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Auswertung der Therapie NOVOTERGUM bei Skoliose Patienten
Verfasst: Do, 02.02.2006 - 12:54
von W. Beermann
Ich habe eine Auswertung der letzten 36 Patienten, die Skoliose haben, seit dem 1.8.2005 bis heute durchgeführt. 9 von den 36 Patienten sind jünger als 20 Jahre.
Diese Patienten hatten ausdrücklich eine Skoliose < 30 ° nach Cobb.
Dabei stellte ich Folgendes fest:
Die Mobilität nimmt vorallen Dingen in der Rotation zu (15,72°). Lest bitte trotzdem weiter:
Die maximale Kraft stieg in die Aufrichtung um 30,56 %. In die Beugung um 20,52 %. In die Neigung nach rechts um 32,69 % und nach links um 31,18 %. In die Drehung rechts um 32,57% und nach links 31,92 %.
Die Leistungsfähigkeit der aufrichtenden Muskulatur nahm um 62,54 % zu.
Nach eigenem Empfinden stieg die körperliche Leistungsfähigkeit von 2,78 auf 2,28. Das subjektive Wohlbefinden von 2,50 auf 2,14 (Skala von 1 = Sehr gut bis 5 = sehr schlecht).
Die Anzahl der Tage mit Rückenschmerzen halbierte sich im Zeitraum von 3 Monaten. Die Anzahl der Arztbesuche und AU-Tage konnten um 70 % reduziert werden. Während der drei monatigen Therapie nahmen die Patienten keinerlei Medikamente ein.
In der Qualitätsbefragung nach der Kontrollanalyse ergaben sich folgende Bewertungen:
angenehmes Umfeld: 96,1 %
Therapeuten zuvorkommend: 96,7 %
Therapeuten kompetent: 92,2 %
gute Betreuung: 92,2 %
1 Jahr Therapie NOVOTERGUM durchführbar: 81,7 %
Dauer der Einheiten angemessen: 88,9 %
Therapie motivierend: 85 %
Erfolg entspricht ERwartungen: 84,4 %
Hilfe in Beruf und Alltag: 87,2 %
Gesundheitsbewußtsein: 79,4 %
Kosten sind angemessen: 76,1 %
Weiterempfehlung: 92,2 %.
Skoliosepatienten profitierten in der Alltagsverbesserung mehr als andere Rückenschmerzpatienten.
Die Therapeuten sind ausdrücklich angehalten, dem Patienten die Notwendigkeit von Körperlängenmessungen, die regelmäßig nach dem Aufstehen durchgeführt werden, zu vermitteln.
Die Körperlänge nimmt, erfahrungsgemäß, um mindestens 1 cm zu.
Würde sich durch die Therapie die Körpergröße verringern, bemerkt dies der Therapeut sofort, da die Einstellungen der Geräte entsprechend verändert werden müssen. Dies ist auch ein ausdrücklicher Anlass für einen erneuten Arztbesuch.
MfG W. Beermann
PS.: Leider kann ich die Auswertungsgrafik mit den jeweiligen Mittelwerten und Standardabweichungen nicht hochladen. Meine Kollegen (120 Physiotherapeuten) werden wahrscheinlich den Beitrag auch lesen und mich kontrollieren mittels eigener Auswertungen.
Re: Auswertung der Therapie NOVOTERGUM bei Skoliose Patiente
Verfasst: Fr, 03.02.2006 - 11:39
von ginagrappa
guten tag herr / frau beermann,
mich würde interessieren
seit wann wird bei novotergum auf das ausmessen der körperlänge geachtet?
als ich bei novotergum in duisburg war, wurde das weder durchgeführt, noch wurde darauf hingewiesen.
gruß gina
Auswertung NOVOTERGUM
Verfasst: Fr, 03.02.2006 - 16:09
von W.Beermann
Hallo ginagrappa!
Wir haben unsere Software ab dem 1.08.05 speziell für Patienten mit der Diagnose 'Skoliose' weiterentwickelt. Seit diesem Zeitpunkt wurden alle Therapeuten auf die Indikation und Kontraindikation der Skoliose-behandlung geschult. Zusätzlich wurden seitdem auch 3-D-Messungen vorgenommen, um den Behandlungsverlauf zu dokumentieren.
Bisher verfolgen wir den Behandlungsverlauf von 172 Skoliosepatienten (107 Frauen, 65 Männer).
Die ersten 36 Patienten haben die Aufbauphase beendet mit der Kontrollanalyse. Die Ergebnisse habe ich hier dem Forum vorgestellt.
