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anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamburg)

Verfasst: Di, 01.03.2011 - 15:28
von seedi
hallo zusammen

in den nächsten wochen soll unsere 16 jährige tochter aufgrund
einer idiopathischen skoliose operiert werden.
brustwirbel plus LW 1-3 sollen versteift werden.
diagnostiziert wurde die skoliose erstmals im august letzten jahres.
bisher ist unsere tochter beschwerdefrei.
das ausmaß der verkrümmung liegt bei 55° (BWS) und 42° (LWS)
wir sind im "altonaer kinderkrankenhaus" (hamburg) in behandlung.
dort soll auch die operation durchgeführt werden.
frage an die forumsmitglieder: wer hat erfahrung mit diesem krankenhaus
und mit dem dortigen ärzteteam ?

http://www.kinderkrankenhaus.net/h/kind ... _24_de.php

vielen dank für entsprechende hinweise.

seedi

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Di, 01.03.2011 - 21:11
von Bobo
Hallo Seedi,

ich kenne weder das Krankenhaus noch das Ärzteteam.
Ich frage mich allerdings, wieso deine Tochter operiert werden soll, wenn sie bisher keine Probleme mit der Skoliose hatte.
Hier im Forum wird Prof. Niemeyer aus der St. Georg Klinik in Hamburg sehr gelobt sowie auch Prof. Halm aus Neustadt in Holstein wenn es schon eine OP sein soll.
Ich würde allerdings erst mal eine Korsett Therapie in Verbindung mit einer Reha in Bad Sobernheim nach der Katharina Schroth Methode versuchen.
Ich selbst habe als Kind und Jugendlicher ebenfalls ein Korsett getragen und war in verschiedenen Zeitabständen zu Reha Maßnahme in Bad Sobernheim. Kann dies nur empfehlen.
Denkt daran, eine OP ist nicht mehr rückgängig zu machen und ich habe schon Leute getroffen, die hatten nach der OP mehr Schmerzen oder andere Schmerzen als vorher.

Wünsche Euch viel Glück bei Eurer Entscheidung.

Viele Grüße
Bobo

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Di, 01.03.2011 - 22:05
von robinho
Hallo Bobo, und was bitte hat dir deine konservative Therapie gebracht? Glaubst du wirklich, für andere sind deine 94° erstrebenswert?...

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Di, 01.03.2011 - 22:11
von sloopy
Hallo seedi,

herzlich Willkommen im Skoliose-Info-Forum!

Ich würde vor einer solchen OP unbedingt eine weitere Meinung einholen. Eine OP sollte immer der letzte Weg sein, nachdem man alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft hat. Trägt eure Tochter ein hochkorrigierendes Korsett? War sie schon zur Schroth-Reha? Auch mit diesen Krümmungen kann man als Erwachsener ohne OP gut leben und mit 16 Jahren rennt eine OP euch nicht davon- ich würd es keinesfalls überstürzen!

Gruß,
sloopy

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Mi, 02.03.2011 - 10:01
von seedi
die klinik in hamburg ist bereits die zweite station. wir waren zunächst in der roland
klinik in bremen. die ärzte in hamburg haben die lage zunächst allerdings etwas anders
beurteilt als in bremen. aufgrund des bildmaterials aus bremen wurde uns mitgeteilt,
dass eine versteifung der brustwirbel vorgenommen werden müssen. die krümmung der
lendenwirbel würde sich dann selbst korrigieren. mitte februar hat nun in hamburg die
stationäre voruntersuchung für die op stattgefunden. während dieses krankenhausaufenthaltes
wurde uns dann mitgeteilt, dass auch die LW 1-3 versteift werden müssen. somit ist
die ursprüngliche diagnose der bremer ärzte bestätigt.

beiden ärzteteams sind davon überzeugt, dass der grad der verkrümmungen um jährlich
1.5° bis 2.0° voranschreitet - und auch mit jedweder art von KG nicht aufzuhalten ist.
auch ein korsett wird diese entwicklung nicht aufhalten können - so die ärzte.

messungen haben ergeben, dass unsere tochter komplett ausgewachsen ist.

