Warum müssen die Bandscheiben raus?

Fragen zum Thema Wirbelsäulen OP's
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tulipana
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Warum müssen die Bandscheiben raus?

Beitrag von tulipana »

Wer weiss warum die Bandscheiben eigentlich entnommen werden? Sind die Stäbe nicht stark genug? Verschlechtert sich die Wirbelsäule sonst wieder?

Stäbe und Bandscheiben klinkt irgendwie freundlicher für den Körper, und ist sicher auch für später mit weniger Schmerzen verbunden.

Danke für die ev. Informationen.
LG Tulipana
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Toni
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Re: Warum müssen die Bandscheiben raus?

Beitrag von Toni »

tulipana hat geschrieben:Wer weiss warum die Bandscheiben eigentlich entnommen werden? Sind die Stäbe nicht stark genug? Verschlechtert sich die Wirbelsäule sonst wieder?
Hallo Tulipana
Ein erheblicher Teil der verdrehten Spannung einer skoliotischen Wirbelsäule steckt in den Bandscheiben. Durch die Stäbe werden die Bandscheiben sinnlos. Nur wenn die Bandscheiben in einer speziellen OP entfernt werden ventrales Release (übersetzt etwa: "Befreiung von Vorne")
und durch Knochenmaterial (aus Rippe, Beckenkamm, usw...)ersetzt werden, bildet sich eine sogenannte "Spondylodese-Straße". Das bedeutet, daß die befreiten Wirbelkörper mit dem Knochenmaterial, das die Chirurgen statt den entnommenen Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern plazieren, zu einem einzigen möglichst stabilen Knochen zusammenwächst. Wenn das passiert ist (bei jugendlichen in wenigen Monaten) könnten theoretisch die Stäbe wieder entfernt werden.

Würden die Bandscheiben drinn bleiben und nur die Stäbe von dorsal aufgeschraubt, würde eine gewaltige Spannung auf den Schrauben und Stäben lasten. Diese Spannung würde viel mehr Schmerzen und Unsicherheit verursachen. Bei einem Bruch der Stäbe oder Schraubenausriß würde die Wirbelsäule sofort wieder in die skoliotische Rotation zurückschnellen.
tulipana hat geschrieben:Stäbe und Bandscheiben klinkt irgendwie freundlicher für den Körper, und ist sicher auch für später mit weniger Schmerzen verbunden.
Das Gegenteil ist der Fall! Leider ist es genau anders herum.
Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, eine befriedigende OP-Methode für Skoliosen zu entwickeln, bei der die Bandscheiben und damit die WS-Beweglichkeit erhalten bleibt.
Gruß Toni
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tulipana
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Beitrag von tulipana »

Hallo Toni,

Ah ah. Danke für die Erklärung. Das Auffüllen habe ich in dem Video gesehen. Sieht aus wie Hackfleisch was einfach in den Löcher gestopft wird.

Weisst du wie es mit den biegsamen Stäbe aus Groningen (NL) steht?
Die wurden vor ein paar Jahren entwickelt. Werden kalt und krumm (Skolioseform) im Körper rein getan, sobald sie die Körpertemp. annehmen stellen sie sich gerade. So bleibt die Wirbelsäule noch leicht beweglich.
Brauchen die noch lange bis die nach D oder CH kommen? Meine Tochter hat gestern erwähnt, dass sie wartet bis die da sind. Ob ihre Skoliose auch so lange wartet sei dahin gestellt.
Gruss Tulipana
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Toni
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Beitrag von Toni »

tulipana hat geschrieben:Hallo Toni,

Weisst du wie es mit den biegsamen Stäbe aus Groningen (NL) steht?
Die wurden vor ein paar Jahren entwickelt. Werden kalt und krumm (Skolioseform) im Körper rein getan, sobald sie die Körpertemp. annehmen stellen sie sich gerade. So bleibt die Wirbelsäule noch leicht beweglich.
Brauchen die noch lange bis die nach D oder CH kommen?
Fragt doch mal bei Min und Hefti, was sie für Implantate verwenden und warum. Ob sie das Groninger "Meomry-Implantat" kennen und warum sie es nicht (oder eventuell doch?) einbauen.
Diese Fragen könnt Ihr nur mit den WS-Chirurgen besprechen, die für Euch in Frage kommen.
Beim HZI wird ein Stab auch der seitlichen Krümmung der Skoliose angepasst und in die Pedikelklammerschrauben eingelegt.
Durch axiale Drehung um 90° wird dann aus dem Thorakalen Skoliose eine physiologische BWS-Kyphose von ca. 30°. So sind schlagartig der Flachrücken und die Skoliose weg und es sieht auch noch "kosmetisch" gut aus. Aber auch das HZI geht NICHT ohne ventrales Release!
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