsausführung auch kein Problem. Habe immer jemanden dabei, der mich beobachtet und bei Bedarf korrigiert. Aber da die Gewichte jetzt mein eigenes Körpergewicht übersteigen bin ich etwas vorsichtig geworden und lass mich erstmal richtig durchchecken. Morgen weiß ich mehr...


Gruß
Robin
Antworten