beide ärzteteams empfehlen dringend eine op in jungen jahren. aus verschiedenen gründen:
zum einen wird sich die schwere der skoliose weiter entwickeln. eine op wird also immer
aufwendiger und die korrekturmöglichkeiten geringer. zum anderen scheint ein junger körper
einen solchen eingriff besser "wegstecken" zu können. abgesehen davon werden unserer
tochter mit zunehmendem alter starke schmerzen prognostiziet.

mangels wissen können wir (die eltern) nicht beurteilen ob eine versteifung zum jetzigen
zeitpunkt der richtige bzw. beste weg ist. aber irgendwann muss man doch einen punkt
erreichen an dem man einem arzt vertrauen schenken muss...

natürlich hat unsere tochter angst vor dem grossen eingriff. deswegen war es uns aber
auch besonders ihr sehr wichtig dass sie unter anderem gutes vertrauen zu den anästhesisten
entwickelt. das scheint nach der stationären voruntersuchung in hamburg nun der fall zu sein.

wir befürchten, dass wir unsere tochter völlig verwirren wenn wir weiterhin ein ärztehopping
betreiben. wobei sehr zu erwarten ist, dass sich die jeweiligen diagnosen decken werden.
unsere tochter müsste aber ja zwangsläufig zu dem schluss kommen, dass WIR den bereits
besuchten ärzten nicht trauen. wenn wir (die eltern) den eindruck erwecken von der art und
dem ort der behandlung nicht vollständig überzeugt zu sein...wie können wir dann positiv
auf unsere tochter wirken ?!

wie dem auch sein - selbstverständlich bleiben zweifel ob wir alles richtig entscheiden.
deswegen nochmals zurück zu meiner anfänglichen frage:

wer hat erfahrung mit dem altonaer kinderkrankenhaus und mit dem dortigen ärzteteam ?

http://www.kinderkrankenhaus.net/h/kind ... _24_de.php

das akk ist teil des universitätsklinikum hamburg-eppendorf.


danke für die bisherigen wortmeldungen.

gruss, seedi

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Mi, 02.03.2011 - 10:49
von sloopy
Hallo seedi,

wenn ich deine Antwort richtig interpretiere, habt ihr eine Korsett-Therapie noch überhaupt nicht versucht. Das hätte eigentlich der erste Schritt gleich nach Diagnosestellung im letzten Sommer sein müssen. Von daher seid ihr von Anfang an falsch beraten worden, was mich aber nicht wirklich wundert, weil OP-Kliniken oft und gerne die konservative Therapie vernachlässigen. Ein Metzger empfiehlt dir auch nicht, erstmal einen guten Käse zu essen.

Die Roland-Klinik ist bekannt dafür, gerne Skoliosen mit geringer Gradzahl zu operieren. Wenn ihr euch sicher seid, dass ihr die OP für eure Tochter wollt, dann werd ich nichts mehr dagegen schreiben, aber deine Beiträge hören sich für mich nicht so an als wäret ihr tatsächlich überzeugt (anderenfalls wäret ihr wahrscheinlich gar nicht hier im Forum gelandet).

Dass sich eine 42° Krümmung von alleine aufrichtet, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Mit 55° und 42° liegt eure Tochter gerade so in der OP-Indikation, aber sie hätte wahrscheinlich auch noch die Möglichkeit auf einen konservativen Therapieversuch, wenn ihr Eltern und eure Tochter dazu bereit wäret! Dass eine Krümmung bei den Gradzahlen fortschreitet, ist wahrscheinlich, könnte aber durch KG in Verbindung mit einem hochkorrigierendem Korsett wahrscheinlich verhindert werden. Und die Prognose der Schmerzen in zunehmendem Alter ist Quatsch. Es gibt Skoliotiker mit geringen Krümmungen und starken Schmerzen und es gibt umgekehrt Patienten mit sehr hoher Krümmung, die keinerlei Schmerzen haben. Es gibt keinen Nachweis darüber, dass die Schmerzen in Relation zur Krümmung zunehmen.

