Hallo Anna 91, willkommen in unserem Forum!
Leider haben die allerwenigsten Orthopäden einen Hauch von Ahnung vom Scheuermann Typ II.
So wie das klingt bist Du am sogenannten Morbus Scheuermann Typ II erkrankt. Diese seltenere Form des Morbus Scheuermann befällt im Gegensatz zum Typ I nicht die BWS und bildet dort durch Keilwirbelbildung eine Kyphose (Rundrücken-Buckel) sondern macht das genaue Gegenteil in der LWS. Dort verliert ein ScheuermannTyp-II Patient die natürliche, normale und physiologische Lordose. Dabei wird die LWS völlig gerade oder kann in extremen Fällen sogar kyphoisieren!
Man könnte nun glauben, daß eine völlig gerade WS ja an sich nichts schlimmes ist. Das ist aber ein fataler Irrtum!
Wegen der Geraden LWS kann auch die BWS kompensatorisch sich zum Flachrücken entwickeln. Die HWS folgt dierer Entwicklung auch noch. Dann Fehlt der ganzen WS irgendwann das seitlich gesehene natürliche S und die WS verleirt die durch sdieses S mögliche Feder-Schwingungs-Dämpfung.
Das Bedeutet, daß jeder einzelene Schritt, den Du z.B. mit harten Schuhen auf hartem Boden machst, die ohnehin durch den M.Scheuermann vorgeschädigten Bandscheiben in der LWS weiter zermürbt. Daher ist mit laufen und allen Sportarten, die zu Stoßbelastungen, Schlägen und Erschütterungen der WS führen (Auch Reiten, Hallensportarten bei denen man auf Hartem Boden hüpft wie Basketball, Volleyball, Handball usw.... höchste Zurückhaltung geboten. Tanzen hingegen sehe ich als deutlich weniger Kritisch. Schwimmen schadet überhaupt nicht.
Du solltest die Situation Deiner WS aber schon genau kennen!
Ist das so, daß Deine LWS entlordoisiert ist?
Hast Du einen Flachrücken in LWS und BWS?
Hast Du eine seitliche (sagittale) Ganz-WS-Aufnahme?
Hast Du "Schmorlsche Knoten" in den Wirbeldeckplatten?
Meistens ist der LWS-Typ II - Scheuermann mit einer Höhenminderung der Wirbelköperzwischenräume verbunden.
Ist das bei Dir der Fall?
Das bedeutet daß Deine LWS-Bandscheiben höhengemindert sind. Da Deine LWS nicht einfedern kann, wirken Schläge und Erschütterungen wesentlich stärker bandscheibenschädigend als bei Menschen mit natürlicher Lordose.
Das ist auch der Hauptgrund, warum der Typ-II- Scheuermann eine wesentlich ungünstigere Langzeit-Schmerzprognose hat, als der "klassische" und relativ häufige BWS-Kyphose-Scheuermann Typ I.
Du solltest fast GRUNDSÄTZLICH NUR Schuhe tragen, die eine sehr weiche Fersendämpfung haben. Z.B. CROCS mit zusätzlicher Gel-Pad unter der Ferse oder noch besser MBT-Schuhe. Harte Absätze oder Schuhe mit dünnen harten Sohlen solltest Du meiden wie die Pest oder wenn es sich gar nicht vermeiden lässt FersenGel-Polster oder Einlagen mit besonders guter Fersendämpfung einlegen.
Wenn Du tatsächlich zu den seltenen Typ-II Patienten gehörst, dann gebe ich Dir einen Tip, der Dir im Moment vielleicht lächerlich und sehr seltsam vorkommt:
Trage ein klassisches Schnürkorsett!
( Kein orthopädisches Korsett, sondern eher ein solches taillenformendes Schnürmieder wie Die feinen Damen vor 100 Jahren)
Z.B. sowas:
http://shop.geschnuert.de/index.php/cPath/21
z.B. aus Jeans-Stoff oder in Chamouflage-Tarnfarbe, dann schauts gar nicht medizinisch-Orthopädisch aus.
Ein solches Taillenschnürmieder macht folgendes:
1. Es lordoisiert deine LWS etwas, so daß Du im Schnürmieder eher eine leichte "natürliche" Lordose hast.
2. Es hat einen "Zwetschen-Kern-Effekt". Das bedeutet daß es durch die Tailleneinschnürung die Distanz zwischen Becken- und Brustkorb vergrößert, die LWS-Bandscheiben entlastet, weil die LWS-etwas gestreckt wird.
Solche Taillenschnürmieder verursachen (im Gegensatz zu orthop. Korsetten) nahezu gar keine Bewegungseinschränkung. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung verursachen sie KEINE gesundheitlichen Schäden. (nicht einmal wenn sie sehr eng geschnürt werden!)
Schau Dir das mal an:
http://www.youtube.com/watch?v=AWSNski8RCU
Als Scheuermann-II kann Dir das nur gut-tun.
Einen Nachteil gibt es allerdings. Das Ding zahlt keine Krankenkasse! (Dafür kosten sie nur einen lächerlichen Bruchteil eines orthopädischen Korsettes.)
Gruß Toni