Hallo Tatjana/DanielaF
DanielaF hat geschrieben:Hallo Toni,
ich habe noch einige Fragen.
Ohne Schroth-Kur wird man vermutlich keinen so deutlich sichtbaren Erfolg erlangen, ich meine "nur" durch das Korsett?
Das bedingt sich nach meiner Erfahrung gegenseitig.
Ich bin nach m einem heutigen Wissensstand der festen Überzeugung, daß einige Wochen und Monate VOR der SCHROTH-Reha ein stark korrigierendes Korsett, bei Kyphose/Hyperlordose ein aufrichtendes, streckendes, reklinierendes Korsett antrainiert und getragen werden sollte.
Dadurch fällt es dem Patienten/Patientin in der Schroth-Reha viel leichter die geforderten Korrekturen einzunehmen, als Patienten die KEIN Korsett haben.
Duch das Korsett werden verkürzte, konkave Strukturen (Muskeln, Bänder, sehnen, Bindegewebe usw....) schon mal aufgedehnt, der Körper wird in Richtung Soll- oder sogar Idealhaltung gedrückt und gebogen.
Es fällt viel leichter mit bereits voraufgedehnten unverspannten Muskeln zu schrothen, als gegen die inneren Spannungen die einen in die Kyphose und in das Hohlkreuz hineinziehen.
Es fällt z.B. leichter die Beckenkorrekturen einzunehmen, wenn man diese Beckenstellungsposition schon im Korsett gewohnt ist.
Zudem gab es zu meiner Zeit in Bad Salzungen häufig z.T.lange unklare Diskussionen, wo die richtigen Reissäckchen-Plazierungen hin müssten.
Ein Rahmouni-Korsett-User hat es da leichter: Ganz genau dahin, wo auch im Korsett die Pelottenpolster positioniert sind.
Atemlenkung: Auch beim Schrothen dahineinatmen, wo man im Korsett noch Raum für die Ausdehnung des Brustkorbes bei tiefer Einatmung hat.
Ein Laie kann sich gar nicht vorstellen, wieviel SCHROTH und ein gutes Korsett gemeinsam haben!
Dazu kommt noch, daß "Weichtier-Schrother" (Patienten OHNE Panzerung/Exoskelett/Korsett) nach einem harten "Schroth-Tag" , meistens schon sichtbar beim Rumsitzen in den Pausen in ihre verkrümmten Fehlstatikhaltungen zurücksinken und dabei einen Teil der durch intensives Schrothen erreichten Aufrichtung verlieren.
Nettkitty und ich haben uns am Abend in Basa in "Schale" geworfen und konnten völlig relaxed die Korrekturen halten und weiter ausbauen. Wir waren trotz Korsett lustig und entspannt, während einige Mitpatienten sichtbare "Überschrothungs-Durchhänger" hatten und sich kaum noch auf den Stühlen halten konnten.
Ich bin fest überzeugt: Wer schon ein paar Wochen und Monate VOR der Reha das Korsett bekommt, für den verläuft eine Wirbelsäulen-Intensiv-Reha wesentlich effektiver als für "unbraced-Weichtiere"!
DanielaF hat geschrieben:Kann man irgendwann damit rechnen, das Korsett gar nicht mehr tragen (oder nur ganz selten) zu müssen, oder verbiegt sich die Wirbelsäule ohne Korsett nach und nach wieder?
Das kann ich noch nicht sagen, ich mmach gerade einen solchen Langzeitversuch an mir selbst.
Man hat die ersten Wochen und Monate mit Korsett und Schroth den höchsten Korrekturgewinn an sichtbarer und im Korsett durch den nachlassenden Pelottendruck spürbarer Korrektur und Aufrichtung.
Die 2 Phase der Behandlung ist schon langwieriger. Da gilt es die erreichte Aufrichtung immer länger auch OHNE Korsett zu halten.
Bei mir war das so, daß ich bald wieder die typischen Scheuermann-Schmerzen zwischen die Schulterblätter und Brustenge bekam, wenn ich in die Kyphose zurücksank. Also hielt ich mich ganz bewusst in der durch Schroth erlernten (und im Korsett erzwungen) aufrechten Haltung.
Diese Position konnte ich dann immer länger durchhalten, auch OHNE Korsett. Das war aber je nach Tagesform unterschiedlich. Manchmal sehnte ich mich schon nach einer Stunde in meinen Schildkrötenpanzer zurück, manchmal konnte ich mmühelos tagelang Haltung bewahren.