Ihr habt bisher nur die Meinungen von zwei Operateuren gehört, nicht aber von einem konservativ behandelnden Spezialisten. Ich rate euch daher, unbedingt noch eine weitere Meinung einzuholen. Du könntest z.b. unser Forumsmitglied Dr. Steffan um seine unverbindliche Einschätzung bitten, wobei er natürlich nur bedingt etwas dazu sagen kann ohne eure Tochter untersucht zu haben. Außerdem könntet ihr euch bei einem Orthopädietechniker informieren, der in der Lage ist, hochkorrigierende Korsette herzustellen. Hierfür käme in Eurer Gegend Herr Sage von der Firma CCtec in Frage, der alle 14 Tage in HH ist. Beide könnten euch sagen, welche Chancen sie mit einer Korsett-Therapie bei eurer Ausgangslage sehen. Als Behandler-Alternative käme bei den Gradzahlen nur Dr. Hoffmann mit OT Rahmouni in Leonberg/Stuttgart in Frage, bzw. Dr. Wilke mit OT Nahr (auch CCtec) in Berlin. Von dieser Informationssuche muss ja eure Tochter erstmal gar nichts mitbekommen, so dass sie auch nicht unnötig verunsichert wird. Wenn beide euch sagen, dass konservativ wahrscheinlich nichts zu machen ist und die OP wahrscheinlich der beste Weg ist, dann habt ihr "Gewißheit" das richtige zu tun.

Stell dir vor, bei der OP geht etwas schief, sie bringt nicht den gewünschten Erfolg oder eure Tochter hat danach mehr Schmerzen/Probleme als vorher. Ich als Mutter würde mir mein Leben lang vorwerfen, nicht alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft zu haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für die OP einen großen Unterschied macht, ob sie mit 16 oder mit 17 Jahren durchgeführt wird. Ihr könntet einen konservativen Therapieversuch in Angriff nehmen, euch ein Zeitlimit setzen und wenn es nicht hinhaut, die OP im nächsten Jahr immer noch machen lassen. Aber dafür müsstet ihr und eure Tochter bereit sein, das ab sofort konsequent durchzuziehen, d.h. KG, Reha und Korsett-Tragen. Mit einem konservativen Therapieversuch habt ihr (ausser Zeit) nichts zu verlieren- eine OP dagegen ist endgültig und nie mehr rückgängig zu machen.

Bei Bedarf findet ihr hier im Forum viele positive konservative Behandlungserfolge. Spontan fällt mir parallel zu eurer Geschichte Daniela aus Tirol ein, die vor einigen Jahren mit 16 Jahren und 57° schon so gut wie auf dem OP-Tisch lag als sie hier ins Forum kam. Sie entschied sich gegen die OP, bekam ein Rahmounikorsett, hatte damit gute Erfolge und es geht ihr heute gut!

Soweit meine bescheidene Meinung. Um abschließend deine eigentliche Frage zu beantworten- ich habe keine eigenen Erfahrungen mit dem Altonaer Kinderkrankenhaus, würde mich aber wenn ich mich zur OP entschliessen würde, nicht dort operieren lassen. Ich würde mich wahrscheinlich zwischen den beiden Top-Adressen für Skoliose-OPs entscheiden: Prof. Niemeyer in der Asklepios Klinik Hamburg Nord und Prof. Henry Halm in den Schön Kliniken, Klinikum Neustadt, Holstein.

Herzliche Grüße,
sloopy

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Mi, 02.03.2011 - 12:52
von Lady S
Hallo seedi,
ich kann sloopy nur auf der ganzen Linie zustimmen.
Dieser Eingriff ist so einschneidend und endgültig, dass er wirklich der letzte Schritt sein sollte. Mit dieser durch Schrauben und Stangen starr gemachten Wirbelsäule muss Eure Tochter noch ihr ganzes restliches Leben verbringen.
Ihr solltet Euch sehr gut informieren (und das nicht nur bei Operateuren!), welche Alternativen es noch gibt und welche Konsequenzen die OP hat.
Vertrauen zum Anästhesisten oder Verunsicherung durch "Ärztehopping" darf da kein Kriterium sein.
Grüsse, Lady S

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Mi, 02.03.2011 - 14:43
von Dr. Steffan
Ich kenne zwar weder den Befund ihrer Tochter, noch möchte ich mich in die Behandlung einmischen. Grundsätzlich kann ich aber aus meiner Erfahrung heraus sagen, dass sich eine zweit Meinung einzuholen, immer lohnt. Sie sollten konservative Behandlungsmethoden immer in Erwägung ziehen. Eine Op ist, wie schon oben erwähnt, der letzte Schritt, er sollte nicht der erste sein.

