Hallo Anni,
so ungewöhnlich finde ich deine Frage gar nicht. Ich bin z.B. sehr ländlich aufgewachsen, da gehörte zur Gartenarbeit mehr als Blümchen pflücken

(Meine Eltern hatten in meiner Kindheit und Jugend Nutztierhaltung, sowie bzgl. Obst und Gemüse fast kein Zukauf, Mithilfe war da selbstverständlich.) Und auch Kinder, die weniger ländlich aufwachsen, machen z.B. Sport, toben, möchten altersgerechte Ausflüge und Freizeiten mitmachen etc., sodass sich die grundsätzliche Frage für fast alle stellen dürfte.
Zum Heben: Meist wird empfohlen, dass erwachsene Personen mit Skoliose - je nach Ausprägung, Beschwerden und Trainingszustand - nicht mehr als ca. 5 - 10 kg heben sollten. Das bedeutet nicht, dass jegliches schwereres Heben sofort schädlich ist; Beruf oder Hobby, bei dem schwereres Heben häufiger vorkommt, sollten jedoch vermieden werden. Es kommt auch stark auf das "wie" des Hebens an.
Zum Korsett:
Auch mit Korsett kann man sich körperlich betätigen. Bestimmte Tätigkeiten werden erschwert, z.B. bodennahes Arbeiten (konkretes Beispiel etwa Fallobst ohne Rechen auflesen, Unkraut jäten, etwas mit Lappen ohne Schrubber aufwischen etc.). In einem Korsett schwitzt man üblicherweise auch mehr. Weil sich nicht jede beliebige Körperhaltung im Korsett einnehmen lässt, ist man oft etwas langsamer oder weniger ausdauernd (stelle dir z.B. vor, du gehst in die Hocke um Pflanzen zu setzen - musst du den Oberkörper gerade halten und kannst die Schultern weniger bewegen, strengt das schon mehr an). Aber dennoch kann man auch mit einem Korsett aktiv sein: der Körper gewöhnt sich durchaus an die Einschränkungen, sodass man sie mit der Zeit besser kompensieren kann. Und es gibt auch im Bereich "Land, Hof, Hauswirtschaft" einiges, das man im Sitzen, Stehen etc. machen kann. Schwierig sind tendenziell so "Zwischen-Haltungen" wie halb in Hocke, halb gebückt, oder im Stehen vornüber gebeugt etc.
Auch wenn vermutlich viel möglich sein wird, wird gerade anfangs mit Korsett etliches mühsamer und langsamer gehen, manches auch dauerhaft.
Vermieden werden sollten übrigens - egal ob mit oder ohne Korsett - häufige einseitige Belastungen. An Sport wäre das z.B häufiges Tennis- oder Badmintonspielen (man hält den Schläger immer in der selben Hand und holt Schwung...), und dazu gehört z.B. auch, häufig mit der selben Seite ein Werkzeug zu benutzen, das man asymmetrisch hält, z.B. immer nach einer Seite gedreht fegen, schaufeln etc.
Inwieweit nimmt die Schule Rücksicht auf Schüler mit nicht ganz so offensichtlichen körperlichen Einschränkungen, wenn z.B. manche Arbeiten nicht möglich sind oder langsamer, mit anderen Bewegungsabläufen oder nur mit mehr Pausen erfolgen? Manche Lehrer bekommen das, meiner Erfahrung nach, gut auf die Reihe (jedenfalls nach Erklärung)

, für andere sind Einschränkungen mit "nicht sollen", "braucht länger", "nicht zu viel/schwer" weniger akzeptiert, da man es ja "irgendwie" könnte
Eine Betätigung, die grundsätzlich möglich ist, nicht zu Beschwerden führt, bei Bedarf reduzierbar ist und anderweitig positiv ist (z.B.: Freude macht, einen therapeutischen Effekt hat, Bewegung in den Alltag bringt) würde ich persönlich nicht "abschaffen" oder "verbieten". Die wirklich belastenden Elemente der Betätigung rausnehmen, viel dort ansetzen wo eine Veränderung ohne Verzicht möglich ist (z.B. besserer Schreibtisch und Schreibtischstuhl, doppelter Satz Schulbücher/Materialien um sie nicht tragen zu müssen), auch mal etwas "durchgehen" lassen das momentan nicht so positiv ist (z.B.: doch mal eine Runde Badminton mit Freunden, mal das Korsett einen Tag nicht zu tragen um einen Ausflug besser mitzumachen), dafür aber psychisch gut tut (gefühlt: man muss nicht alles wegen Skoliose aufgeben) und das Beibehalten (Compliance) der Korsetttherapie und Physiotherapie fördert, halte ich für wichtiger.
Viele Grüße
Raven