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Hyperlordose: Welche Muskeln dehnen/kräftigen?

Verfasst: Di, 22.02.2011 - 17:49
von Flavius
Hallo werte Gemeinde,

nach einem Besuch bei Herrn Dr. Hoffmann, bei dem ich mich sehr gut aufgehoben fühlte :) , steht nun die Diagnose und ich habe meine Vermutung schwarz auf weiß: Hyperlordose (und andere, "kleine" Sachen)

Um mich selbst ein bisschen zu bilden und auch anderen meine "Krankheit erklären" zu können, habe ich also ein wenig im Internet gesurft und bin auf einen Text der Uni Innsbruck gestoßen.
(http://www.google.de/url?sa=t&source=we ... sQ&cad=rja)

Die dortigen Aussagen decken sich weitgehend mit denen von Dr. Hoffmann, in einem Punkt aber scheint es einen fulminanten Widerspruch zu geben: In obiger Publikation wird behauptet, man solle die ischiocruale Muskulatur KRÄFTIGEN, in meiner Diagnose heißt es aber genau das Gegenteil, massive Verkürzung der ischiocrualen Muskulatur (sogar als Hauptursache), daher dehnen. Ich frage mich im Moment, wie so ein Widerspruch zu Stande kommt... ich bin ja sicherlich nicht der erste Mensch mit Hyperlordose, da müssten doch zumindest so elementare Dinge einhellig geklärt sein? Oder gibt es unterschiedliche Arten der Hyperlordose, sodass beide Recht haben könnten? Es geht konkret um diese Abbildung:
http://docs.google.com/viewer?pid=bl&sr ... er=6&w=800#

Und ist eine Lendenstrecksteife, die bei mir leider auch auftritt, in jedem Fall ein Zeichen ernster Erkrankung? Als ich kurz in einem medizinischen Lexikon nachgeguckt habe, stand da sowas. :/
Im Zweifelsfall verlasse ich natürlich lieber auf Herrn Dr. Hoffmann, der sicherlich mehr Erfahrung hat und auch meinen individuellen Rücken angeschaut hat, ich bin nur trotzdem etwas verunsichert. :juggle:

Ich wäre außerdem dankbar für Links zu guten Dehnübungssammlungen, sodass ich mir am besten einfach ein paar Blätter über das Bett hängen kann und das fleißige Dehnen nicht vergesse!

Es grüßt trotz allem optimistisch
Flavius

Re: Hyperlordose: Welche Muskeln dehnen/kräftigen?

Verfasst: Di, 22.02.2011 - 18:07
von Klaus
Flavius hat geschrieben:steht nun die Diagnose und ich habe meine Vermutung schwarz auf weiß: Hyperlordose (und andere, "kleine" Sachen)
Tatsächlich nur Hyperlordose, keine Hyperkyphose (Rundrücken) oder Steilstellung der HWS (HWS Kyphose) ??
In obiger Publikation wird behauptet, man solle die ischiocruale Muskulatur KRÄFTIGEN, in meiner Diagnose heißt es aber genau das Gegenteil, massive Verkürzung der ischiocrualen Muskulatur (sogar als Hauptursache), daher dehnen. Ich frage mich im Moment, wie so ein Widerspruch zu Stande kommt...
Das ist kein Widerspruch!
Um Muskeln richtig aufbauen zu können, müssen sie erst mal bei Verkürzungen gedehnt werden, sonst zieht Dich die Muskulatur noch weiter in das Hohlkreuz. Schroth KG kombiniert beides, nur wenn die Verkürzungen einen bestimmten Grad überschreiten (Diagnose: massive Verkürzungen) ist vorher erst einmal eine gezielte Dehnung durchzuführen.

Gruss
Klaus

Re: Hyperlordose: Welche Muskeln dehnen/kräftigen?

Verfasst: Di, 22.02.2011 - 19:19
von minimine
Hallo Flavius,
doch, das ist schon ein Widerspruch. Da meine Mutter dieselbe Diagnose von Dr. Hoffmann bekommen hat und ich bei der Erklärung dabei war, hat er auch ausdrücklich gemeint, dass die Bauchmuskeln gestärkt und die untere Rückenmuskulatur gedehnt werden müssen (Muskelaufbau ist hier tabu). Ihr hat es auf jeden Fall was gebracht.

