Korsetts für Erwachsene?!

Alles zur Korsett-Therapie für Jugendliche und Erwachsene bei Skoliose, Morbus Scheuermann, Kyphose ...
peter 1
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konkrete Berichte

Beitrag von peter 1 »

Ich will meine Antwort an Toni fortsetzen:

Hallo Toni,
Du sprichst immerwieder meine umfangreiche Lebens- und Skoliose-Erfahrung an und bemängelst, dass ich daraus nicht konkret genug berichte. Eine meiner Erfahrungen ist, dass ein Beispiel schon überholt sein kann, wenn man davon berichtet. Ich wiederhole, was ich hier vor kurzem schon einmal geschrieben habe:

Ich habe mich im Jahr 2000 in Cuxhaven an der Wirbelsäule operieren lassen. (Das ist meine bisher einzige Skoliose-OP gewesen.) Seitdem hat der Träger des Seehospitals Sahlenburg gewechselt und eine neue Ausrichtung der Klinik eingeführt, die technische Ausstattung der Klinik wurde grundlegend erneuert, 'mein' Operateur ist in Pension gegangen, ein anderer ist Chef der Wirbelsäulenklinik geworden, wieviel von dem damaligen Pflegepersonal heute noch dort arbeitet, weiß ich nicht.
Was würde es irgend jemandem hier im Forum nützen, wenn ich zwischenzeitlich über Einzelheiten meiner Operation und meiner Betreuung berichtet hätte? Was von allgemeinem Interesse war, habe ich berichtet und wurde dafür kritisiert, dass das zu allgemein gewesen sei.

Solche Erkenntnisse sind, dass in den letzten 5 Jahren die Operationstechnik große Fortschritte gemacht hat, dass viele neue Wirbelsäulen-Spezialisten Chefärzte in den betreffenden Kliniken geworden sind, dass Operationserfolge machbar sind, die man sich vor 5 Jahren nicht vorstellen konnte, dass es trotzdem keine fehlerfreie Klinik gibt, dass der Erfolg einer OP nicht nur von der Technik und vom Chefarzt, sondern vom ganzen medizinischen Team abhängt, dass jede/r, der/die vor einer (großen) Operation steht, erkunden muß, wie die aktuellen Bedingungen in verschiedenen Kliniken sind, dass er/sie dazu eine unabhängige, nach Möglichkeit sachkundige Begleitperson mitnehmen sollte, damit der/die Betroffene einen Beobachtungs- und Gesprächspartner hat, mit dem er/sie die große Fülle von Einzelheiten sortieren und diskutieren kann, um zu einer guten Klärung und Entscheidung zu kommen.

Das und anderes mehr kann man sowohl hier in der virtuellen Selbsthilfegruppe des Forums als auch in einer konventionellen Selbsthilfegruppe reflektieren und konkretisieren. Die Selbsthilfegruppe vor Ort hat in der Regel ein kompakteres Wissen und eine konkretere Hilfsmöglichkeit als sonst eine Organisation.

Das hier für Kliniken skizzierte Prinzip der Informationsbeschaffung und Verarbeitung gilt in entsprechender Weise auch für die anderen in Frage kommenden Bereiche der Skoliose-Behandlung, nämlich für den Umgang mit Ärzten, Therapeuten, Krankenkassen, Rententrägern, Behörden usw. Mit der konkreten Unterstützung einer Selbsthilfegruppe vor Ort schafft man vieles leichter als sonstwie. Das ist meine durchgängige Erfahrung.

Ich will demnächst als ein Beispiel einen erfolgreichen Widerspruch gegen eine Einweisung in eine ungeeignete Rehaklinik hier darstellen.

So viel für heute. Fortsetzung folgt. Aus der Heide grüßt Dich Peter.
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Kypho60
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Beitrag von Kypho60 »

Hallo an alle Erwachsenen !

