annemarie hat geschrieben:ich habe es ja niht so böse gemeint, sorry. aber korsette im alter über 18 um den brustkorb zu formen (wie bei toni der ja schon über 20 ist glaube ich) halte ich zb. wirklich für fernab der realität, da der brustkorb ein starres system ist.
Liebe Annemarie,
wenn Du als Physiotherapeutin den menschlichen Brustkorb als "starres System" bezeichnest, dann ist aber in Deiner/Eurer Ausbildung ganz gravierend etwas im wahrsten Sinne des Wortes schief gelaufen!
Der Brustkorb ist eine organische Hohlstruktur, das Raum und Schutz für einige sehr lebenswichtige Organe bildet.
Er besteht aus elastisch mit Knorpel, Bändern, Sehnen, Muskelsträngen und Bindegewebe (bayerisch: Flexen) verbunden relativ weichen und biegsamen Knochen, den Rippen die ihrerseits über Zwischenhäute (z.B. "Rippenfell") und Muskeln quer und diagonal miteinander sehr beweglich verbunden sind. (Pass mal ein klein bischen auf die Anatomie auf, wenn Du mal Sparerips vom Grill isst, der Brustkorb der Sau unterscheidet sich anatomisch nur verdammt wenig von Unserem!)
Stell Dich mal mit FREIEM Oberkörper vor einen großen Spiegel (Ausgebildete Schroth-Therapeuten haben sowas, den "normalen Physiotherapeuten ist das zu teuer wurde mir von einer deiner Kolleginnen gesagt....) und Beobachte genau von Vorne und von der Seite Dein "Starres System" beim Ein- und Ausatmen, wenn Du die Arme hebst, die Schultern nach Außen ziehst oder wenn Du die Arme nach oben streckst.
Beobachte mit seitlichem und frontalem Spiegel welchen Einfluß auf die Form Deines Brustkorbes das tiefe Einatmen, zusammen mit eingezogenem Bauch und entlordoisierter Beckenkippung haben.
Häng Dich an eine Sprossenwand und schau wie Elongation und Schwerkraft-Traktion auf die Form Deines Brustkorbes einwirken.
Versuch mal gezielt in einzelne Bereiche Deines Brustkorbes hineinzuatmen, z. Beispiel in den vorderen hohen Brustkorb und versuch dabei diesen Teil bewusst zu weiten. Versuch gleichzeitig den vorderen unteren Rippenbereich eng zu machen und die unteren Rippenbögen nach innen zu raffen OHNE dabei die BWS-Kyphose zu verstärken.....
Das ist nun vielleicht etwas viel auf einmal verlangt, aber das ist im Prinzip ein ganz kleines Beispiel der Atemorthpädie nach SCHROTH.
Der Brustkorb unterliegt in erster Linie den physikalischen Gesetzen der Pneumatik.
Wenn Du mal die Gelegenheit hättest gut eingeübte Schroth-Patienten beim Üben zu sehen, dann hättest Du nicht die geringsten Zweifel, an dem was ich hier schreibe!
Die Wirbelsäule ist kein starrer Knochen, sondern eine Kette von Wirbelkörpern, die auch in der BWS über Knorpelfaserringe und knorpelige Gelenke BEWEGLICH miteinander in Verbindung stehen!
Wenn Du eine nicht vorgeschädigte BWS hast, dann kannst Du mit Deinem "Starren System" aus eigener Kraft einen Katzenbuckel formen oder Dich bewusst so aufrichten und reklinieren, bis Du dastehst wie ein preussischer Gardesoldat ( fast schon Flachrücken!)
Wäre der Brustkorb ein "starres System" wäre genau das was Du bei jeder Bewegung im Bücken, sitzen, Stehen, Rennen, Treppensteigen usw... kaum möglich.
Es gibt einige Erkrankungen und Syndrome, bei denen die Wirbelkörper tatsächlich zu einem einzigen Knochen zusammenwachsen oder durch entzündungsbedingte Kalkeinlagerungen zusammensintern. sehr weit fortgeschrittener M. Bechterew zum Beispiel, oder das Kippel-Feil-Syndrome.