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Mi, 02.03.2011 - 14:48
von Nangala
Hallo seedi,

um auf deine Frage zu antworten; ja, ich habe Erfahrung mit dem AKK. Ich wurde dort von Dr. Stücker und Dr Mladenow schon mehrfach operiert. Ich habe Dr Stücker allerdings nicht so erlebt, als wollte er jeden in der Op-Indikation liegenden sofort operieren.
Meiner Meinung nach, ist es kein Wunder, dass Dr Stücker euch nicht zum Kosett rät. Das AKK arbeitet mit der Orthopädiewerkstatt ACTO zusammen, mit denen ich keine guten Korsetterfahrungen gemacht habe (und wie ich hörte/las geht das anderen auch so - ich habe allerdings auch schon eine positive Erfahrung gelesen). Sprich: falls Dr Stücker die Erfahrung gemacht haben sollte, dass Korsetts nichts bringen, könnte das am ACTO liegen.
Mit dem AKK habt ihr auf jeden Fall ein erfahrenes Skoliosekrankenhaus erwischt. Dennoch würde ich mich nicht ohne Korsettversuch auf den OP-Tisch legen. Du wüsstest nie ob du deiner Tochter die OP nicht hättest ersparen können. Und dieser Wunsch wird dich vermutlich dann ereilen, wenn deine Tocher nach der OP auf der Intensivstation liegt (im AKK ist eine Nacht auf ITS sozusagen Pflicht).

Falls du noch Fragen hast, melde dich einfach, ich beantworte sie gern.

LG Gloria

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Mi, 02.03.2011 - 17:03
von Bobo
Hallo Robinho,

nein, die 94 ° sind sicherlich für keinen erstrebenswert, nur ich hatte als Kind schon diese Gradzahl und das bedeutet, dass die Korsett Therapie und insbesondere die Schroth Therapie schon etwas gebracht haben. Jedenfalls habe ich keine gravierenden Probleme und auch keine Schmerzen, was in Zukunft kommt weiß niemand. Damals gab es halt nur das Milwaukee Korsett, die heutigen verschiedenen Korsette bieten da sicherlich grad in diesen jungen Jahren andere Möglichkeiten.
Bevor man sich einer so schweren OP mit ungewissem Ausgang unterzieht sollte man auf jeden Fall andere Möglichkeiten in Betracht ziehen.

Viele Grüße
Bobo

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Mi, 02.03.2011 - 17:17
von seedi
hallo bobo

darf ich mich nach deinem alter erkundigen ?

gruss, seedi

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Mi, 02.03.2011 - 18:08
von seedi
hallo herr dr. steffan

vielen dank für ihren input. am ende des tages schreiben sie aber ja auch
selbst z.b. in der "metrolpole", ausgabe 22, juli 2010 folgendes:

q u o t e
Indikation und Verlauf
Die Indikation zur operativen Therapie
einer idiopathischen Skoliose wird durch
verschiedene Faktoren beeinflusst:
■ Zunahme der Skoliosekrümmung
(Progression)
■ Vermeidung sekundärer Komplikationen
(Herz-Kreislauf-System und Lunge)
■ Schmerzen infolge einer frühen Degeneration
der Wirbelsäule, hervorgerufen
durch die zunehmende Verkrümmung.
Weitere Faktoren wie Patientenalter, Cobb-
Winkel, individuelle Beeinträchtigung
(Kosmetik) und Leidensdruck fließen
zusätzlich in diesen Entscheidungsprozess
ein. Aufgrund der chirurgischen Ergebnisse
bei idiopathischer Skoliose gilt eine
operative Therapie ab Krümmungswinkeln
von mehr als 40 Grad lumbal und thorakolumbal
sowie mehr als 50 G rad thorakal
derzeit national wie international als indiziert,
da jenseits dieser Krümmungswinkel
auch nach Wachstumsabschluss in aller
Regel eine Progredienz auftritt (AWMFLeitlinie).

