Traurige Zwischenbilanz aus Bad Rappenau

Infos zu anderen (Reha-)Kliniken, die Wirbelsäulendeformitäten behandeln
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Dalia
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Beitrag von Dalia »

Hallo Silas,

ich freue mich sehr, wenn du wenigstens ein gutes Gespräch führen konntest. Das entlastet psychisch auch schon etwas. Dein O-Kommentar hat mir gefallen. :D
Silas hat geschrieben:Wie geht es Dir eigentlich mittlerweile?

Ich war in letzter Zeit so schreibfaul und hoffe, Du hast den Stress der letzten Monate gut überstanden.
Oh, diesen Beitrag hatte ich irgendwie übersehen. Lass dir ruhig Zeit damit, dich bei mir zu melden. Es geht mir gut. Mit dem Korsett komme ich prima zurecht, aber ich kämpfe manchmal mit mir, weil ich das Korsett immer öfter nur nachts für wenige Stunden trage (meine Nächte sind derzeit sehr kurz). Das rächt sich dann, wenn ich wieder ordentlich powern will. Aber es ist nicht so schlimm, als dass ich es nicht mehr tragen wollen würde.

Berufsmäßig steigt der Stress immer mehr an, aber dafür gewinne ich auch immer mehr an Routine. Langeweilse kommt jedenfalls nie auf.

Dalia
Ich kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben. (Bertolt Brecht)
meine Geschichte: Dalia wird Königin (Korsett für eine Oldie-Power-Skoliose)
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo Silas,

finde ich schon toll, dass Du da versuchst, einiges in Bewegung zu setzen. :ja:

Ist ja auch der Gedanke von Selbsthilfe, aus der Not heraus, etwas zu ändern.
Was mich erstaunt hat war seine Aussage, die BfA würde nur 3 x 20 min KG pro Woche bezahlen.
Das sind Einzel-KG's, die natürlich teurer sind, als KG Gruppentherapie(max 3 Personen) und erst recht Gruppen von 6-9 Personen bzw. bis über 20 beim freien Üben.

Gruss
Klaus
gästin

Beitrag von gästin »

Hallo Silas,
ich finde es ganz toll, wie du dich konstruktiv für eine bessere Versorgung der Skoliotiker in Bad Rappenau einsetzt. Zukünftige Generationen können dann hoffentlich von deinen Anregungen profitieren, auch wenn dir selbst damit nicht geholfen ist (dabei hättest du ganz klar eine effektivere Reha verdient).

Hierzu möchte ich doch noch Stellung nehmen :
Silas hat geschrieben: Selbst Heilpraktiker und chinesische Zentren beherzen meist diese Grundregel der Hygiene.
Viele Grüße
Silas
Kurioser- bzw. doch verständlicherweise sind Heilpraktiker und andere nicht-ärztliche Akupunkteure strengeren Hygieneregeln unterworfen, an die sie sich vernünftigerweise auch halten sollten.

Ich wollte nur sagen, dass die Vorgehensweise deines Doktors von einem Arzt verantwortet werden kann. Einem Arzt wird zugetraut zu entscheiden, welches Risiko er einem Patienten zumuten kann. Wo eine lokale oder generalisierte Abwehrschwäche vorliegt, wird er sicher anders vorgehen bzw. diese Patientengruppe von vornherein von einer Akupunkturbehandlung ausschließen.

Du hast natürlich recht damit, dass eine Hautdesinfektion eine Verminderung der Bakterienflora bewirkt. Allerdings sitzen in den Haarfollikeln bzw. Schweißdrüsen noch jede Menge Bakterien, die sich durch die übliche 10 Sekunden- Einwirkzeit des Desinfektionsmittels in keiner Weise beeindrucken lassen. Und, mal ehrlich, wo wartet man vor einer Punktion (z.B. anlässlich einer subkutanen Injektion oder einer Blutentnahme) mehrere Minuten Einwirkzeit ab? Es ist wirklich so, dass in diesen Fällen, wie auch bei der Akupunktur, die Desinfektion eine eher magische Wirkung hat. Es gibt /gab auch schon Kliniken, die in ihrem Hygieneplan keine Desinfektion vor solchen Punktionen mehr vorsahen. (Bei Eingriffen in Geleknähe ist natürlich eine ganz andere Vorgehensweise angezeigt). Nur um Konfusionen und evtl. Vorwürfe von seiten der Patienten zu vermeiden, wurde meist davon wieder Abstand genommen.