Da das Thema Korsett bei allen Kindern und Jugendlichen bei entsprechender Indikation wohl unstrittig befürwortet wird, möchte ich hierauf nicht eingehen. Auch will ich dieses Thema nicht auf Ops bei Akutversorgung (z.B. Unfall etc.) ausdehnen sondern nur zu den so genannten Wirbelsäulendeformitäten meinen „Senf“ dazu tun. Auch auf das große Gebiet der Osteoporosefolgen möchte ich hier nicht eingehen.

Aber wie sieht es bei uns „Oldies“ aus, die noch lange kein Fall für die Geriatrie sind?
1.) Nicht fortschreitende Wirbelsäulenverkrümmung ohne weitere Komplikationen.
2.) Fortschreitende WS-Verkrümmung ohne weitere Komplikationen.
3.) WS-Verkrümmung mit intermittierenden Schmerzen, die mit KG, (gut verträglichen) Schmerzmitteln etc. gut in den Griff zu bekommen sind
4.) WS-Verkrümmung mit therapieresistenten Schmerzen
5.) WS-Verkrümmung, die weitere (z.B. organische) Komplikationen verursachen können (jetzt oder auch in Zukunft)
6.) ...
7.) ... (bitte bei Bedarf ergänzen)

Ich vermute, das kaum einer bei 1.) , 2.) oder 3.) einen akuten Handlungsbedarf sieht
Bei 4.) liegt es sicher an jedem Einzelnen, wie weit er dem Leidensdruck standhält, bevor er weitere Schritte in Erwägung zieht.
Zu 5.) dürfte wohl auch unstrittig sein, das Maßnahmen ergriffen werden müssen. Hier ist eine solide Diagnostik aber unabdingbar.

In wie weit eine individuelle Erkrankung kritisch ist oder werden kann, sollte unbedingt von einem KOMPETENTEN Arzt beurteilt werden.

Nun habe ich aus diversen Veröffentlichungen nur folgende Hauptrichtungen weiterführender Therapieansätze behalten:
10.)Symptomatische Schmerzbehandlung durch Infiltration von Schmerzmitteln (z.T. im Zusammenhang mit Glukoseinjektione.
Schmerzbehandlung mittels Dauerkatheter – später evtl. auch medikamentöse Nervenblokaden
Verabreichung von zentral wirkenden Schmerzmitteln bis hin zu Opiaten (mit z.T. deutlichen Nebenwirkungen)
11.)Operation (wird anscheinend fast genauso oft durchgeführt, wie vor ihr gewarnt wird)
12.)KG nach Schroth (bei adäquater Schmerzsymptomatik, wird aber nicht sehr oft angeführt)
13.)Korsettbehandlung (wird meist ignoriert oder nur ganz am Rande behandelt)
14.)... (bitte bei Bedarf ergänzen)