Schwere Osteoporose mit mehreren zusammengebrochenen und dann zusammengesinterten Wirbelkörpern usw.....
In diesen Fällen hättest Du ausnahmsweise und teilweise Recht.
Da handelt es sich dann um "starre System" die man besser in Ruhe lassen sollte!
Nun zu der häufigsten Ursache der "Rundrücken"- BWS-Kyphose:
M. Scheuermann.
Diese osteochondrotische Wachstumsstörung des Adoleszenten ist nach meiner Ansicht, Beobachtung und Erfahrung KEINE Knochenerkrankung! (übrigens die idiophatische Skoliose auch nicht!)
Ich bin überzeugt, daß fehlstatische Strukturen der Weichteile (Knorpel, Sehen, Muskelketten) duch einseitige Überdehnungen und gegenüberliegende Verkürzungen zu ungleichen Druckverhältnissen auf die Ränder der Wachstumszonen der Wirbelkörper führen.
Dadurch gerät das Arbeiten der Osteoplasten und Osteoklasten (aufbauende und abbauende Zellen des Knochengewebes) in ein Ungleichgewicht, da unter Druck die Ätzwirkung der Säuren der Osteoklasten schneller und stärker auf das Calciumphospat-Gerüst wirkt.
Dadurch kommt es bei Scheuermännern zum "Sekundärschaden" Keilwirbelbildung (bei den Skoliosen das ganze aber seitlich!)
Der Einfluss auf die Wirbelsäule ist in der konservativen Therapie (Korsett und Schroth) nur indirekt. Nur die orth. Chirurgen gehen direkt an die WS, schneiden Keile raus (Osteotomien) oder entfernen die Knorpelstrukturen und ersetzen sie durch knöcherne Gewebe Spondylodesen mit Spongiosa-Einlagerungen. Dann wird die Wirbelsäule gewaltsam und künstlich zu einem starren System.
Der normale, unoperierte und nicht zu weit fortgeschrittene Scheuermann hat aber noch ein bischen, oft schon weit verschlissenen "Knorpeldreck" zwischen den zerklüfteten Wirbelkörpern und ist nicht völlig starr!
Selbst wenn beim Messwert SCHOBER und OTT keine messbare Längenänderung sichtbar wird, sagt das noch gar nicht viel aus.
Das noch bewegliche und aufrichtbare Potential kommt erst raus, wenn die WS mal z.B. in einer gehaltenen, über einen Hebel (Reissäckchen als Pelotten unter dem Kyphosescheitel) fast gewaltsam bis knapp über die Schmerzgrenze rekliniert wird.
Die typischen Scheuermann-Patienten sind verkürzt und verkrampft, die WS-begleitende Muskulatur hat Hartspann und Myogelosen vom dem ewigen Teufelskreis Fehlstatik-Schmerz-Krampf-Fehlstatik- usw....
Der oft erbärmliche Zustand der autochtonen Muskulatur dieser Patienten findet keine Entlastung und Hilfe. Statt dessen wird bei nicht schroth-ausgebildeten PT die äußere und für die Stabilisierung unwichtige Bewegungsmuskulatur auftrainiert, was die muskulären Dysbalancen eher verstärkt statt sie behebt!
Die meisten ausgewachsenen und erwachsenen Kyphosepatienten werden von 98% aller "Feld-Wald-Wiesen-Orthopäden" in wenigen Minuten abgespeist, und mit der lapidaren Standartaussage rauskatapultiert: " Sie sind mit 19 Jahren schon zu alt. Ihre Wirbelsäule ist schon fixiert. Treiben sie Sport, gehen sie schwimmen......usw... Der Nächste bitte in Sprechzimmer 4."
Wenn man verdammt großes Glück
hat, dann bekommt man sogar Physiotherapie verschrieben.