Hast du kein Blatt von Dr. Hoffmann bekommen, auf dem er dir bestimmte Übungen angekreuzt hat? Ansonsten lernst du entsprechende Übungen auch bei der KG.

LG
Minimine

Re: Hyperlordose: Welche Muskeln dehnen/kräftigen?

Verfasst: Mi, 23.02.2011 - 10:49
von Klaus
minimine hat geschrieben:doch, das ist schon ein Widerspruch.
Also ein Widerspruch ist es eigentlich nicht, es fehlt in dem Zitat von Flavius nur die differenzierte Betrachtungsweise von Bauch und Rückenmuskulatur. Und da muss man auch sehen, dass eine verkürzte untere Rückenmuskulatur eine überdehnte Bauchmuskulatur zur Folge hat (oder auch umgekehrt). Verkürzungen kann man durch Dehnübungen beseitigen, das widerum begünstigt den Aufbau mit "Zusammenziehen" der Bauchmuskulatur.

Mir ist allerdings noch nicht so ganz klar, ob bei massiven Verkürzungen der Rückenmuskulatur nicht erst ein Mindestmaß an Dehnungen gemacht werden sollte, ehe man an die Bauchmuskulatur geht. Immerhin wird dieses Zusammenspiel in einer REHA angewendet, die als Ausgangspunkt für optimale Therapie sozusagen "normale" verkürzte Strukturen erwartet.

Gruss
Klaus

Re: Hyperlordose: Welche Muskeln dehnen/kräftigen?

Verfasst: So, 27.02.2011 - 17:01
von Flavius
Klaus hat geschrieben:Tatsächlich nur Hyperlordose, keine Hyperkyphose (Rundrücken) oder Steilstellung der HWS (HWS Kyphose) ??
Bei einem nochmaligen Durchlesen ist tatsächlich auch ein /leichter) Rundrücken diagnostiziert... inwiefern ändert das die Therapiemaßnahmen?
Klaus hat geschrieben: Um Muskeln richtig aufbauen zu können, müssen sie erst mal bei Verkürzungen gedehnt werden, sonst zieht Dich die Muskulatur noch weiter in das Hohlkreuz. Schroth KG kombiniert beides, nur wenn die Verkürzungen einen bestimmten Grad überschreiten (Diagnose: massive Verkürzungen) ist vorher erst einmal eine gezielte Dehnung durchzuführen.
Achso, dankeschön :)
minimine hat geschrieben:Hast du kein Blatt von Dr. Hoffmann bekommen, auf dem er dir bestimmte Übungen angekreuzt hat? Ansonsten lernst du entsprechende Übungen auch bei der KG.
Doch, Herr Dr. Hoffmann hat mir ein Blatt mitgegeben und auch die 4 Übungen angekreuzt, die für mich optimal sind. Mich würde es noch interessieren, ob eine gewisse Übungsvariation sinnvoll ist oder man lieber über einen längeren Zeitraum exakt die selben Übungen ausführt.

Eine Frage hätte ich da noch, die mir durch den Rundrücken ins Bewusstsein gerufen ist:
Sollte ich da analog zur Situation bei den Bauch-/unteren Rückenmuskeln die Brustmuskulatur dehnen und die obere Rückenmuskulatur + evtl. Schulter stärken, um einen Ausgleich zu schaffen?

Re: Hyperlordose: Welche Muskeln dehnen/kräftigen?

Verfasst: Mo, 28.02.2011 - 10:22
von Klaus
Flavius hat geschrieben:Bei einem nochmaligen Durchlesen ist tatsächlich auch ein /leichter) Rundrücken diagnostiziert... inwiefern ändert das die Therapiemaßnahmen?
Ist da kein Winkel angegeben?
Die eigentliche Therapiemaßnahme ist die optimale Schroth Therapie, die bei der Hyperlordose symmetrischer Art ist. Das gleiche gilt für die Hyperkyphose, die aber mit in die Übungen einbezogen werden muss.
Die Wirbelsäule ist immer als ganzes zu sehen und deshalb habe ich auch nach evtl. Veränderungen in der HWS gefragt, weil die WS Fehlstellungen in einem bestimmten Bereich immer in anderen Bereichen auszugleichen versucht. Das hast Du ja schon richtig erkannt, wenn Du von Ausgleich sprichst.