Dabei stehen drei Ziele im Vordergrund:
■ maximale 3D-Korrektur unter Erhalt
der Funktion und mit dem bestmöglichen
kosmetischen Ergebnis
■ hohe Sicherheit durch Primärstabilität
der Instrumentation: vollständige korsettfreie
Nachbehandlung
■ Reduzierung von Schmerzen, wobei
Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen
mit idiopathischer Skoliose nicht
im Vordergrund stehen
Fazit
Die operative Therapie der idiopathischen
Skoliose mit Korrektur des Achsenorgans
in drei Ebenen gehört zu den maximalchirurgischen
Eingriffen mit guten Langzeit -
ergebnissen. Diese rekonstruktive Chirurgie
der Wirbelsäule beim Kind, Jugendlichen,
Erwachsenen und alten Menschen ist technisch
anspruchsvoll, erfordert ein aufwendiges
perioperatives Management und
muss in Zentren versorgt werden, die derartige
Krankheitsbilder regelmäßig diagnostizieren,
operieren und das Management
der Komplikationen beherrschen. Die
Lebensqualität der Patienten mit Skoliose
ist dank der heutigen OP-Verfahren und
der damit verbundenen hohen Sicherheit
nach einem solchen Eingriff gut und
bedeutet fast immer eine vollständige
Wiedereingliederung in den privaten und
beruflichen Alltag.
u n q u o t e

die von ihnen genannten indikationen FÜR eine op wurden uns von den
ärzten in der roland klinik sowie im AKK (dr. stücker) genauso mitgeteilt.

wir sind ganz gewiss nicht erpicht (!) auf eine operation. stehen aber im prinzip
unter dem eindruck lediglich wertvolle zeit zu vergeuden. auch sie sprechen
in dem artikel ausdrücklich von einer zu erwartenen progredienz...?!

gruss, seedi

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Mi, 02.03.2011 - 18:50
von minimine
Hallo seedi,

erstmal herzlich willkommen im :forum:

Du wirst in sämtlichen Veröffentlichungen immer Winkel ab ca. 40 Grad als OP-Indikation lesen, das ist quasi schon das, was die Adressaten erwarten. Aber ein Muss ist es ganz gewiss nicht. Klar, von den Gradzahlen her ist sie in der OP-Indikation, aber das ist nicht der alleinige Faktor, auch nicht für zu erwartende Verschlechterungen.
Was man dir in den Kliniken nannte sind die Standard-Antworten, die man nunmal in OP-Kliniken zu hören bekommt. Wenn du wirklich wissen willst, ob die OP vermeidbar ist, würde ich ebenfalls lieber zu einem konservativ arbeitenden Skoliose-Spezialisten gehen, der aber auch die Erfolgserwartungen mit einem guten!! Korsett einschätzen kann. Dies ist aber nur der Fall, wenn auch die Zusammenarbeit mit einem sehr guten Korsettbauer gewährleistet ist.

Es ist absolut in Ordnung, wenn du (bzw. besser gesagt deine Tochter) dich für eine OP entscheidet. Wenn, dann käme für mich aber wirklich nur eine Top-Klinik in Frage. Das Altonaer Kinderkrankenhaus operiert zwar relativ viele Skoliosen, allerdings kommt die hohe Zahl v.a. dadurch zustande, dass dort sehr viele VEPTR-OP´s durchgeführt werden. Wieviele Versteifungs-OP´s und nach welcher Methode dort operiert wird, solltest du dort selbst erfragen.
Gerade bei Versteifungslängen gibt es oft große Unterschiede in den Kliniken, da würde ich mir dann doch noch ne Meinung dazu einholen, denn es sollte nur soviel wie nötig (und sowenig wie möglich) versteift werden.

Ich persönlich würde es dennoch erst mit einem hochkorrigierenden Korsett versuchen und sei es nur, um in der OP-Entscheidung gefestigt zu werden oder sich später keine Vorwürfe machen zu müssen. Ihr habt doch nichts zu verlieren. Deine Tochter bräuchte doch jetzt schon eine relativ lange Versteifungsstrecke, nur wenn man noch den Versuch mit einem Korsett macht, wird die ja nicht gleich noch länger. In der Regel wird natürlich eine weitere Verschlechterung damit aufgehalten, vorausgesetzt natürlich, es ist ein gutes Korsett.