Das Ganze ist vor allem ein enormes Geduldsspiel!
Ein Wirelsäulenfehlstatik die bei mir 35 Jahre meines Lebens manifestiert war, kann nicht in ein paar Wochen ins Gegenteil zurückgebogen werden.
Aber ich bin mit meinem Erfolg hochzufrieden und bereue keine einzige Minute der ganzen "Korsett-Quälerei" und keine Sekunde Schroth. Ich könnte nur heulen, daß ich nicht schon viel viel früher in meinem Leben diese wunderbaren Chancen und Therapiemöglichkeiten hatte!
DanielaF hat geschrieben:
Machst du noch Übungen nach Schroth, wenn ja, wie lange und wie oft?
Ich schrothe (fast) täglich, aber sehr unterschiedlich lang. Das geht von einer Stunde bis zu mal kurz 10 große Bögen abhängen.
DanielaF hat geschrieben:
Du schreibst, du machst das Korsett um, wenn du merkst, dass du zusammensackst,
Ich schnall es dann wieder um, wenn ich das Gefühl habe, daß mir das bewusst aufrecht bleiben zu anstrengend wird. Es kommt auch sehr auf die Situation an. Ich laufe nicht aus Besprechungen davon um mir das Korsett anzulegen. Besprechungen mach ich am liebsten MIT Korsett, da bin ich auch psychisch unnachgiebiger und unbeugsamer, (im wahrsten Sinne des Wortes). Man kann im Korsett nicht "buckeln"!
DanielaF hat geschrieben: könnte man, wenn der Rücken grade geworden ist, die entsprechenden Muskeln nicht durch Kieser-Training stärken, so dass man nicht mehr zusammensackt oder funktioniert das nicht?
Mit KIESER-Training (und in jeder anderen "Muckibude") kann man so ziemlich alles auftrainieren, aber leider am wenigsten ganz gezielt und genau die autochtone Muskulatur die man zur Selbstkorrektur einer rumpfverkürzenden Wirbelsäulen-Deformation braucht.
Das geht NUR mit SCHROTH und SCHROTH ist NUR in einer Reha wirklich erlernbar und nicht aus Büchern! ( ich habs ehrlich versucht, hatte das Schroth-Buch Monate vor der Reha, es hat mir gar nix genutzt. Kapiert hab ich das Buch erst NACH der Reha.
DanielaF hat geschrieben:
Wie schläft es sich mit dem Korsett, kann man auch auf der Seite liegen?
Das war fast das mühsamstte und das schwierigste, im Korsett wirklich gut und tief schlafen zu lernen! Das ist das Härteste an der korsett-Eingewöhnung für mich gewesen.
Bei Rückenlage im Korsett bekam ich Spannungsschmerzen in der LWS-Lordose. Da hätte ich mit den Beinen in Stufenlagerung schlafen müssen.
Zudem habe ich in Rückenlage fürchterlich zu schnarchen angefangen. Also musste ich lernen im Korsett auf der Seite zu schlafen, ohne daß mir die Reklinationshörnchen Blutversorgung und Nervenbahnen des jeweils unteren Armes abgequetscht haben. Dazu hhabe ich im lauf der Zeit durch Selbstversuche ein System entwickelt und optimiert, das ich "Tonis-Armschluchtmethode" nenne. Seither schlafe ich absolut entspannt und freue mich jede Nacht auf die wunderbar erhohlsame Entspannung bei so fest wie möglich zugeschnalltem Korsett und das völlig relaxte Aufwachen jeden Morgen mit einem so guten Gefühl, daß ich das Korsett gar nicht ausziehen wollte, wenn ich nicht aufs Klo und duschen müsste.
DanielaF hat geschrieben:
Den Antrag auf stationäre Reha, bekommt man den bei der Krankenkasse?
Beim inzwischen fusionierten Rentenversicherungsträger oder /und der Krankenkasse.
DanielaF hat geschrieben:
Wodurch kommt es überhaupt zu der Bildung eines richtigen Rundrückens, durch jahrelange Haltungsschwäche?
Die "nicht traumatische Kyphose" kann viele verschiedene Ursachen haben.
Am häufigsten sind Morbus Scheuermann oder ganz einfach manifestierte Fehlhaltungen wegen Haltungs-Muskelschwächen "Stubenhocker-Syndrome".
Dein Mann braucht zuerst mal eine sorgfältige Diagnose!
Für die Therapie (Schroth und Korsett) ist die Ursache völlig irrelevant!