teilfixiert?

Infos zu weiteren WS-Deformitäten, die mit Skoliose zusammen oder alleine auftreten
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Toni
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Beitrag von Toni »

Fixierte Wirbelsäule bedeutet, daß sich die Wirbelsäule z.B. durch Verschleiß inmd Entündungen in den noch beweglichen Resten der Knorpel-Knochenverbindungen durch die Entzündungsvorgänge Kalk einlagert, diese Bindegewebe an Elastizität verlieren und dann zunehmend verknöchern.
Das kann auch durch Spangenbildung erfolgen, wo knöcherne kleine "Brückchen " von Wirbelkörper zu Wirbelkörper entstehen.
Eine "gesunde" normale Wirbelsäule bleibt bis zum hohen Alter beweglich!

Das Maß der Beweglichkeit der Wirbelsäule wird durch eine einfache Maßbandmessung nach SCHOBER und OTT vermessen und dokumentiert.
Aber selbst dazu sind die allermeisten 2,5 Minuten-Schnelldurchlauf-Orthopäden nicht Willens oder in der Lage!

Bild
Wenn sich bei dieser Messung keine Veränderung der Längenmaße der WS in einzelnen WS-Abschnitten ergeben, dann gilt der jeweilige WS-Abschnitt, z.B. die BWS (Brust.-Wirbelsäule) als fixiert.
Meine galt in früheren befunden als Fixiert. Und trotzdem habe ich die "Kurve gekratzt"! Solange noch ein bischen Bandscheibenknorpel da sind, kann die WS durch die Dehnung und Streckung beim Schroth und im korsett in die Länge gezogen werden. Dadurch wird der Abstand zwischen den Wirbelkörpern wieder größer weil die Bandscheiben saftiger werden und damit auch die ganze WS beweglicher.
Fixiert ist bei den Schnellschuß-orthopäden ein sehr beliebtes Wort, weil sie damit aus der verantortung raus sind etwas ernsthaft tun zu müssen und dem Patienten signalisieren können daß er zu spät gekommen ist.

Aber auch wirklich fixierte Wirbelsäulen können sich noch im Alter progredient verschlechtern, wie wir z.B. bei Petra /Lurchi gesehen haben.
Sie hatte schon diese Brückenspangen und kaum noch Knorpel zwischen den Scheuermann-zerfurchten Wirbelkörperdeckplatten. Da kam die ganze konservative Therapie (Schroth-Reha und Rahmouni-Korsett) um Jahre zu spät.

Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
Der Prophet
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Beitrag von Der Prophet »

Wenn die WS auch noch im hohen Alter biegbar ist, warum sagt mann dann immer, dass es so schwer ist, sie wieder grade zu biegen?(im höheren Alter)
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Toni
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Beitrag von Toni »

Der Prophet hat geschrieben:Wenn die WS auch noch im hohen Alter biegbar ist, warum sagt mann dann immer, dass es so schwer ist, sie wieder grade zu biegen?(im höheren Alter)
Sie ist inm Alter WESENTLICH weniger flexibel als in der Jugend!

aber nicht völlig unbeweglich, solange sie nicht durch Entzündungen Rheuma, Osteoporose, Wirbelkörpereinbrüche, Osteochondrose usw... zusammengesintert und verknöchert ist.

Ich habe mal erfahren, daß Dr. Cheneau ( über 70 Jahre) nun selbst ein Korsett gegen seine beginnende Alterskyphose trägt!

Je jünger man ist, um so größer die Chancen etwas positiv zu verändern und zu beeinflussen! Besonders wenn noch Wachstumspotential besteht. Und das ist bei Jungs mit 14 noch ausreichend da!
Wenn Deine haltung so wie die von Augo oder gar schlimmer ist, dann musst DU UNBEDINGT entschlossen und konsequent die Sache anpacken!
Gruß Toni
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Karlson vom Dach
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Beitrag von Karlson vom Dach »

Hallo Prophet,

ich habe Deine Frage anders verstanden: Wie Toni schrieb, kannst Du eine gesunde "alte" WS biegen. Wenn man als Erwachsener eine Hyperkyphose hat, kann man diese evtl. aufrichten, aber es erfordert Kraft, oder mit technischem Vokabular erklärt: Die Haltung in der Kyphose ist Deine Null-Lage.

Das "Geradebiegen im Alter", damit meinst Du wahrscheinlich die dauerhafte Aufrichtung der Kyhose, so zu sagen als neue Null-Lage. Damit gibt es, wie hier schon öfters geschrieben, wenig Erfahrungen. Toni und ich sind 2 "Versuchskaninchen", die es versuchen.

Wenn Du im Wachstum durch ein Korsett aufgerichtet wirst, so wirkt dieses wachstumlenkend. Diesen Punkt hat Dir bereits BZebra sehr anschaulich erklärt:
BZebra hat geschrieben:Hallo Prophet,

erst mal Willkommen im Forum.

Unterschied zwischen Physiotherapie (bzw. Krafttraining) und Korsett ist die Intensität. Das Korsett korrigiert deutlich mehr, als das jemals allein durch Training der Muskulatur möglich wäre.

Das Korrekturergebnis ist, wenn die Therapie während des Wachstums stattfindet, zu einem recht großen Anteil dauerhaft. Ein Korsett wirkt wachstumslenkend. Das heißt, da Du es den ganzen Tag über trägst und Dich in einer sehr geraden Haltung befindest, verändern sich Deine Körperstrukturen während des Wachstums so, daß diese Position zu Deiner normalen wird.

Vorteil an einem Korsett ist zum einen, daß viel mehr an Korrektur möglich ist, zum anderen bist Du dadurch in der Lage sie den ganzen Tag über zu halten. Den selben Effekt mit Physiotherapie allein zu erzielen wäre ein Ding der Unmöglichkiet. Viel zu anstrengend. Würde viel zu viel Konzentration erfordern.

Das Korrekturergebnis, da wachstumslenkend, bleibt zu einem recht großen Teil stabil auch ohne später ein entsprechendes Training zu absolvieren. Der Korrekturanteil, der durch besonders trainierte Muskulatur hervorgerufen wird (was übrigens auch durch das Korsett passiert, im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung, es würde zur Muskel-Erschlaffung führen; der Muskeltonus ist im Korsett nachweißlich erhöht) bleibt jedoch nur bestehen, wenn die Muskulatur weiterhin trainiert wird.

Du musst also unterscheiden, zwischen einer während des Wachstums fixierten dauerhaften Korrektur und einer durch Muskeltraining vorübergehend hervorgerufenen Korrektur.

Zwar wirkt Physiotherapie und Krafttraining während des Wachstum auch wachstumslenkend, da der Effekt aber vergleichsweise gering ist und immer nur ein Teil der Korrektur auch langfristig haltbar ist, ist es nicht wirklich erwähnenswert und vor allem ist der Effekt oft nicht groß genug, um eine weitere Verschlechterung zu verhindern, wenn diese eintritt.

Denn das ist ein weiteres Risiko was bei Dir besteht. Deinen Status Quo hast Du nicht sicher, es kann während des Wachstums noch schlimmer werden!

Gruß,
BZebra
Viele Grüße,

Karlson
Kein Mensch muß müssen
Reinhard K. Sprenger
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