So, das musste ich noch loswerden. Ich sehe halt die Dinge sowohl von der Patienten- als auch von der ärztlichen Seite aus, und obwohl mich als Patientin selbst sehr vieles ärgert, muss ich zumindest ab und zu auch mal eine Lanze für die Ärzte brechen.

Dir wünsch ich noch alles Gute bei deinem Kampf!
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Silas
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Beitrag von Silas »

Hallo,

jetzt ist also die Reha rum und zu allem Übel habe ich mir noch 4 Tage vor Schluss eine super Bronchitis und eine Sinusitis eingefangen, wobei in diesem Fall die Ärzte mir auf meine Bitte auch sofort ein Antibiotikum verordnet haben - mein spärliches Lungenvolumen nimmt Erkältungen immer schnell zum Anlass sehr unterhaltsame Dinge daraus werden zu lassen :rolleyes:

Na ja, jetzt so 1,5 Wochen danach geht es so langsam aufwärts und ich bin gerade dabei, das Beschwerde und Verbesserungsvorschlagsschreiben an die BfA zu schreiben.

Vielleicht kann mir der ein oder andere von Euch seinen typischen Tag in Bad Sobernheim oder Bad Salzungen mit Therapiezeitangaben mal per PN schicken, das würde mir bei der Argumentation sehr helfen.

Gleichzeitig versuche ich aus beiden Kliniken exemplarisch einen Therapieplan zum Mitschicken zu erhalten.

Im voraus vielen Dank für Eure Unterstützung.

Viele Grüße
Silas
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Silas hat geschrieben:Vielleicht kann mir der ein oder andere von Euch seinen typischen Tag in Bad Sobernheim oder Bad Salzungen mit Therapiezeitangaben mal per PN schicken, das würde mir bei der Argumentation sehr helfen.
Kennst Du meinen Bericht zu Bad Salzungen?

Gruss
Klaus
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Silas
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Beitrag von Silas »

Hallo Klaus,

klar kenne ich Deinen super Bericht zu Bad Salzungen.

Aber gut dass Du mich darauf hinweist, dass ich mich absolut unpräzise ausgedrückt habe, Danke... irgendwie bin ich momentan etwas unkonzentriert.

Eigentlich meinte ich natürlich nicht den typischen Tagesablauf - den kenne ich aus Erzählungen und von meinem Kurzaufenthalt mit meiner Physiotherapeutin in Bad Sobernheim - sondern einen typischen Therapieplan. Ein realer Therapieplan ist immer besser als nur ein Blanko-Teil von Klinikseite. Selbstverständlich werden die Namen und alle persönlichen Daten unkenntlich gemacht.

Viele Grüße
Silas
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

silas hat geschrieben:sondern einen typischen Therapieplan.
Also Du suchst den Originalplan für eine Woche, es genügt Dir also nicht das Beispiel Montag und Freitag, was ich in meinem Teil 2 mit Uhrzeiten veröffentlich habe!?

Wenn meine Sinusitis es zulässt, beschäftige ich mich morgen mal mit dem Einscannen der Originalpläne. Das Weiterleiten geht dann aber nur als Anhang in einer E-Mail.

Das Problem ist, dass durch ständige Änderungen im Therapieverlauf kein durchgehender Wochenverlauf Mo-Fr. auf einem Zettel mit den entsprechenden Unterschriften existiert. (Sa passt sowieso nicht mehr auf einen Zettel.)
Man müsste der BfA das genau erklären, warum z. Bsp. nach Montag auf einem Zettel der Dienstag und folgende auf einem anderen Zettel steht.
Ich kann natürlich versuchen, das im Computer entsprechend zusammenzubasteln, dauert sicherlich ein bischen.

Interessiert der Gesamt-Verlauf, also alle 4 Wochen?
Die erste Woche ist ja schon etwas anders, als die folgenden.

Gruss
Klaus
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Silas
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Beitrag von Silas »

Hallo Klaus,

oh je, Dich hat's erkältungsmäßig also auch erwischt, ich wünsche Dir gute Besserung.

Keinesfalls möchte ich Dir - und dazu noch wenn Du krank bist - Stress machen. Ich hatte mir das so als DinA4-Blatt-Sammlung vorgestellt, die sich prima scannen lassen (in Rappenau war das so und die habe ich dann einfach mit der Digicam festgehalten).