Beispiel aus den „Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO)“ , veröffentlicht z.B. von der Uni Düsseldorf
Morbus Scheuerman
(....)
Therapie
Ziele
1.Verhinderung des Auftretens bzw. der Progression zu einer schwerwiegenden Wirbelsäulendeformität
2.Schmerzreduktion bzw. -beseitigung
3.Versuch der Korrektur der Wirbelsäulendeformität ( Anmerkung: juvenil ? )
(....)
Orthopädietechnische Maßnahmen
Bei Krümmungen ab 45 Grad wird eine reklinierende Korsetttherapie (... bezieht sich in diesem Text nur auf Heranwachsende, alles schon bekannt ...)
Operative Therapie
Fixierte Kyphosen am knöchern ausgewachsenen Skelett ab einem Winkel von 60 Grad werden für eine operative Korrektur vorgeschlagen. Die Indikation wird mit großer Zurückhaltung gestellt.
Allgemeine Indikationskriterien
1.Schwere der Krümmung
2.Beeinträchtigung der Ästhetik
3.Schmerzbedingte Beeinträchtigung
4.Neurologische Symptomatik
5.Beeinträchtigung der Lungenfunktion
Häufige Operationsverfahren
Kombination einer ventralen Bandscheibenausräumung, Aufrichtung und Auffüllung der Bandscheibenräume durch autologen Knochen mit einer dorsalen Stabilisierung (ein- oder zweizeitig)
Die alleinige dorsale Korrektur hat eine erhöhte Komplikationsrate (Stabbrüche, Korrekturverlust).
Mögliche Folgen und Komplikationen
Allgemeine Risiken und Komplikationen:
Hämatom (inkl. epidurales Hämatom mit neurologischer Symptomatik), Wundheilungsstörung, Wundinfekt, Spondylodiszitis, tiefe Beinvenenthrombose, Embolie, Gefäßverletzung, Nervenverletzung (bis hin zur Querschnittsymptomatik)
Spezielle Folgen
Versteifung des betroffenen Wirbelsäulenabschnittes
Postoperative (..etc. ...)
Wie man oben sieht, wird in diesen Leitlienen der „adulte Scheuermann“, hier durch „Fixierte Kyphosen am knöchern ausgewachsenen Skelett“ beschrieben, entweder ignoriert oder (ab 60°) gleich zur OP vorgeschlagen. ( -->operative Therapie)
Nun ist so eine OP nicht jedermanns Sache (ich hab mir sagen lassen, dass sie einem den ganzen Tag vermiesen kann).
Sollte eine OP nicht zwingend nötig sein, sehe ich hier eine Lücke in dem Therapieangebot dieser Leitlienen.

Etwas intensiver widmet sich die „University of Maryland“ der Problematik adulter WS-Deformitäten:
Treatment for Adult Kyphosis
Adult kyphosis has a variety of treatment options. Whenever possible, the first choice of treatment for adult kyphosis is always going to be conservative. Spinal surgery will always be the last choice of treatment due to the risks involved. Conservative treatment that is commonly recommended includes: medications, exercise, and certain types of braces to support the spine.
( ... )
The use of a spinal brace may provide some pain relief. However, in adults, it will not cause the spine to straighten. Once you have reached skeletal maturity, bracing is used for pain relief rather than prevention. If there is a difference in the length of your legs (or if the scoliosis causes you to walk somewhat crooked), special shoe inserts, called orthotics, or a simple shoe lift may reduce your back pain.
To learn more about the different types of braces available for the ( ... )
Ähnliches ist auch auf einer Ärzteseite (hab leider gerade den Link verloren) über adulte Scoliose zu lesen
(...)
Treatment
The following symptoms may be used to determine treatment options: persistent pain that cannot be alleviated, deformity progression, and reduced cardiopulmonary (heart and lung) function (rare). Conservative non-surgical treatment may include: moist heat, medication for pain and inflammation, and exercise. Bracing is rarely used to help control pain. It will not correct or cure scoliosis. Most patients with adult scoliosis do not require surgery.
Surgery
Most patients with adult scoliosis do not require surgery. Surgery may be considered if any of the following exist:
1. Thoracic (mid-back) curve greater than 50 degrees with persistent pain
2. Progressive thoracolumbar (mid and low back) curve
3. Lumbar (low back) curve with persistent pain
4. Decreased cardiopulmonary (heart and lung) function due to thoracic curve
5. Appearance, deformity
Pain control is the usual reason for surgery (...)
Amerika ist nun nich gerade berühmt für wirklich gute Rücken-Orthesen. Aber selbst unter dieser Einschränkung wird eine OP immer als der letzte Ausweg angesehen.

In Deutschland ist meines Wissens die Operation aber viel verbreiteter als die adulte Korsettversorgung.
So sind auch hier viel mehr Erfahrung und Wissen verbreitet - über eine Korsetttherapie sind die meisten wohl nur unzureichend informiert.
Es verwundert mich nicht, wenn eine nur unzureichend bekannten Behandlung abgelehnt wird

Sollte eine Korsetttherapie bei einem anerkannt guten Orthopäden in angemessener Zeit nicht erfolgreich sein, müsste man meiner Meinung nach bei entsprechender Indikation einen Wechsel des Therapeuten oder auch der Therapie in Erwägung ziehen.