Bisher hat kein Patient an Körperlänge abgenommen. Auch sind keine Therapieabbrüche aus medizinischen Gründen vorgekommen.
Da auch bei Patienten ohne Skoliose die Körperlänge zunimmt, müssen unsere Geräte immer wieder neu auf die größere Körperlänge angepasst werden. Wenn Sie bei uns eine Eingangsanalyse "mitgemacht" haben, dann kennen Sie diese mühsame Prozedur für die Therapeuten.
Vielleicht machen Sie ja noch einmal einen Anlauf bei uns ( Skoliosewinkel<30° nach Cobb)!
HG, W.Beermann (m)
Re: Auswertung NOVOTERGUM
Verfasst: Fr, 03.02.2006 - 16:23
von BZebra
W.Beermann hat geschrieben:Skoliosewinkel < 30° nach Cobb!
Ihr Hinweis auf die Indikationsgrenzen, gerade wenn sie weiterhin mobilisieren als Teil des Konzepts, ist sehr gut.

Auswertungen NOVOTERGUM
Verfasst: Fr, 03.02.2006 - 17:23
von W.Beermann
Hallo BZebra!
Ich könnte mir gut vorstellen, Ihnen mal unsere Software vorzustellen.
Bisher wurden 5 Diplomarbeiten über unsere Therapie geschrieben im Fachbereich Sportmedizin, Schwerpunkt Rehabilitationswissenschaft.
Das Thema 'Skoliose' war noch nicht dabei, wäre interessant.
HG, W.B.
Verfasst: Fr, 03.02.2006 - 17:28
von stonewoman
Ist denn NOVOTERGUM auch was für operierte Skoliotiker?
Grüße, Stoni
NOVOTERGUM nach OP:
Verfasst: Fr, 03.02.2006 - 18:15
von W.Beermann
Hallo stonewoman!
Bisher haben wir auf ausdrückliche Zuweisung des Orthopäden 4 Patienten post OP behandelt. Diese waren alle älter als 30 Jahre.
Innerhalb eines stark limitierten Bewegungsausmasses ist eine vorsichtige Stabilisierung möglich. Der Behandlungsverlauf ist bisher auch positiv.
Ich denke jedoch, dass es zu früh ist, um zu beurteilen, inwiefern operierte Skoliose-Patienten bei uns profitieren.
Grüße zurück, W.B.
Kontraindikationen NOVOTERGUM
Verfasst: So, 05.02.2006 - 16:39
von W.Beermann
Kontaindikation für eine Therapie bei NOVOTERGUM ist eine Skoliose größer 30° nach Cobb im Wachstum.
Eine operierte Skoliose ist keine Kontraindikation, trotzdem bitte ich Sie, vorher Kontakt mit mir aufzunehmen!
Herzliche Grüße W.B.
Re: Kontraindikationen NOVOTERGUM
Verfasst: Mo, 06.02.2006 - 15:26
von BZebra
W.Beermann hat geschrieben:Kontaindikation für eine Therapie bei NOVOTERGUM ist eine Skoliose größer 30° nach Cobb im Wachstum.
Und da dies auch nur auf dem Mist von Ärzten gewachsen ist, die von Skoliose nichts versteht

, gilt für erwachsene Skoliose über 30° auch noch mindestens eine relative Kontraindikation da nämlich 2/3 dieser Patienten auch im Erwachsenen-Alter progredient sind
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/quer ... med_docsum.
Unten siehe der Indikations- und Kontraindikationszettel von FPZ.
W.Beermann hat geschrieben:Ich könnte mir gut vorstellen, Ihnen mal unsere Software vorzustellen.
Bisher wurden 5 Diplomarbeiten über unsere Therapie geschrieben im Fachbereich Sportmedizin, Schwerpunkt Rehabilitationswissenschaft.
Das Thema 'Skoliose' war noch nicht dabei, wäre interessant.
HG, W.B.
Vielen Dank für das Angebot übrigens, allerdings bei mir leider an der falschen Stelle weil ich weder was mit Sport, Medizin noch Physiotherapie zu tun habe, außer daß ich es mache.

Verfasst: Mo, 06.02.2006 - 17:32
von Klaus
BZebra hat geschrieben:Unten der Indikations- und Kontraindikationszettel von FPZ.
Wie schön, dass da als Kontraindikation keine Hyperkyphosen genannt werden (kennt man vielleicht auch nicht) und ein abgeschlossener Morbus Scheuermann auch kein Hinderungsgrund ist, offensichtlich egal welchen Winkel der hat.