6 Einheiten in einem Vierteljahr....
Wenn man dann Pech hat, gerät man eine der vielen Physiotherapeuten wie Dich mit schlechter Ausbildung ( ohne Schroth-Lehrgang) und ohne Erfahrung und abgeschaltetem eigenen Denken.
An solche denen die Mobilität eine "heilige Kuh" ist und die mit dem Begriff Korrektur-Stabilität ( oder "Festigung" wie das im Schroth -Jargon heist) gar nix anfangen können, weil sie geradezu mobilisierungssüchtig sind.
Solche Physiotherapeutinnen lassen einen dann rumhampeln, versuchen krampfhaft die angeblich starre BWS zu mobilisieren aber leider in die Kyphose-Verstärkung hinein, "brüggern" und "bobathen" an einem herum, was meistens zu schlimmer Schmerzverstärkung und Frust führt.
Erst mit Schroth-Therapie in einer mehrwöchigen Reha kann das "starre System" (in das Ihr inkompeten Pysiotherapeuten als willfährige Erfüllungsgehilfen inkompetenter Orthopäden euch einreiht) geknackt und aufgebogen werden!
Was glaubst Du denn wieviel Jahre ich umsonst (aber sauteuer!) beschissene KG und KGG gemacht habe und wieviel "Fixierte Sch******" ich mir in diesen vielen Jahren von Deinesgleichen anhören musste?
annemarie hat geschrieben:sind eure aussagen denn überhaupt von ärtzten gestützt oder "nur" durch eure eigenen erfahrungen...selbst auf der homepage eures angegebenen orthopädietechniker steht dass die korsetts für kinder und jugendliche im wachstum gesacht sind. und für erwachsene nur dann wenn die gefahr von progression besteht...
Rahmouni würde noch viel lieber mehr erwachsene Patienten und ihre Ergebnisse (mich z.B.) präsentieren. Aber er hat echt Angst medizinische Dogmas zu brechen und von Leuten wie Dir und ähnlich gestricken Orthopäden vollends verrückt erklärt zu werden.
Es gab Fälle wo renomierte Ärzte sich geweigert haben Rahmounis Dokumentationen und Röntgenbilder überhaupt anzusehen, weil sie dann ihre eigenen in Fachbüchern abgeschrieben dogmatischen Lehrsätze, die Generationen von Medizinstudenten seit Jahrzehnten als Prüfungsstoff auswendig lernen müssen, hätten in Frage stellen müssen!
annemarie hat geschrieben:ausserdem kann ich mir auch nicht vorstellen, dass eine kyphose im alter von 18 noch komplett behoben werden kann, auch wenn sie knöchern ist...
Ich war erst 48 Jahre, als ich die konserv. Korsett-Therapie und Intensiv-Schroth angefangen habe. Es war ein harter und teilweise schmerzhafter Weg.
Aber es war das größte Erfolgserlebnis meines Lebens!
Wenn ein Korsett tatsächlich an die Grenzen dessen geht, was man an Aufbiegung und Streckung noch ertragen kann und wenn man das mit hoher Compliance ( Das ist das Zauberwort!) durchzieht (wieviel erwachsene "Weicheier" tun denn das?..... außer uns hier!!....) und der verdammten Wirbelsäule überhaupt gar keine Chance mehr gibt auch nur ein halbes Grad Cobb in die Krümmungen zurückzusinken und nur noch weiter dosiert aufpelottiert,
......dann spürt man wie der Korrekturdruck der Pelotten und die Anfangs teilweise entsetzliche Spannung tatsächlich nachlassen, die Verkürzungen z.B. der Pektoralis-Muskeln weiter werden, man immer leichter in den Korsett-Pausen die aufrechte Haltung auch aus eigener Kraft halten kann und sich die Körperform, der gesamte Habitus positiv verändert.
Man kann eine solche Fehlstatik nicht aktiv verändern, selbst wenn man täglich eine ganze Stunde intensiv schrothen würde!
Also funktioniert es gar nicht mit niedergelassenen Physiotherapeuten, und schon gar nicht mit Nicht-Schrothianern!
