Klaus hat geschrieben:@Alle
Würde mich mal interessieren, ob es bei Korsetts anderer OT's auch solche Statistiken gibt, die man hier einstellen könnte. Klaus Nahr hat das ja schon ganz grob angefangen.
Tja, glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.
Das Problem ist die Quelle der Daten. Wie ist es überprüfbar, ob die Patienten, die in eine Statistik eingeflossen sind, nicht einseitig vorsortiert und die ungünstigen Resultate rausgelassen wurden? Für so etwas benötigt man entweder unabhängige Informationsquellen (wie in diesem Falle die Patienten dieses Forums, die die Informationen selbst bereitgestellt haben, ohne daß der OT darauf einen Einfluß hatte) oder aber wissenschaftliche Studien bei denen (hoffentlich) weniger Manipulationsmöglichkeiten besteht (?).
k.nahr hat geschrieben:mein korsett im vergleich wurde gerade erst ausgeliefert.
ähnliche verläufe lassen bei entspr. compliance usw. eine korrektur von 30-50% erwarten. [...]
das nahrkorsett soll ca 60° korrigieren.
Und an dieser Stelle ist noch ein Problem: Klaus Nahr's Primärkorrekturergebnisse sind abhängig von der Compliance auf die er nicht unbedingt einen Einfluß hat. Ein OT kann nur in gewissem Maße dafür verantwortlich gemacht werden, wenn seine Patienten sich zwar ein Korsett anfertigen lassen, es aber dann gar nicht oder kaum tragen.
Rahmouni's Primärkorrekturergebnisse sind dagegen Meßergebnisse die unter mehr oder wenigen standardisierten Bedingungen angefertigt werden, ohne daß hier die Persönlichkeit des Patienten eine Rolle spielt.
Bei Rahmouni ist Funktionsweise (Korrekturwirkung) von Tragbarkeit und Compliance klar zu trennen, und in der Statistik oben war sogar die Tragbarkeit von der Compliance noch trennbar, was natürlich ideal ist für eine unverfälschte Statistik, weil man nicht gezwungen ist, die Patienten vorher nach der Compliance vorzusortieren, weil diese dann keine repräsentativen Korrekturergebnisse liefern.
Das Konzept der Korsett-Versorgung ist bei Rahmouni und Nahr auch sehr unterschiedlich. Grob gesagt: Das eine basiert auf Eigenverantwortung, Selbständigkeit und persönlicher Entscheidungsfreiheit, das andere geht mehr in Richtung Bevormundung des Patienten durch den OT.
Rahmouni fertigt seinen Patienten Korsette an, die von Anfang an das maximal mögliche an Korrektur rausholen und Dir die Chance auf alles eröffnen, was für Dich mit den Voraussetzungen, die Du mitbringst, noch möglich ist. Es liegt dann bei Dir, Dich an dieses Korsett zu gewöhnen: Wie Du das machst, in welchem Tempo ... der Patient ist es selbst, der das entschiedet, weil man das Korsett z.B. weiter offen lassen kann oder weiter zuziehen kann; entsprechend variiert dann auch der Korrekturdruck und die Zeit die es braucht, bis man sich komplett an das Korsett gewöhnt hat.
Wenn der Patient dabei scheitert, dann wird der Korrekturdruck reduziert (sei es vorrübergehend oder ganz), ABER - und das ist das, was ich als Patient an Rahmouni sehr schätze und was seine Verläßlichkeit ausmacht - nicht soweit, daß Du damit keine Chance mehr hast, Dein notwendiges Minimalziel (Progredienzvermeidung) zu erreichen.
Du als Patient weißt dann: "Was ich hier in Form des Korsetts vorgegeben bekomme, ist das, was ich schaffen muss, um mein Ziel zu erreichen. Wenn ich es nicht schaffe, dann geht's schief."
Klaus Nahr's Korsette erreichen ihre maximale Korrektur dagegen erst nach Wochen und Monaten und (so wie ich es vertanden habe) unter ständigen Veränderungen am Korsett durch ihn als OT.
Als Patient hast Du dadurch dann zum einen weniger die Möglichkeit darauf selbst Einfluß zu nehmen und die ganze Sache zu beschleunigen, in dem Du z.B. durch zuziehen des Korsetts einfach den Korrekturdruck erhöhst, zum anderen sind Deine Erfolge und Deine Chancen auch abhängig von Deiner Kommunikation mit dem OT, sprich glaubt der OT, daß Du mehr der empfindlichere Typ bist, geht er es unter Umständen nicht so drastisch an und Du bekommst ein weniger gut korrigierendes Korsett, aus der Hoffnung des OT's heraus, daß Du es dann eher tragen wirst. Damit hast Du selbst nicht mehr den Überblick und die Entscheidung darüber, was Du mit welchem persönlichen Einsatz erreichen kannst und willst. Und dieses Prinzip basiert immer auf der persönlichen Einschätzung des OT's über den Patienten, von der es ausgeschlossen ist, daß sie jemals so gut sein kann wie die des Patienten über sich selbst.
