Neue Wege, neben Schroth, Korsette und OP

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Christa
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Geschlecht: weiblich
Diagnose: idiopathische Skoliose 35° nach Copp
Therapie: 1972-1974 Klappsches Kriechen
2010--2016 Schroth,
2014 -2016 Korsett,
2016 Spiralstabilisation,
2016-17 therapeutisches Klettern
seit 2016 Cantienica Methode,
seit 2016 Alexander-Technik,
seit 2020 Eyeboody.

Neue Wege, neben Schroth, Korsette und OP

Beitrag von Christa » Fr, 06.03.2020 - 23:01

„Wenn der Rumpf vorne zu kurz ist, wird’s für den Rücken eng.“ Dieser Satz von Benita Cantieni begleitet mich bis heute und hat bereits vieles bei mir verändert. Zunächst aber etwas, wo ich herkomme:

Mit 12 Jahren stellte meine Mutter die Skoliose fest. Daraufhin machte ich 2 Jahre das Klappsche Kriechen. Dadurch lernte ich, für viele weitere Jahre mich aufrecht zu halten. Ich hatte keine Schmerzen und deshalb die Sache mit den 28° Copp zur Seite geschoben. Erst als ich 50 war, machten sich dauerhaft Schmerzen breit, die mich zwangen etwas zu unternehmen (mittlerweile 35° Copp). Ich begann die Schroth-Übungen in der Klinik zu lernen und machte diese 5-6 Jahre. Ich hatte einen gestählten Oberkörper, der zusätzlich durchs Klettern geprägt war und sich anfühlte wie ein Panzer. Ich bekam anerkennende Blicke dafür, aber hatte nach zwei Tagen Übungsausfall wieder Schmerzen. Leider verschlechterte sich mein Rücken trotzdem weiter. Zudem gab mir das regelmäßige Üben auf Dauer das Gefühl zum eigenen Sklaven zu werden. Aufgrund dieser Situation wurde ich zunehmend depressiv. Deshalb war ich offen für Neues.

Bei einem einwöchigen Seminar lernte ich die Spiralstabilisation von einem Prager Arzt kennen. Mit der Methode konnte ich die Schmerzen beseitigen und meine Muskulatur am Rumpf fühlte sich weicher an. Leider bekam ich keine Übungsanleitungen mit nach Hause, so dass ich damit nichts weiter anfangen konnte.

Anschließend erfuhr ich von der Cantienica-Methode. Ich besorgte mir das Rückenbuch und Video-CD. Außerdem nahm ich ein paar Einzelstunden bei einer Trainerin. Mein erster Satz von oben ist einer meiner zentralen Lehrsätze, der letzten Jahre. „Wenn der Rumpf vorne zu kurz ist, wird’s für den Rücken eng.“ Sobald ich bewusst meine Rumpfvorderseite lang mache, besser gesagt, die Verspannungen loslasse (mit Kraft ist nichts zu machen), richtet sich mein Rumpf auf und ich spüre einen deutlichen Druck auf meine Füße.

Gleichzeitig begann ich mit der Alexander Technik. Ich suchte eine Trainerin auf, die mir 1,5 Jahre beibrachte den Körper bestimmungsgemäß zu gebrauchen. Das ist vergleichbar mit Autofahren mit z.B. angezogener Handbremse. Jedem ist klar, dass das nicht lange gut geht. Genauso will der Körper bestimmungsgemäß gebraucht werden, damit er keinen Schaden bekommt. Der Schmerz ist ein zuverlässiger Informant für den falschen Gebrauch. Von dieser Trainerin lernte ich auch die 15 Minuten Pause einzuführen. Ich versuche jeden Tag mit 15 Minuten Pause zu unterbrechen. In dieser Zeit liege ich auf einer Gymnastikmatte und mache nichts. Andere nennen das Meditation. Bei mir funktioniert „nichts tun“ wesentlich besser. Da weiß ich, dass ich wirklich nichts tun muss und mich nicht auf Meditieren konzentrieren.

Erst durch die Behandlung bei der Trainerin, die zu 50% aus Entspannung bestand (Lockern der Arm- und Beinmuskulatur, lösen der Blockierungen im Brustkorb), erkannte ich, dass mein Körper vollkommen verspannt war. Zudem lernte ich, dass meine chronischen Schulterschmerzen auf meine falsche Kopfhaltung zurückzuführen war. Der war stets zu weit vorne, obwohl ich das selbst nicht wahrnahm. Lediglich auf Fotos fand ich meine Erscheinung oft seltsam, ohne zu wissen warum. Die Schultermuskulatur war durch die Last ständig überfordert und die Muskelkette in der Wirbelsäule nicht strafft, wodurch die Lendenwirbelsäule ohne Spannung war und ausbrach, was mein Hauptproblem darstellt.

Einer der ersten wichtigen Sätze ist „Der Hintern gehört nach Hinten.“ Das Becken weit nach vorne zu schieben ist inzwischen eine Volkskrankheit. Sogar die Schaufensterpuppen trage schon das Becken weiter vorne als den Brustkorb. Bei mir führte die Korrektur der Beckeposition ganz schnell dazu, dass sich der Beckenschiefstand in Luft auflöste, die Lendenwirbelsäue wurde entlastet, der Po bekam eine feste Form, wie ich ihn mein ganzes Leben noch nie hatte und der Anfang für den weiteren Aufbau der Muskelkette war gemacht.