Wenn man nach dem Schrothen von einer Stunde wieder stundenlang kyphosiert in Autos oder am Computer hockt und die Nächte eingekringelt wie ein Embryo in Seitenlage verbringt, wann sollte sich da die Kyphose denn aufrichten und begradigen????
Wenn Du aber fast Tag und Nacht ständig in der optimal aufgerichteten, gestreckten Form eines optimalen Korsetts bist, das nur Bewegungen in die Korrekturtur-Zielrichtung erlaubt und in Richtung Skoliose, BWS-Kypose und LWS-Lordose sperrt, in den Korsett-Pausen gezielt gegen die Fehlstatik anschrothest, dann hat der Kadaver überhaupt keine andere Chance mehr als sich in die Positive Richtung zu verändern!!!!
annemarie hat geschrieben:das hat von uns noch nie ein othopäde so gesagt. ich lasse mich von euch aber auch gern vom gegenteil überzeugen
Höre mal nicht auf die Orthopäden, besonders nicht auf diejenigen, die behaupten: Korsett-Therapie bei Erwachsenen funktioniere nicht....
obwohl sie noch nie einem Erwachsenen tatsächlich ein wirklich hochkorrigierendes Korsett verschrieben haben (unter Anderem auch deshalb, weil sie weit und breit keinen einzigen Orthopädietechniker kennen, der auch nur annähernd in der Lange wäre ein solches Korsett zu formen!)
Diese Orthopäden kennen höchstens solche OT´s, die schon verdammt stolz sind, wenn sie einer superbeweglichen 13-jährigen idioph. Skoliose ein Stück Plastik umschnallen können, das lächerliche 35% Korrektur hat.
Das ist doch leider die verdammte Realität!
Lass doch mal solche " orthopädische Mülleimer-Anschmelzer" an das Starre System eines angeblich fixierten Erwachsenen!
Ich habe ca. 8 Befunde und Arztbriefkopien div. unfähiger Orthopäden in meiner Anamnese-Akte, in denen immer von "fixiert" die Rede war.
Ich hab das erst verstanden, wie es fast schon zu spät war.
Wenn Ärzte "fixiert" schreiben, sind sie vordergründig erst mal die Verantwortung los, brauchen nicht mehr therapeutisch aktiv zu werden, brauchen sich nicht mehr beim Patienten zwischen Hoffnung und Enttäuschung bewegen und können sich von ihrem Buget alles wegsparen, das aktives Handeln des Arztes und vor allem des Patienten erforderlich machen würde.
Deshalb ist "fixiert" oder "ausgewachsen" oder "zu Spät"
die Worte, mit denen sich unerfahrene und unfähige Orthopäden aus der Verantwortung für erwachsene Patienten mit WS-Deformationen befreien.
Die 6 mal KG bei Dir und Deinen Kolleginnen sind dann nur noch reine Alibi-Verordnungen, die NICHTS bringen außer dem Patienten noch mehr Schmerzen, Zusatzkosten und Frust.
Diclo, Ibu, Vioxx usw... Spritzen und diverse überzahlte Abzocke-Sonderleistungen ( z.B. chinesische Nadelspickerei) sind dann die nächste Phase, die den Verzweifelten Schmerzpatienten angeboten werden.
Oder dann die Psycho-Schiene: " Was haben sie denn, wir sind doch alle ein bischen krumm...."
Das möglichst stark korrigierende Korsett in Verbindung mit einer Schroth-Intensiv-Reha ist die mit weitem Abstand stärkste "Waffe" die es in der konservativen WS-Deformations-Therapie gibt!
Danach kommt nur noch die Spondylodese-OP.
Und die schaffen dann aber wirklich "Starre Systeme".
Bitte denk da mal drüber nach.
Wenn Du ein besseres oder wirksameres Therapie-Konzept für uns Krummen und Buckligen hast, dann bitte raus damit, wir sind SEHR GESPANNT!
Gruß Toni