Diese Bevormundung durch den OT ist eigentlich bei all den mittelmäßigen und schlechten OT's der Fall und genau daraus (abgesehen von mangelnden technischen Erfahrungen) resultieren dann Korsett-Versorgungen, die die Skoliose nicht am Fortschreiten hindern und letztendlich in der Operation enden, weil der OT glaubt seinem Patienten nicht mehr an Korrektur zumuten zu können, weil der Patient das Korsett dann nicht mehr tragen würde.
Der typische Patient eines solchen OT's ist dann meist auch vollkommen unselbständig, uninformiert und macht einfach nur scheuklappenmäßig was ihm gesagt wird. Hätte der Patient dagegen gewußt, daß ihn diese relativ bequeme Schmalspurtherapie auf direkten Wege auf den OP-Tisch bringt, hätte er liebend gerne mehr persönlichen Einsatz bei seiner Korsett-Therapie gezeigt und anstelle ein unbequemeres, besser korrigierendes Korsett in Kauf genommen.
Das sind eben die zwei Konzepte die es gibt. Und meiner Auffassung nach, ist das Konzept von Rahmouni, das Konzept, was den Patienten weiter bringt als das andere, weil der Mensch an seinen Herausforderungen wächst. Je mehr von ihm gefordert wird, umso mehr leistet er auch. Und das ist meines Erachtens auch der Grund warum Rahmouni-Patienten eine überdurchschnittliche Comnpliance zeigen.
In Sobernheim trifft man als Rahmouni-Korsett-Träger sowohl auf andere Rahmouni-Patienten als auch auf die Patienten anderer OT's.
Während die meisten Rahmouni-Patienten gerne, so oft und so weit geschlossen wie möglich ihre Korsette tragen, und sobald die Pelotten platt sind und diese dann nicht mehr die gewohnte Wirkung zeigen, sich einen Termin geben lassen um neue zu bekommen (symptomatisch für Rahmouni-Patienten), tragen die Nicht-Rahmouni-Korsett-Träger (wenn sie es denn überhaupt tun) ihre Korsette, die teils auch noch kaum oder gar nicht korrigieren, in der Regel nur weil irgendjemand es ihnen gesagt hat, machen sich keinerlei Gedanken wie das denn überhauot mit dem Korsett was sie da haben funktionieren soll und sind kein bißchen informiert.
Es präsentieren sich einem da Mentalitätsunterschiede wie Tag und Nacht, und aus unserer Sicht der Rahmouni-Korsett-Träger, ist das immer ein sehr bemitleidenswertes Bild. Man bedauert diese Patienten für ihr geradezu besiegeltes Schicksal und man bekommt wirklich den Eindruck als Rahmouni-User elitär zu sein.
Das ist der Unterschied. Es ist nicht allein Rahmouni's technisches Geschick im Korsettbau, es ist zu einem sehr großen Teil auch die Philosophie die dahinter steckt. Das einem hier die Realität präsentiert wird und nicht das eigenständige Denken und die Selbstverantwortung genommen wird, sondern genau diese Dinge von einem als Patienten gefordert werden!
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Klaus hat geschrieben:Mein Fazit:
Andere Korsette werden die gleichen Schwankungen haben, insbesondere wenn es sehr unterschiedliche Anwender gibt. Daraus schliesse ich, dass bei einem das Korsett X besser wirkt als Y, bei einem anderen Z besser als Y usw. usw.
Die Schwankungen hängen zum einen von den körperlichen Voraussetzungen und der Korrigierbarkeit der Skoliose ab (Krümmungsmuster, Flexibilität der Wirbelsäule, Fettpölsterchen ...), zum anderen natürlich sicherlich auch mit den jeweiligen Fähigkeiten des OT's ein bestimmtes Krümmungsmuster korrigieren zu können, wobei es Krümmungsmuster gibt, die allgemein relativ einfach zu korrigieren sind und andere die allgemein sehr schwer zu korrigieren sind.
Ein OT ist umso besser, je mehr verschiedene Krümmungsmuster er korrigieren kann, je stärker er diese korrigieren kann und umso größer die Krümmungen sind, die er noch in Griff bekommt. Das schlägt sich dann in der Wahrscheinlichkeit nieder, bei einem bestimmten OT als Skoliotiker unbestimmter Art ein gut korrigierendes Korsett zu erhalten.
Und um auf die Statistik zurück zu kommen:
Bei 60 Grad Ausgangskrümmung trennt sich unter den OT's die Spreu vom Weizen! Für bestimmt 90% aller OT's sind alleine schon die 60 Grad absolut utopisch und überhaupt nicht in Verbundung zu bringen mit Korsett-Therapie!