Gruss
Klaus
Wo befinden sich die Therapiezentren?
Verfasst: Mi, 08.02.2006 - 11:08
von Catharina
Wir waren gestern inBochum und haben uns das dortige Zentrum angeschaut. Leider befindet sich keins in unserer Nähe (Düsseldorf), welches ist das nächste hier?
LG
Catharina
Wo ist das nächste Zentrum von Düsseldorf
Verfasst: Mi, 08.02.2006 - 16:13
von W.Beermann
Hallo Catharina!
Ich glaube, das nächste Zentrum von Düsseldorf ist Duisburg oder Essen oder Köln.
Nächstes Zentrum
Verfasst: Mi, 08.02.2006 - 20:03
von W.Beermann
Hallo Catharina!
Je nachdem, wo Sie in Düsseldorf wohnen, könnte auch Krefeld in Frage kommen. Laut Map24, 31 Minuten von Düsseldorf!
HG, W.B.
Novotergum in Düsseldorf
Verfasst: Di, 14.02.2006 - 10:45
von Catharina
Angeblich soll im Sommer ein Zentrum in Düsseldorf eröffnen( Auskunft der Mitarbeiter in Bochum). Steht schon der Zeitpunkt und der Standort fest??
LG
Catharina
Zentrum in Düsseldorf
Verfasst: Di, 14.02.2006 - 10:56
von W.Beermann
Hallo Catharina!
Fest geplant ist ein Zentrum für Düsseldorf in diesem Jahr. Weitergehende Informationen gibt es derzeit noch nicht.
Herzliche Grüße, W.B.
Jetzt sind es schon 51 PatientInnen
Verfasst: Fr, 24.02.2006 - 15:26
von W.Beermann
Hallo Miteinander!
Jetzt habe ich es geschafft, unsere Auswertungen von 51 Skoliose PatientInnen in eine pdf- Datei zu speichern.
HG, W.B.
Verfasst: Fr, 24.02.2006 - 22:23
von Lynn
Lieber Herr Beermann,
ich habe einen ähnlichen Test auch schon einmal gemacht und habe da nun auch glatt ein paar Fragen an sie:
Ihre Tabelle beschreibt Durchschnittswerte aller Probanden, richtig? Leiden diese alle an einer vergleichbaren Skolioseform? Zur besseren Vergleichbarkeit wäre dies schon sinnvoll, oder? Auch bei mir gab es ein einen teilweise großen Unterschied zwischen linker/rechter seitlicher/Rotationsmuskulatur. Da dieser Unterschied bei unterschiedlichen Krümmungsrichtungen ebenfalls variabel ist, ist somit doch die Frage ob alle Probanden, die in ihrer Tabelle aufgezeigt sind eine tendenziell schwächere rechte Seite hatten. Wenn dies so wäre, dann wäre es ein großer Fortschritt für den Einzelnen, dass nicht nur ein Kraftzuwachs sondern anscheinend auch eine Verbesserung in Richtung Ausgleich der muskulären Dysbalancen stattgefunden hat. Bei letzterem wäre mein persönlicher Ansatzpunkt allerdings diesen Ausgleich noch etwas vehementer voranzutreiben.
Da ihre Skoliosepatienten wahrscheinlich eher nicht alle die gleiche Skolioseform haben könnten sie vielleicht noch eine etwas feinere Einteilung, beispielsweise in 3- und 4-bogige Skoliosen machen oder zumindest in rechtsschwach/linksschwach (sorry, bezogen auf die Rumpfmuskulatur).
Mir persönlich ist bezüglich der Dysbalancen noch aufgefallen, dass die jeweils schwächere Seite sowohl im HWS- also auch im BWS/LWS-Bereich die Gleiche ist. Vielleicht könnte das ja noch ein guter Schrothianer erklären. Ich hätte mir ja vorgestellt, dass auf Grund des Gegenschwunges dann auch die jeweils ander Seite dieses Defiziet zeigt. Aber das hängt sicher auch von der Skolioseart ab... man muss ja schon fast Arzt sein, um da alles zu verstehen... sehr komplex!
Ganz liebe Grüße,
Ula
Verfasst: Fr, 24.02.2006 - 23:07
von Lynn
Hab grad noch ein bißchen mehr über NOVOTERGUM geschmökert und die Posts in diesem Forum gelesen. Darf ich fragen, welche Geräte sie benutzen (welche Marke?).