LG
Minimine

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Do, 03.03.2011 - 08:07
von Dr. Steffan
seedi hat geschrieben: z.b. in der "metrolpole", ausgabe 22, juli 2010....
Dieser Artikel besteht aus 2 Teilen, einem operativen, diesen haben sie zitiert und einem konservativen. Die im operativen Teil genannten Gradzahlen entsprechen internationaler Lehrmeinung. Ich bin allerdings der Meinung, und das wird auch im konservativen Teil zu lesen sein, dass man auf jeden Fall vor einer Op einen konservativen Therapieversuch unternehmen sollte. Wenn man durch die konservativen Maßnahmen wie KG nach Schroth und optimaler Korsettversorgung keine Besserung hinbekommt, kann man durchaus nach einem Jahr noch genau so gut operieren. Wenn man aber Erfolg hat spart man sich die OP. Ein in meinen Augen sicher lohnenswertes Unterfangen.

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Do, 03.03.2011 - 08:39
von sloopy
seedi hat geschrieben:die von ihnen genannten indikationen FÜR eine op wurden uns von den
ärzten in der roland klinik sowie im AKK (dr. stücker) genauso mitgeteilt.
Hallo seedi,

es streitet ja niemand ab, dass eure Tochter in der OP-Indikation liegt. Aber nur weil sie jetzt bei den Gradzahlen angekommen ist, heißt das ja nicht, dass eine OP sein muss. Das ist lediglich eine Empfehlung, die Entscheidung liegt bei euch und eurer Tochter. Wenn man erst mal die magische 50° Grenze erreicht hat, empfiehlt so ziemlich jeder Arzt eine OP, denn das ist das, was die Lehrbücher lehren... Das kennen sehr viele von uns.

Wie gesagt- ich würd es auf jeden Fall erstmal konservativ versuchen, weil die OP in dem Alter nicht mehr davon läuft. Selbst wenn ihr euch nach einem Jahr für die OP entscheidet, habt ihr nichts verloren. In einem guten(!) Korsett wird sich die Skoliose in dem Jahr nicht verschlechtern, so dass die OP dann die gleiche sein wird oder bestenfalls wird die Versteifungsstrecke kleiner, weil vielleicht durch's Korsett noch ein bisschen Aufrichtung erzielt werden kann.

Ich wünsch euch die richtige Entscheidung (und allen närrischen Weibern einen schönen Weiberdonnerstag :scherzkeks: )!

Herzliche Grüße,
sloopy

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Do, 03.03.2011 - 09:08
von Skolimama
Hallo Seedi,

meine Tochter hat ungefähr die gleiche Gradzahl wie deine. Ihre Skoliose wurde mit 14 Jahren entdeckt. Auch wir wurden über OP informiert - sowohl vom Würzburger Arzt, als auch von Dr. Hofmann - aber beide meinten, ein Versuch mit Korsett sollte auf jeden Fall erfolgen. Dr. Hofmann würde auch eine OP unterstützen, falls wir das in Erwägung ziehen. Wir haben uns fürs Korsett entschieden und bis jetzt nicht bereut. Der Rücken meiner Tochter schaut rein optisch sehr viel besser aus, als zu Beginn der Therapie - im Sommer lasse ich sie ohne Korsett röntgen - mal schauen was dabei herauskommt. Ich habe aber auf jeden Fall das Gefühl, für meine Tochter jetzt das bestmögliche zu machen. Sie wird jetzt 16 Jahre und kann dann in 2 oder 3 Jahren selbst entscheiden, ob sie sich operieren lassen will.
Wenn nach der OP das Thema Skoliose ein für alle mal erledigt wäre, würde ich meine Tochter auch sofort operieren lassen - ein gerader Rücken und keine Korsett mehr - herrliche Vorstellung. Aber damit ist es nicht getan. Die Wirbelsäule ist für immer versteift, nützt sich schneller ab und wer weiß, was noch alles kommt.
Aber vielen geht es nach der OP auch sehr gut - lies dich doch mal im Skoliose OP-Forum durch, dort kannst du dich über OP sehr gut informieren. Viele dort sind bei Dr. Hofmann/Leonberg und Prof. Halm/Neutstadt in Behandlung.
Ich wünsche dir und deiner Tochter alles gute, egal wie ihr euch entscheidet.