Zwischen Rhein und Weser grüßt
Kypho60
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Beitrag von ginagrappa »

hallo zusammen,

vielen dank für die vielen infos.

ich muss das thema noch ein wenig verinnerlichen. denke aber, dass ich mir viell. ende diesen jahres mal einen termin in stuttgart machen werde.
das scheint ja auch hier im forum die vorherschende meinung zu sein.
werde dann auf jeden fall HIER berichten!!!

übrigens dr. colemont hat sich nicht direkt gegen ein korsett ausgesprochen, sondern hat die möglichkeit nicht in betracht gezogen.
den genauen wortlauf bzw. ablauf kann ich auch nicht mehr 100%-ig wiedergeben, da es schon zu lange her ist und ich auch echt wahnsinnig nervös war, da es mein erster orth. termin nach ca. 20 jahren war.

mit dem schrothen bin ich im moment ein wenig nachlässig. muss mich besser motivieren! habe auch noch nicht den richtigen therapeuten in der nähe gefunden. bin aber am ball.

für weitere infos bin ich wie immer sehr dankbar.

gruß gina
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Dalia
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Diagnose: 107° und 98° (im Jahr 2003 zu Beginn der Korsetttherapie: 98° und 93°), sehr starre Skoliose, kaum Beschwerden
Therapie: 1983-1994 Korsetts verschiedener OTs, zuletzt bei Rahmouni, dann Korsettabschulung im Jahr 1994, seit 05/2005 bis etwa 2018 Nachtkorsett von Rahmouni, Therapieziel: Halten der Skoliose, seit 2018 keine Therapie mehr
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Beitrag von Dalia »

Gina, mach mit Dr. Colemont doch einen Termin aus und sage ihm, dass du es mit einem Korsett probieren möchtest. Vielleicht lässt er sich darauf ein. Wichtig ist, dass auf dem Rezept steht, dass es ein Korsett von Rahmouni sein muss, Dr. Hoffmann hat auf mein Rezept geschrieben: "Derotierende Rumpfortheses nach Rahmouni nach Gipsabdruck". Problem ist nur, wenn du dir das Korsett in Stuttgart machen lässt, kann mal eine Röntgenaufnahme im festgeschallten Korsett notwendig sein. Aber es müsste gehen, dass du bei einem anderen Orthopäden bist und dich trotzdem in Stuttgart mal röntgen lässt. Nur wäre die Kombination von Dr. Hoffmann und Rahmouni sinnvoll, weil beide zusammen arbeiten und nicht weit voneinander sind.

Und vergiß eins nicht: Du bist erwachsen und unterstehst keinem anderen Druck als dem, den du dir gibst. Du kannst deine Tragezeiten selbst bestimmen und nach Lust und Laune langsam steigern.

Dalia
Ich kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben. (Bertolt Brecht)
meine Geschichte: Dalia wird Königin (Korsett für eine Oldie-Power-Skoliose)
ginagrappa
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Beitrag von ginagrappa »

hallo dalia,

du hast recht - vielleicht gehe ich wegen des korsetts erst nochmal zu dr. colemont. dort gehe ich so oder so weiter hin, weil ich ja grundsätzlich sehr zufrieden mit ihm bin.
zu dr. hoffmann kann ich immernoch gehen...und im grunde genommen: nach stuttgart muss ich sowieso.
alles nicht so einfach;-)

mit der tragezeit gibt es auch viele unterschiedl. meinungen. ich möchte schon, das sich auch durch das korsett die krümmung stabilisiert und sich somit nicht verschlechtert und ins geheim hoffe ich sogar auf eine klitze kleine verbesserung.
das sollte nicht das oberste ziel sein - mit einem stillstand wäre ich schon echt zufrieden, aber ein bisschen hoffnung darf man doch haben.