Dann war da noch eine Diskussion bezüglich Mobilisation. Mobilisieren sie in alle Richtungen oder legen sie besonderen Augenmerk auf verkürzte Muskulatur beispielsweise in der Krümmungsinnenseite eines Skoliosebogens? Woher haben sie ihre Schroth-Kenntnisse?
Übrigens super, dass sie sich hier beteiligen; davon kann jede Seite nur lernen.
mfG, Ula
Verfasst: Sa, 25.02.2006 - 10:54
von Klaus
Hallo ula,
vielleicht hast Du doch nicht alle relevanten Posts gelesen.
In dem Post Krafttraining habe ich folgendes geschrieben:
Klaus hat geschrieben:Also ich habe gerade erfahren, dass es sich bei den Geräten um die FPZ Serie von der Fa. Schnell handelt.
Dazu mal auf die Schnelle:
http://www.manager-magazin.de/magazin/a ... 44,00.html
Toni guck Dir mal Punkt IV an, Rumpfstreckung.
Leider ist nur die eine abgebildet. Aber mir graust es, wenn ich an meine Kyphose denke, egal ob tief oder "normal" oben. So habe ich früher trainiert, allerdings nicht fixiert und Beine auf einem Tritt.
Andere abgebildete Übungen kommen mir bekannt vor, interessant sind tatsächlich die Fixierungen, die nicht durch Gurt sondern durch Körperschwerkraft vorgenommen werden.
Gruss
Klaus
Gruss
Klaus
Auswertungen....
Verfasst: Sa, 25.02.2006 - 11:05
von W.Beermann
Hallo Ulaschatz!
Die Unterschiede in dem Verhältnis der Kraft der Seitneung im LWS- und HWS-Bereich ist statistisch bei Skoliose PatientInnen signifikant auffällig. Meine persönliche Erklärung dafür ist, dass die große Mehrzahl der Skoliode PatientInnen eine rechts konvexe thorakale und eine links konvexe lumbale Skoliose haben.
Auf diese 'muskuläre Dysbalance' in der Seitneigung trainieren wir die schwächere Seite im Umfang doppelt so intensiv wie die stärkere.
Unsere Geräte sind die so genannten "FPZ-Systems" der Firma Schnell. FPZ-System bedeutet, dass diese Geräte der Firma Schnell in einem Entwicklungsprozess mit der Firma "FPZ" erarbeitet worden sind.
Alle sonst gemessenen Werte in der diagnostischen Eingangsanalyse (203 Skoliose-PatientInnen) in der Mobilität, maximalen Kraft und der Ausdauerleistungsfähigkeit entsprechen denen von anderen Patienten aus einer orthopädischen Praxis. Dabei werden Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Körpergröße usw. berücksichtigt.
Die Zunahme der Mobilität während unserer Therapie sehe ich nicht so kritisch wie andere in diesem Forum. Die "Normwerte" der Beweglichkeit sind zwischen einzelnen Anatomieexperten sehr unterschiedlich (Tittel,Kapabdji etc.) und altersbezogen gibt es solche Werte überhaupt nicht.
In der Physiotherapie betrachtet man die Beweglichkeit der Wirbelsäule mittlerweile segmental.
Überbeweglich im pathologischen Sinn ist eine segmentale Instabilität (Panjabi 1992). Unsere ganze Therapie ist genau wie die Schroth-Therapie ein Versuch die Wirbelsäule segmental zu stabilisieren.
Schroth-Kenntnisse besitze ich nur theoretisch. Ich habe nur die Bücher, die hier im Forum empfohlen werden, zum größten Teil gelesen. Ich bin mir sicher, dass die Schroth-Übungen erst in einer Intensiv-Phase in einer Reha erlernt werden müssen, um dann ambulant weitergeführt zu werden.
Trotz aller Fixierungen in den Geräten bei uns ist eine perfekte Durchführung der Übungen nicht so einfach (stets aufgerichtet, kontrollierte Atmung, bewusste Wahrnehmung der angesteuerten Muskulatur). Deshalb werden maximal 6 Patienten von 3 Physiotherapeuten betreut. Die Patienten werden stets von den Physiotherapeuten in die Therapiegeräte "eingespannt".
Nach dem Motto: Wer nicht passt, wird passend gemacht.
In der letzten Zeit fragen wir Patienten, ob eine adulte Korsettversorgung, eine stationäre Schroth-Kur und eine Weiterführung ambulant mit regelmäßigen Schroth-Übungen vorstellbar seien. Mal sehen, was diese Befragungen ergeben.
HG, W.