Skoliose ist doof - meine Geschichte
Verfasst: Fr, 30.06.2006 - 09:00
Hallo zusammen,
meine Mutter pflegt zu sagen: "Wenn man was hat, dann nichts Gescheites." Ich bin geneigt, ihr zuzustimmen.
Jetzt, mit 25 Jahren, nimmt meine Skoliose urplötzlich einen hohen Stellenwert in meinem Leben ein. Wie es dazu gekommen ist? Ich habe vor fünf Monaten einen Tinnitus bekommen, es ging drunter und drüber, es hat Arztbesuche bis zum Abwinken gegeben, nix half. Jedenfalls nahm ich das zum Anlass, mich rundrum durchchecken zu lassen: Ich ging auch zu einem Orthopäden, um die Skoliose ansehen zu lassen.
Vorher habe ich mich gescheut, einen Orthopäden aufzusuchen, weil ich mit ihnen nur schlechte Erfahrungen gemacht habe. Es war zum Zeitpunkt der Musterung, als mir meine Skoliose zum ersten Mal aufgefallen ist. Fragt mich nicht, warum niemand schon eher was gemerkt hat. Ich hab beim besten Willen keine Ahnung. Vielleicht lag es daran, dass ich so gut wie gar nicht in Schwimmbädern war, mich fast nie jemand oben ohne gesehen hat.
Wie auch immer; der Orthopäde, zu dem man mich im Zuge der Musterung schickte, war eine Katastrophe. Das wusste ich damals noch nicht. Er ließ mich röntgen, hing anschließend die Bilder an die Wand und besah sie zusammen mit der Arzthelferin. Beide schüttelten den Kopf und murmelten Dinge wie: "Schlimm, gell?" Ich fühlte in ihrem Ton, dass sie mich für die Verkrümmung verantwortlich machten. Die Gradzahlen meiner Doppelskoliose von damals weiß ich nicht mehr, ich glaube auch gar nicht, dass sie mir überhaupt mitgeteilt wurden. Alles, was man zu mir sagte: "Da können Sie Probleme mit der Lunge bekommen, wenn Sie 70, 80 sind. Aber so alt müssen Sie ja erstmal werden."
Danke, lieber Orthopäde, für diesen völlig irreführenden Rat... Kein Wort hat er davon gesagt, dass es schlimmer werden kann, dass es eine Schroth-Therapie gibt, die eine derartige Verschlimmerung wenn schon nicht aufhalten, so zumindest verlangsamen kann, wenn man sie rechtzeitig angeht. Ich dachte mir: Okay, musst du mit leben. Und hab mich nicht weiter drum gekümmert, auch wenn der ästhetische Faktor zeitweise nicht zu unterschätzenden psychischen Stress verursachte.
Dann folgte ein Orthopäde, bei dem ich sechs Jahre später wegen vorstellig wurde. Ich ging ursprünglich hin, weil ich einen Zusammenhang zwischen den Ohrgeräuschen und der Halswirbelsäue vermutete; bei dieser Gelegenheit wollte ich auch meine Skoliose ansehen lassen. Der gute Mann ließ meine HWS röntgen, fand dort nichts und erklärte: "Wenn Sie Probleme mit der Skoliose haben, müssen Sie deswegen noch mal extra kommen." Zwischenzeitlich hatte er in seiner grenzenlosen Kompetenz vergessen, ob ich wegen Schwindel oder wegen Ohrgeräuschen bei ihm war. Ich beschloss, mich ihm NICHT anzuvertrauen, was meine Skoliose anbelangt.
Mit meinem dritten Orthopäden hatte ich mehr Glück. Er wurde mir von zwei Personen empfohlen; ich hatte mich kundig gemacht wegen meiner schlechten Erfahrungen. Ich musste sechs Wochen auf einen Termin warten, den ich vor einigen Tagen schließlich hatte. Wieder wurden Röntgenbilder angefertigt, und diese mit den sechs Jahre alten Bundeswehr-Bildern verglichen. Diagnose: Die Skoliose hat sich um 20% verschlechtert. Ihre Grade betragen aktuell: 26° bei D5, 48° bei D12. Außerdem wurde mir ein Wirbelgleiten bei L3/4 attestiert.