gruß gina
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Kypho60
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Beitrag von Kypho60 »

Hallo,
Korsetts für Erwachsene - bringt nichts.
Diese Meinung wurde bei mir erst durch dieses Forum (oder sollte ich besser sagen: virtuelle Selbsthilfegruppe) revidiert.
Nach jahrelangen (therapieresistenten)Schmerzen, die sich in den letzten Jahren deutlich steigerten, habe ich auch eine Korsetttherapie in Erwägung gezogen.
So bin ich (mit Kyphose, 68°) auch bei Dr. Hoffmann und Rahmouni gelandet - nicht, weil ich sie schon im Vorfeld so toll fand oder gar Vertrauen zu Ihnen hatte (eigentlich vertraue ich so 100%ig keinem Arzt mehr), sondern weil ich über andere Ärzte / OTs zu wenig Infos fand. Und eine Reha ist aus zeitlichen Gründen für mich nur schwer realisierbar.

Seit ca. 2 Wo. habe ich jetzt auch ein Korsett.
Irgendwie entwickle ich zu dem "Ding" eine Art Hass-Liebe: Es ist sehr unbequem, drückt und verursacht eine Art Muskelkater in den Beinen. Auch die Atmung wird beträchtlich eingeschränkt.
Der extreme Druck der ersten Tage hat sich aber schon stark abgeschwächt.
Und: die Rückenschmerzen sind weg, auch die Nervenschmerzen im Arm sind kaum noch zu spüren und meine halbseitigen Empfindungsbeeinträchtigungen sind auch noch nicht wieder aufgetreten.
HWS-Beschwerden und gelegentliche Übelkeit werden jedoch nicht besonders gelindert.

Wenn ich Vor- und Nachteile abschätze, bin ich froh, das ich mich auf diesen Weg eingelassen habe - auch wenn ich so ein Korsett als total besch... empfinde, so ist dies ein kleiner Preis für die erreichte Schmerzfreiheit im Rücken.

Auch wenn die Korsetttherapie für Erwachsene von den meisten Orthopäden, wie ich zwischenzeitlich erfahren habe, abgelehnt wird, ist sie für mich bis jetzt der einzige Weg, der Erfolg zeigt.

Die Ablehnung adulter Korsettversorgung kann aber nicht ganz unumstritten sein, da der medizinische Dienst meiner kleinen BKK binnen kürzester Zeit einer Kostenübernahme zugestimmt hat.

Eine OP mag für manche interessant sein, für mich wäre es aber der aller-aller-aller-letzte Ausweg gewesen. Vorher hätte ich sicher den größten Teil meines Lebens umstrukturiert, um Zeit für eine Reha zu finden (10 Wochen wurden von meinem vorletzten Orthopäden veranschlagt).
Da sind selbst die langen Wege nach Stuttgart (und die damit verbundenen Kosten) vergleichsweise harmlos.

Sicherlich kann ich keine allgemeinen Ratschläge geben. Auch betrachte ich mich bzgl. Korsettempfehlung bei schmerzhafter Hyperkyphose nach Scheuermann als inkompetent (dies verbindet mich vielleicht mit so manchem Fachmann ;D ), aber mir hilft es; und mein Beispiel kann evtl. jemandem Mut machen, bei Rückenproblemen auch über ein Korsett nachzudenken.

