Hallo,
Sabona hat geschrieben:eine Online-Beratung zu diesem Preis empfinde ich als Abzocke.
Eine Zweit- bzw. Drittmeinung bekomme ich überall günstiger und professioneller. Auch wenn ich sie privat bezahle. Aber da werde ich auch noch persönlich untersucht.
Für mich sind das Ferndiagnosen. Bedenklich, wenn das die Krankenkassen auch noch unterstützen.
Ich gehe jede Wette ein, daß Du Dich noch gar nicht ernstahft mit diesem Ärzteteam befaßt hast.
Im aktuellen SPIEGEL findet es Erwähnung in einem größeren Artikel, auf SPIEGEL ONLINE in einem separaten Artikel.
Um Ferndiagnosen geht es dabei
nicht. Wer sich von diesem Team beraten lassen will, muß bereits eine Diagnose sowie ausreichende Unterlagen und eine OP-Empfehlung haben. Man kriegt zunächst ein unverbindliches Angebot und muß sich erst dann entscheiden, ob man ein Gutachten haben möchte oder nicht.

Das Ziel ist die Vermeidung von unnötigen Operationen, die nicht nur viel Geld kosten, sondern auch zum Schaden der Patienten sein können. In dem SPIEGEL-Artikel werden als Beispiele unter anderem Operationen nach Bandscheibenvorfällen
(1) sowie der Knie
(2) genannt. Es wird darauf hingewiesen, daß in Deutschland selbst im Vergleich mit anderen Industrieländern extrem viele Operationen durchgeführt werden und dieser Trend sich in den letzten Jahren noch verstärkt hat. Als eine der wichtigsten Ursachen dafür wird der finanzielle Druck auf die Ärzte genannt. So muß z.B. ein niedergelassener Arzt, der als Belegarzt in einem Operationszentrum ambulante Operationen durchführt, dort Miete zahlen. Damit sich das für ihn trotzdem finanziell lohnt, muß er von vornherein schon mal eine bestimmte Anzahl von Operationen durchführen.
Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
(1) Kurzfristig gesehen mag eine OP nach einem Bandscheibenvorfall manchmal für eine bessere Schmerzlinderung sorgen (aber das ist nicht garantiert), langfristig jedoch haben die operierten Patienten im Durchschnitt keine Vorteile gegenüber den nicht operierten, und die OP birgt gewisse Risiken und Komplikationsmöglichkeiten. (Wenn bereits neurologische Schäden bzw. Ausfälle vorhanden sind, gilt das natürlich nicht, sondern dann ist die OP klar indiziert.)
(Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bandscheib ... Behandlung)
In diesem Zusammenhang gibt Herr Harms zu, daß er inzwischen eine andere Sichtweise hat als früher, wo er sehr ehrgeizig war. (Man kann sich natürlich durchaus fragen, warum er erst so spät zu seiner jetzigen Einsicht gelangt ist, aber das sollte für V!O keine Rolle spielen.)
Komplizierte Operationen wie Versteifungen bei Skoliose finden in dem Artikel keine Erwähnung. Da es sich dabei nicht um Routineeingriffe handelt und die Indikationsstellung auch bisher schon relativ streng ist, dürfte sich V!O nicht wirklich dafür interessieren.
(2) In dem Artikel wird erwähnt, daß häufig Meniskusoperationen durchgeführt werden, obwohl der Meniskus eigentlich gar nicht die Ursache der Schmerzen war. Ein Meniskusriß muß nämlich längst nicht immer mit Schmerzen einhergehen oder die Funktion des Kniegelenks beeinträchtigen, sondern für die Schmerzen können auch z.B. zu schwache Muskeln verantwortlich sein, was sich konservativ angehen läßt. Außerdem ist ein Patient nach (Teil)Entfernung des Meniskus zwar meist schnell wieder fit; langfristig steigt jedoch die Gefahr, Arthrose zu bekommen, stark an (weil der Meniskus als Puffer dient und dieser Puffer dann fehlt).
Desweiteren wird erwähnt, daß es für die Ausspülungen des Kniegelenks im Rahmen einer Arthroskopie keine hinreichenden Belege für die Wirksamkeit gibt.

Am besten, ihr lest euch den Artikel selber mal durch. Wer den SPIEGEL nicht kaufen möchte, kann noch 2 Wochen warten; danach steht der komplette Inhalt kostenlos über SPIEGEL ONLINE zur Verfügung.
VG, Anne
PS. Hatte ganz vergessen, den Link zu posten:
http://www.vorsicht-operation.de/