Hallo Bogi,
Bogi hat geschrieben:Ich bin auch über eine große Strecke versteift. Ich hab aber gelernt damit umzugehen und man kommt damit auch zurecht! Ich bin zwar kein Bodenturner merhr

aber ich kann alles machen. Ich habe Haus gebaut, konnte meine Eltern in der Landwirtschaft helfen und vieles mehr. Und glaube mir vom arbeiten her habe ich den "gesunden Menschen" in keinster Weise nachstecken müssen. Einziges Problem ist halt dann die verstärkte Belastung der restlichen Wirbel. Um diese musst Du dich dann um so mehr kümmern!
eine geringere körperliche Belastbarkeit ist bei langen Versteifungsstrecken aber zumeist gegeben.
D.h.: es geht meist zwar viel, aber es strengt oft mehr an, führt früher zu Schmerzen (nicht nur aufgrund Überlastung der restlichen Wirbel, sondern ich meine, unmittelbar auf die Tätigkeit folgend), man ist oft langsamer weil man die zeit- und kräftesparenden Bewegungen der "Normalwirelsäulenmenschen" nicht nutzen kann. (Diese Einschränkungen liegen jedoch bei hochgradigen Skoliosen sowieso zumeist vor.)
Selber merke ich da schon einen Vergleich:
- Meine Eltern sind weitestgehend Selbstversorger, d.h. Gartenbewirtschaftung tendiert zu Landwirtschaf. Ich bin einfach langsamer und brauche mehr Pausen - Mist umstechen, Hufe kratzen, Äpfel klauben, Ausmisten sowie gröbere hauswirtschaftliche Tätigkeiten etc., das geht einfach nicht so flott.
- Mit Gleichaltrigen auf Reisen unterwegs - wo andere ein bisschen über Betten jammern und doch den Tag mit körperlichem Einsatz angehen, kriege ich schneller Probleme. Wo andere in Bussitzen einigermaßen schlafen und lustig aufgelegt sind, ist mir die Aktion eine Lehre, das nächste Mal nicht mehr mitzufahren. Wo andere mit Rucksackgepäck das letzte Stück zur Hütte laufen, muss ich jemanden um Hilfe bitten - weil Rucksack nicht geht, und der Trolley (manche lächelten dann, die nimmt für's Hüttenwochenende einen Trolley statt Rucksack, aber einen Wochenverpflegungsrucksack kann ich nicht wuchten und schon gar nicht damit laufen) zwar von zu Hause zum Bahnhof, am Ankunftsort aber nicht über Stock und Stein zu bekommen ist.
- Wo andere im Physik-Werkstattpraktikum sich über etwas beugen und an dem Werkstück arbeiten, suche ich mir mühsam eine Hockposition um irgendwie dranzukommen, die ich auch nicht lange durchhalte, und suche öfter die Toilette auf um meine Pausen zu haben. Gibt dann Rückenschmerzen, die sich weder über den Feierabend noch übers Wochenende legen und erst eine gute Woche nach vierwöchigem Praktikum einigermaßen abgeklungen sind.
- Bei Umzügen macht >75% mein (rückengesunder) Partner, ich mache den Kleinkram.
- Wo andere mal bei einem Kumpel auf der Isomatte oder dem Sofa pennen, geht bei mir nichts ohne Bett, sonst ist der nächste Tag gelaufen.
- Was andere noch heben (Handgepäck, Einkäufe etc.), muss ich ziehen/rollen, nicht nur "weil man ja nicht so schwer heben darf", sondern weil es sich unmittelbar auswirkt (mir etwas verreißen, oder es gleich gar nicht anheben können)
Das verhält sich bei mir ab abgeschlossener Genesung nach OP so. Kann ich dadurch eindeutig damit in Verbindung bringen. Ging aber, ehrlich gesagt, als Korsettträger im Korsett (!) auch nicht wirklich besser.
Würde mich allgemein schon als einen robusten, zähen Menschen bezeichnen (Bergwandern, mit Schmerzen nach Busfahrt doch noch ab zur Städtetour, Haushalt selber erledigen, Berufsausbildung mit langen Anfahrtswegen bei noch nicht so gutem gesundheitlichen Zustand gemacht weil ich die unbedingt wollte anstatt noch ein Jahr zu pausieren, hatte in 18 Jahren nur einen (!) Arbeits-Fehltag wegen "Rücken" etc.), aber manches geht einfach nicht so schnell, kraftsparend und agil wie ohne Versteifung. Das fällt dann auch anderen auf. Die meist übrigens auf den ersten Blick und über Tage hinweg nichts anmerken (weil eben doch viel geht), und sich dann wundern, warum mir obiges Probleme bereitet.
Soll, wie gesagt, nicht gegen eine OP sprechen, und sehr wahrscheinlich sind solche Einschränkungen bei einer derart großen Krümmung schon da, ohne dass man sie direkt darauf zurückführt.
Soll aber das "alles geht" ein klein wenig abmildern: es geht sehr viel (wesentlich mehr als ich vor OP vermutete!!!), aber doch mit Einschränkungen.
Manche Ärzte sagen "Mit einer Versteifung kann man alles machen", ich würde dann gerne anhängen "stimmt nur fast: es geht fast alles; aber es strengt mehr an, und vieles muss man im Detail doch anders machen".
Abhängig ist es definitiv auch von der Versteifungsstrecke: Bei dir Th11 - L4, bei mir Th3 - L5. Da geht (oder auch ging) bei dir wohl schon deshalb mehr als bei mir. Bei mir sind das um 9 Wirbel mehr!
Viele Grüße
Raven