LG Skolimama

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Do, 03.03.2011 - 11:43
von seedi
guten tag, herr dr. steffan

den von ihnen erwähnten zweiten teil kenne ich leider nicht. gibt es für
mich eine möglichkeit den artikel "runterzuladen" ? falls nicht, hätten
sie die möglichkeit mir diesen teil per e-mail als pdf datei zu schicken ?

noch eine weitere frage:
besteht ihrer meinung nach die möglichkeit, dass sich der grad der skoliose
während einer - sagen wir 1 jährigen - konservativen behandlung dahingehend weiter
verschlechtert, dass die versteifungsstrecke am ende nicht "nur" bis LW 3 sondern
dann sogar noch länger sein wird ?

für ihre bemühungen vielen dank im voraus !

seedi

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Do, 03.03.2011 - 12:11
von Dolphingirl94
Hallo,
seedi hat geschrieben:noch eine weitere frage:
besteht ihrer meinung nach die möglichkeit, dass sich der grad der skoliose
während einer - sagen wir 1 jährigen - konservativen behandlung dahingehend weiter
verschlechtert, dass die versteifungsstrecke am ende nicht "nur" bis LW 3 sondern
dann sogar noch länger sein wird ?
Also um mal eins klarzustellen: eine Korsetttherapie muss länger als ein Jahr gemacht werden. Und bei einem guten(!) Korsett (davon gibt es leider nur wenige) wird sich die Krümmung normalerweise auch nicht mehr verschlechtern.
Lies dich mal ein bisschen ins Forum ein!
LG, Dolphingirl

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Do, 03.03.2011 - 12:52
von seedi
@dolphinggirl94
die zeitspanne von einem jahr habe ich dem kommentar von dr. steffan entnommen
Wenn man durch die konservativen Maßnahmen wie KG nach Schroth und optimaler Korsettversorgung keine Besserung hinbekommt, kann man durchaus nach einem Jahr noch genau so gut operieren

Re: anstehende operation im altonaer kinderkrankenhaus (hamb

Verfasst: Do, 03.03.2011 - 12:53
von sloopy
Hallo seedi,

eine Garantie, dass die Krümmung sich nicht verschlechtert, kann dir niemand (auch kein konservativ behandelnder Arzt) geben, das ist einfach von viel zu vielen Faktoren abhängig. Aber genauso kann dir kein Operateur eine Garantie dafür geben, dass es eurer Tochter nach der OP noch genauso gut geht wie vorher. Stellt eure Tochter doch wenigstens einem konservativ behandelnden Spezialisten vor und hört euch dessen Meinung an.
seedi hat geschrieben:gibt es für mich eine möglichkeit den artikel "runterzuladen" ?
Den Artikel gibt's hier als pdf-Dokument.
Dolphingirl94 hat geschrieben:Also um mal eins klarzustellen: eine Korsetttherapie muss länger als ein Jahr gemacht werden.
Es geht hier darum, dass man sich ein Zeitlimit von z.b. einem Jahr setzt, um zu sehen, wie sich die Wirbelsäule entwickelt. Nimmt die Verkrümmung trotz konsequentem Korsett-Tragen zu oder gibt es Probleme, kann man dann immer noch operieren. Erreicht man noch eine Aufrichtung durch's Korsett, setzt man die Korsett-Therapie fort.

Nur weil die Ärzte sagen, man sei ausgewachsen, heisst das ja leider nicht, dass sich die Skoliose nicht mehr verschlechtert oder verändern lässt. Mir hat man mit 14 Jahren und 34° gesagt, ich sei ausgewachsen, mit 16 Jahren hatte ich 42° und mit 23 Jahren waren es 50°. Hätte ich in der Zeit ein gutes Korsett getragen, hätte man mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit noch einiges rausholen können. Klar sagen die Operateure in Hamburg und Bremen euch nichts davon, weil sie vermutlich nur wenige wirklich gute Korsettergebnisse kennen. Für die ist eure Tochter in der OP-Indikation und da kommt dann gar keine Alternative mehr in Betracht.

Gruß, sloopy