Er hat mir nun Krankengymnastik verschrieben, die es, wie er sagt, abzuarbeiten gilt, damit er eine Kur in Bad Sobernheim beantragen kann. Seine Worte: "Sie müssen trainieren wie ein Elch."
Nun habe ich Termine bei Therapeuten ausgemacht, die nach Schroth vorgehen. Trotzdem hat sich die Geschichte wie eine dunkle Wolke über mich gelegt. Vermutlich wird sich die Skoliose trotz entsprechender Gymnastik weiter verschlechtern. Eine weitere Überlegung wäre, meinte der Orthopäde, mir ein Korsett zu verpassen - aber ob das so sinnvoll ist mit meinen 25 Jahren, wo keine Korrektur, sondern nur eine Verlangsamung der Verschlechterung möglich ist? Es ist zum Verrücktwerden, wenn man darüber nachdenkt.
Erschwerend kommt hinzu, dass ich wegen der Ohrgeräusche an Depressionen litt, die jetzt wieder verstärkt zum Vorschein kommen. Ich kann blöderweise auch keine Antidepressiva dagegen nehmen, weil ich mich für eine Medikamentenstudie angemeldet habe, die den Tinnitus möglicherweise lindern könnte. In vier Wochen bekomme ich Bescheid, ob ich für eine Teilnahme geeignet bin; so lange muss ich "clean" bleiben.
Übrigens: Ich habe in diesem Forum viel Gutes über Dr. Hoffmann aus Leonberg gelesen. Da ich in Nürnberg zuhause bin, wäre eine Reise nach Stuttgart an einem Tag durchführbar. Ich habe deswegen einen Termin mit ihm ausgemacht, um mir seinen Rat anzuhören.
Euch danke ich einstweilen fürs Zuhören. Wollte die Sache einfach mal loswerden...
P.
meine Mutter pflegt zu sagen: "Wenn man was hat, dann nichts Gescheites." Ich bin geneigt, ihr zuzustimmen.
Jetzt, mit 25 Jahren, nimmt meine Skoliose urplötzlich einen hohen Stellenwert in meinem Leben ein. Wie es dazu gekommen ist? Ich habe vor fünf Monaten einen Tinnitus bekommen, es ging drunter und drüber, es hat Arztbesuche bis zum Abwinken gegeben, nix half. Jedenfalls nahm ich das zum Anlass, mich rundrum durchchecken zu lassen: Ich ging auch zu einem Orthopäden, um die Skoliose ansehen zu lassen.
Vorher habe ich mich gescheut, einen Orthopäden aufzusuchen, weil ich mit ihnen nur schlechte Erfahrungen gemacht habe. Es war zum Zeitpunkt der Musterung, als mir meine Skoliose zum ersten Mal aufgefallen ist. Fragt mich nicht, warum niemand schon eher was gemerkt hat. Ich hab beim besten Willen keine Ahnung. Vielleicht lag es daran, dass ich so gut wie gar nicht in Schwimmbädern war, mich fast nie jemand oben ohne gesehen hat.
Wie auch immer; der Orthopäde, zu dem man mich im Zuge der Musterung schickte, war eine Katastrophe. Das wusste ich damals noch nicht. Er ließ mich röntgen, hing anschließend die Bilder an die Wand und besah sie zusammen mit der Arzthelferin. Beide schüttelten den Kopf und murmelten Dinge wie: "Schlimm, gell?" Ich fühlte in ihrem Ton, dass sie mich für die Verkrümmung verantwortlich machten. Die Gradzahlen meiner Doppelskoliose von damals weiß ich nicht mehr, ich glaube auch gar nicht, dass sie mir überhaupt mitgeteilt wurden. Alles, was man zu mir sagte: "Da können Sie Probleme mit der Lunge bekommen, wenn Sie 70, 80 sind. Aber so alt müssen Sie ja erstmal werden."