Zwischen Rhein und Weser grüßt
Kypho 60
Heike neu
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dynamische (= bewegliche, aufpumpbare) Rumpforthese

Beitrag von Heike neu »

Hallo,
vielleicht ist für Ältere, die wegen der Schmerzen über ein Korsett nachdenken eine bewegliche Rumpforthese das Richtige.
Ich habe sie wegen meiner verschleißbedingten Beschwerden von Dr. Steffan verschrieben bekommen. Angefertigt wurde sie von der Firma Winckler in Bad Salzungen.
Das Tragen der Orthese verschafft mir große Erleichterung, ich kann auch wieder Tätigkeiten ausführen, nach denen ich mich früher nicht mehr hätte bewegen können.
Aber ich bin sehr unsicher wegen der Tragedauer. Dr. Steffan hatte empfohlen (max?) 3Std täglich, Herr Winckler sprach von 4Std.
Ich trage sie meist kürzere Zeit weil ich Angst habe, meine Muskeln könnten zu schlapp werden.Ich meine oft, ich müsse lieber "tapfer" sein und die Orthese nur im Notfall tragen.
Viele Grüße Heike
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Toni
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Registriert: Sa, 20.04.2002 - 19:07
Geschlecht: männlich
Diagnose: M. Scheuermann Kyphose (urspr. 68°)
M. Baastrup
Therapie: 1 Boston B.O.B.
1 Milwaukee
2 Rahmouni´s
1 TüKO
Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen!
Wohnort: Allgäu

Re: dynamische (= bewegliche, aufpumpbare) Rumpforthese

Beitrag von Toni »

Heike neu hat geschrieben:Aber ich bin sehr unsicher wegen der Tragedauer. Dr. Steffan hatte empfohlen (max?) 3Std täglich, Herr Winckler sprach von 4Std.
Ich trage sie meist kürzere Zeit weil ich Angst habe, meine Muskeln könnten zu schlapp werden.Ich meine oft, ich müsse lieber "tapfer" sein und die Orthese nur im Notfall tragen.
Viele Grüße Heike
Liebe Heike, lass Dich nicht verunsichern!
Ichhabe mein Korsett (Starr vom Becken bis zum Schlüsselbein hoch)über 1 Jahr ca. 22h getragen. Nun trage ich meine beiden Korsette ca. 15 - 18 h täglich. Ich habe ABSOLUT KEINEN Muskelschwund an der Rückenmuskulatur.
Das ist ein Punkt wo sich sogar dr. Weiß und Dr- Hoffmann VÖLLIG einig sind: Rumpforthesen verursachen im Gegensatz zu eingeipsten oder stiffgelegten Gliedern/Füße/Beine/Arme/Hände KEINEN Muskelabbau!
Die Rückenmuskulatur arbeitet im Korsett gesteuert vom Gleichgewichtsorgan weiter. Das Korsett ist ein isometrischer Gegenhalt für jede Bewegung des Rumpfes.
20 Minuten oder besser halbe Stunde Schroth und die Bewegung 1 bis 3 h OHNE Korsett genügen völlig um jegliche Gefahr des Muselabbaues zu verhinmdern.
In Deinem extrem beweglichen KUBCO/Scheunemann brauchst Du absolut keine Angst vor Muskelabbau zu haben. Du musst nicht "Indianer spielen und Zähne zusammenbeißen!
Zieh es an wenn es Dir und solange es Dir gut tut und reiß es Dir vom Leib, wenn Du das Gefühl hast, daß es Dich nervt oder nicht mehr gut tut!
Höre nur auf DEIN Gefühl!
Wir erwachsenen Korsett-Träger sind die beneidenswert freiesten Menschen überhaupt! ( Das haben wir unseren tapferen Jugendlichen echt voraus...) WIR entscheiden unsere Tragezeiten SELBST und haben NICHTS mehr zu verlieren, NUR ZU GEWINNEN, z.B. Schmerzfreiheit!
Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
Heike neu
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Registriert: Mo, 16.05.2005 - 14:24

Dank an Toni

Beitrag von Heike neu »

Hallo Toni,
danke für deine Antwort. Jetzt trage ich die Orthese ohne schlechtes Gewissen.Ist wirklich eine große Erleichterung.
Viele Grüße Heike
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