Vereinfacht ganz grob gesagt, eine LWS Hyperlordose wird in gleicher Stärke durch eine BWS Hyperkyphose ausgeglichen. Das kann aber auch so sein, dass nur ein Teil des Ausgleiches in der BWS erfolgt und ein anderer Teil in der HWS, wo dann aus einer natürlichen Lordose eine Steilstellung oder auch HWS Kyphose auftreten kann. Und alle möglichen Variationen dazwischen.

Aber das sehen die Therapeuten während der Schroth REHA und die Zusammenhänge werden Dir dann sicherlich auch klarer. Mir ging es jedenfalls so. :)
Sollte ich da analog zur Situation bei den Bauch-/unteren Rückenmuskeln die Brustmuskulatur dehnen und die obere Rückenmuskulatur + evtl. Schulter stärken, um einen Ausgleich zu schaffen?
Das ist dann schon Teil der Schroth KG Therapie, weil Fehlstellungen in anderen Bereichen der WS natürlich auch zu weiteren Verkürzungen der Muskulatur führen kann. Teilweise in Bereichen, wo man es nicht vermutet, z.Bsp. die Innenseite der Oberschenkelmuskulatur.

Ich sehe das so, dass erst einmal Dein Hauptproblem die massiven Verkürzungen in der LWS sind. Wenn das einigermassen "beseitigt" ist, (dieser Erfolg wird auch etwas zum möglichen Gesamterfolg aussagen können), wird Schroth an der gesamten Wirbelsäule gleichmässig gut ansetzen können. Das wäre dann gleichzeitig auch eine klare Indikation für eine erfolgreiche stationäre Schroth REHA.

Gruss
Klaus

Re: Hyperlordose: Welche Muskeln dehnen/kräftigen?

Verfasst: Sa, 19.03.2011 - 23:06
von Libelle63
Hallo Flavio,

um das Kräftigen und Dehnen zu verstehen muss man sich einfach mal die Muskeln anschauen. Ist die Ischiocrurale (hintere Oberschenkel)-Muskulatur verkürzt richtet sich das Becken auf und es entsteht ehr ein Flachrücken. Die Menschen haben Probleme sich im Langsitz aufzurichten und mit geraden Rücken zu sitzen und schaffen das nur, wenn sie die Beine beugen. In diesem Fall sollte die hintere Oberschenkelmuskulatur gedehnt werden. Sie zieht sich über 2 Gelenke(Hüfte und Knie) und hat seinen Ursprung an den Sitzbeinhöckern und den Ansatz am Schienbein/Wadenbein. Zieht also bei Verkürzung die Sitzbeinhöcker weiter nach unten.

Ist die vordere Oberschenkelmuskulatur verkürzt kippt das Becken und es entsteht ein Hohlkreuz. Zieht auch über Hüfte und Knie (2-gelenkig) beugt in der Hüfte und streckt im Knie. Verkürzt zieht er also das Becken mehr Richtung Knie (vorn).

Dann kommt noch der Hüftbeuger dazu, ein kräftiger Muskel der, wie der Name schon sagt, die Hüfte beugt. Er liegt in der Hüfte und hat seinen Ursprung an den Lendenwirbeln und am 12. BW und an der Darmbeinschaufel und seinen Ansatz an den Oberschenkelknochen (Rollhügel). Auch dieser Muskel kann bei Verkürzung für ein Hohlkreuz verantwortlich sein.

Das setzt sich natürlich in der Rücken und Bauchmuskulatur fort. Man kann also sehen, es reicht nicht aus hier nur die Rückenmuskulatur zu dehnen und die Bauchmuskulatur zu kräftigen. Weiter geht es zumindest in diesem Fall mit einer verkürzten Brustmuskulatur und einer abgeschwächten Rückenmuskulatur im oberen Rücken. Ein ganzheitliches Training ist erforderlich und das am besten unter fachlicher Anleitung in Einzeltherapie.

Außerdem ist ein verkürzter Muskel nicht unbedingt stark. Er sollte nicht nur gedehnt sonder evtl. auch gekräftigt werden. Wir kommen nicht darum herum ein Ganzkörpertraining zu machen...

Ich hoffe es war verständlich, ich finde es hilft ein wenig weiter, wenn man die Funktion der Muskeln nachvollziehen kann.

Gruß
Libelle