Ansonsten hast Du wahrscheinlich Recht, ich tippe einfach mal aus Deinem Erfahrungsbericht ab und wenn die BfA das nicht glaubt, kann man immer noch die arbeitsintensive Variante wählen.

Liebe Grüße und gute Besserung
Silas

P.S.: Meine E-Mail-Adresse ist
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Beitrag von Tomma »

Hallo Silas,

was verstehst du unter einem Therapieplan?
Hilft dir so ein Therapiemusterplan aus Sobernheim weiter? Den findest du unter Jahresplan als pdf auf Seite 21 von 36.
Einen "genaueren" Plan gibt es nicht. ;) Zusätzlich zu den Terminen hast du noch 2x Massage, 1x Fango (Privatversicherte 2x), 1x Atemtherapie pro Woche. Fallabhängig kommen noch andere Termine hinzu.

Hoffentlich werden deine Mühen mit einer baldigen Reha in BaSa oder Sobi belohnt.

Viele Grüße,
Tomma
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Hallo Silas,

8 Seiten sind eingescannt, mehr war heute nicht drin.
Morgen werde ich die bearbeiten und dann per E-Mail (so klein wie möglich) verschicken.

Gruss
Klaus

Tomma, das sind meine Therapiepläne vom April 2005 mit ganz konkreten Terminen, die deutlich zeigen, was alles offensichtlich wesentlich besser ist, als in Bad Rappenau.
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Silas
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Beitrag von Silas »

Hallo Tomma,

Danke für Deine Antwort und den Hinweis, werde das gleich mal organisieren.

Die Sobernheimer haben versprochen, mit etwas zuzusenden, u. a. auch diesen Bericht.

Vielleicht kannst Du mir bei einer wichtigen Frage noch weiterhelfen, nämlich der jeweiligen Anwendungsdauer, die leider in Therapieplänen i. d. R. fehlt.

Weisst Du noch, wie lange die Gruppen-KG, das freie Üben, usw. ging?

(na ja, mehr als die "tollen" 3 - 4 x 20 min pro Woche = max. 1x 20 min. pro Tag waren es ja ohnehin, genauere Angaben, v. a. wenn diese viel höher sind helfen natürlich)

Viele Grüße
Silas
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Beitrag von Silas »

Hallo Klaus,

vielen lieben Dank für Deine viele Mühe, das ist sssssoooooooooooooo super von Dir.

Hoffentlich machst Du Dir mit Deiner schlimmen Erkältung nicht zu viel Stress, lass Dir ruhig Zeit.

Wahrscheinlich schaffen die Sesselp... bei der BfA es ohnehin nicht vor den Feiertagen, dazu Stellung zu nehmen, zumal ich auch ganz klar einiges zur Qualität des medizinischen Dienstes schreiben werde.

Danke für die prima Unterstützung.

Liebe Grüße und gute Besserung
Silas
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Beitrag von Klaus »

Silas hat geschrieben:Weisst Du noch, wie lange die Gruppen-KG, das freie Üben, usw. ging?
Ich antworte mal für BaSa:
Da gabe es kleine Differenzen darüber, wie lang nun die bei allen Schroth-Übungen vorgesehene Stunde nun wirklich ist.

Beim freien Üben war man da "etwas freier" :) und setzte etwa 50 Minuten an, während die normale Stunde bei mir eigentlich immer 60 Minuten lang war. Ledig Freitags kann die Zeit von 8-8.30 Uhr nicht genutzt werden, weil da Teambesprechung ist. Das betraf aber nicht alle Gruppen, weil nicht alle grundsätzlich um 8 Uhr anfangen.

Die erste E-Mail ist unterwegs.

Gruss
Klaus
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Beitrag von Emily »

Hallo Silas!

In Sobi geht das freie Üben morgens 90 bzw. 60 min (wenn man direkt nach dem Frühstück frei übt sinds 90 min, wenn man das freie Üben direkt vor dem Mittagessen hat sinds nur 60 min die man Zeit hat). Nachmittags sind es nochmal 90 min.