Danke, lieber Orthopäde, für diesen völlig irreführenden Rat... Kein Wort hat er davon gesagt, dass es schlimmer werden kann, dass es eine Schroth-Therapie gibt, die eine derartige Verschlimmerung wenn schon nicht aufhalten, so zumindest verlangsamen kann, wenn man sie rechtzeitig angeht. Ich dachte mir: Okay, musst du mit leben. Und hab mich nicht weiter drum gekümmert, auch wenn der ästhetische Faktor zeitweise nicht zu unterschätzenden psychischen Stress verursachte.
Dann folgte ein Orthopäde, bei dem ich sechs Jahre später wegen vorstellig wurde. Ich ging ursprünglich hin, weil ich einen Zusammenhang zwischen den Ohrgeräuschen und der Halswirbelsäue vermutete; bei dieser Gelegenheit wollte ich auch meine Skoliose ansehen lassen. Der gute Mann ließ meine HWS röntgen, fand dort nichts und erklärte: "Wenn Sie Probleme mit der Skoliose haben, müssen Sie deswegen noch mal extra kommen." Zwischenzeitlich hatte er in seiner grenzenlosen Kompetenz vergessen, ob ich wegen Schwindel oder wegen Ohrgeräuschen bei ihm war. Ich beschloss, mich ihm NICHT anzuvertrauen, was meine Skoliose anbelangt.
Mit meinem dritten Orthopäden hatte ich mehr Glück. Er wurde mir von zwei Personen empfohlen; ich hatte mich kundig gemacht wegen meiner schlechten Erfahrungen. Ich musste sechs Wochen auf einen Termin warten, den ich vor einigen Tagen schließlich hatte. Wieder wurden Röntgenbilder angefertigt, und diese mit den sechs Jahre alten Bundeswehr-Bildern verglichen. Diagnose: Die Skoliose hat sich um 20% verschlechtert. Ihre Grade betragen aktuell: 26° bei D5, 48° bei D12. Außerdem wurde mir ein Wirbelgleiten bei L3/4 attestiert.
Er hat mir nun Krankengymnastik verschrieben, die es, wie er sagt, abzuarbeiten gilt, damit er eine Kur in Bad Sobernheim beantragen kann. Seine Worte: "Sie müssen trainieren wie ein Elch."
Nun habe ich Termine bei Therapeuten ausgemacht, die nach Schroth vorgehen. Trotzdem hat sich die Geschichte wie eine dunkle Wolke über mich gelegt. Vermutlich wird sich die Skoliose trotz entsprechender Gymnastik weiter verschlechtern. Eine weitere Überlegung wäre, meinte der Orthopäde, mir ein Korsett zu verpassen - aber ob das so sinnvoll ist mit meinen 25 Jahren, wo keine Korrektur, sondern nur eine Verlangsamung der Verschlechterung möglich ist? Es ist zum Verrücktwerden, wenn man darüber nachdenkt.
Erschwerend kommt hinzu, dass ich wegen der Ohrgeräusche an Depressionen litt, die jetzt wieder verstärkt zum Vorschein kommen. Ich kann blöderweise auch keine Antidepressiva dagegen nehmen, weil ich mich für eine Medikamentenstudie angemeldet habe, die den Tinnitus möglicherweise lindern könnte. In vier Wochen bekomme ich Bescheid, ob ich für eine Teilnahme geeignet bin; so lange muss ich "clean" bleiben.
Übrigens: Ich habe in diesem Forum viel Gutes über Dr. Hoffmann aus Leonberg gelesen. Da ich in Nürnberg zuhause bin, wäre eine Reise nach Stuttgart an einem Tag durchführbar. Ich habe deswegen einen Termin mit ihm ausgemacht, um mir seinen Rat anzuhören.
Euch danke ich einstweilen fürs Zuhören. Wollte die Sache einfach mal loswerden...
P.