Bei der Alexander Technik habe ich gelernt, die richtige Haltung einzunehmen, damit die Muskelkette entlang meiner Wirbelsäule auf Spannung kommt. Der Leitsatz ist, „Der Kopf führt.“ Das kann man vielleicht mit einer Marionettenpuppe vergleichen, die auch nur aufrecht stehen kann, wenn alle Fäden richtig gespannt sind. Bei Cantieni habe ich die Anatomie der Muskelkette von den Zehenspitzen bis zum Scheitel und wie ich sie aktivieren und kräftigen kann gelernt. Vor allem habe ich die Bedeutung des Beckenbodens kennengelernt.

Der Körper ist ein Leichtbauwerk. D.h. was nicht benutzt wird entwickelt sich zurück. Das hab ich vor vielen Jahren bereits beim Zahnarzt erfahren, als er mir zeigte, dass nur noch ein Hauch von Knochen nach 20 Jahren unter meinem Brückenglied ist. Genauso ist das, wie wir alle schon oft erfahren haben, mit den Muskeln. Wenn wir sie nicht gebrauchen, schwinden sie. Wenn ich an einer Körperseite eine zu schwache, an der anderen Seite Schmerzen habe, weil die ohnehin schon starke Muskulatur überfordert ist, ist das ein Zeichen, dass die schwache Seite zu wenig gefordert ist. Bringe ich diese dadurch zum Einsatz, dass ich sie gezielt kräftige? Natürlich nicht. Ich muss die Muskulatur einsetzen, durch Veränderung der Körperhaltung.

Meine wichtigsten Erkenntnisse:
• Entspannung ist das halbe Leben und für die Wirbelsäule Grundvoraussetzung dafür, dass sie nicht gestaucht wird durch Ängste und Nöte aller Art, die sich im Bauch- und Brustkorb, an der Vorderseite des Rumpfes abspielen. Deshalb gönnte ich mir täglich 15 Minuten „nichts tun“.
• Eine aufrechte Haltung mit erhobenem Haupt ist die Voraussetzung für schmerzfreies Leben.
• Die Muskelkette von den Zehen bis zum Scheitel, die entlang der Wirbelsäule verläuft, ist im Zusammenspiel mit dem Beckenboden die entscheidende Muskulatur für eine gesunde Körperspannung.
• Eine Verbesserung meiner Kletter- oder Skitechnik erreiche ich nicht durch Klettern oder Skifahren, sondern durch Arbeit an meiner Körperspannung.

Meine Entdeckungsreise geht weiter. Obwohl ich mit meinen Erkenntnissen bereits sehr glücklich und zufrieden bin, treibt mich meine Neugierde voran. Erst vor wenigen Monaten habe ich von „Eyeboody“ als Methode für Augenproblemen gehört. Diese Methode verspricht jedoch ein weit größeres Spektrum als die Augen abzudecken. Sie ist eine Weiterentwicklung der Alexander Technik die sich auch auf die Haltung auswirkt. Eines konnte ich mit den ersten Übungen bereits erfahren: Die Augen bestimmen, ob mein Brustkorb eingefallen ist, oder sich aufrichtet. Und - Ich finde ganz schnell meine Mitte, wonach ich seit Jahrzehnten suchte.

Ich hoffe, meine Zeilen verleiten manche von euch, sich auf den Weg nach vorne zu machen, statt sich mit Anträgen auf Schwerbehinderung zu beschäftigen. Ich wünsche allen Neugierigen eine spannende Zeit und viel Glück bei ihrer Entdeckungsreise.

Christa

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Klaus
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Re: Neue Wege, neben Schroth, Korsette und OP

Beitrag von Klaus » Sa, 07.03.2020 - 15:04

Hallo Christa,
Ich hoffe, meine Zeilen verleiten manche von euch, sich auf den Weg nach vorne zu machen, statt sich mit Anträgen auf Schwerbehinderung zu beschäftigen
Wie auch schon in der Vergangenheit nicht nur von mir, sondern auch von vielen Usern festgestellt, informierst Du Dich hier im Forum offensichtlich nicht genug. Deine aktuelle Pauschalisierung empfinde ich grenzwertig beleidigend!

Deine "neuen Wege" bestehen zunächst mal nur aus der Wiederholung von bereits geposteten Methoden. Jetzt kommen noch zwei Methoden dazu. Deine "Entdeckungsreise" bleibt Dir unbenommen, aber leider reagierst Du ja nicht auf konkrete Fragen. Sonst könnte man das bestenfalls als Test der verschiedenen Methoden ansehen.
Andrerseits spricht es für sich, wenn immer wieder eine neue Methode ausprobiert wird. Das klingt dann aber auch nach dem "neu", was in der Werbung gern angewendet wird und gerade bei oft verzweifelten "Newbies" auf fruchtbaren Boden fallen kann. Die fangen etwas an und wechseln, wenn sie "neu" hören. Umso besser, wenn es dann (im Gegensatz zu den üblichen Methoden) viel Geld kostet.

Ansonsten sehe ich in Deiner Beschreibung viel von der Schroth-Methode bzw. wichtigen ergänzenden Übungen, wie sie in einer Schroth REHA angewendet werden. (Von Spiraldynamik wird hier übrigens auch oft gesprochen). Und natürlich können ergänzende Maßnahmen notwendig bzw. sinnvoll sein. Ein User hat es mal geschafft, mit Rolfing eine Hyperkyphose (83 Grad) / Hyperlordose erfolgreich auszukorrigieren, aber nach Schroth und Korsett!

Gruß
Klaus

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