Die Übungsstunden gegen vormittags und nachmittags je 90 min. Man hat je einmal freies Üben und Übungsstunde vormittags und nachmittags. Hoffe das hilft Dir weiter. Mittwochs übrigens wurde am Nachmittag gekürzt, da ging beides nicht so lang. Und am Samstag konnte man freie Übungen machen wenn man wollte bzw sich auch für eine Übungsstunde eintragen (in der sogar meistens auch zwischen 3B und 4B eingeteilt wurde sofern sich einige angemeldet hatten).
Grüssle
--Emily
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Klaus
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Beitrag von Klaus »

Also für BaSa gilt pro Woche nach der Einführungswoche:(ohne Gewähr)

Schroth KG: ca. 20 Std
freiwillige Möglichkeit weiterer betreuter Schroth KG: 3 Std

Sequenztraining: 2 Std + Fahrradergometer 0,5 Std

Wassertherapie 1 Std (kann zur Not gegen was anderes getauscht werden) :)

Ergibt ca. 24 Stunden aktives Schroth- Pflichtprogramm.
Geändert am 12.12.05

Gruss
Klaus
Zuletzt geändert von Klaus am Mo, 12.12.2005 - 19:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Silas
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Beitrag von Silas »

Vielen Dank für Eure Antworten, das hilft unheimlich weiter.

... unglaublich... soviel Stunden habe ich in den ganzen 4 Wochen in Bad Rappenau nicht zusammengekriegt, wie ihr in einer Woche, tssss... und die kriegen von den Sozialversicherungsträgern mit Sicherheit das gleiche Geld dafür.

@ Klaus: Ganz lieben Dank für Deine E-Mail

Liebe Grüße
Silas
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Beitrag von Tomma »

Sobi wirbt in einem Flyer unter anderem damit:
Hohe Rehabilitationsdichte (durchschnittlich 65 Behandlungseinheiten / Woche inkl. der Samstage)
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Silas
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Die Hierarchie der Unfähigkeit alias Entlassungsbericht

Beitrag von Silas »

Hallo,

unglaublich, aber wahr: entgegen meinem ausdrücklichen Wunsch, wurde mir keine Kopie des Entlassungsberichts zugesandt und meinem Freund ging es genauso.

Da ich mit dieser Unverschämtheit gerechtnet hatte, war eben eine verwandte Ärztin als Adressatin genannt worden, die uns die Berichte dann auch umgehend ausgehändigt hat (befreundeten Patienten habe ich zu ähnlichem Vorgehen geraten, so dass ich jetzt etwas Überblick über die "tollen" Berichte habe).

Interessant ist, dass bei vollkommen unterschiedlichen Krankheitsbildern ca. 30% des Berichts nahezu identisch ist.

Erschreckend ist, wie man auf so wenig Papier so viel Schwachsinn unterbringen kann.

Da ich Euch nicht langweilen möchte, zähle ich jetzt nur die grandiosesten Auswüchse auf:

1. Falsche Beschreibung des von mir prägnant beschriebenen Krankheitsverlaufs (schließlich habe ich da nach all den Arztbesuchen langsam Routine)

2. Bei der Eigenanamnese bzgl. Erkrankungen mit Relevanz für den Reha-Prozess wurden nur Krankheiten aufgezählt, die auf Grund von Medikamenten, die ich einnehme interpretiert wurden und meine Migräne, die ich deshalb genannt hatte, weil ich eine seltene Form habe, die mit Bewusstlosigkeiten einhergeht, was durchaus relevant ist - man stelle sich vor, ich kippe plötzlich um und keiner weiss, was los ist

Mit keinem Wort wurde die Skoliose mit all ihren Auswirkungen erwähnt, die der einzige Grund für die Reha war

3. Fehlinterpretation des Röntgenbildes: obwohl ich denen die genauen Werte gegeben habe, haben die links und rechts verwechselt und meine Verkrümmung 20° schlimmer vermessen, als sie ist

4. Bisherige therapeutische Maßnahmen: hier wurde nur Schroth aufgeführt und das, obwohl ich zu den Untersuchungen immer mit Korsett angerückt bin, was später auch erwähnt wird, auch das von mir genannte Kieser-Training wird nirgends genannt

5. Subjektive Einschränkungen: hier wurden Teile meiner Aussagen vollkommen sinnlos zu neuen zusammengebastelt

6. Meine Rehabiltationsziele wurden unvollständig aufgeführt, insbesondere hatte ich großen Wert darauf gelegt, meine Gradzahl zu verbessern, das wurde glatt unterschlagen

7. Die Reha-Inhalte wurden nicht wahrheitsgemäß dargestellt

8. Meine Reha-Einschätzung wurde nicht richtig wiedergegeben. Zitat: "Die Patientin zeigt sich zufrieden über den Verlauf und das Ergebnis der Rehabilitation. Von Seiten der Schmerzreduktion den Rücken betreffend, hätte sie sich jedoch eine weitere Verbesserung erhofft, sie konnte sich jedoch gut erholen, die Schmerzen im Rücken hätten sich jedoch etwas verschlechtert. Son konnten die gestellten Rehabilitationsziele nicht erreicht werden."

