Korsett ja oder nein? Und wenn ja, welches?

Alles zur Korsett-Therapie für Jugendliche und Erwachsene bei Skoliose, Morbus Scheuermann, Kyphose ...
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Ich denke, die mögliche Instabilität muss in erster Linie mit der Situation verbunden werden, dass man das Korsett nicht mehr trägt, aus welchem Grund auch immer.
Beim abrupten Absetzen wie bei david, kann man sich gut vorstellen, dass das Probleme verursachen kann.
Aber selbst beim allmählichen Abschulen kommt es, wie schon so oft betont, darauf an, ob man die Korrektur durch das Korsett auch ausreichend stabilisiert hat. Das gesamte System aus Muskeln, Bänder und Sehnen muss sich der Situation ohne Korsett anpassen.

Deswegen ist nach meiner Ansicht die Angst vor Instabilität im Korsett völlig unbegründet, ein von minimine erwähntes schlechtes Korsett ist eine ganz andere Geschichte.
Es geht ganz allein darum, was kann passieren, wenn ich das Korsett plötzlich/allmählich/zeitweise nicht mehr trage oder tragen kann.

Ich denke schon, dass man einen allgemeinen Rat in dieser Situation geben kann, nämlich immer dafür zu sorgen, eine stabile Rückenstruktur durch aktive Muskelpflege wie Schroth anzustreben.
Gerade nach einer Schroth REHA hat man doch ein gutes Körpergefühl und auch als Nicht Korsett-Träger kann ich mir gut vorstellen, dass man die Korsett Kräfte mit den Schroth Kräften in eine gewisse Balance bringen muss, damit man sich selber ohne Korsett notfalls/zeitweise/längerfristig oder auch ständig halten kann.

Gruss
Klaus
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Toni
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Beitrag von Toni »

Ein korrigierendes Korsett, das einem hilft, die starken Krümmungen aufzubiegen ist ein sehr ernster aber wichtiger Schritt.
Was haben wir denn sonst für eine realistische Chance zwischen nur KG und OP?
Verharren in Schmerzen?
Krümmungszunahme?
Schmerzmittelkonsum?
Warten bis die Krümmung in der OP-Indikation ist?
Doch OP?

Eines muss aber völlig klar sein:
Wenn Korsett, dann aber richtig!
Das bedeutet konsequenz und Compliance.
Immer nur ein bischen stundenweise anziehen und dann wenn ungemütlich wird wieder raus und rumschlaffen....
ein bischen Schrothen ( darunter verstehen einige einmal die Woche 20 Minuten mit einer netten Physiotherapeutin über alte Zeiten in Sobernheim schwätzen.....
DAVON WIRD KEIN RÜCKEN GERADE!!!
Es scheitert auch schon bei vielen Mitpatienten hier im Forum und auch außerhalb an den wirklich guten Schroth-Möglichkeiten.
Hand aufs Herz: Wer hat eine eigene -voll-ausgestattete Sprossenwand zuhause- optimal verspiegelt?
Wer hängt da täglich wenigstens 20 Minuten so dran mit der Intensität des freien Übens in Sobi oder BaSa?

Als Erwachsener sich das ehrgeizige Ziel zu setzen eine Kyphose zu begradigen ist harter Kampf, das ist echter Leistungssport.
Das bedeutet durchhalten mit Heulen und Zähneknirschen.
Das bedeutet auch Rückschläge.

Mir ist es selbst so ergangen, als ich heuer fast 2 Monate eine hartnäckige Bronchitis hatte, mir das atmen sehr schwer fiel, besonders im Korsett, das mir zu eng geworden war ( 5 kg zugenommen- zuviel Stress-Fressen- zu wenig Sport)usw... das zerrt an den nerven und an der Wirbelsäule.

Das ist ein Kampf der bei mir jetzt seit 2003 dauert und noch nicht beendet ist, obwohl ich sehr viel erreicht habe.
Aber es ist für mich immer noch sehr anstrengend, meine erreichte Aufrichtung im Auto, am Computer, in stundenlangen Besprechungen, bei Essen usw... IMMER zu halten, wenn ich das Korsett NICHT anhabe.
Der Zustand ist der, daß es mir stundenweise nichts ausmacht aufrecht zu bleiben und kein Korsett anzuhaben. Doch dann verkrampft sich wieder alles und relaxed in die Kyphose zurücksinken ist auch nicht mehr möglich, da das noch unangenehmer wird als früher, als der Scheuermann-Kyphoseschmerz ( Dolchgefühl zwischen den Schulterblättern) noch allgegenwärtig war.
Jetz habe ich die beiden Möglichkeiten mich selbst zu beherrschen: Korsett anziehen oder Schroth in geordneter Rückenlage auf Reissäckchen.
beides hilft sehr und enspannt mich.
Ich bereue keine Sekunde den Weg mit Korsett und Schroth eingeschlagen zu haben.
Es hat mein Leben sehr verändert!
Nur zum Positiven.

Aber es sollte klar sein: Für uns Erwachsene bleibt es ein lebenslanger Kampf.
Und ich denke auch für unsere jugendlichen Mitpatienten.
Langfristig selbst für die Operierten!
Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
Jenny 27
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Registriert: Mo, 26.05.2008 - 19:45

Beitrag von Jenny 27 »

Hallo!
ich bin neu hier, weiß seit wenigen Wochen, dass ich Skoliose habe. Ich habe gelesen, dass man erst ab 20° ein Korsett braucht. Stimmt das?
Und wenn ich ich noch keine 20° habe, kann das schlimmer werden?
Würde mich riesig darüber freuen, wenn mir jemand meine vielen fragen beantworten könnte, wie z.B: Kann man mit Korsett auch Sport machen, wie z.B. reiten???

Vielen Dank für jede Antwort

Jenny
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