Ich hatte dazu gesagt, dass ich mich gut vom Arbeitsstress erholen konnte (kein Wunder, bei teilweise nur 20 Minuten Anwendung in solch einem toten Ort wie Bad Rappenau muss man sich zwangsweise erholen). Außerdem sei die Schroth-Therapeutin sehr bemüht und qualifiziert und ihr somit kein Vorwurf zu machen, dass die Reha insgesamt vollkommen kontraproduktiv war. (dann kamen nämlich die Negativpunkte, ok, ich war an dem Tag total heißer aber das muss sie verstanden haben, jedenfalls ihren Reaktionen nach zu urteilen)
Wie ich bereits dem Chefarzt sehr ausführlich mitgeteilt hätte, wäre die KG-Frequenz für Skoliosepatienten vollkommen unzureichend und die Klinik sollte über die Einführung von Gruppentherapie nachdenken, um diesen Mißstand zu beheben, da gerade in Fällen, in denen es um OP-Vermeidung geht, die Trainingsdichte eine ganz wichtige Rolle spielt. Außerdem seien die Therapieräume vollkommen unzureichend ausgestattet. Zuhause würde ich wesentlich effizienter trainieren, so dass diese Reha eine Verschlechterung der Wirbelsäule hervorgerufen hat, da sich die Muskulatur abgebaut hat, die Krümmung und Torsion sich leicht verstärkt haben, was ich am Korsettdruck merke und v. a. - was ich unter allen Umständen vermeiden wollte - die Schmerzen so schlimm sind, wie schon lange nicht mehr (man muss dazu sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt 30 mg Oxygesic pro Tag genommen habe)

Ich habe versucht, freundlich zu bleiben und eben darauf hingewiesen, dass ich das ja schon alles mit dem Chefarzt besprochen hatte, weil ich keine Lust auf lange Diskussionen hatte. Dennoch finde ich es eine totale Unverschämtheit, das Reha-Desaster dann so zu beschönigen.

9. Wenigstens war die ärztliche Einschätzung dann halbwegs ehrlich, bis auf die Tatsache, das man sich über die Definition von intensiv streiten kann, Zitat: "Frau XXX kam zur Durchführung der Rehamaßnahme bei massiver Skoliose. Durch intensive Krankengymnastik und durch balneo-physikalische Maßnahmen konnte bei der Patientin keine deutliche Schmerzreduktion erreicht werden. Die gestellten Therapieziele konnten nicht erfüllt werden."

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Beitrag von Dalia »

Das ist ja haarsträubend! :eek:

Wirst du den Bericht anfechten?
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Beitrag von Silas »

Hallo Dalia,

ich habe ja bereits ein ausführliches Beschwerde- und Verbesserungsvorschlagsschreiben an die Rentenversicherung geschrieben und habe bzgl. dieses Nonsens nochmals dort angerufen.

Endlich hatte ich einen sehr, sehr freundlichen und kompetenten Mann am Telefon, der mir auch sagte, dass seine Kollegen allerhand Mist erzählt haben, z. B. zu den Konsequenzen eines Reha-Abbruchs usw.

Ich werde eine Erweiterung zu meiner Beschwerde schreiben, in der ich relativ detailliert auf den ganzen Schwachsinn eingehe und eine Gegendarstellung schreibe, die alles berichtigt.

Insgeheim habe ich mich diebig gefreut, dass die so viele sachliche Fehler im Bericht haben. Ich hatte nämlich befürchtet, dass die mich als hysterische Quängeltante hinstellen und bei allem, was verbale Aussagen angeht, die dort niedergeschrieben sind, hätte ich nur den Vorteil gehabt, dass mein Schatz bis auf die "Abschlussuntersuchung" immer dabei war - oh das hab ich vergessen aufzuzählen, die hat sich auf eine kurze Diskussion beschränkt, im Bericht steht aber auch etwas von körperlicher Untersuchung. Dadurch, dass sie aber bewiesen haben, noch nicht einmal Röntgenbilder lesen zu können, haben sie ihre Unfähigkeit nach allen Regeln der Kunst demonstriert.

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